Gesundes Schlafen

Was ist schlaffördernd für Kinder? Regeln für eine gute Schlafhygiene

Lesedauer unter 8 Minuten
Mutter liest eine Gute-Nacht-Geschichte vor

Autor/in

Dr. Hans-Günter Weeß (Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum AdöR)

Qualitätssicherung

Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Eltern können viel zu einem guten Schlaf ihrer Kinder beitragen. Die Schlafhygieneregeln zu beachten, ist zentrale Grundlage für einen guten Schlaf des Nachwuchs. Wichtig ist aber auch, dass Eltern ihr Kind bei der Entwicklung selbstregulatorischer Fähigkeiten unterstützen. So lernt das Kind selbstständig, ein- und durchzuschlafen, ohne bei nächtlichem Erwachen die Hilfe der Eltern zu benötigen. Dabei gilt es, dem Kind Ängste zu nehmen, das Selbstvertrauen zu stärken und eine einfühlsame Disziplin walten zu lassen. Ein Kuscheltier, das während des Schlafs aufpasst, sobald das Kind ein angemessenes Alter hat, kann hilfreich sein. Keinesfalls sollten Eltern zu nachgiebig sein, sondern vielmehr liebevoll, aber bestimmt auf die Einhaltung von Regeln rund ums Schlafen achten.

Die richtige Schlafhygiene für einen tiefen und festen Schlaf Ihres Kindes

Eine verlässliche Tagesstruktur fürs Kind einführen

Achten Sie bei Ihrem Kind auf feste Schlaf- und Wachzeiten, einen geregelten Tagesablauf und regelmäßige Bewegung am Tage im Hellen an der frischen Luft. Regelmäßigkeiten und Routinen geben Sicherheit und unterstützen so auf diesem Wege auch die schlafförderliche Entspannung. Geben Sie Ihrem Kind nicht später als eine Stunde vor dem Schlafengehen seine Abendmahlzeit. Wählen Sie dafür leicht verdauliche Speisen aus – mit einem vollen, schweren Magen schläft man in jedem Alter schlecht. Spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollte Ihr Kind auch langsam zur Ruhe kommen. Hektische Spiele, Fernsehen, Internet und Herumtollen sollten dann ein Ende finden. 

Den Schlafraum des Kindes als Wohlfühlort gestalten

Bei der Wahl der Schlafumgebung sollte darauf geachtet werden, dass der Schlafraum des Kindes ein Wohlfühlort darstellt, der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Die Raumtemperatur sollte gut regulierbar sein und nicht zu warm oder zu kalt sein. Ebenso ist darauf zu achten, dass das Zimmer abgedunkelt werden kann und ruhig liegt, sodass beispielsweise Geräusche von Eltern und älteren Geschwistern, aber auch Straßenlärm, den Schlaf nicht stören. Sorgen Sie generell für Ruhe in der Wohnung, sobald die Schlafenszeit für Ihr Kind gekommen ist. Verdunkeln Sie das Kinderzimmer zum Schlafen und lassen Sie höchstens ein Nachtlicht brennen.

Das Bett sollte vom Kind (auch tagsüber) ausschließlich zum Schlafen und nicht zum darauf spielen (außer, es ist krank), hüpfen oder toben benutzt werden. Zum einen ist dies ein deutliches Signal von außen, dass es jetzt Zeit zum Schlafen ist, zum anderen wird so von Ihrem Kind an diesem Ort nichts Spannendes erwartet und damit das schlafförderliche Abschalten ermöglicht. Gewöhnen Sie Ihr Kind außerdem daran, dass eben das Bett der Ort zum Schlafen ist – und nicht etwa das Sofa oder Ihr Arm. Wichtig: Schlafen oder Zubettgehen sollten nie als Bestrafung erfolgen.

Digitale Medien kurz vorm Zubettgehen des Kindes sind tabu

Digitale Medien wie Fernseher, Computerspiele, Tablets und Smartphones verhindern die abendliche Entspannung. Sie sollten am und im Kinderbett keine Rolle spielen. Auch die Beschäftigung damit sollte mindestens eine Stunde vor dem Zubettgehen eingestellt werden. Zudem verwenden diese Geräte blaues Licht, wie es auch im Sonnenlicht enthalten ist. Das gaukelt dem Gehirn vor, es wäre Tag und das schlafförderliche Melatonin wird nicht gebildet. Die Folge ist, dass sich Müdigkeit am Abend nicht einstellen kann.

Regelmäßige kindgerechte Einschlafrituale schaffen

Das Einschlafen bedeutet für Ihr Kind in gewisser Weise eine Trennung von den Eltern und kann Ängste in ihm auslösen. Erleichtern Sie Ihrem Kind diese Situation, indem Sie es unterstützen, selbstständig in den Schlaf zu finden. Sehr hilfreich ist hierfür die Einführung eines altersentsprechenden Zubettgeh- und Einschlafrituals. Ein gewohntes Einschlafritual stimmt das Kind auf die kommende Schlafenszeit ein und vermittelt ihm Sicherheit. Das kann beispielsweise ein Gutenachtlied oder eine Gutenachtgeschichte sein. Wichtig ist, dass das Einschlafritual klar festgelegt ist – so wird es zum deutlichen Signal – und nicht länger als eine halbe Stunde dauert.

Mittagsschlaf – Halbzeit fürs Kind

Legen Sie Ihr Kind nicht zu spät zu seinem Mittagsschlaf hin – zwischen Ende des Mittagsschlafs und Beginn des Nachtschlafs sollten mindestens vier Stunden liegen, in denen Ihr Kind wach ist. Bei einem kürzeren Zeitabstand ist Ihr Sprössling abends nicht müde genug, um einzuschlafen.

Nachtzeit ist Schlafenszeit fürs Kind

Wenn Sie Ihr Kind nachts versorgen müssen, beispielsweise dessen Windeln wechseln, sollten Sie möglichst wenig Licht und Geräusche machen, um die ruhige Nachtatmosphäre zu erhalten.

Wenn Ihr Kind nachts munter ist, sollte es weder spielen noch etwas essen. Der Tag ist dafür die richtige Zeit. In diesen Fällen ist es wichtig, dem Kind einfühlsam Grenzen zu setzen. Sollten Ängste oder der fehlende Wille zum Schlafen hinter den nächtlichen Munterphasen stecken, können die im nächsten Abschnitt vermittelten Strategien zum Aufbau selbstberuhigender Schlaffähigkeiten hilfreich sein.

So lernt Ihr Kind, selbstständig einzuschlafen

Kinder sind in der Regel ab dem sechsten Lebensmonat in der Lage, selbständig einzuschlafen und sich bei nächtlichem Erwachen auch wieder selbst zu beruhigen. Hierbei ist die Unterstützung der Eltern zum Erwerb der entsprechenden selbstregulatorischen Kompetenzen durch das Kind von zentraler Bedeutung. Das Kind lernt, wie es sich zu Beginn der Nacht und auch bei nächtlichem Erwachen selbstständig beruhigen und dann wieder einschlafen kann.

Meist versuchen Eltern, unruhigen Kindern zu helfen, indem Sie es aufnehmen, schaukeln und wiegen, sodass es von der eigenen Unruhe abgelenkt wird. Dadurch lernt das Kind jedoch keine selbstregulatorischen Strategien zur Selbstberuhigung zu entwickeln. Vielmehr wird es in der Unselbstständigkeit und der Abhängigkeit von elterlichen Beruhigungsbemühungen gehalten. Chronische Schlafstörungen können so entstehen. Hilfreicher ist eine vorsichtige Unterstützung des Kindes bei dem Versuch, sich selbst zu beruhigen, beispielsweise durch sanftes Zureden oder Berühren, sodass das Kind seine innere Anspannung abbauen kann.

Die nachfolgend beschriebenen Methoden helfen Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren, ein selbständiges Schlafen zu erlernen: 

  • Nach einem entspannenden und müde machendem Einschlafritual sollte sich das Kind in sein Bett begeben beziehungsweise in seinem Bett liegen. Wünschen Sie Ihrem Kind eine „Gute Nacht“ und verlassen Sie dann das Zimmer.
  • Im Falle von kindlichen Ängsten signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es sicher und geborgen und vor allem nicht alleine ist. Machen Sie es darauf aufmerksam, dass Sie da sind. Holen Sie das Kind aber nicht wieder aus dem Bett, sondern bleiben Sie vielmehr kurz bei Ihrem Kind, berühren und streicheln Sie es beruhigend. Schalten Sie nicht das Licht an und geben Sie Ihrem Kind die Chance, sich in Ihrer Anwesenheit selbst zu beruhigen. So unterstützen Sie die Selbstregulationsprozesse Ihres Kindes und beugen chronischen Schlafproblemen vor. Auf keinen Fall sollten Sie das zuvor durchgeführte Einschlafritual verlängern oder neu beginnen. Lesen Sie keine erneuten Geschichten vor und bieten Sie Ihrem Kind auch nicht ein Hörbuch oder eine Kinderkassette zur Ablenkung an. Bleiben Sie nicht zu lange im Zimmer, nach Möglichkeit nicht länger als wenige Minuten, damit Ihr Kind selbstständig in den Schlaf finden kann.
  • Bei Kindern mit ausgeprägten Ängsten in der Zubettgehsituation können Sie die Methode der systematischen Desensibilisierung anwenden: Diese wird zu allen Schlafenszeiten, also auch beim Tagschlaf und beim erneuten nächtlichen Erwachen angewandt. Bei dieser Methode setzen Sie sich in die Nähe des Betts Ihres Kindes auf einen Stuhl und warten, bis es eingeschlafen ist. Jeden Tag wird der Abstand des Stuhles vom Kinderbett in Richtung Tür etwas vergrößert. Zuletzt setzen Sie sich mit Ihrem Stuhl, sollte dies noch erforderlich sein, vor die Kinderzimmertür. Bis sich der Erfolg einstellt, können ein bis vier Wochen vergehen. Gerne dürfen Sie Ihr Kind loben und positiv bestätigen, wenn das gemeinsame Vorgehen gelingt. Dies fördert das (Schlaf-)Selbstbewusstsein Ihres Kindes zusätzlich und gibt ihm für die Zukunft Sicherheit.
  • Möchte Ihr Kind aber einfach nur seinen Kopf durchsetzen, weil es angenehmer ist mit Ihnen einzuschlafen, dürfen Sie Ihrem Kind deutliche Grenzen setzen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es jetzt Nacht und Schlafenszeit ist. Spielen und andere Tagesaktivitäten gehören nicht in die Nacht und sind jetzt nicht mehr möglich und erlaubt. Sie sollten sich nicht zu Ihrem Kind ins Bett legen oder es gar in das Elternbett lassen. Wenn Ihr Kind ruft oder weint, lassen Sie einige wenige Minuten verstreichen, bevor Sie zu ihm gehen. Aber lassen Sie Ihr Kind nicht lange schreien und geben ihm keinesfalls das Gefühl alleingelassen zu sein. Wichtig ist stets, dass Ihr Kind weiß, dass Sie da sind, es sicher und geborgen und nicht alleine ist. Halten Sie gegebenenfalls Ihrer Versuchung stand, durch körperliche Nähe, zum Beispiel, indem Sie sich zum Kind legen, Ihr Kind zu beruhigen. Bei Kindern, die ihren Kopf durchsetzen wollen, verzögert ein solches Elternverhalten den eigenen Schlafen-Lern-Prozess. Es kann nicht selten in chronischen Schlafstörungen des Kindes münden. In diesen Fällen benötigen Sie als Eltern gute Nerven und Disziplin. Trösten ja. Im Zimmer vorbeischauen auch. Aber Ihr grundlegendes Verhalten sollten Sie nicht verändern.

Wann professionelle Hilfe bei Schlafstörungen des Kindes nötig ist
Von Schlafproblemen im Säuglings- und Kleinkindalter sind nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern direkt betroffen. Schläft das Kind nicht, sind auch die Eltern und gegebenenfalls Geschwister in aller Regel wach. Schlafstörungen und Schlafmangel haben Auswirkung auf das Verhalten und Erleben am Tag. Müdigkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Nicht-Still-Sitzen-Können, Bewegungsdrang verbunden mit Unruhe, Quengeln und Weinerlichkeit sind häufige Symptome von einem nicht ausreichenden und gestörten Nachtschlaf des Kindes.

Bei sogenannten Schreibabys sollten Sie sich rechtzeitig Unterstützung holen.

Zeigen sich bei Ihrem Kind auch nach dem sechsten Lebensmonat keinerlei Anzeichen für einen strukturierten Schlaf-Wach-Rhythmus mit einer Hauptschlafperiode in der Nacht, kann ein Beratungsgespräch mit der Kinderärztin, dem Kinderarzt oder in einer Schlafambulanz sinnvoll sein. Bei Bedarf werden sie von dort an weitere Spezialisten überwiesen. 

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Webcode: a005995 Letzte Aktualisierung: 18.11.2020
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