Rückengesundheit

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Rückenschmerzen

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Vater trägt seine Tochter auf den Schultern

Autor

Tina Heinz (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Thomas Schulz (Sportwissenschaftler, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Das Kreuz schmerzt. Der Nacken tut weh. Auch wenn sie meist zum Glück schnell wieder weg sind: Rückenschmerzen können uns im Alltag ganz schön einschränken. Fast jeder hatte schon mal Probleme mit dem Rücken – und viele stellen sich zu dem Thema die gleichen Fragen. Grund genug für ein FAQ: Hier beantworten wir die häufigsten Fragen rund um das Thema Rückenschmerzen.

Woher kommen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen hängen meist nicht allein mit dem Verschleiß von Wirbelsäule und Bandscheiben zusammen. Die genauen Ursachen können jedoch in den wenigsten Fällen eindeutig geklärt werden. Häufig treffen wohl mehrere ungünstige Faktoren zusammen, wenn Rückenbeschwerden entstehen. Mögliche Gründe für unspezifische Kreuzschmerzen sind zum Beispiel:

  • Übergewicht
  • zu wenig Bewegung, schwache Rumpfmuskulatur
  • zu schwere oder einseitige Belastung
  • Muskelverspannungen (auch infolge einer Fehlbelastung)
  • psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz, finanzielle oder familiäre Sorgen, Selbstzweifel, Erkrankungen wie eine Depression
  • familiäre Veranlagung

Die Bedeutung der einzelnen Faktoren wird dabei immer noch diskutiert.

In seltenen Fällen kann auch eine ernsthafte Erkrankung der Grund für die Schmerzen sein. Wann ist bei Rückenschmerzen ein Arztbesuch unbedingt empfehlenswert? Antworten dazu finden Sie im Artikel "Wann Sie mit Rückenschmerzen zum Arzt gehen sollten".

Wie viele Menschen haben Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit Nummer 1. Zu Recht: Laut Barmer Arztreport erhielt 2018 in Deutschland jeder Vierte, der ambulant beim Arzt war, die Diagnose Rückenschmerzen. Im Laufe ihres Lebens leiden neun von zehn Menschen mindestens einmal an Kreuzschmerzen. Gleichzeitig liegt den Schmerzen in den seltensten Fällen eine ernsthafte Erkrankung zugrunde. Experten sind sich außerdem einig, dass der Umgang mit Rückenbeschwerden entscheidend für den Krankheitsverlauf sein kann. Ganz vermeiden lassen sich die Beschwerden oft nicht – aber durch vorbeugende Maßnahmen und den richtigen Umgang mit den Schmerzen können Sie viel dazu beitragen, Häufigkeit und Stärke der Beschwerden zu verringern.

Verschleiß an Bandscheiben und Wirbelsäule bereitet Schmerzen – oder nicht?

Aussagen wie "meine Bandscheiben sind kaputt" oder "meine Lendenwirbelsäule ist verschlissen" sind oft nur scheinbar die Erklärung für Schmerzen im Rücken. Denn sichtbare Veränderungen an der Wirbelsäule treten im Laufe des Lebens bei den meisten Menschen auf und müssen nicht unbedingt Beschwerden hervorrufen. So zeigen Studien, in denen Erwachsene mittels Kernspintomografie untersucht wurden, dass etwa 30 Prozent aller 20-Jährigen und mehr als 80 Prozent aller 80-Jährigen eine vorgewölbte Bandscheibe haben – dabei aber keine Rückenbeschwerden. Tatsächlich ist Verschleiß nur selten der ausgewiesene Grund für Rückenschmerzen. Daher ist eine Röntgenuntersuchung oft gar nicht erforderlich, noch seltener wird eine Kernspintomografie benötigt. Beide Untersuchungen helfen bei Rückenschmerzen nur in besonderen Fällen weiter, wenn der Arzt gezielt nach einer speziellen Ursache fahndet.

Schadet krummes Sitzen oder falsches Bücken der Wirbelsäule?

Wer kennt diese Ratschläge nicht: "Sitz nicht so krumm" oder "Nur mit geradem Rücken bücken, sonst ist das schlecht für die Bandscheiben". Doch heute weiß man: So pauschal lassen sich viele altgediente Ratschläge nicht wissenschaftlich belegen. Eine schlechte Haltung ist meist nicht die Ursache für Rückenschmerzen. Selbst Sitzen mit rundem Rücken und nach vorn fallende Schultern sind okay – so lang man nicht zu lange bewegungslos in derselben Position bleibt. Das gilt aber für alle möglichen Sitzpositionen. Experten empfehlen dynamisches Sitzen, also mal gerade, mal nach vorne gebeugt, mal angelehnt, um dem Rücken auch im Sitzen genug Abwechslung zu gönnen.

Auch wer sich mit rundem Rücken bückt, schadet damit nicht direkt seinen Bandscheiben. Tatsächlich hat die körperliche Belastung in Alltag und in den meisten Berufen nur einen geringen Einfluss auf die Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule. Und wie schon oben dargestellt, hat der Verschleiß ohnehin nur begrenzt mit möglichen Rückenbeschwerden zu tun. Machen Sie sich also keine Sorgen darüber, sich vielleicht falsch zu bewegen. Das größere Risiko für Rückenschmerzen gehen Sie ein, wenn Sie sich zu wenig bewegen.

Sind Wirbelsäule und Bandscheiben zu schwach für unsere Ansprüche?

Hier ist die Antwort ein klares Nein: Die Wirbelsäule ist extrem stabil und kann große Lasten aushalten. Durch ihren Aufbau aus Wirbeln und Bandscheiben ist sie gleichzeitig auch sehr beweglich. 

Das perfekte Zusammenspiel der einzelnen Bestandteile unserer Wirbelsäule ermöglicht es uns zu laufen, zu sitzen, uns zu bücken, den Kopf zu drehen und alle möglichen anderen Bewegungen auszuführen. Gleichzeitig ist unsere Wirbelsäule stabil genug, um das Gewicht von Kopf, Armen und Rumpf zu tragen. Sie erfüllt also ständig eine Reihe von gegensätzlichen Anforderungen und ist damit eine ziemlich geniale Konstruktion.

Warum haben manche Frauen während ihrer Periode Rückenschmerzen?

Während der Periode können Rückenschmerzen durch Verspannungen der Muskulatur ausgelöst werden. Wenn die Gebärmutter sich während der Regelblutung zusammenzieht, können die umliegenden Muskeln verkrampfen. Der Schmerz kann dann bis in den Lendenwirbelbereich ausstrahlen. Wärme kann die Schmerzen lindern: So kann es helfen, eine Wärmflasche auf den Rücken zu legen, um die Muskulatur zu entspannen. Wenn menstruationsbedingte Rückenschmerzen zum ersten Mal auftreten, ist es sinnvoll, die Schmerzen von der Frauenärztin abklären zu lassen. Sie kann sicherstellen, dass keine gynäkologische Erkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist.

Welche Rolle spielt die Psyche bei Rückenschmerzen?

Bei Rückenbeschwerden können körperliche und psychische Faktoren eng zusammenhängen. Die seelische Verfassung und besondere Lebensumstände können dazu beitragen, dass Schmerzen entstehen, stärker oder chronisch werden. Dazu gehören zum Beispiel negativer Stress, Gefühle wie Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit, Angst oder Depressionen.

Auch die eigene Wahrnehmung der Schmerzen, etwa ob man die Beschwerden als bedrohlich empfindet, kann den Krankheitsverlauf beeinflussen. Umgekehrt kann eine positive Grundeinstellung die Bewältigung der Schmerzen unterstützen. Finden Sie heraus, was an Ihren Beschwerden Sie an einer raschen Rückkehr in den Alltag hindert. Dann versuchen Sie zu erkennen, was davon veränderbar ist. Hier zählt vor allem die Überzeugung, den Schmerz selbst beeinflussen zu können.

Wie lange hat man im Durchschnitt Rückenschmerzen?

Wie lange Rückenschmerzen andauern, hängt in erster Linie von der Ursache der Schmerzen ab. Kreuzschmerzen, deren Ursache sich nicht eindeutig klären lässt, klingen aber meist innerhalb einiger Tage oder Wochen wieder ab. Allerdings treten die Schmerzen bei etwa einem Drittel der Betroffenen zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen akuten, subakuten und chronischen Kreuzschmerzen:

  • Akut: neu auftretende Schmerzen, die weniger als sechs Wochen andauern
  • Subakut: Schmerzen, die zwischen sechs und zwölf Wochen bestehen
  • Chronisch: Schmerzen, die länger als zwölf Wochen anhalten

Wie kann ich mit Rückenschmerzen schlafen?

Ausreichend langer und guter Schlaf ist wichtig für unsere körperliche und seelische Gesundheit. Auch für unseren Rücken ist Schlaf wichtig: Die Bandscheiben nehmen verstärkt Flüssigkeit auf und auch die Muskulatur kann sich über Nacht erholen. Wenn der Rücken ohnehin schmerzt, kann das den Schlaf aber empfindlich stören.

Wie sollte man in diesem Fall am besten liegen? Als Schlafposition sind die Rücken- und die Seitenlage, beziehungsweise ein Wechsel zwischen diesen Positionen, für den Rücken grundsätzlich empfehlenswert. Bei Rückenschmerzen können Sie versuchen, in der Seitenlage zusätzlich ein Kissen zwischen die Knie zu legen, damit Ihr Becken gerader ist. Beim Schlafen auf dem Rücken können Sie ein Kissen unter die Knie legen, um die Lendenwirbelsäule zu entlasten. Die Bauchlage ist nach Expertenmeinung weniger rückenfreundlich, weil der Rücken dabei ein Hohlkreuz bildet und der Kopf zur Seite gedreht wird. Das kann Verspannungen im Nacken auslösen.

Beeinflussen können wir ohnehin nur unsere Einschlafposition. Im Schlaf ändert der Körper automatisch seine Lage. Das hat den Vorteil, dass eine einseitige Belastung der Wirbelsäule vermieden wird.

Wichtig für einen rückenfreundlichen Schlaf ist auch die richtige Matratze. Welche das ist, hängt unter anderem von Ihrem Körpergewicht, aber auch von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Lassen Sie sich dazu am besten im Fachhandel beraten. Ihr Rücken wird es Ihnen danken.

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Webcode: s000735 Letzte Aktualisierung: 24.09.2020
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