Rückengesundheit

Antworten auf die häufigsten Fragen zu Rückenschmerzen

Lesedauer unter 5 Minuten
Eine Frau und ein Mann diskutieren

Autor

  • Internetredaktion Barmer
Inhaltsverzeichnis

Jeder kennt und fast jeder hat Rückenbeschwerden: Das Kreuz schmerzt. Der Nacken tut
weh. Der ganze Rücken fühlt sich an, als wäre er aus Beton. Jede Bewegung wird zur Qual. Kaum ein Leiden scheint in den letzten Jahren so zugenommen zu haben wie Rückenschmerzen. Wir beantworten die häufigsten Fragen.

Rückenschmerzen: Volkskrankheit Nr. 1

Die Volkskrankheit Nr. 1 ist ein Thema in der Arztpraxis, am Arbeitsplatz, in der Familie und in der Freizeit. Was tun, wenn der Rücken schmerzt? Neue Erkenntnisse zeigen, dass der Umgang mit Rückenbeschwerden für den Krankheitsverlauf wichtiger ist als sogenannte Verschleißerscheinungen, die auf einem Röntgenbild zu sehen sind. Ganz vermeiden lassen sich die Beschwerden oft nicht – aber durch vorbeugende Maßnahmen und den richtigen Umgang mit den Schmerzen können Sie viel dazu beitragen, Häufigkeit und Stärke der Beschwerden zu verringern. Sie haben viel mehr Einfluss auf Ihren Rücken, als Sie denken.

Verschleiß an Bandscheiben und Wirbelsäule bereitet Schmerzen - oder nicht?

Aussagen wie "meine Bandscheiben sind kaputt" oder "meine Lendenwirbelsäule ist verschlissen" bieten nur eine scheinbare Erklärung für die Schmerzen. Denn die meisten dieser Aussagen entstehen durch die Betrachtung von Röntgenbildern oder Kernspintomografien. Sichtbare Veränderungen an der Wirbelsäule kommen jedoch gleichermaßen bei Menschen mit und ohne Rückenschmerzen vor:

  • Praktisch jeder 40-Jährige hat Einrisse in mindestens einem äußeren Bandscheibenring.
  • Bei jedem zweiten 50-Jährigen zeigt die Kernspintomografie eine größere Bandscheibenvorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall.
  • 70 Prozent der 50-Jährigen haben sichtbare Abnutzungen auf dem Röntgenbild.

Diese Veränderungen hält man natürlich zunächst für die Ursache der Rückenschmerzen. Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre zeigen aber, dass dieser "Verschleiß" nur ganz selten die Beschwerden erklärt. Daher ist eine Röntgenuntersuchung bei Rückenschmerzen meist nicht erforderlich, noch seltener wird eine Kernspintomografie benötigt. Beide Untersuchungen helfen bei Rückenschmerzen nur in besonderen Fällen weiter, wenn der Arzt gezielt nach einer speziellen Ursache fahndet. Verschleiß und Veränderungen im Röntgenbild erklären die Beschwerden nur selten.

Schadet eine Fehlbelastung der Bandscheibe und der Wirbelsäule?

An Theorien über die Wirbelsäule und ihre Bewegungsabläufe herrscht kein Mangel: "Durch falsches Bücken springt die Bandscheibe hinten heraus." "Durch Sitzen werden die Bandscheiben nicht richtig ernährt und nutzen sich verstärkt ab." "Belastungen schaden dem Rücken, Schonung ist besser." Keine dieser Annahmen ist bewiesen – und viele davon sind wahrscheinlich schlichtweg falsch. Denn wir wissen heute, dass die sichtbare Abnutzung an der Lendenwirbelsäule zum überwiegenden Teil genetisch bedingt ist, nämlich zu ca. 70 Prozent. Die körperliche Belastung in Alltag und Beruf hat erstaunlicherweise nur einen Einfluss von weniger als 5 Prozent auf die Abnutzungserscheinungen. Also: Auch wenn Sie sich am Arbeitsplatz mal falsch bücken oder zu Hause im Sessel lümmeln – die Wirbelsäule werden Sie sich dabei sicher nicht ruinieren. Und wie schon oben dargestellt, haben die Abnutzungserscheinungen nur begrenzt mit den Beschwerden zu tun. Bewegen Sie sich also lieber "falsch" als gar nicht. Keine Sorge, so leicht geht nichts kaputt am Rücken.

Sind die Wirbelsäule und die Bandscheiben zu schwach für unsere Ansprüche?

Selbstverständlich nicht – die Natur hat mit langen Versuchsreihen auch hier ein äußerst belastbares System geschaffen: Bandscheiben und Wirbelsäule vereinen Qualitäten wie Beweglichkeit, Stabilität, Stoßdämpfung und Schutz für lebenswichtige Leitungsbahnen. Sie erfüllen damit ständig ein Bündel von zum Teil gegensätzlichen Anforderungen, die einem Ingenieur die Schweißperlen auf die Stirn treiben würden. Die Wirbelsäule ist extrem stabil, sie kann eine tonnenschwere Last aushalten.

Wodurch entstehen Rückenschmerzen überhaupt?

Verschleiß allein ist es sicher nicht, soviel wissen wir inzwischen. Was aber verursacht dann die Beschwerden? Ganz gewiss ist nur eins: Keiner weiß es wirklich. Für Rückenschmerzen gibt es vielfältige Gründe, aber die genaue Ursache der Beschwerden bleibt meist ungeklärt – übrigens ebenso die genaue Lokalisation der Beschwerden. Man kann zwar ungefähr angeben, wo es wehtut, aber welche anatomische Struktur betroffen ist, findet auch der Arzt oft nicht heraus. Zu den Auslösern von Rückenschmerzen gehören jedoch sicherlich körperliche Faktoren, denn die Beschwerden sind meistens belastungsabhängig. Häufig treffen wohl mehrere ungünstige Faktoren zusammen, wenn Rückenschmerzen entstehen.

Häufig genannt werden zum Beispiel:

  • Alter, Gewicht, Körpergröße
  • zu wenig Bewegung, schwache Muskulatur
  • einseitige Tätigkeit, ständige Erschütterungen bei der Arbeit, zu schweres Heben und Tragen
  • ungeeignete Sitzmöbel, ungünstige Matratzen
  • Stress, Depressionen
  • und vieles mehr

Sie alle mögen Mosaiksteine sein, aber die Diskussion über die Bedeutung vieler dieser Faktoren ist keineswegs abgeschlossen. Die Ursachen für Rückenschmerzen sind meistens unklar. Fast immer spielen mehrere Faktoren zusammen.

Wie kann ich den entscheidenden Faktor für meine Rückenschmerzen herausfinden?

Da die Ursache der Beschwerden oft unklar bleibt, werden Sie wahrscheinlich nicht einen einzelnen entscheidenden Faktor finden, von dem Ihre Schmerzen abhängen. Statt endlos danach zu suchen, finden Sie besser heraus, was bei Beschwerden eine rasche Rückkehr zum normalen Alltag verhindert. Dann gilt es zu erkennen, was davon veränderbar ist. Ein in der Vergangenheit kaum beachteter Aspekt ist die Einstellung zu Rückenschmerzen und der Umgang mit ihnen in unserer Gesellschaft. Beides ist jedoch entscheidend für das Verhalten und das "Krankheitsgefühl" bei Rückenbeschwerden. Aufgrund einer anderen Einstellung zu Rückenschmerzen sind diese in anderen, weniger entwickelten Ländern nicht so ein herausragendes Problem – obwohl die Lebensumstände für die Menschen dort erheblich belastender sind.

Welche Rolle spielt die Psyche bei Rückenschmerzen?

Gerade bei Rückenbeschwerden hängen körperliche und psychische Faktoren eng zusammen. Geistig-seelische Prozesse sind zwar selten die alleinige Ursache der Beschwerden, sind diese aber erst einmal aufgetreten, beeinflussen diese sogenannten psychosozialen Faktoren den Verlauf der Rückenschmerzen vermutlich sogar stärker als körperliche Faktoren. Denn sie sind an der Weiterverarbeitung des Schmerzes im Gehirn beteiligt und können dabei verstärkend oder lindernd wirken. Psychische Faktoren können Rückenschmerzen verstärken oder lindern.

Welchen Einfluss hat meine Einstellung zum Rückenschmerz?

Einen riesigen! Beobachten Sie sich einmal selbst: Wenn Sie gerade einer interessanten Tätigkeit nachgehen, werden Sie Beschwerden weniger oder gar nicht bemerken. Umgekehrt können Stress oder Unzufriedenheit im persönlichen oder beruflichen Umfeld Schmerzen verstärken. Natürlich können wir nicht immer nur die Dinge tun, die uns Spaß machen. Wir sind im gesamten Leben, im Alltag und im Beruf vorgegebenen Belastungen ausgesetzt, die wir nur selten beeinflussen können. Glücklicherweise sind wir jedoch so anpassungsfähig, dass wir – und damit auch unser Rücken – mit vielen Gegebenheiten zurechtkommen können. Auf diese Flexibilität können und sollten Sie bauen. Eine positive Grundeinstellung und die Überzeugung, den Schmerz selbst beeinflussen zu können, unterstützen die rasche Bewältigung von Beschwerden. Entscheidend für den Umgang mit Schmerzen ist die Überzeugung, dass man sie selbst beeinflussen kann.

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Webcode: s000735 Letzte Aktualisierung: 14.05.2019
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