Ein junger Mann sitzt mit aufgestütztem Kopf an einem Tisch

Arztreport 2018

Lesedauer unter 4 Minuten

Rund eine halbe Million Studierende ist psychisch erkrankt

Lesedauer unter 4 Minuten

Autor

  • Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

  • Nora Hoffmann (Institut für Gesundheitssystemforschung)
Inhaltsverzeichnis

Das Studium sollte eine aufregende und ereignisreiche Zeit des Lernens sein. Doch für abertausende junger Menschen entpuppt sich die Uni als Albtraum. Oft sind es die hohen Erwartungen, denen die Studierenden nicht standhalten. Gerade bei den angehenden Akademikern steigen Zeit- und Leistungsdruck kontinuierlich. Hinzu kommen oft noch finanzielle Sorgen und Zukunftsängste. Das kann zu Panikattacken oder Depressionen führen, schlimmstenfalls zum Studienabbruch, zu existenziellen und lebensgefährdenden Krisen.

Schon unter den jungen angehenden Akademikern war im Jahr 2015 mehr als jeder Sechste (17 Prozent) von mindestens einer psychischen Erkrankung betroffen. Das sind rund 470.000 Studierende. Dabei handelte es sich bei 86.000 Betroffenen um eine Depression, wie der Barmer-Arztreport 2018 belegt.

Jeder Vierte zwischen 18 und 25 Jahren hat psychische Störungen

Doch nicht nur die Studierenden, sondern immer mehr junge Erwachsene insgesamt leiden unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Panikattacken. 

Infografik: Psychische Erkrankungen junger Erwachsener

Zwischen 2005 und 2016 ist die Zahl der betroffenen 18- bis 25-Jährigen in Deutschland über alle Diagnosen um 38 Prozent gestiegen.

Allein zwischen den Jahren 2005 und 2016 ist die Zahl der betroffenen 18- bis 25-Jährigen in Deutschland über alle Diagnosen hinweg – bereinigt um demografische Effekte – um 38 Prozent gestiegen, von rund 1,4 Millionen auf insgesamt 1,9 Millionen. Damit waren im Jahr 2016 insgesamt 25,8 Prozent aller jungen Erwachsenen betroffen. Eine Depression diagnostizierten die Ärzte im Jahr 2016 bei 557.000 jungen Erwachsenen. Bereinigt um demografische Effekte waren damit 76 Prozent mehr junge Erwachsene als noch im Jahr 2005 betroffenen. Da waren es rund 320.000 Personen. Und die Zahlen dürften in Zukunft noch weiter steigen, wovon auch die Weltgesundheitsorganisation ausgeht. Laut ihrer Prognose werden Depressionen bis zum Jahr 2020 die zweithäufigste Volkskrankheit sein.

Ältere Studierende sind besonders gefährdet

Mit dem Einstieg ins Studium sind viele junge Menschen zum ersten Mal auf sich allein gestellt. Eigenverantwortlich zu handeln und Herr über sein Zeitmanagement zu sein sind schön und gut. Doch nicht jeder schafft das problemlos. Hinzu kommt der Zeitdruck während des Studiums. Zudem dürfte mit jedem zusätzlichen Semester die Sorge um einen Arbeitsplatz größer werden. Die Aussicht auf einen lediglich befristeten Job tut
ihr Übriges. So verwundert es nicht, dass laut Barmer-Arztreport bei Studierenden mit zunehmendem Alter das Risiko für eine Depression deutlich steigt. Denn unser Report zeigt, dass mit 18 Jahren die Studierenden ein nur halb so hohes Risiko für Depressionen haben wie die Nicht-Studierenden. Im 18. Lebensjahr erkrankten 1,4 Prozent der Studierenden erstmals an einer Depression, bei den Nicht-Studierenden sind es 3,2 Prozent. 

Infografik: Studierende: Je älter, desto häufiger depressiv

Ältere Studierende sind besonders gefährdet, an einer Depression zu erkranken.


Im Alter von 29 und 30 Jahren hat sich das Bild gedreht. Jetzt wird den Studierenden deutlich häufiger erstmals eine Depression attestiert als denjenigen, die nicht studieren. Der Anteil der Studierenden liegt bei 3,9 Prozent, der der Nicht-Studierenden bei 2,7 Prozent. Ältere Studierende sind somit besonders gefährdet.Psychische Erkrankungen in der Jugend können darüber hinaus Einfluss darauf haben, ob später ein Studium aufgenommen wird. Offenbar reduzieren psychische Störungen in frühen Jahren die Chance zu studieren. Bei Jugendlichen mit einer psychischen Störung im Alter von 17 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit für eine Studienaufnahme in den Folgejahren um etwa ein Drittel reduziert.


Gezielte Präventionsangebote können psychische Erkrankungen vermeiden

Häufig meiden Betroffene aus Scham den Gang zum Arzt. Um jungen Menschen zu helfen, eine psychische Erkrankung effektiv zu verhindern, lässt sich mit Prävention viel erreichen.

Da umfangreiche Angebote vielerorts nicht oder nur in sehr begrenztem Ausmaß zur Verfügung stehen, setzt die Barmer auf Internet- und App-basierte Angebote, die auch den Nutzungsgewohnheiten junger Menschen entgegenkommen. Mit solchen Angeboten lernen Betroffene durch Unterstützung von Experten bewährte Strategien, zum Beispiel zum Abbau von Stress oder zur Stärkung des Selbstbewusstseins.

Mit ihrem Partner GET.ON bietet die Barmer etwa das kostenlose Online-Training GET.ON Stimmung an, das Depressionen vorbeugen kann.

Nicht bei jeder schlechten Phase ist Psychotherapie erforderlich

Mit niedrigschwelligen Online-Angeboten kann zugleich auch die überproportionale Inanspruchnahme begrenzter psychotherapeutischer Plätze bei nur 'leichten' Problemen reduziert werden, um so Platz zu schaffen für Betroffene, die dringender Unterstützung brauchen. Sollte es dennoch erste Anzeichen für eine psychische Erkrankung geben, brauchen die Betroffenen schnelle und niedrigschwellige Hilfe.

Wichtig ist dabei, dass jeder die Hilfe erhält, die er auch wirklich braucht. Dies ist nicht immer gegeben, wie der Barmer-Arztreport 2018 zeigt. Selbst bei Betroffenen, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, finden sich bei 45 Prozent, also nahezu der Hälfte der jungen Erwachsenen, keinerlei Kontakte zu Fachärzten oder Psychotherapeuten. Laut Arztreport nehmen jedoch 28 Prozent der jungen Erwachsenen bereits bei einer leichten depressiven Episode Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten in Anspruch. 

MindDoc: Psychotherapie per Video-Chat

Wer unter psychischer Belastung leidet, dem fällt es häufig schwer, selbstständig nach einem Therapeuten zu suchen oder seine gewohnte Umgebung zu verlassen. Die Barmer bietet ihren Versicherten mit MindDoc eine Psychotherapie bei Depressionen, Essstörungen, Zwangsstörungen und Angststörungen an: Zeitlich flexibel von Zuhause aus per Video-Chat.

Online-Therapien sind mittlerweile gut erforscht und in anderen Ländern ein selbstverständliches Angebot mit vielen Vorteilen. Statt lange auf einen ambulanten Therapieplatz zu warten, erhalten Betroffene schnell Zugang zu erfahrenen Psychotherapeuten – bevor Symptome sich verschlechtern oder chronisch werden. 

Webcode: a005185 Letzte Aktualisierung: 02.03.2020
Nach oben