Prävention und Vorsorge

Wie Sie sich vor Infektionen schützen können

Lesedauer unter 4 Minuten
Hände mit Desinfektionsgel

Autor

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Viren und Bakterien finden sich überall – in der Luft, auf Oberflächen. Sie sind für das menschliche Auge unsichtbar, können aber die unterschiedlichsten Krankheiten übertragen. Niemand ist ihnen hilfslos ausgeliefert. Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Übertragung und Ansteckung zu verhindern. Ein wichtiger Baustein ist der persönliche Schutz vor Infektionen. Wir sagen Ihnen, wie es geht.

Warum ist es wichtig, sich vor Infektionen zu schützen?

Infektionsschutz ist immer dann wichtig, wenn ansteckende Krankheiten, die leicht übertragen werden können, im persönlichen Umfeld ausbrechen und häufig vorkommen. Dies können neue Krankheiten wie das Corona-Virus (Covid-19) mit Ursprung in China sein. Das können aber auch altbekannte Krankheiten wie die Virusgrippe (Influenza), Magen-Darm-Infektionen (z.B. das Noro-Virus), Erkältungen oder Windpocken sein.

Was ist persönlicher Infektionsschutz?

Indem alle geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen, kann ein persönlicher Infektionsschutz zum einen dazu beitragen, dass jeder einzelne keine Infektion bekommt und gesund bleibt.

Erkrankte können durch ihr Verhalten dazu beitragen, keine Krankheitskeime auf andere Menschen zu übertragen. So schützt man seine Mitmenschen vor einer Ansteckung.

Wer sollte sich vor Infektionen schützen?

Personen, deren Lebensumstände ein erhöhtes Infektionsrisiko beinhalten, sollten sich und andere schützen. Dabei kommt es auf die Art der Infektion und deren Vorkommen an:

  • Berufstätige mit Kundenkontakt oder Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln können sich schneller mit Keimen anstecken, die über die Atemluft (Tröpfcheninfektion) weitergegeben werden. Zu diesen Infektionen zählen beispielsweise das Corona-Virus, Erkältungen und Virusgrippe.
  • Menschen, die viel reisen und dabei öffentliche Toiletten aufsuchen oder in weiter entfernten Ländern unterwegs sind, können sich leichter mit Durchfallerregern infizieren, die über Nahrungsmittel oder verschmutzte Hände (beim ins Gesicht fassen), übertragen werden.
  • Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen, die ohnehin schon geschwächt sind, können sich schneller infizieren und haben einer Infektion nicht so viel entgegen zu setzen wie Gesunde.
  • Menschen, die akut oder chronisch Kranke pflegen oder betreuen, können die Keime, ohne selbst zu erkranken, auf ihre Schützlinge übertragen.
  • Menschen, die selbst akut an der betreffenden Krankheit (Corona-Virus, Erkältung, Magen-Darm-Infekt etc.) erkrankt sind, können ihre Kontaktpersonen vor Ansteckung schützen. In Asien hat sich das Tragen eines Mundschutzes durchgesetzt, in Europa könnte erwogen werden, auf das Händeschütteln zur Begrüßung zu verzichten. Auch die sofortige Entsorgung gebrauchter Taschentücher in einen geschlossenen Müllbehälter, das Niesen in die Armbeuge und das ausreichend lange Auskurieren einer Krankheit zuhause können eine Ausbreitung infektiöser Krankheiten verringern.

Welche Maßnahmen zum persönlichen Infektionsschutz gibt es?

Man kann sich auf unterschiedliche Arten vor Infektionen schützen. Diese Maßnahmen ergänzen sich und können gleichzeitig angewendet werden:

  • Hände reinigen: Gründliches Händewaschen über mindestens 20 Sekunden mit Einschäumen auch der Fingernägel und Handrücken beziehungsweise Fingerzwischenräume. Trocknen der Hände möglichst mit einem Einmalhandtuch. Nach dem Händewaschen sollten Wasserhahn und Türklinke nur noch mit dem Einmalhandtuch angefasst werden. Wenn häufiges Händewaschen wie während der aktuellen Corona-Pandemie notwendig ist, sollte die Haut unterstützt werden. Regelmäßiges Eincremen, am Besten nach jedem Händewaschen, schützt die Haut vor Austrocknen.
  • Hände desinfizieren: Wenn kein Waschbecken in der Nähe ist oder die Hände nicht merklich verschmutzt sind, kann auch ein Händedesinfektionsmittel hilfreich sein. Vorteil der Händedesinfektion ist, dass die Haut nicht so sehr auslaugt wie beim Händewaschen mit Seife.
  • Oberflächen desinfizieren: Abwischen von Türgriffen, Treppengeländern oder häufig benutzen Fenstergriffen mit Desinfektionstüchern. Bei Durchfallerkrankungen sollten Erkrankte die Toilettenbrille nach Gebrauch und Gesund vor Gebrauch desinfizieren.
  • Körperhygiene: Einmaltaschentücher verwenden und sofort entsorgen. Eigene Handtücher verwenden und mindestens bei 60 Grad waschen.
  • Selbstbeherrschung: Möglichst nicht mit den Händen ist Gesicht, insbesondere nicht an den Mund oder die Nase fassen. Dadurch können Keime auf die Schleimhäute übertragen werden und so eine Ansteckung hervorrufen.

Wann sollten Desinfektionsmittel angewendet werden?

Grippe- und Coronaviren werden über Tröpfchen übertragen. Wenn Sekret aus dem Nasen-Rachenraum auf Gegenstände wie auf Türklinken oder Lichtschalter gelangt, können die Viren dort einige Tage lang überleben. Allerdings sind nur bei Grippe- und nicht bei Coronaviren Ansteckungen über Gegenstände bekannt. Eine grundsätzliche Desinfektion von Oberflächen im eigenen Haushalt ist in der Regel nicht notwendig, kann aber ebenso wie die Händedesinfektion in der Grippezeit während der Herbst- und Wintermonate durchaus sinnvoll sein. Es gibt zahlreiche Desinfektionsmittel, aber nicht jedes Desinfektionsmittel wirkt auch gegen jeden Krankheitserreger. Das Robert Koch-Institut stellt eine Übersicht über geprüfte Desinfektionsmittel und deren Anwendung zur Verfügung.

Welche Desinfektionsmittel schützen vor Corona- und Grippeviren?

Bei den Grippe- und Coronaviren handelt es sich um Viren, die von einer Hülle umgeben sind. Für diese Viren gibt es gut wirksame Desinfektionsmittel sowohl für die Hände- als auch für die Flächendesinfektion. Es wirken Desinfektionsmittel deren Wirkbereich mit „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ bezeichnet wird. Mittel für die Flächendesinfektion gegen Grippe- und Coronaviren enthalten z.B. Formaldehyd oder sonstige Aldehyde. Für die Händedesinfektion werden alkoholische Lösungen eingesetzt. Bei der Flächendesinfektion ist darauf zu achten, dass die Desinfektionslösung ausreichend konzentriert eingesetzt wird. Bei der Desinfektion der Hände wird über eine Einwirkzeit von 30 Sekunden und länger ein Schutz erreicht. 

Kann persönlicher Infektionsschutz auch Nachteile haben?

Die verschiedenen genannten Maßnahmen bergen teilweise auch Nachteile:

  • Häufiges Händewaschen kann zur Auslaugung der Haut und nachfolgend zur Ekzembildung führen. Alkoholische Händedesinfektion ist hautschonender, weil keine Fette aus der Haut ausgewaschen werden.
  • Das Fernbleiben von der Arbeit dient dazu, die eigene Arbeitsfähigkeit und Produktivität wiederherzustellen und Kolleginnen und Kollegen vor Ansteckung zu schützen. Das sollte bedacht werden, wenn man trotz eines Infektes zur Arbeit gehen möchte.

Quellenangaben

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Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005195 Letzte Aktualisierung: 03.03.2020
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