Patientenrecht

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Behandlungsfehler - Die Situation einschätzen und das Gespräch suchen

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Autor

  • Ludwig Janssen (aHa-Texte Köln)

Qualitätssicherung

  • almeda GmbH
Inhaltsverzeichnis

Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler sprechen Sie zunächst mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Findet sich für Sie keine annehmbare Lösung, können Sie weitere Schritte unternehmen.

Behandlungsfehler können durch mangelhafte Aufklärung, Fehler bei der Diagnose, einen Therapiefehler, einen Fehler im Umfeld der Behandlung oder durch einen Organisationsfehler entstehen.

Bei einem Behandlungsfehler befinden Sie sich nicht selten in einer schwierigen Situation: Sie müssen ihn und den daraus entstandenen gesundheitlichen und/oder finanziellen Schaden nachweisen. Aus diesem Grund sind Gedächtnisprotokolle über den Ablauf des vermuteten Behandlungsfehlers hilfreich. Für die eigentliche Behandlungsfehlerprüfung benötigen Sie unbedingt eine Kopie Ihrer Krankenakte.

Alternativ zum Medizinischen Dienst der Krankenversicherung können Sie einen vermuteten Behandlungsfehler auch von der Gutachterkommission beziehungsweise Schlichtungsstelle der Ärztekammer prüfen lassen.

Bei der zuständigen Ärztekammer bzw. beim Träger des Krankenhauses können Sie außerdem eine Beschwerde einlegen. Zur Klärung, ob eine Ärztin oder ein Arzt auch strafrechtlich verantwortlich ist, können Sie bei der Staatsanwaltschaft auch Strafanzeige erstatten.

Was ist ein Behandlungsfehler?

Keine Ärztin oder kein Arzt kann Ihnen den Erfolg einer Behandlung versprechen. Ist eine Krankheit nicht heilbar oder kommt es im Verlauf der Behandlung zu nicht vermeidbaren Komplikationen, deutet dies nicht unbedingt auf einen Behandlungsfehler hin.

Die fachliche Definition eines Behandlungsfehlers ist der Verstoß gegen anerkannte ärztliche Sorgfalts- und Verhaltensvorschriften. Dies kann verschiedene Fehlerquellen umfassen.

Das Gespräch mit dem Arzt suchen

Bei Verdacht auf einen Behandlungsfehler sollten Sie zuerst mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Es bietet sich an, dass Sie sich bspw. von einem Angehörigen als Zeugen zu dem Gespräch begleiten lassen. Erst wenn Unstimmigkeiten im Gespräch nicht geklärt werden können, sollten Sie über weitere Schritte nachdenken.

Mit einer Beschwerde an die Ärztekammer wenden

Wenn Sie mit der ärztlichen Behandlung unzufrieden sind, können Sie sich mit einer Beschwerde an die zuständige Ärztekammer bzw. den Krankenhausträger wenden. Das gilt für die Fälle, in denen Ihnen aus dem möglichen Fehler kein Schaden entstanden ist oder Sie keine Schadenersatzansprüche geltend machen möchten.

Ansprüche aus einem Behandlungsfehler geltend machen

Gelangen Sie zu der Auffassung, dass ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt, können Sie Schadenersatzansprüche geltend machen. Sie sind jedoch grundsätzlich verpflichtet, den Behandlungsfehler und auch den daraus entstandenen Schaden zu beweisen. In den meisten Fällen ist für den Nachweis eines Behandlungsfehlers die Einholung eines medizinischen Gutachtens erforderlich.

Schadensersatzansprüche können verjähren

Die Schadenersatzansprüche verjähren nach drei Jahren. Diese Frist beginnt am Schluss des Jahres, in dem die Patientin oder der Patient von dem Behandlungsfehler und seinem Verursacher erfahren hat oder sich ihr beziehungsweise ihm diese Umstände hätten aufdrängen müssen (grob fahrlässige Unkenntnis).

Behandlungsfehler beim Zahnarzt – Sonderfall zahnprothetische Behandlung

Bestehen Ihre Beschwerden bei einer zahnprothetischen Behandlung trotz Nachbesserung oder eventueller Neuanfertigung von Zahnersatz weiterhin, und/oder übernimmt Ihre Zahnärztin/Ihr Zahnarzt keine weiteren Anpassungen bzw. Reparaturen, wenden Sie sich bitte an Ihre Geschäftsstelle der Barmer.

Eventuell lassen wir Ihren Zahnersatz durch einen zahnärztlichen Gutachter der regionalen Kassenzahnärztlichen Vereinigung prüfen. Werden Mängel festgestellt, nehmen Sie erneut Kontakt zu Ihrer Zahnärztin/Ihrem Zahnarzt auf, um ihr/ihm die Chance zur Nachbesserung geben. Gegebenenfalls kann diese auch durch eine Neuanfertigung erfolgen. Anderenfalls laufen Sie Gefahr, eventuelle Ansprüche – zum Beispiel auf Schadenersatz – zu verlieren.

Erwägen Sie, die Behandlung von sich aus abzubrechen, sollte dies in jedem Fall gut überdacht werden. Ein Abbruch kann z.B. berechtigt sein, wenn die Zahnärztin/der Zahnarzt die notwendigen weiteren Maßnahmen ablehnt oder Ihr Zahnersatz wegen einer schlechten Planung oder Ausführung unbrauchbar (Feststellung durch den Gutachter) und das Vertrauensverhältnis grundlegend gestört ist. Beachten Sie aber, dass dies nur Anhaltspunkte sind. Nach der Rechtsprechung kommt es immer auf die Prüfung des Einzelfalls an.

Fakten zusammentragen und die Behandlung dokumentieren

Manchmal bietet es sich an, eine Art Tagebuch über die Behandlung zu führen, zum Beispiel im Zusammenhang mit großen Eingriffen oder schweren Erkrankungen. Haben Sie eine solche Dokumentation, können Sie diese bei einem Behandlungsfehlerverdacht nutzen.

Gedächtnisprotokoll erstellen

  • Behandlungstermine
  • Gesprächsinhalte
  • Beschwerden
  • Diagnosen
  • Medikamente und Anwendungen
  • Namen und Anschriften aller Ärzte sowie möglicher Zeugen

Zusätzlich sollten Sie Art und Umfang bereits eingetretener physischer bzw. psychischer Gesundheitsschäden dokumentieren, die Sie auf den Behandlungsfehler zurückführen. Wichtig ist, deren Auswirkungen auf Ihr berufliches und privates Leben festzuhalten.

Dokumentation und Behandlungsunterlagen des Arztes

Als Patientin oder Patient haben Sie Anspruch auf Einsicht in die Sie betreffenden Behandlungsunterlagen. Diese können Ihnen in Kopie zur Verfügung gestellt werden. Die anfallenden Kopierkosten müssen von Ihnen getragen werden. Wenn Sie bei der Anforderung der Unterlagen Hilfe benötigen, unterstützen wir Sie gerne in Ihrem Auftrag.

Beim Tod der Patientin oder des Patienten können Erben oder gegebenenfalls nahe Angehörige Einsicht in die Patientenakte nehmen, um den Behandlungsfehlerverdacht zu prüfen.

Rechnungen sammeln

Denken Sie auch daran, Informationen über alle materiellen Schadenpositionen aufzubewahren, zum Beispiel Nachweise über:

  • Medikamentenzuzahlungen,
  • erlittene Verdienstausfälle oder
  • Mehraufwendungen durch entstandene Fahrtkosten.

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Quellenangaben

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Webcode: s000323 Letzte Aktualisierung: 25.04.2019
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