Zwei Freundinnen halten sich lachend im Arm
Blutspende und Blutplasmaspende

Blut und Plasma spenden: Das gibt es zu beachten

Lesedauer unter 10 Minuten

Redaktion

  • Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

  • Felix Vieth (BZgA)

Blutspenden sind enorm wichtig. Vier von fünf Menschen sind mindestens einmal im Leben auf eine Spende angewiesen.  Die meisten Übertragungen von Blut und Blutprodukten (Transfusionen) finden routinemäßig im Krankenhausalltag statt. Hier finden Sie die Antworten auf alle Fragen: Wer darf spenden, wie läuft eine Blutspende ab, was ist zu beachten?

Wo gibt es Blutspendetermine?

Die meisten Blutspendetermine organisiert das gemeinnützige Deutsche Rote Kreuz (DRK). Bei den Blutspendediensten des DRK lassen sich unkompliziert Termine vereinbaren. Das DRK hat eigene Spendezentren, aber organisiert auch besondere Aktionen zur Blutspende. Häufig finden sie zum Beispiel anlässlich großer Veranstaltungen oder in Einkaufszentren statt.

Auch bei staatlichen und kommunalen Institutionen wie Krankenhäusern und Universitätskliniken lassen sich Blutspendetermine vereinbaren. Große Kliniken haben oftmals eine Datenbank mit Spenderinnen und Spendern, die sie nach Absprache gezielt kontaktieren können. Diese Bereitschaft, auch kurzfristig für eine Spende zur Verfügung zu stehen, ist bei Engpässen wichtig.

Private Unternehmen wie beispielsweise einige Pharmafirmen bieten ebenfalls Blutspendedienste an. Eine übergreifende Suche finden Sie auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Manche Institutionen bieten auch Apps an, um Termine zu vereinbaren und Daten zu hinterlegen.

Viele Einrichtungen bieten eine kleine Aufmerksamkeit oder ein Präsent für Blutspenderinnen und Blutspender an. Bei manchen Einrichtungen gibt es auch Geld. Eine Aufwandsentschädigung zwischen 20 Euro und 40 Euro ist üblich. Bei Blutplasmaspenden kann die Entschädigung höher sein.

Ein besonderer Vorteil für Blutspenderinnen und Blutspender ist: Nach der Erstspende erhalten sie kostenlos einen Blutspendeausweis im Scheckkartenformat mit Informationen zu Blutgruppe und Rhesusfaktor – eine praktische Notfallkarte fürs Portemonnaie. 

Wie läuft eine Blutspende ab?

Vor der Blutspende heißt es: genügend trinken und essen, vorzugsweise leichte und gut bekömmliche Kost. Auf anstrengende körperliche Aktivitäten sollten Sie am Tag vor und nach der Blutspende verzichten.

Die Sicherheit von Spendenden und Empfangenden von Blut und Blutpräparaten hat höchste Priorität. Daher gehört zu jeder Blutspende eine Selbstauskunft. Der umfangreiche Fragebogen mit zum Teil sehr persönlichen Auskünften soll Aufschluss über den Gesundheitszustand der Spendenden geben. Die ehrliche Beantwortung der Fragen ist deshalb wichtig.

Beim Gesundheits-Check werden Puls, Blutdruck und Körpertemperatur gemessen und sichergestellt, dass die spendende Person sich wohl fühlt. Die Ergebnisse des Checks und den Fragebogen besprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Anhand eines aus der Fingerkuppe entnommenen Blutstropfens wird der Hämoglobin-Wert (Hb-Wert) bestimmt. Ist er zu niedrig, darf nicht gespendet werden. Damit keine Gefahr für Spendende durch Anämie oder Eisenmangel besteht, gelten folgende Grenzwerte:

  • Männer über 13,5 g/dl
  • Frauen über 12,5 g/dl

Abschließend geben Sie Auskunft zum vertraulichen Selbstausschluss: Darf Ihr Blut tatsächlich für eine Spende verwendet werden? Diese Frage wird von den Spendenden schriftlich und alleine beantwortet. Es erscheint zunächst irritierend, dass das bereits erteilte Einverständnis wieder zurückgezogen werden kann. Dieses Vorgehen ist aber für Menschen hilfreich, die beispielsweise in Gruppen zur Blutspende kommen. Wenn sie Bedenken haben, die sie nicht öffentlich teilen möchten, können sie durch den Selbstausschluss die Empfänger schützen, ohne sich selbst zu outen.

Infografik: Blutspende

Infografik: Blutspende

Wieviel Blut wird abgenommen?

Bei einer Vollblutspende spenden Sie etwa einen halben Liter Blut (500 Milliliter). Die eigentliche Blutspende findet meist in einer Art Sessel mit hochgelagerten Beinen statt. Das entlastet den Kreislauf. Das entnommene Blut fließt in einen speziellen Beutel. Zusätzlich werden einige Teströhrchen mit Blut gefüllt. Sie gehen ins Labor und dienen der genauen Untersuchung des gespendeten Bluts auf Krankheitserreger.

Bei einer Plasmaspende gelangt das entnommene Blut in ein Plasmapherese-Gerät. Dieses trennt die festen und die flüssigen Bestandteile des Bluts. Die flüssigen Bestandteile (das Plasma) werden gesammelt, die festen zurück in den Körper geleitet. Bei einer Blutplasmaspende spenden Sie 650 bis 850 Milliliter Plasma.

Um den Substanzverlust auszugleichen, ist es wichtig, vor und nach der Blutspende viel zu trinken und auch etwas zu essen.

Wie lange dauert ein Termin?

Für einen Termin zur Blutspende sollten Sie sich inklusive Vorgesprächen, Untersuchungen, Ausfüllen des Fragebogens und Ruhezeit ungefähr eine Stunde Zeit nehmen. Eine Vollblutspende selbst dauert etwa 10 bis 15 Minuten. Sie wird so zügig wie möglich durchgeführt, damit sich im entnommenen Blut keine Gerinnsel bilden.

Eine Blutplasmaspende ist etwas aufwändiger und benötigt 30 bis 45 Minuten. Daher dauert hier der Termin insgesamt etwas länger (etwa anderthalb bis zwei Stunden).

Nach der Spende sollten Sie eine angemessene Ruhezeit einhalten. Oft wird den Spendenden dabei etwas zu Trinken oder zu Essen angeboten. Am Straßenverkehr dürfen Sie frühestens nach einer halben Stunde wieder aktiv teilnehmen.

Wer kann Blut spenden?

Um für eine Blutspende in Frage zu kommen, müssen Sie

  • zwischen 18 und 68 Jahre alt sein,
  • mindestens 50 Kilogramm wiegen und
  • sich gesund und fit fühlen.

Wenn Sie zum ersten Mal spenden, sollten Sie jünger als 60 Jahre sein. Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sind von der Spende ausgeschlossen – sowohl um sie selbst als auch um Empfängerinnen und Empfänger zu schützen. Die Einnahme von Medikamenten kann ebenfalls ein Ausschlussgrund sein. Vor der ersten Blutspende erfolgt eine ärztliche Untersuchung, um festzustellen, ob Sie geeignet sind.

Besondere Umstände können dazu führen, dass Sie für eine gewisse Zeit nicht spenden dürfen (Rückstellung). Dazu können Krankheiten, Eingriffe oder Reisen (zum Beispiel in Malaria-Risikogebiete) zählen. Schwangere und Stillende sind ebenfalls von der Blutspende ausgenommen.

Die Regeln denken sich die einzelnen Dienste übrigens nicht aus, sondern sie sind in der Hämotherapie-Richtlinie von Bundesärztekammer und Paul-Ehrlich-Institut festgelegt. Die Richtlinie beruht auf dem Transfusionsgesetz (TFG). Das Spenden von Blut und Blutprodukten unterliegt in Deutschland also strengen gesetzlichen Bestimmungen.

Welche Blutgruppen werden benötigt?

Welche Blutgruppe Sie haben, spielt für eine Spende keine Rolle. Grundsätzlich gibt es in Deutschland weniger gespendetes Blut als benötigt wird. Daher zählt jede Spende!

Wenn Sie eine seltene Blutgruppe haben oder ihr Blut für einen speziellen Empfänger wichtige Merkmale aufweist, so kann gerade Ihre Spende besonders hilfreich sein.

Blutspende und Alkohol

Zwölf Stunden vor einer Blutspende und auch am Tag danach sollten Sie keinen Alkohol trinken. Das dient in erster Linie Ihrer eigenen Sicherheit.

Spielen Tattoos eine Rolle?

Wenn Sie sich haben tätowieren lassen, dürfen Sie vier Monate lang kein Blut spenden. Das gilt nicht nur für Tattoos, sondern für alle Eingriffe, die Haut oder Schleimhäute verletzen. Eine Rückstellung von 4 Monaten ist nötig nach:

  • Tätowierungen
  • Piercings
  • Ohrloch stechen
  • Implantaten
  • Permanent Make-up
  • Cutting
  • Branding
  • Nicht sterilen Akupunktur-Behandlungen

Was gilt nach einer OP?

Nach einer Operation dürfen Sie eine gewisse Zeit kein Blut spenden. Wie lang genau, hängt von der Art und Schwere des Eingriffs sowie vom Verlauf ab. Hier sollten Sie sich beraten lassen, was Sie individuell beachten müssen.

Zu Eingriffen zählen auch Zahnbehandlungen, wie zum Beispiel eine Wurzelkanalbehandlung. Bei einfachen Behandlungen wie einer professionellen Zahnreinigung dürfen Sie am Folgetag wieder spenden.

Auch nach endoskopischen Eingriffen wie beispielsweise einer Magen- oder Darm-Spiegelung sind Sie für 4 Monate von der Blutspende ausgenommen.

Sexualität

Die Forschung geht davon aus, dass ein bestimmtes Sexualverhalten mit einem deutlich erhöhten Risiko für HIV oder Hepatitis einhergeht. Daher fordert der Fragebogen zur Blutspende auch Informationen über das Sexleben ein. Als potenziell riskantes Verhalten eingestuft sind unter anderem:

  • Sex mit häufig wechselnden Partnerinnen oder Partnern
  • Sex von Männern mit Männern (MSM – wenn die Beziehung nicht länger als vier Monate besteht oder es mehr als einen Sexualpartner gibt)
  • Sex einer Transperson mit häufig wechselnden Partnerinnen oder Partnern
  • Sex gegen Geld (Sexarbeit)
  • Sex mit einer Person mit einer der vorgenannten Verhaltensweisen
  • Sex mit einer Person aus einem Hochrisikogebiet für Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV (oder einer Person, die von dort eingereist ist)

Die Bundesärztekammer betont, dass sie keine Bewertung einer Lebensweise vornimmt. Interessenvertretungen von schwulen und transidenten Menschen kritisieren diese Regelungen dennoch als diskriminierend.  Sie fordern beispielsweise eine Lösung, Menschen unabhängig von der sexuellen Orientierung nach ihrem Risikoverhalten zu befragen. Diese Praxis ist in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Spanien oder Italien bereits Realität.

Welche Arten der Blutspende gibt es?

Meist ist es nicht das Blut an sich, das weiterverwendet wird, sondern einzelne Bestandteile. Daher gibt es unterschiedliche Arten der Spende.

Vollblutspende

Sie ist die häufigste Art der Spende. Im Jahr 2020 fanden in Deutschland mehr als 3,5 Millionen Vollblutspenden statt. Das gewonnene Blut wird dabei nach der Spende in der Regel durch Zentrifugation (eine Art Schleudern) in seine Bestandteile zerlegt und weiterverarbeitet. Männer dürfen sechs Mal im Jahr Vollblut spenden, Frauen vier Mal. Zwischen zwei Vollblutspenden müssen mindestens acht, besser zwölf Wochen liegen. Wegen der Monatsblutung ist bei Frauen mehr Zeit für die Regeneration vorgesehen.

Blutplasma spenden

Die Spende von Blutplasma ist ebenfalls sehr häufig. 2020 fanden in Deutschland 2,7 Millionen Plasmaspenden statt. Bei dieser Art der Spende sammelt ein Plasmapherese-Gerät die flüssigen Bestandteile (das Plasma) aus dem entnommenen Vollblut. Die festen Bestandteile gelangen noch während der Spende zurück in den Organismus.

Plasma dient als Transportflüssigkeit für viele gelöste Substanzen wie Salze, Hormone, Vitamine und Proteine und ist damit lebenswichtig. Es enthält zudem Gerinnungsfaktoren. Für Verletzte, die große Mengen Blut verloren haben, kann eine Plasmastransfusion lebensrettend sein. Plasma spielt auch eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Medikamenten zur Blutgerinnung oder zur Verbesserung der Immunabwehr.

Wer Plasma spenden will, muss mindestens einmal vorher Blut gespendet und es gut vertragen haben. Sie dürfen maximal sechzig Mal im Jahr Plasma spenden. Zwischen zwei Spenden (oder zwischen einer Vollblut- und einer Plasmaspende) müssen mindestens zwei Kalendertage liegen.

Thrombozyten-Spende

Eine seltenere Art ist die Spende von Blutplättchen (Thrombozyten). Ähnlich wie bei der Plasmaspende geben Sie zunächst Vollblut ab, das durch eine Apheresemaschine läuft. Die Thrombozyten werden gesammelt, alles Übrige fließt zurück in den Körper. Die Thrombozyten-Spende dauert 90 bis 120 Minuten.

Die Blutplättchen (Thrombozyten) spielen eine wichtige Rolle bei der Gerinnung des Blutes. Eine Übertragung von Blutplättchen hilft Menschen, die diese Zellen nicht in ausreichendem Maße bilden können. Das kann bei großen Blutungen nach Operationen, bei Transplantationen oder Krebsbehandlungen passieren. Eine Thrombozyten-Spende muss innerhalb von vier Tagen verwendet werden. Daher finden diese Termine in der Regel nach Bedarf statt.

Innerhalb eines Jahres dürfen Sie sechsundzwanzig Mal Thrombozyten spenden. Zwischen zwei Thrombozyten-Spenden müssen mindestens vierzehn Tage liegen. Zwischen einer Vollblut- und einer Thrombozyten-Spende müssen Sie mindestens zwei Tage abwarten.

Eigenblutspende

Eine Sonderform, bei der es sich eigentlich nicht um eine Spende handelt, ist die Gewinnung von Eigenblut. Sie ist relativ aufwändig und verhältnismäßig selten. Im Jahr 2020 wurde sie in Deutschland knapp 1.000 Mal registriert.

Bei der Eigenblutspende lassen sich Menschen vor größeren geplanten Eingriffen mehrmals Blut abnehmen. Dieses kann verwendet werden, um den Blutverlust durch die OP zu kompensieren.

Blutspenden und Impfungen gegen Covid-19

Aus Sicht der Forschung spricht nach einer Impfung gegen Covid-10 grundsätzlich nichts gegen eine Blutspende. Bei bestimmten Impfungen wird jedoch eine Wartefrist von vier Wochen empfohlen. Das gilt nicht nur für Covid-19, sondern auch für Impfungen mit lebenden oder abgeschwächten Viren wie sie gegen Mumps, Masern, Röteln oder Gelbfieber eingesetzt werden.

Für die Corona-Impfung mit den aktuell in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen bedeutet das konkret:

  • Nach einer Impfung mit den Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson müssen Sie eine Wartefrist von vier Wochen bis zur nächsten Blutspende einhalten.
  • Nach einer Impfung mit den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer oder Moderna können Sie ohne Wartefrist spenden.

Und natürlich gilt auch nach der Impfung: Spenden Sie nur, wenn Sie sich gesund und fit fühlen.

Gibt es Nebenwirkungen einer Blutspende?

Die Blutspende ist ein sicheres und erprobtes Verfahren und stellt in der Regel kein Risiko für die Spendenden dar. Dennoch sind unerwünschte Wirkungen nie komplett ausgeschlossen. Unmittelbare Nebenwirkungen können sein:

  • Kreislaufprobleme (Schwindel, Bewusstlosigkeit)
  • Übelkeit
  • Erbrechen (sehr selten)
  • Schmerzen oder Blutergüsse an der Einstichstelle

Für gesunde Menschen ist es kein Problem, eine Blutspende zu kompensieren. Innerhalb von zwei Wochen sollten die entnommen Blutzellen ersetzt sein. Um den Verlust an Eisen auszugleichen, benötigt der Körper etwas länger.

Studien deuten darauf hin, dass Blutspenden sogar positive Effekte für Menschen mit Bluthochdruck, haben könnten: Wenn sie regelmäßig Blut spenden, profitieren sie von einem gesenkten Blutdruck.

Weiterführende Literatur

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