Medikamente und Arzneimittel

Tropfen, Salbe und Tablette - richtig nehmen, ist nicht schwer

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine junge Frau sprüht sich Nasenspray durch ein Nasenloch.

Autor

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Flüssig, halbfest oder fest, je nach Anwendung. Arzneimittel gibt es in vielen Aggregaten. Eine Salbe muss halbfest sein, damit sie eingerieben werden kann, eine Tablette fest, um sie schlucken zu können. Gespritzt werden nur Flüssigkeiten.  Ein und derselbe Wirkstoff kann in verschiedenen Formen, den sogenannten Darreichungsformen, verwendet werden - zum Beispiel als Schmerzsalbe und als Schmerztablette.

Medizin richtig nehmen, ist nicht schwer 

Arzneimittel haben viele Darreichungsformen, Hersteller und Verpackungen. Ob sie helfen oder heilen, hängt vom Wirkstoff ab. Und von der Dosis, die Ihr Arzt gemäß Krankheit oder Symptomen verordnet. Fragen zu Einnahme und Anwendung eines Medikaments beantworten Ihnen auch die Fachkräfte in der Apotheke.  

Tabletten

Eine große Zahl Medikamente gibt es in Tablettenform. Ihr Ursprung sind pulvrige Wirkstoffe und Granulate, die unter hohem Druck mit zugesetzten Füllstoffen auf Tablettenpressen produziert werden.  Meist sind Tabletten zum Schlucken. Unser Tipp: Immer mit viel Wasser einnehmen, sodass sie gut durch die Speiseröhre rutscht und sich im Magen gut auflöst. Manche Tabletten sind zu groß für ältere Menschen mit Schluckbeschwerden oder für Kinder und lassen sich teilen. Der Apotheker sagt Ihnen, ob das geht und wie sie diese teilen dürfen. Hilfreich ist ein Tablettenteiler. Alternativ gibt es manche Wirkstoffe auch flüssig, etwa als Tropfen, Saft oder Sirup. Fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie Rezept und Dosis erhalten. Gibt es das verordnete Medikament wirklich nur als Tablette, trinken Sie vor dessen Einnahme einen großen Schluck Wasser, um die Mundschleimhaut zu befeuchten. Und für die Einnahme der ganzen Tablette nochmal ein Glas Wasser, damit kein Wirkstoff an Rachen oder Speiseröhre kleben bleibt. Am besten geeignet ist Leitungswasser. Kaffee, Saft oder Milch können die Wirksamkeit des Arzneimittels beeinflussen. Ausnahme: Eisen nimmt der Körper besonders gut auf, wenn Sie es mit einem Glas Orangensaft einnehmen.

Arzneimittel haben viele Formen

Sie wirken in der Regel schnell, sind schonend für den Magen - und eine gute Alternative für ältere Patienten mit Schluckbeschwerden. Die Dosierung leicht:  Einfach in einem Glas Wasser auflösen und dann trinken. Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium-, Calcium- und Zink-Präparate ebenso wie Schmerzmittel und Hustenlöser, gibt es in dieser Form. 

Manche bekommen bei der Herstellung einen Überzug, damit sie sich nicht im stark sauren Magensaft auflösen. Die magensaftresistenten Tabletten heißen dann Filmtablette, Lacktablette oder Dragee. Der Überzug löst sich erst im Dünndarm auf, wo der Körper das Arzneimittel aufnimmt. Eine Schutzschicht haben auch Retard-Tabletten, die den Inhaltsstoff langsam verteilt über den Tag abgeben, wodurch ein gleichmäßiger Wirkstoffspiegel im Blut sichergestellt ist. Auch Zweischichttabletten, die einen Teil des Wirkstoffs schnell und einen langsam freisetzen, sind überzogen. Unser Tipp: Überzogene Arzneimittel mit einem großen Schluck Wasser einnehmen. Bitte nicht teilen, auch wenn sie sehr groß sind. Bei Bedarf kann der Arzt eine Alternative verordnen. 

Auch mit dieser Arzneiform kann man großen Mengen Wirkstoff aufnehmen. Derlei Medikamente sind langsam zu lutschen, damit sie heilende Wirkung im Mund entfalten. Aber natürlich auch hier die Menge in der Packungsbeilage beachten.

Das Wort „sub lingual“ kommt aus dem Lateinischen. "Sub" bedeutet unter, "lingua" steht für Zunge. Sublingualtabletten lösen sich im Mund vollständig auf. Über dessen Schleimhaut gelangt der Wirkstoff in den Körper. Anwendung finden solche Tabletten etwa in der Schmerztherapie und der Hyposensibilisierung im Fall von Allergien. Unser Tipp: Bei Packungsentnahme auf trockene Hände achten. Die Einnahme erfolgt ohne Flüssigkeit, einfach Tablette in die Wangentasche oder unter die Zunge legen. 

Ihr Vorteil, die Einnahme ist leicht: Tablette auf die Zunge legen, wo sie zerfällt, aber sich nicht ganz auflöst. Den Brei hinunterschlucken. Auch hier auf trockene Hände achten, bevor Sie eine Pille aus der Packung nehmen. 

Die Hülle einer Kapsel schützt das enthaltene Präparat, manchmal verdeckt es auch dessen unangenehmen Geschmack oder Geruch. Die Kapsel kann zusätzlich einen Überzug haben, der magensaftresistent ist. Nehmen Sie diese mit viel Leitungswasser ein und schlucken sie die Arznei im Ganzen. Die Kapsel öffnen und den Inhalt in einem Glas Wasser auflösen, sollten Sie nur nach Rücksprache mit Apotheker oder Arzt, denn: dadurch kann das Medikament seine Wirkung verlieren oder viel stärker wirken. 

Pulver und Granulate

Granulate werden aus Pulver und einem Bindemittel hergestellt. Dadurch sind sie grobkörniger, je nach Bedarf besser zu dosieren und wasserlöslich. Arzneien als Pulver oder Granulat löst man meist in Leitungswasser auf, um es zu verabreichen, wie auch viele Nahrungsergänzungsmittel. Trockenes Granulat in einer Flasche nennt man "Trockensaft". Vor der ersten Anwendung füllen Sie die Flasche, so wie es in der Gebrauchsinfo steht, mit Wasser auf. Für die Herstellung können Sie auch in der Apotheke Hilfe bekommen. Manchmal entsteht dabei eine trübe Mischung (Suspension), die vor jedem Gebrauch gut zu schütteln ist. Zubereitete Trockensäfte sind nur begrenzt haltbar, daher meist im Kühlschrank zu lagern. 

Tropfen

Tropfen enthalten den Arzneistoff meist in gelöster Form. Neben Augen-, Nasen- und Ohrentropfen gibt es solche zum Einnehmen - mal pur, in Leitungswasser gelöst oder auf einem Stück Würfelzucker. Einige Fläschchen müssen senkrecht, andere schräg gehalten werden. Wichtige Hinweise zur Handhabe finden Sie auf dem Beipackzettel oder auf Nachfrage in der Apotheke. 

Saft und Sirup

Saft und Sirup sind dickflüssig. Sind es Arzneien für Kinder, enthalten sie meist zusätzliche Hilfsstoffe, die für besseren Geschmack sorgen. Für die richtige Dosierung helfen Messlöffel oder -becher in der Packung.  Mit einem Schluck Tee hinterher verliert der Patient den Medizingeschmack. 

Extrakt

Das ist der Begriff für Auszüge und Konzentrate, die meist aus getrockneten Pflanzen gewonnen werden. Bei ihrer Herstellung trennen Lösungsmittel gewünschte Stoffe vom übrigen Pflanzenmaterial. Extrakte können flüssig, fest oder cremig sein. Beispiel für einen wässrigen Extrakt ist Tee.

Infusionen und Injektionen

Es gibt Arzneistoffe, die über das Verdauungssystem abgebaut werden oder sehr schnell wirken. Daher spritzt man sie (Injektion) oder verabreicht sie als Infusion. Injektionen gibt es intravenös (Spritze in die Vene), intramuskulär (in den Muskel) oder subkutan (unter die Haut). Intravenös wirkt ein Medikament sehr schnell, denn die Venen transportieren das medizinisch angereicherte Blut zum Herzen. Von dort gelangt es über die Arterien vom Herzen weg in den gesamten Körper. Stoffe, die intramuskulär gespritzt werden, werden langsamer freigesetzt. Einige Impfstoffe, Schmerzmittel oder Hormonpräparate werden so gespritzt. Medizinische Fachkräfte in Klinik oder Praxis machen intravenöse und intramuskuläre Injektionen. Insulin- und Heparin-Fertigspritzen können Patienten selbst setzen und zwar unter die Haut. 

Salbe

Salben sind streichfähige und fettreiche Zubereitungen, die man auf Haut oder Schleimhaut aufträgt. Der medizinische Zweck kann vielfältig sein: Hautschutz, Heilung der Haut (zum Beispiel Kortisonsalben), Aufnahme von Wirkstoffen durch die Haut (schmerzstillende Salben).  Manchmal verordnen Hautärzte Salben, die der Apotheker für den Patienten anfertigt. Dabei arbeitet er einen bestimmen Wirkstoff in eine Salbengrundlage ein. Solche Arzneimittel nennen Fachleute "Rezeptur". 

Pflaster

Pflaster dienen meist dem Schutz von Wunden. Zudem gibt es welche mit heilendem Effekt. Stark wirksame Schmerzmittel und Hormone etwa werden als Pflaster verabreicht. Solche dürfen Sie nur auf unverletzte, trockene und saubere Haut kleben. Wenn Haare entfernt werden müssen, nehmen Sie dafür eine Schere. Denn jede Rasur schädigt die oberste Hautschicht. Ist ein Pflaster verbraucht, kleben Sie das nächste, wegen möglicher Hautreizung an den Kleberändern, auf eine andere Hautstelle. Wirkstoffhaltige Pflaster bitte nicht zerschneiden. 

Pulver-Inhalatoren und Dosier-Aerosole

In der Therapie von Bronchialasthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, kurz COPD, kommen Pulver-Inhalatoren und Dosier-Aerosole zum Einsatz. Bei den Inhalatoren inhaliert der Patient einen pulvrigen Wirkstoff mit Hilfe eines Treibgases. Bei den Dosieraerosolen ist dieser flüssig. Mithilfe eines Treibgases wird er zu einem feinen Nebel zerstäubt, den der Betroffene einatmet. 

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