Medikamente und Arzneimittel

Schlucken, spritzen, inhalieren - Wie werden Medikamente angewendet?

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Vater gibt seiner kranken Tochter ein flüssiges Medikament in einem kleinen Becher

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Tabletten oder Tropfen, Spritzen oder Sprays – Medikamente lassen sich auf ganz  verschiedenen Wegen anwenden. Je nach dem, wie sie verabreicht werden, wirken sie auch ganz unterschiedlich: mal nur lokal, also an Ort und Stelle, mal im ganzen Körper. Hier lernen Sie die Besonderheiten der verschiedenen Anwendungsformen kennen. 

Medikamente wirken auf ganz unterschiedliche Weise 

Wie, das hängt davon ab, wie wir sie einnehmen. Die Verabreichung von Medikamenten heißt in der Fachsprache Applikation. Augen-, Ohren- und Nasentropfen, Vaginaltabletten, Salben und Pasten – diese Medikamente werden lokal angewendet. Systemisch wirkende Arzneimittel sind Medikamente, die in die Blutbahn gelangen und sich über den Kreislauf im gesamten Organismus verteilen. Sie gelangen über den Magen-Darm-Trakt (enteral) oder indem sie diesen umgehen (parenteral) in den Blutkreislauf.

Parenteral – Medikamente verabreichen und den Magen-Darm-Trakt umgehen

„Parenteral“ bedeutet, dass Arzneimittel so verabreicht werden, dass sie den Magen-Darm-Trakt („enteral“) nicht passieren. Sie gelangen daran vorbei („par“) in den Körper. Der sogenannte First-pass-Effekt der Leber, der die Wirksamkeit von Medikamenten oft abschwächt, wird vermieden. Spritzen und Infusionen werden parenteral angewendet. Weiterhin zählen zu den parenteralen Applikationsformen die sublinguale (unter der Zunge) oder bukkale (in der Wangentasche) Anwendung.

Intravenöse Arzneimittelgabe

„Intra“ ist lateinisch und bedeutet „innerhalb“ oder „hinein“, venös kommt von „vena“ oder „Blutader“. Die intravenöse Anwendung wird in Fachkreisen mit „i.v.“ abgekürzt und bedeutet „in die Vene“ hinein. Arzneimittel, die intravenös verabreicht werden, spritzen Arzt oder Schwester oder sie laufen als Infusion in die Vene. Starke Schmerzmittel und Antibiotika beispielsweise werden im Krankenhaus oft intravenös zugeführt. Die Arzneimittel sind gut dosierbar und können schnell wirken, weil sie direkt und nicht erst über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn gelangen. Meist sind nur geringere Mengen notwendig, da die Leber umgangen wird, die in der Regel zum schnellen Abbau von Wirkstoffen führt (First-pass-Effekt). Arzneien können auch

intraarteriell – in die Arterie,
intramuskulär – in den Muskel,
intrathekal – in die Flüssigkeit des Rückenmarks,
subkutan – unter die Haut,
intraperitoneal – in die Bauchhöhle,
intrakardial – ins Herz,
intravitreal – ins Auge
gespritzt werden.

Intramuskuläre Anwendung von Medikamenten

Für die intramuskuläre Anwendung wird die Abkürzung „i.m.“ verwendet. Bei dieser Anwendung spritzt der Arzt das Arzneimittel in den Muskel. Gespritzt wird in der Regel in den Oberarm oder den Oberschenkel. Von Spritzen in den Po ist man abgekommen, da hier vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Im Vergleich zur intravenösen dauert es bei der intramuskulären Gabe länger, bis das Arzneimittel wirkt. Der Wirkstoff wird über einen längeren Zeitraum gleichmäßig abgegeben, es wird eine gewisse Depotwirkung erzielt. Wünschenswert ist ein verzögerter Effekt beispielsweise bei Hormonpräparaten. Auch viele Impfstoffe werden intramuskulär verabreicht.

Subkutane Arzneimittelanwendung

Die subkutane Anwendung wird mit „s.c.“ abgekürzt. Das Wort „subkutan“ setzt sich aus den lateinischen Wörtern „sub“ für „unter“ und „cutis/kutan“ für „Haut“ zusammen. Bei der subkutanen Anwendung spritzen der Arzt oder der Pfleger Arzneimittel in das Unterhautfettgewebe von Bauch, Oberschenkel oder Po. Auch Diabetiker spritzen sich ihr Insulin subkutan unter die Haut. Ebenso werden Blutverdünner wie Heparin subkutan injiziert.

Sublinguale und buccale Einnahme von Medikamenten

Das Wort „sublingual“ setzt sich aus den beiden lateinischen Wörtern „sub“ für „unter“ und „lingua“ für „Zunge“ zusammen. Arzneimittel, die sublingual eingenommen werden, legen Sie sich unter die Zunge. Dort lösen sie sich vollständig auf. Ebenfalls über die Mundschleimhaut werden Mittel aufgenommen, die buccal (buccal = Wangenschleimhaut) verabreicht werden.

Die Aufnahme über die Mundschleimhaut hat zwei Vorteile: Der Wirkstoff gelangt direkt über die obere Hohlvene zum Herzen, die Leberpassage und damit der wirkvermindernde First-pass-Effekt werden umgangen. Außerdem gelangt der Wirkstoff ohne den Umweg über den Darm rasch ins Blut und kann so schnelle Wirkung zeigen. Das macht man sich bei manchen Beruhigungsmitteln zu Nutze. Auch Kaukapseln mit Nitroglycerin oder Nitro-Sprühstöße bei plötzlicher Herzenge gelangen über die Schleimhaut rasch in den Blutkreislauf und wirken innerhalb von ein bis zwei Minuten.

Enteral - Medikamente über den Darm

Mit dem Begriff enteral (griechisch „Darm“, „Eingeweide“) bezeichnet man in der Medizin den Weg von Medikamenten über den Darm. Meist werden sie geschluckt: Tabletten, Dragees, Kapseln, Säfte, Tropfen. Diese Arzneien werden wie unsere Nahrung im Magen-Darm-Trakt ins Blut aufgenommen, gelangen zunächst zur Leber und dann über die Lebervene in den Blutkreislauf.

Orale Einnahme von Arzneimitteln

„Oral“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „os“ für Mund ab. Orale Arzneimittel werden geschluckt. Das können feste Arzneimittel wie Tabletten oder Kapseln sein, aber auch Flüssigkeiten wie Säfte und Tropfen. Auch Granulate und Pulver, die in Wasser aufgelöst werden, zählen zu den oralen Arzneimitteln. Orale Arzneimittel gelangen in der Regel über den Darm in die Blutbahn und wirken systemisch, sprich im gesamten Körper. Eine Ausnahme bilden beispielsweise Mittel, welche die Magensäure neutralisieren. Diese sogenannten Antazida werden zwar geschluckt, sie wirken aber lokal im Magen.

Rektale Anwendung von Medikamenten

„Rektal“ ist lateinisch und leitet sich von dem Wort „Rektum“ ab. Das bezeichnet im Lateinischen den Mastdarm. Korrekt übersetzt bedeutet rektal „den Mastdarm betreffend“. Rektal angewendete Arzneimittel werden über den After verabreicht. Dazu zählen Schmerz- und Fieberzäpfchen für Kinder oder abführende Einläufe. Zäpfchen bestehen aus Fett oder Glycerin-Gelatine, die bei Körpertemperatur schmelzen. Der freigesetzte Wirkstoff wird über die Schleimhaut des Enddarms in die Blutbahn aufgenommen werden und wirkt im ganzen Körper. Abhängig davon, wie tief die Zäpfchen eingeführt werden und über welchen Gefäße sie in den Blutkreislauf gelangen, passieren sie erst die Leber, wirken also enteral, oder umgehen die Leber und wirken parenteral. Einläufe wirken nur lokal im Darm.

Lokal wirksame Medikamente

Diese Medikamente wirken direkt an der Stelle, die mit dem Arzneimittel in Kontakt kommt. Dazu gehören Augentropfen ebenso wie Nasenspray, Vaginalzäpfchen oder eben abführende Einläufe.

Inhalative Anwendung von Arzneimitteln

Mittel, die inhalativ angewendet werden, wirken über die Schleimhaut der Atemwege. Dazu gehören Inhalationen mit Kochsalzlösungen und ätherischen Ölen, wie wir sie als Hausmittel bei Schnupfen und Husten kennen. Sie umfassen aber auch die therapeutische Anwendung von Kortisonsprays, Pulverinhalatoren und Dosieraerosolen bei Asthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Der Vorteil inhalativer Medikamente liegt darin, dass sie in höherer Dosierung an der Lunge ankommen und dort besser wirken können. Außerdem wirken sie schneller, als wenn sie erst über den Darm in die Blutbahn aufgenommen werden müssen.

Vaginale Einführung von Medikamenten

„Vaginal“ leitet sich vom lateinische Namen der Scheide („Vagina“) ab. Einige Medikamente werden als Salben und Zäpfchen direkt in die Scheide eingeführt, um eine lokale Wirkung an Ort und Stelle zu erzielen, beispielsweise bei Scheideninfektionen.

Transdermale Wirkstoffanwendung

Bei der transdermalen Anwendung nimmt die Haut („Dermis“) den Wirkstoff auf. Bei transdermalen Pflastern gelangt der Wirkstoff über die Haut in die Blutbahn und von dort an seinen eigentlichen Wirkort. Solche Pflaster kennt man beispielsweise für Hormonbehandlungen, zur Nikotinentwöhnung oder bei starken Schmerzen. Sie geben ihre Wirkstoffe kontinuierlich und langsam über die Haut in den Blutkreislauf ab; ein Auf und Ab der Wirkstoffmenge wie bei einer zerfallenden Tablette gibt es nicht. Auch Salben, Cremes und Gele werden auf die Haut aufgetragen und entfalten ihre Wirkung transdermal. Sie wirken in der Regel jedoch nur lokal, also an Ort und Stelle und werden infolge ihrer Zusammensetzung nicht in die Blutbahn aufgenommen.

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