Medikamente und Arzneimittel

Schlucken, spritzen, inhalieren - Wie werden Medikamente angewendet?

Lesedauer unter 3 Minuten
Ein Vater gibt seiner kranken Tochter Medikamente

Autor

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Medikament anzuwenden. Auf der Verpackung und dem Beipackzettel stehen manchmal Fachbegriffe, die nicht so leicht zu verstehen sind. Vielleicht hat Ihnen auch Ihr Arzt etwas zu der Einnahme gesagt und die Zeit reichte nicht aus, um noch einmal genau nachzufragen.

Anwendungsmöglichkeiten von Medikamenten

Oral

„Oral“ leitet sich aus dem lateinischen Wort „os“ für Mund ab. Arzneimittel, die oral eingenommen werden, werden über den Mund aufgenommen, das heißt, sie werden geschluckt. Das können feste Arzneimittel wie Tabletten oder Kapseln sein, aber auch Flüssigkeiten wie Säfte und Tropfen. Granulate und Pulver, die in Wasser aufgelöst werden, werden auch zu den oralen Arzneimitteln gerechnet.

Sublingual

Das Wort „sublingual“ setzt sich aus den beiden lateinischen Wörtern „sub“ für „unter“ und „lingua“ für „Zunge“ zusammen. Arzneimittel, die sublingual eingenommen werden, werden unter die Zunge gelegt, wo sie sich vollständig auflösen. Einige Schmerztabletten werden als sublinguale Tabletten angeboten. Der Wirkstoff kann so über die Mundschleimhaut schnell in die Blutbahn aufgenommen werden und muss nicht erst langsam den Umweg über das Verdauungssystem nehmen.

Subkutan

Die subkutane Anwendung wird mit „s. c.“ abgekürzt. Das Wort „subkutan“ setzt sich aus den lateinischen Wörtern „sub“ für „unter“ und „cutis/ kutan“ für „Haut“ zusammen. Bei der subkutanen Anwendung werden Arzneimittel in die Haut, genaugenommen in das Unterhautfettgewebe von Bauch, Oberschenkel oder gelegentlich in den Po gespritzt. Diabetiker spritzen sich ihr Insulin subkutan.

Rektal

„Rektal“ ist lateinisch und leitet sich von dem Wort "Rektum", der lateinischen Bezeichnung für den Mastdarm ab. Übersetzt bedeutet es „den Mastdarm betreffend“. Rektal angewendete Arzneimittel werden über den After verabreicht. Beispielsweise zählen Fieberzäpfchen für Kinder und abführende Einläufe zu den rektal angewendeten Arzneimitteln.

Intravenös

"Intra" ist lateinisch und bedeutet "innerhalb". Die intravenöse Anwendung wird in Fachkreisen mit „i.v.“ abgekürzt. Arzneimittel, die intravenös verabreicht werden, werden in die Vene als Injektion gespritzt oder als Infusion gesetzt. Starke Schmerzmittel und Antibiotika werden im Krankenhaus oft intravenös zugeführt. Die Arzneimittel sind gut dosierbar und können schnell wirken, weil sie sofort und nicht erst über den Magen-Darm-Trakt in die Blutbahn gelangen.

Intramuskulär

Für die intramuskuläre Anwendung wird die Abkürzung „i.m.“ verwendet. Bei dieser Anwendung werden Arzneimittel in den Muskel gespritzt. Bei der intramuskulären Anwendung dauert es im Vergleich zur intravenösen Gabe länger, bis das Arzneimittel wirkt. Ein verzögerter Effekt, bei dem das Arzneimittel über einen längeren Zeitraum gleichmäßig abgegeben wird, ist beispielsweise bei einigen Hormonpräparaten erwünscht. Auch viele Impfstoffe werden intramuskulär verabreicht.

Inhalativ

Die inhalative Anwendung von Kochsalzlösung und ätherischen Ölen kennen viele als Hausmittel bei Schnupfen und Husten. Sie umfasst aber auch die therapeutische Anwendung von Kortisonsprays, Pulverinhalatoren und Dosieraerosolen bei Asthma und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Vaginal

"Vaginal" leitet sich vom lateinische Namen der Scheide ("Vagina") ab. Einige Medikamente – beispielsweise eine Salbe oder spezielle Zäpfchen – werden direkt in die Scheide eingeführt.

Parenteral

"Parenteral" bedeutet, dass die angewendeten Arzneimittel so verabreicht werden, dass sie den Magen-Darm-Trakt ("enteral") nicht passieren. Sie gelangen daran vorbei ("par") in den Körper. Spritzen und Infusionen werden parenteral angewendet.

Transdermal

Pflaster können mit Wirkstoffen befüllt werden. Der Wirkstoff wird von der Haut (lateinisch: "Dermis") aufgenommen und gelangt anschließend in die Blutbahn. Der Wirkstoff wird „transdermal“ also „durch die Haut“ verabreicht. Pflaster, die starke Schmerzmittel enthalten, zählen zu den transdermalen Darreichungsformen.

Quellenangaben

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Webcode: s000908 Letzte Aktualisierung: 16.05.2019
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