Krebs

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für Krebs?

Lesedauer unter 7 Minuten
Stilisierte Darstellung einer DNA-Doppelhelix

Autor

Natalie Tutzer (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Krebs kann viele Ursachen haben. Er entsteht im komplexen Zusammenspiel von Lebensstil, Umwelteinflüssen, Vorerkrankungen und unserem täglichen Umfeld. Auch eine genetische Vorbelastung kann eine Rolle spielen. Manchmal entsteht Krebs jedoch einfach ohne Grund – durch zufällige Fehler bei der Zellteilung. Daher kann man das Risiko, an Krebs zu erkranken, nicht vollständig ausschalten. Durch einen gesunden Lebensstil kann man jedoch das eigene Risiko deutlich verringern. 

Die Wissenschaft hat noch keine eindeutige Antwort darauf, warum Krebs entsteht. Es gibt Menschen, die nie geraucht haben, aber trotzdem an Lungenkrebs erkranken. Andere haben hingegen schon jahrzehntelang viel geraucht, sind aber zum Glück bei bester Gesundheit geblieben. Manchmal nutzen wir solche Geschichten, um ungesunde Gewohnheiten zu rechtfertigen. Manchmal beruhigen wir damit unsere Angst vor einer Krebserkrankung. Tatsächlich spielt auch der Zufall eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Krebsentstehung. Wer an Krebs erkrankt, ist daher nicht „einfach selbst schuld“ – die Ursachen einer Erkrankung sind ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Einflüsse.

Sicher ist jedoch auch: Es gibt Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, nachweisbar erhöhen. Um diese geht es in diesem Beitrag.

Wie entsteht Krebs?
Biologisch betrachtet handelt es sich bei Krebs um entartete Zellen, die sich schneller teilen als gesunde Zellen. Eine solche bösartige Geschwulst, der sogenannte Tumor, wächst unkontrolliert und verdrängt gesunde Zellen. Einzelne Krebszellen können sich vom Tumor lösen und in andere Bereiche oder Organe des Körpers „streuen“. Dadurch können sich neue Tumoren (Metastasen) bilden. Das Immunsystem erkennt die Tumorzellen nicht als krankhaft und geht nicht gegen sie vor.

Welchen Einfluss hat der Lebensstil auf das Krebsrisiko?

Rauchen

Der bekannteste Risikofaktor für fast jede Art von Krebs ist das Rauchen. Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko für zahlreiche Krebserkrankungen, einschließlich Darm- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die bekannteste ist Lungenkrebs, an der Raucher acht Mal häufiger erkranken als Nichtraucher. Selbst Passivrauchen Zuhause oder am Arbeitsplatz kann das Krebsrisiko erhöhen. Sie möchten mit dem Rauchen aufhören? Das Barmer Online-Training zur Rauchentwöhnung bietet Ihnen einen spielerischen Zugang in ein rauchfreies Leben.

Ernährung, Alkohol und Bewegung

Was wir unserem Körper täglich zuführen, hat großen Einfluss auf unsere Gesundheit. Wer häufig verarbeitete Fleischprodukte und rotes Fleisch sowie verkohlte Speisen oder verschimmeltes Essen zu sich nimmt, hat ein höheres Krebsrisiko. Bewegungsmangel und starkes Übergewicht können das Krebsrisiko ebenfalls erhöhen. Indem Sie durch eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst sowie durch Bewegung auf ein gesundes Körpergewicht achten, können Sie Krebs vorbeugen. Ausführliche Informationen finden Sie in unseren Themen-Specials zu gesunder Ernährung und zu Bewegung und Fitness.

Familiäre Krebsbelastung

Manche Krebserkrankungen können in der Familie liegen. Gene, die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen, können vererbt werden. Haben nahe Verwandte wie die Eltern oder Großeltern etwa Darmkrebs oder Brustkrebs, kann man selbst ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben. Dann können regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen dabei helfen, eine Erkrankung möglichst früh zu entdecken.

Einige solcher „Krebs-Gene“ sind bereits bekannt, etwa BRCA1 und BRCA2, die zu Brustkrebs führen können. Bei Verdacht kann man durch medizinische Tests herausfinden, ob man selbst solche Gene trägt. Ist das der Fall, bedeutet das nicht, dass Krebs ausbrechen muss, sondern dass man ein erhöhtes Risiko dafür hat. Ob man den Test durchführen lassen möchte, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Haben Sie Verwandte mit Krebserkrankungen, können Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Ihr Krebsrisiko sprechen.

Können Umwelteinflüsse zu einer Krebserkrankung führen?

UV-Strahlen

Kurzwellige, ultraviolette (UV-)Strahlen können krebserregend sein. Dies gilt sowohl für Sonnenlicht als auch für Solarien. Sie können auf Dauer das Erbgut der Haut verändern (Mutationen), etwa nach vermehrten Sonnenbränden. Ist die DNA beschädigt, können unkontrolliertes Zellwachstum und damit auch Hautkrebs die Folge sein.

Giftstoffe

Wer am Arbeitsplatz regelmäßig Kontakt mit bestimmten Schadstoffen hat, kann ein höheres Krebsrisiko haben. Asbest ist für etwa 80 Prozent der berufsbedingten Krebserkrankungen verantwortlich. Mit diesem darf mittlerweile zwar nicht mehr gebaut werden, bei Sanierungs- oder Abrissarbeiten kann man dennoch mit ihm in Kontakt kommen. Weitere potentiell krebserregende Stoffe (Karzinogene) am Arbeitsplatz sind beispielsweise Schwermetalle, Chrom, Nickel, Benzol, Diesel oder auch Holzstaub. Menschen in Risikoberufen können sich schützen, indem sie Sicherheitsvorschriften befolgen und beispielsweise geeignete Atemschutzmasken tragen.

Es gibt auch einige Mythen um Karzinogene. Beispielsweise wird Amalgam in Zahnfüllungen, elektromagnetischer Strahlung aus Handys oder Aluminium in Deodorants nachgesagt, sie erzeugten Krebs. Belastbare wissenschaftliche Beweise gibt es dafür nicht.

Strahlenbelastung

Bestimmte medizinische Diagnose- und Therapiemethoden nutzen energiereiche, sogenannte ionisierende Strahlung. Zu diesen Methoden gehören beispielsweise Röntgen-Untersuchungen oder eine Strahlentherapie gegen Krebs. Vor ihrem Einsatz werden Risiko und Nutzen gegeneinander abgewogen: Ärzte sollten einem begründeten Verdacht zwar nachgehen, unnötige Prozeduren aber vermeiden. Doppelte Untersuchungen, etwa durch einen Arztwechsel, können vermieden werden, indem der Patient alte Röntgenaufnahmen mitbringt.

Radon ist ein radioaktives Gas, das ganz natürlich überall vorkommt. Es sammelt sich in Höhlen, Bergwerken oder Stollen an. Durch unversiegelte Bodenplatten kann es auch in Gebäudekeller vordringen. In Deutschland reicht meist schon kräftiges Durchlüften aus, um die Radonkonzentration in Innenräumen stark abzusenken. Werden Souterrain-Räume wie Werkstätten, Hobbyräume oder gar Schlafzimmer in betroffenen Gebieten hingegen ungenügend gelüftet, besteht ein erhöhtes Krebsrisiko.

Wie hängen Infektionen und Krebserkrankungen zusammen?

Krebs ist nicht ansteckend. Es gibt jedoch Formen von Krebs, die durch eine Infektion ausgelöst werden können, beispielsweise mit Humanen Papillomaviren (HPV). Anders ist der Zusammenhang bei dem HIV-Virus: Die Infektion selbst erhöht nicht das persönliche Krebsrisiko, eine ausgebrochene AIDS-Erkrankung schwächt jedoch das Immunsystem – ein höheres Krebsrisiko ist die Folge.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Kinder gegen bestimmte Infektionskrankheiten impfen zu lassen, um sie vor bestimmten Krebserkrankungen zu schützen. Diese sind die Hepatitis B-Impfung für Neugeborene und später die HPV-Impfung bei Kindern und Jugendlichen.

Können psychische Erkrankungen Auswirkungen auf das Krebsrisiko haben?

Auch andauernder Stress und psychische Erkrankungen werden von vielen Menschen mit Krebs in Verbindung gebracht. Es gibt jedoch bisher keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass seelische Probleme die direkte Ursache einer Krebserkrankung sein können.
Unter einer Einschränkung: Menschen, die gestresst, unglücklich oder depressiv sind, neigen öfter zu einem ungesunden Lebensstil: Sie essen öfter fette, salzige und industriell verarbeitete Speisen, trinken mehr Alkohol und rauchen eher. Diese ungesunde Lebensweise steigert wiederum durchaus das Krebsrisiko. Wer an Depressionen leidet, nimmt außerdem seltener an Früherkennungsuntersuchungen teil oder ignoriert unter Umständen erste Warnhinweise auf eine Erkrankung.

Aus ähnlichen Gründen wird diskutiert, ob Armut und Krebs zusammenspielen. Arme Menschen tragen unter Umständen ein höheres Krebsrisiko, da sie öfter rauchen und Alkohol trinken. Fehlende Bildung kann außerdem dazu beitragen, dass die Lebensmittel einer gesunden Ernährung unbekannt sind oder in der täglichen Ernährung vernachlässigt werden.

Ein gesunder Lebensstil kann nie schaden!
Ein gesundes Leben hat viele Vorteile, die über die Krebsprävention hinausgehen: Regelmäßige Bewegung, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Seele wirken sich positiv auf unsere gesamte Lebensqualität aus.

Plädoyer für die Krebsfrüherkennung

Da Krebs auch von den Genen und dem Zufall abhängt, können regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen dabei helfen, ihn zumindest früh zu entdecken. Denn je früher Krebs erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Für einige Krebserkrankungen gibt es Programme der Krebsfrüherkennung.
Da mit den Jahren das Risiko für eine Krebserkrankung steigt, sind ab einem bestimmten Alter regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen sinnvoll. Für Frauen ist dies etwa die Mammographie, also die Röntgenuntersuchung der Brust, für die Brustkrebsfrüherkennung im Alter zwischen 50 und 69 Jahren (alle zwei Jahre). Für Männer wird ab 45 Jahren eine jährliche Untersuchung der Prostata empfohlen.
Sind nahe Verwandte an Krebs erkrankt, trägt man unter Umständen ein höheres Risiko, selbst zu erkranken. Bei manchen Krebsarten können Ärzte bei Verdacht durch einen Gentest feststellen, ob jemand das belastete Gen trägt . Es gibt Gründe für und gegen einen solchen Test, über die Sie mit Ihrer Hausärztin oder Hausarzt sprechen können, wenn Sie Krebsfälle in der Familie haben.

Woher stammt unser bisheriges Wissen über die Krebsentstehung?

Tatsächlich ist es oft schwer, einen eindeutigen Grund für die Entstehung von Krebs festzustellen. Wissenschaftler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Frage, was Krebs auslöst.
Die Wissenschaft, die sich mit der Verbreitung und den Ursachen von Krankheiten beschäftigt, ist die Epidemiologie. Sie nutzt die mittlerweile große Menge an Daten und Informationen aus den sogenannten Krankheitsregistern, um Schlüsse über Risiken und Einflussfaktoren zu ziehen. So kann man sagen: ist jemand diesen oder jenen Faktoren ausgesetzt, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an dieser oder jener Art von Krebs. Weitere Wissenschaftsbereiche helfen dabei, dann sicherzustellen, dass dieser Zusammenhang wirklich „kausal“ ist, also nicht aus Zufall besteht. Beispielsweise in der Pathophysiologie suchen Forscher verschiedener Fachrichtungen unter anderem nach den Ursachen von Schäden an Zellen und Erbgut, die wiederum Krebs auslösen.

Auf manche Faktoren wie Genetik oder Zufall haben wir keinen Einfluss. Andere, wie unseren Lebensstil, können wir ändern. So können wir unser Risiko verringern, an Krebs zu erkranken. Wir haben für Sie Tipps zusammengefasst, wie Sie Krebs vorbeugen können.

  

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Webcode: a005963 Letzte Aktualisierung: 15.10.2020
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