Krebs

Angst vor Krebs – wie lässt sich damit umgehen?

Lesedauer unter 8 Minuten
Ernster Mann umarmt eine Frau, sie schauen aus einem Fenster

Autor

Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Vor Krebs haben viele Menschen Angst. Das ist normal, denn es handelt sich um eine bedrohliche Erkrankung. Gut zu wissen: Viele Krebserkrankungen lassen sich immer besser behandeln. Die Forschung schreitet rasant voran, und neue Krebstherapien versprechen Aussicht auf Heilung. Wenn die Furcht zu erkranken sehr ausgeprägt ist, kann sie als Krankheitsangststörung (Hypochondrie) selbst zum Problem werden.Grundsätzlich kann es beim Umgang mit Angst helfen, sich in Erinnerung zu rufen, dass sie zum Leben dazugehört und wichtige Funktionen hat. Denn Angst ist nicht nur lästig, sondern sie schützt uns auch vor Überforderungen und Gefahren.

Wann haben Menschen Angst vor Krebs?

Krebs ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, und auf bedrohliche Situationen reagieren wir Menschen mit Angst. Angst ist also erst einmal eine ganz normale Reaktion auf die Vorstellung, man könnte Krebs haben. Und sie ist nicht unbegründet. Denn die Erkrankung verlangt den Menschen, die mit ihr konfrontiert sind, einiges ab. Die Krebstherapien können körperlich belastend sein. Auch seelisch ist die Diagnose in der Regel eine oft schockierende Herausforderung. Es gilt, Erfahrungen auszuhalten, die oft erst einmal nicht aushaltbar erscheinen. Nicht selten stehen Angehörige hilflos und voller Sorge neben ihren Liebsten. Krebs ist eine Krisensituation und ein Bruch im Leben und Zusammenleben.

Kein Wunder also, wenn Menschen bei unbekannten Schmerzen oder Beschwerden in sich hineinhorchen und sich mit der Sorge quälen, ob sie wohl eine Tumorerkrankung haben. Vielleicht machen sie sich Vorwürfe, weil sie geraucht oder zu ungesund gelebt haben.

Sinnvoll ist es, länger anhaltende Symptome ärztlich abklären zu lassen. Ein Arztbesuch mit Untersuchungen, deren Ergebnis eine Krebsdiagnose sein könnte, löst jedoch ebenfalls Unruhe aus. Im „Kopfkino“ beginnt der Film: Was, wenn es wirklich Krebs ist? Warum hat es mich erwischt? Kann ich geheilt werden? Solche und ähnliche Fragen mögen Menschen, die auf ein Untersuchungsergebnis warten, beschäftigen. Das kann zermürbend sein. Hinzu kommen vielleicht Existenzängste und Sorgen, wie Familie oder Kollegen reagieren würden.

Wenn es sich tatsächlich um eine Krebserkrankung handelt, so empfinden das viele wie einen Sturz aus der normalen Wirklichkeit. Statt einer tollen Reise, dem nächsten Karriereschritt oder der Kindererziehung bestimmen plötzlich medizinische Behandlungen den Alltag. Eine Auseinandersetzung mit der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit des eigenen Seins ist fast unausweichlich.

Menschen, die Tumorerkrankungen überwunden haben, tragen oft ein Leben lang die Angst vor einem Rückfall (Rezidiv) mit sich herum. Kopfschmerzen oder ein Stechen im Bauch lösen vielleicht unverhältnismäßige Befürchtungen aus.

Auch Kontrolluntersuchungen können ein zweischneidiges Schwert sein. Wenn alles in Ordnung ist, geben sie Sicherheit. Aber sie beunruhigen möglicherweise im Vorfeld und erinnern immer wieder an Krebs und die Furcht davor. 

Die Angst vor dem Tod

Der Tod ist nicht weit, wenn wir über Krebs sprechen, vor allem in den Köpfen. Es handelt sich in den überwiegenden Fällen um eine lebensbedrohliche Erkrankung, und immer wieder sterben Menschen mit Tumorerkrankungen an den Folgen. Aber deutlich mehr Menschen in Deutschland erliegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Dennoch sind die Diagnosen Bluthochdruck oder Arteriosklerose nicht mit den gleichen Schrecken behaftet wie etwa Lungenkrebs.

Von allen Erkrankungen ist Krebs die am meisten gefürchtete. Die Menschen quer durch alle Altersgruppen – also auch die Jungen – haben mehr Angst vor Krebs als vor dem Tod. Das fand eine Umfrage von YouGov im Jahr 2016 heraus. Sieben von zehn Befragten haben Angst, an Krebs zu erkranken. Etwa sechs von zehn haben Angst vor Alzheimer oder einem schweren Unfall. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten fürchten sich vor einem Herzanfall.

Krebs streift das Leben der meisten Menschen früher oder später. Wenn sie nicht selbst erkranken, so ist es vielleicht ein naher Angehöriger, eine Kollegin oder ein Nachbar. Immer wieder sind unter den Geschichten auch solche, an deren Ende der Tod steht. Gerade, wenn die Menschen noch jünger sind und aus der Mitte des Lebens gerissen werden, bleiben diese Geschichten haften und machen Angst.

Krebs scheint die menschliche Urangst vor dem Tod stärker zu berühren als viele andere Situationen. Aber vielleicht liegt darin auch eine Chance. Der Tod gehört zum Leben dazu. Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir das Leben selbst vielleicht mehr schätzen.

Wissen gegen Angst: Krebs und wissenschaftlicher Fortschritt

Um mit der Angst vor Krebs umzugehen, kann es sinnvoll sein, sich über die moderne Medizin zu informieren. Viele Menschen haben keine genaue Vorstellung, wie eine Krebstherapie heute aussieht. Die Behandlungsmöglichkeiten verbessern sich stetig. Jedes Jahr finden große Kongresse mit Zehntausenden von Teilnehmenden aus aller Welt statt. Sie tauschen sich über die Ergebnisse ihrer Forschungen aus, erörtern die Wirksamkeit innovativer Medikamente und legen neue Behandlungswege fest. Krebs bedeutet heute nicht mehr zwangsläufig eine Chemotherapie. Die Behandlungsmöglichkeiten sind mittlerweile so gut, dass viele Menschen mit Krebs die Erkrankung überleben.

Auch Untersuchungen zur Früherkennung von Krebs werden immer besser (mehr hierzu bietet unser Beitrag „Wie kann man Krebs vorbeugen?“). Neue Methoden erlauben es, Tumorerkrankungen in einem früheren Stadium zu erkennen, so dass sie mit besserer Aussicht auf Heilung behandelt werden können.

Trotzdem bleibt Krebs eine Herausforderung für Medizin und Forschung. Denn die ersehnte universelle Heilung ist vielleicht weiter entfernt als je zuvor. Krebs ist nämlich eigentlich nicht eine Krankheit, sondern es sind viele verschiedene. Jede Gewebeart kann von Tumorerkrankungen betroffen sein und sie alle erfordern unter Umständen verschiedene Behandlungen. Langsam verstehen Forscherinnen und Forscher die unterschiedlichen onkologischen Erkrankungen immer besser und können ihnen gezielter und damit meist wirkungsvoller begegnen.

Technologische Entwicklungen und digitale Informationsverarbeitung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie haben zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beigetragen. So ist es heute möglich, molekularbiologische Wirkstoffe herzustellen, die sich gezielt gegen bestimmte Tumorzellen richten. Aktuell ist eine ganze Reihe von Medikamenten auf dem Weg in den Klinikalltag. Unter dem Oberbegriff Immuntherapien verfolgen sie einen komplett neuen Ansatz und scheinen enorm erfolgversprechend zu sein. Bisher helfen sie jedoch erst einem Teil der an Krebs erkrankten Menschen.

Wann ist Krebsangst ein Leiden für sich?

Die Angst vor Krebs kann übermäßig werden und zum Beispiel zu übertrieben häufigen Arztbesuchen führen. Auch wenn der Arzt oder die Ärztin bestätigt, dass keine Erkrankung vorliegt, beruhigt das Betroffene nicht oder nur sehr kurz. Medienberichte und Fälle, in denen andere erkranken, lösen unverhältnismäßige Besorgnis aus. Die Krankheitsangst nimmt eine zentrale Rolle im Leben ein, Gedanken und Gespräche kreisen darum. Die Angst beeinträchtigt die Lebensqualität und der Alltag funktioniert nicht mehr richtig. Das Krankheitsthema wird zu einem zentralen Teil der Identität.

Angst kann sich auch in körperlichen Symptomen niederschlagen: Herzrasen, Schweißausbrüche, Atemnot, Schwindel, Schlafstörungen und Schmerzen sind nur einige der möglichen Beschwerden. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einem von fünf Arztbesuchen keine organische Ursache für körperliche Symptome zu finden ist. Wenn unklare Beschwerden mit der übermäßigen Angst vor einer Erkrankung einhergehen, sprechen Fachleute von einer somatischen (körperlichen) Belastungsstörung.

Früher gab es die Bezeichnung Hypochondrie , um Krankheitsängste zu beschreiben. Menschen, die darunter litten, wurden Hypochonder genannt. Fachleute vermeiden diese Begriffe mittlerweile, da sie negativ besetzt sind und falsche Vorstellungen wecken.

Die sogenannte „Cyberchondrie“

Die sogenannte Cyberchondrie ist eine besondere Form der Krankheitsangst. Es handelt sich um ein Kunstwort, das sich aus „Cyber“ (von Computern erzeugte Scheinwelt) und „Hypochondrie“ (Angst vor Krankheit) zusammensetzt. Bei der Cyberchondrie findet die Auseinandersetzung mit der Krankheitsangst vornehmlich im Internet statt. „Doktor Google“ und unzählige andere Websites werden ausführlich und wiederholt konsultiert.
Das Internet bietet viele Möglichkeiten und Chancen, sich schnell und unkompliziert zu informieren. Aber gerade Gesundheitsinformationen aus dem Internet sind nicht immer zuverlässig und können schnell fehlinterpretiert werden. Daher sollten Sie bei Gesundheitsrecherchen im Netz immer darauf achten, aus welcher Quelle Informationen stammen und wie seriös diese ist . Hochwertige und qualitätsgesicherte Texte erkennen Sie zum Beispiel an den Siegeln der Stiftung Health On the Net (HON) oder des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem (afgis).

Ausführliche und zuverlässige Informationen zu Krebs bieten zum Beispiel der Krebsinformationsdienst, die Deutsche Krebshilfe oder die Deutsche Krebsgesellschaft mit ihren Landesorganisationen.

Wie lässt sich die Angst vor Krebs besiegen?

Wenn die Angst vor Krebs ständig da ist und massives Leiden verursacht, weil sie den Lebensalltag stark einschränkt, sollten Sie Unterstützung suchen. Verdrängung ist meist kein guter Weg. Vielen Menschen hilft es, sich mit anderen auszutauschen und über Probleme zu reden. Oft schafft es schon Erleichterung, Dinge einfach mal auszusprechen.

Vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie nicht allein sind. Seien es Familie, Freunde oder professionelle Beratungsstellen – Hilfe und Unterstützung gibt es auf vielfältige Weise. Stellen Sie sich eine umgekehrte Situation vor: Jemand bittet Sie um Hilfe. Wären Sie bereit, anderen zur Seite zu stehen? Die meisten Menschen unterstützen andere im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne. Auch Selbsthilfegruppen wie die Deutsche Angsthilfe e. V. können verständnisvolle Ansprechpartner sein.

Wichtig ist: Ängste sollten Ihren Alltag nicht nachhaltig beeinträchtigen oder Sie davon abhalten, Ihr Leben so zu führen, wie Sie es sich eigentlich wünschen. Bei massiver Krankheitsangst gibt es verschiedene therapeutische Konzepte, die Abhilfe schaffen und für Erleichterung sorgen können. Dabei kann es darum gehen, eingefahrene Gedanken- und Gefühlsmuster zu erkennen und durch neue, hilfreichere Muster zu ersetzen. Vielleicht gibt es aber auch unverarbeitete Erfahrungen mit schlimmer Krankheit in der Vergangenheit oder vermiedene Themen und Konflikte, die sich in der Krankheitsangst ausdrücken. Auch Medikamente können gegen Angststörungen helfen. Ziel der therapeutischen Verfahren ist es, die Angst vor Krankheit in den Griff zu bekommen und die Angststörung zu besiegen

Auch Entspannungsübungen wie z. B. Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Meditation, Tanzen oder Yoga können dazu beitragen, innere Anspannung und Angst zu reduzieren.

Um der Angst vor Krebs im Falle einer Erkrankung zu begegnen, kann psychoonkologische Unterstützung hilfreich sein. Die Psychoonkologie ist ein besonderer Bereich der Medizin und auf die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs spezialisiert.

Sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin an, wenn Sie Hilfe im Umgang mit Ängsten haben möchten. Auch die Barmer als Ihre Krankenkasse ist für Sie da, wenn Sie Fragen rund um die Gesundheit haben.

   

Barmer Chat

Chat für Versicherte (geschlossen)

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein und profitieren Sie außerdem von unseren erweiterten Chat-Zeiten.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen:
08:00 - 09:00 Uhr
12:00 - 13:00 Uhr
16:00 - 18:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereich "Mitglied werden"


E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005945 Letzte Aktualisierung: 15.10.2020
Nach oben