Lexikon Krankheiten A-Z

Lesedauer unter 6 Minuten

Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)

Lesedauer unter 6 Minuten

Autor

  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Inhaltsverzeichnis

Vordere Knieschmerzen sind meist Folge einer Überbelastung. Dazu kommt es besonders oft beim Sport – zum Beispiel beim Laufen, Bergsteigen oder Radsport. Wichtig ist es zunächst, das Knie zu entlasten. Bestimmte Übungen können dann helfen, die Kniescheibe zu stabilisieren und Schmerzen zu lindern.

Was ist "Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)"?

Wenn das Knie im Bereich der Kniescheibe schmerzt, ist das häufig ein Zeichen für eine Überbelastung. Das bedeutet, dass das Knie zu häufig oder zu stark belastet wurde und es sich nicht schnell genug an diese Belastung anpassen konnte. Dazu kommt es besonders oft beim Sport – zum Beispiel beim Laufen, Bergsteigen oder Radsport.

Gegen vordere Knieschmerzen gibt es keine ursächliche Behandlung. Allerdings zeigen verlässliche Studien, dass regelmäßige Übungen zur Stärkung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur helfen können.

Sportlerinnen und Sportlern mit akuten Knieschmerzen wird außerdem empfohlen, eine Pause einzulegen oder weniger zu trainieren, damit sich das Knie erholen kann.

Welche Symptome können beim "Vorderen Knieschmerz (patellofemoralen Schmerz)"auftreten?

Schmerzen im vorderen Teil des Knies treten meistens hinter oder neben der Kniescheibe auf. Mediziner sprechen dann von patellofemoralen Schmerzen oder einem patellofemoralen Schmerzsyndrom (PFS). Patellofemoral bedeutet, dass der Bereich zwischen der Kniescheibe (Patella) und dem Oberschenkel (Femur) betroffen ist.

Meist sind die Schmerzen zunächst nur leicht und nehmen mit der Zeit zu. Sie fühlen sich eher dumpf an und machen sich vor allem bei Belastung bemerkbar – vor allem, wenn man treppauf oder treppab geht oder das Knie stark beugt. Auch bei langem Sitzen kann das Knie wehtun und sich steif anfühlen.

Viele Menschen mit Knieschmerzen spüren oder hören ein Knacken, Knirschen oder Quietschen, wenn sie das Knie bewegen. Dies ist aber kein Grund zur Sorge: Kniegeräusche haben keinen Einfluss auf die Kniefunktion oder auf Schmerzen. Zudem haben auch viele Menschen ohne Beschwerden knirschende Knie. Dass die Gelenke manchmal hörbar sind, liegt unter anderem daran, dass in den Gelenken gelöste Gase kleine Bläschen bilden. Wenn sie platzen, knackt es im Knie.

Wer Kniegeräusche hat, darf und sollte sich trotzdem bewegen. Denn das Kniegelenk ist auf Bewegung angewiesen, um gesund zu bleiben. Ohne Druckbelastung wird der Knorpel nicht mit Nährstoffen versorgt. Auch die Knochen müssen ausreichend belastet werden, damit sie nicht schwächer werden.

Welche Ursachen hat "Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)"?

Wenn das Knie zu stark belastet wird, kann es zu kleinen Verletzungen im Bereich der Kniescheibe kommen – zum Beispiel an ihren Haltebändern, den Knochen und feinen Nerven. Warum manche Menschen Knieprobleme bekommen und andere nicht, ist unklar. Eine Rolle spielt, wie sich die Kniescheibe in der Führungsrinne des Kniegelenks bewegt. Fachleute diskutieren aber auch andere Einflüsse, zum Beispiel:

  • eine schwache Oberschenkel- und Hüftmuskulatur
  • anatomische Fehlstellungen wie unterschiedlich lange Beine
  • Fußfehlstellungen
  • verkürzte Muskeln
  • Fehlstellungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine

Obwohl ein vergrößerter Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel (Q-Winkel) oft als Ursache von Knieschmerzen vermutet wird, zeigen bisherige Studien keinen Zusammenhang zwischen dem Q-Winkel und patellofemoralen Knieschmerzen.

Welchen Einfluss die anderen genannten Faktoren haben, ist noch unklar, da bisherige Studien widersprüchliche Ergebnisse zeigen. Bislang gibt es nur Hinweise, dass schwache Oberschenkelmuskeln vordere Knieschmerzen begünstigen können.

Wahrscheinlich sind oft verschiedene Faktoren für die Kniebeschwerden verantwortlich.

Was sind Risikofaktoren für "Vorderen Knieschmerz (patellofemoralen Schmerz)"?

Der wichtigste Risikofaktor für Schmerzen der Kniescheibe ist Überlastung. Zu den Aktivitäten, bei denen starke Kräfte auf das vordere Knie wirken, gehören Laufen, Bergwandern, Treppensteigen und Kniebeugen. Auch sportliches Radfahren kann zu Knieschmerzen führen – vor allem, wenn man in den Bergen oder mit einem schweren Gang fährt.

Eine Überlastung tritt eher auf, wenn Dauer, Häufigkeit und Intensität des Trainings zu hoch sind oder zu schnell gesteigert werden. In Studien hat man beobachtet, dass vordere Knieschmerzen oft bei Anfängern, wettkampforientierten Läufern sowie Läufern auftreten, die viele Trainingskilometer zurücklegen.

Manche Menschen haben auch berufsbedingt mit vorderen Knieschmerzen zu tun – zum Beispiel, weil sie viel in der Hocke arbeiten oder schwer heben müssen.

Wie ist der Krankheitsverlauf beim "Vorderen Knieschmerz (patellofemoralen Schmerz)"?

Vordere Knieschmerzen gehören zu den häufigsten Knieproblemen. Betroffen sind vor allem Jugendliche und körperlich aktive Menschen.

Die Schmerzen können sich unterschiedlich entwickeln. Etwa die Hälfte der Betroffenen haben nur für einige Wochen Beschwerden oder bekommen sie innerhalb von einigen Monaten in den Griff. Bei der anderen Hälfte dauern die Beschwerden über mehrere Jahre an oder treten immer wieder auf.

Wie wird die Diagnose "Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)" gestellt?

Die Diagnose „vorderer Knieschmerz“ (patellofemoraler Schmerz) wird anhand der Beschwerden gestellt, und zwar wenn

  • das Knie hinter oder neben der Kniescheibe schmerzt,
  • die Schmerzen bei Belastungen wie Treppensteigen, Laufen oder Hocken auftreten, und
  • sich keine anderen Ursachen für die Schmerzen finden.

Deshalb fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und tastet das Knie ab. Dann bittet sie oder er darum, eine Kniebeuge zu machen. Bei einem weiteren Test steigt man mit dem gesunden Bein langsam von einer Stufe. Treten dabei Schmerzen auf, weist dies auf die Diagnose „vordere Knieschmerzen“ hin. Manche Fachkräfte nutzen auch spezielle Fragebogen, um die Beschwerden genau zu erfassen.

Wenn nötig, folgen weitere Untersuchungen der Knie, um andere Ursachen auszuschließen. Dazu gehören zum Beispiel ein Meniskusriss, eine Kniearthrose und Sehnenerkrankungen. Arthrose ist bei Menschen unter 40 Jahren aber sehr selten. Vor dem Abschluss der Pubertät können bestimmte wachstumsbedingte Probleme zu Knieschmerzen führen. Auch sie lassen sich durch eine Untersuchung des Knies ausschließen.

Bildgebende Untersuchungen wie Röntgenbilder, Ultraschalluntersuchungen oder MRTs helfen bei der Diagnose nicht. Sie können aber sinnvoll sein, wenn es einen Verdacht auf eine andere Ursache gibt – wie zum Beispiel eine Sehnenreizung, Kniearthrose oder einen Knochenbruch.

Wie wird "Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)" behandelt?

Aussagekräftige Studien haben nachgewiesen, dass bei akuten Schmerzen Entlastung und auf Dauer vor allem regelmäßige Kräftigungsübungen helfen können:

  • Entlastung: Für Sportlerinnen und Sportler ist es ratsam, eine Zeitlang weniger zu trainieren oder eine Pause einzulegen, damit sich das Knie erholen kann.
  • Training der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur: Eine Stärkung dieser Muskelgruppen entlastet das Kniegelenk. Regelmäßige Übungen können Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern.

Akute Schmerzen können auch mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Gels oder Cremes mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac behandelt werden. Sie werden 2- bis 4-mal am Tag auf das betroffene Knie aufgetragen. Gels oder Cremes sind eine nebenwirkungsarme Alternative zu Tabletten mit den gleichen Wirkstoffen.

Keine gute Idee ist, Schmerzmittel einzunehmen, um wieder Ausdauersport machen zu können. Zum einen wird das Knie dann weiter beansprucht, zum anderen hemmen die Mittel die Nierenfunktion. Gerade bei Hitze, Flüssigkeitsmangel und großen körperlichen Belastungen kann das zu Problemen führen, weil die Nieren dann ohnehin sehr gefordert werden.

Für Menschen, deren Füße beim Gehen stark nach innen einknicken (Überpronation), kommen auch Schuheinlagen infrage. Sie können manchen Menschen vermutlich zumindest kurzfristig helfen. Es gibt aber insgesamt nur wenige aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit von Schuheinlagen.

Wie verändert sich der Alltag?

Wenn man Aktivitäten, die einem wichtig sind, nicht mehr ohne Schmerzen oder nur noch eingeschränkt nachgehen kann, ist das sehr frustrierend. Bei Gelenkschmerzen muss man sich oft damit abfinden, dass auch die besten Ärztinnen und Ärzte nicht „die eine“ Ursache finden können. Die Behandlung kann eine Zeit dauern und erfordert es, selbst aktiv mitzuarbeiten.

Das Beste, was man tun kann, ist optimistisch zu bleiben und sich auf Behandlungen zu konzentrieren, die nachweislich helfen können. Wer mit seinem Sport länger pausieren muss, kann vielleicht vorübergehend eine andere Sportart ausprobieren, die schmerzfrei möglich ist, wie zum Beispiel Radfahren bei niedriger Intensität, Aquajogging oder Schwimmen.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Barmer Chat

Chat für Versicherte (geschlossen)

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein und profitieren Sie außerdem von unseren erweiterten Chat-Zeiten.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen:
08:00 - 09:00 Uhr
12:00 - 13:00 Uhr
16:00 - 18:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereicht "Mitglied werden"


E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a005751 Letzte Aktualisierung: 13.08.2020
Nach oben