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Typhus – Für manche Länder wird eine Reiseschutzimpfung empfohlen

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Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Typhus wird von Bakterien verursacht, die zur Art Salmonella enterica gehören. Diese unterteilen sich in zwei Untergruppen: Salmonella Typhi und Salmonella Paratyphi. Sie können zwei verschiedene Typhus-Erkrankungen verursachen. Je nachdem, ob die Erkrankung von Salmonella Typhi oder Salmonella Paratyphi ausgelöst wird, unterscheiden Ärzte zwischen „Typhus abdominalis“ und „Paratyphus“. Umgangssprachlich werden beide Erkrankungen einfach als „Typhus“ bezeichnet. Wohl auch deshalb, weil beide Erkrankungen sehr ähnlich sind.

Ein Mädchen liegt krank auf einer Couch und der Vater fühlt ihre Stirn


Beide Typhus-Erkrankungen kommen weltweit vor. Typhus abdominalis ist jedoch viermal häufiger als Paratyphus. Insgesamt erkranken jährlich fast 28 Millionen Menschen rund um den Globus an einer der beiden Typhus-Formen. Davon sterben ca. 1.000 Menschen pro Jahr an Typhus abdominalis.

Aufgrund der guten hygienischen Verhältnisse spielt die Typhus-Erkrankung hierzulande kaum noch eine Rolle. Die Anzahl der Fälle lag im Jahr 2014 unter 100 Patienten. Die meisten dieser Erkrankten haben sich dabei nicht in Deutschland, sondern in anderen Ländern angesteckt.

Wie erfolgt eine Ansteckung mit Typhus?

Am häufigsten erfolgt die Infektion mit den Typhus-Bakterien durch die Aufnahme von Wasser und Lebensmitteln, die mit menschlichen Fäkalien verunreinigt sind. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist zwar möglich, kommt jedoch selten vor. Denn damit die Infektion letztlich ausgelöst wird, muss die Bakterienlast relativ hoch sein. Der Begriff Bakterienlast bezeichnet die Menge an Bakterien, die übertragen wurden.

Lange Ansteckungsgefahr

Wer sich mit Typhus-Bakterien angesteckt hat, kann andere Menschen etwa eine Woche nach Erkrankungsbeginn anstecken. Denn ab dieser Zeit werden die Bakterien mit dem Stuhl ausgeschieden.

Eine Ausscheidung der Bakterien und damit die Ansteckung anderer können allerdings noch Wochen nach dem Abklingen der Symptome möglich sein. In zwei bis fünf Prozent der Fälle bleibt die Ansteckungsgefahr sogar lebenslang bestehen.

Welche Symptome treten bei Typhus auf?

Wie erwähnt, führen Typhus abdominalis und Paratyphus zu recht ähnlichen Beschwerden. Worin sich die beiden Typhus-Formen unterscheiden, ist die Dauer von der Infektion bis zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen – die Inkubationszeit – und der Schweregrad der Symptome.

Verschiedene Inkubationszeiten

Bei Typhus abdominalis stellen sich die ersten Krankheitszeichen in der Regel acht bis 14 Tage nach der Ansteckung mit den Bakterien ein. Die Erkrankung kann sich jedoch auch schon bereits drei Tage nach der Infektion bemerkbar machen oder erst sehr viel später nach etwa bis zu acht Wochen.

Bei Paratyphus zeigen sich die ersten Krankheitszeichen recht schnell. Bereits am Tag nach der Ansteckung bis spätestens zum zehnten Tag danach können Symptome auftreten.

Beschwerdebild für beide Formen von Typhus

Meist beginnen beide Formen zunächst mit allgemeinen Krankheitsbeschwerden wie Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Daran schließen sich Magen-Darm-Beschwerden an. Diese äußern sich unter Umständen zunächst in einer Verstopfung und gehen danach in Erbrechen und starken Durchfall über.

Zusätzlich leiden die Patienten unter Fieber. Bei Typhus abdominalis kann das Fieber sehr stark ausgeprägt sein: Es können Temperaturen um 40 Grad Celsius auftreten, die durchaus über drei Wochen hinweg anhalten.

Weitere Symptome können stecknadelkopfgroße, hellrote Hautausschläge in der Bauchgegend sein. Diese nichtjuckenden Hautausschläge treten zwar recht selten auf, sind aber charakteristisch für Typhus.

Leichterer Krankheitsverlauf bei Paratyphus
Bei Paratyphus verläuft die Erkrankung generell weniger schwer als bei Typhus abdominalis. Die Krankheitszeichen sind weniger heftig ausgeprägt und die Krankheitsdauer beträgt nur vier bis zehn Tage. Bei Typhus abdominalis kann sich die Erkrankung durchaus über drei bis vier Wochen hinziehen.

Welche Folgeerkrankungen können auftreten?

Im schlimmsten Fall können Typhus-Erkrankungen tödlich enden. Besonders Kinder unter einem Jahr sind von solchen schweren Verläufen betroffen.

Möglich sind zudem schwere Komplikationen, die den gesamten Körper betreffen können. Dazu gehören unter anderem Darmblutungen und -durchbrüche, Bauchfellentzündungen sowie eine Entzündung der Gallenblase mit einer Zerstörung des Gallengewebes. Weiterhin können Verklumpungen der Blutplättchen zu schweren Durchblutungsstörungen führen, die sogar einen Schlaganfall und Herzinfarkt auslösen. Da sich die Bakterien im Körper ausbreiten können, können sich zudem die Knochen und das Knochenmark sowie das Herz und die Hirnhäute entzünden.

Diagnose von Typhus

Bereits beim bloßen Verdacht auf eine Typhus-Erkrankung werden dem betreffenden Patienten umgehend Antibiotika verordnet. Anschließend wird ein Nachweis der Erreger, der Typhus-Bakterien, durchgeführt. Diese können im Blut, Knochenmark, Harn, Stuhl und Verdauungssaft des Zwölffingerdarms nachgewiesen werden. In der Regel erfolgt der Nachweis durch eine Blutuntersuchung.

Bei Typhus gibt es eine Meldepflicht

Typhus ist eine meldepflichtige Erkrankung. Bereits bei einem Verdacht muss der Arzt dem örtlichen Gesundheitsamt den Fall und den Namen des Patienten melden. Die Gesundheitsämter legen für an Typhus Erkrankte und Kontaktpersonen besondere Maßnahmen fest. Beispielsweise dürfen Gemeinschaftseinrichtungen und Arbeitsplätze in Lebensmittelbetrieben erst wieder aufgesucht werden, wenn mehrere Stuhlproben hintereinander negativ sind; das heißt, wenn bei den Stuhluntersuchungen keine Typhus-Bakterien mehr nachgewiesen werden können.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Erwachsenen Patienten wird zur Antibiotika-Therapie häufig Ciprofloxacin verordnet. Ebenso kommen für Kinder und Erwachsene solche Antibiotika zum Einsatz, die ein breites Erregerspektrum abdecken, die sogenannten Breitband-Antibiotika. Bei Typhus sind das vorwiegend Wirkstoffe der Gruppe Cephalosporine wie etwa das Ceftriaxon. Weiterhin werden auch die Antibiotika Cotrimoxazol und Amoxicillin eingesetzt.

Eine frühzeitige Therapie mit Antibiotika senkt die Sterblichkeitsrate unter ein Prozent und vermindert die Rate an Komplikationen.

Dauerausscheider

Sind nach erfolgter Behandlung über mehr als sechs Monate hinweg immer noch Erreger im Stuhl nachweisbar, handelt es sich bei dem Betreffenden um einen sogenannten Dauerausscheider. Diese sind zwar nicht mehr selbst krank, können allerdings andere Menschen mit Typhus anstecken.

Dauerausscheider werden ebenfalls mit Antibiotika therapiert. Die Antibiotika müssen dabei bis zu vier Wochen lang eingenommen werden.

Wichtig zu wissen - Immunschutz

Auch wer eine Typhus-Erkrankung überstanden hat, besitzt keine lebenslange Immunität. Nach einer Erkrankung besteht für ein Jahr ein Immunschutz. Wer jedoch mit einer hohen Anzahl an Typhus-Bakterien in Kontakt kommt, läuft Gefahr, auch innerhalb des Folgejahres erneut zu erkranken.

Auch an Typhus denken
Da Typhus in Deutschland aufgrund der guten hygienischen Standards so gut wie gar nicht mehr vorkommt, sind die meisten Erkrankungen daran aus dem Ausland eingeführt worden. Wer nach einem Urlaub mehrere Tage lang an Fieber und Magen-Darm-Beschwerden leidet, sollte deshalb auch an eine mögliche Infektion mit Typhus-Bakterien denken. Der behandelnde Arzt sollte auf jeden Fall über die zurückliegende Reise informiert werden.

Kann ich mich mit einer Impfung gegen Typhus schützen?

Einen wirksamen Schutz gegen diese Erkrankung kann eine Impfung bieten. Diese gibt es allerdings nur gegen die Erreger Salmonella Typhi. Nicht geimpft werden kann gegen Salmonella Paratyphi. Gegen Salmonella Typhi gibt es zwei unterschiedliche Impfungen. Die eine wird gespritzt und die andere geschluckt.

Allerdings schützt die Impfung gegen Salmonella Typhi nur etwa 60 Prozent der geimpften Personen.

Penible Hygiene bei Lebensmitteln

Da die Impfung nur 60 Prozent der Geimpften wirksam schützt, sind weitere Schutzmaßnahmen erforderlich. Das gilt ganz besonders für die Lebensmittelhygiene im Urlaub. Denn die Typhus-Bakterien werden vor allem über Lebensmittel und Trinkwasser aufgenommen.

Leitungswasser sollte unbedingt stets abgekocht werden. Lebensmittel, für deren Herstellung Leitungswasser verwendet wird, wie etwa Eis und Eiswürfel, sollten vermieden werden. Auch rohe oder nicht ausreichend erhitzte Speisen wie Salate, Meeresfrüchte, roher Fisch, ungeschältes Obst oder Säfte sollte man nicht verzehren.

Wann und wie oft sollte man gegen Salmonella Typhi impfen?

Gegen diese Bakterien gibt es zwei verschiedene Arten der Impfung: Bei der gespritzten Impfung kommt ein Totimpfstoff und bei der Schluckimpfung ein Lebendimpfstoff zum Einsatz.

Gespritzte Impfung

Der Totimpfstoff, der gespritzt wird, darf ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr eingesetzt werden. Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger oder Bruchstücke von diesen (daher auch der Name) und regen damit das Immunsystem an, Antikörper zu bilden.

Der Impfstoff zum Spritzen wird einmal verabreicht. Der Impfschutz bildet sich dann zwei Wochen nach der Impfung aus und hält ungefähr ein bis drei Jahre an.

Schluckimpfung

Der Impfstoff, der geschluckt wird, ist ein Lebendimpfstoff. Er ist für Kinder ab dem vollendeten fünften Lebensjahr zugelassen. Zur Impfung werden drei Kapseln im Abstand von zwei Tagen geschluckt. Die Kapseln müssen nüchtern, d. h. mindestens eine Stunde vor einer Mahlzeit, eingenommen werden. Der Impfschutz setzt zehn Tage nach Einnahme der dritten Kapsel ein.

Auffrischimpfung

Ist drei Jahre nach der Impfung eine weitere Reise in ein Land mit einem erhöhten Risiko für Typhus geplant, muss bei beiden Impfstoffen – Tot- und Lebendimpfstoff – eine Auffrischimpfung erfolgen. Bei der Schluckimpfung ist eine Auffrischimpfung eventuell schon nach einem Jahr empfehlenswert. Es müssen dann wieder drei Kapseln eingenommen werden.

Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission keine routinemäßige Impfung. Sollte man mit Personen, die Typhus haben, in Kontakt gekommen sein, ist es ratsam, direkt ärztlichen Rat einzuholen. Eine schnelle vorsorgliche Einnahme von Antibiotika hilft, dieser schweren Erkrankung vorzubeugen.

Ist eine Reiseschutzimpfung gegen Typhus erforderlich?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt bei Reisen in Länder mit einem niedrigen Hygienestandard eine Impfung gegen Typhus.

Der Barmer Teledoktor bietet allen Versicherten eine kostenfreie individuelle Beratung zu notwendigen Impfungen für das jeweilige Reiseziel an. Sie erreichen den Barmer Teledoktor über die Teledoktor-App oder die Hotline 0800 3333 500.

Mit dem Impfplaner im digitalen Gesundheitsmanager haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, alle Impftermine – auch für Ihre Urlaubsreise – stets im Blick zu behalten. 

Quellenangaben

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Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a004750 Letzte Aktualisierung: 27.11.2019
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