Tabu

Übermäßiges Schwitzen – wenn der Schweiß zum Problem wird

Lesedauer unter 4 Minuten
Grafik Rubrik Tabu

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Schweißränder am T-Shirt, feuchte Hände, glitschige Füße, Rinnsale vom Kopf: Bis zu eineinhalb Millionen Menschen hierzulande läuft der Schweiß auch ohne Hitze und Anstrengung in Strömen. Starkes Schwitzen bringt dabei nicht nur Normalbürger in Verlegenheit; auch viele Stars kennen das Problem – und wirksame Behandlungen dagegen, wie zum Beispiel bestimmte Deodorants. 

Welcher Arzt ist der richtige Ansprechpartner?

Die meisten, die unter übermäßigem Schwitzen leiden, kontaktieren zunächst ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt. In der Praxis werden häufige Ursachen für starkes Schwitzen ausgeschlossen wie etwa Probleme mit der Schilddrüse. Liegt keine andere Ursache zugrunde, sollte man einen Termin beim Hautarzt vereinbaren. Denn: Schwitzen ist eine Funktion unserer äußeren Hülle. Indem das Schwitzwasser verdunstet, wird die Körperoberfläche gekühlt. Die Schweißdrüsen sind so genannte Hautanhangsgebilde und gehören mit zur Haut. Ein Hautarzt oder Facharzt für Dermatologie ist daher die beste Anlaufstelle bei starkem Schwitzen.

Wie sage ich’s dem Arzt?

Für Hautärztinnen und Hautärzte ist die Behandlung übermäßigen Schwitzens Routine. Also: einfach Beschwerden klar schildern. Welche Körperpartien sind betroffen? Wann schwitzt man besonders stark? Fachleute wissen dann schon, was sie für die genaue Diagnose weiter tun müssen. Tipp: Weder Hemd noch Bluse vor der Untersuchung wechseln. Schweißflecken unter den Achseln, getrocknete Salzspuren oder feuchte Hände sind für den Arzt und die Ärztin wichtige Hinweise.

Übermäßiges Schwitzen ist gar nicht so selten: Etwa 1 bis 2 Prozent der Menschen hierzulande leiden darunter. Es ist ratsam, ganz offen über die Schweißattacken zu sprechen und zu erklären, warum man ungern die Schuhe auszieht, mehrmals am Tag das T-Shirt wechselt und regelmäßig unter die Dusche springt. Mit ärztlicher Hilfe werden sich die Beschwerden in der Regel bald bessern.

Wie werde ich untersucht?

Es gibt keinen Labor- oder Messwert, der klar aussagt, ob die Schwitzerei noch normal oder schon krankhaft ist. Normalerweise erkennen Fachleute das Krankheitsbild schon an den geschilderten Symptomen. Der Fachausdruck für zu starkes Schwitzen lautet „Hyperhidrose“. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „zu viel Wasser“. Die Ursache für eine Hyperhidrose sind Schweißdrüsen, die ohne Anlass auf Hochtouren laufen. Zusätzliche Untersuchungen wie der Jod-Stärke-Test oder die sogenannte Gravimetrie helfen, die Erkrankung in Ausdehnung und Verlauf beurteilen. Beim Jod-Stärke-Test werden Körperstellen farblich markiert, die vom übermäßigen Schwitzen betroffen sind. Die Gravimetrie misst, wie viel Schweiß der Körper in einer bestimmten Zeit produziert und kann besonders einen Verlauf im Rahmen einer Therapie beschreiben.

Welche Behandlungen gibt es?

Deoroller oder Cremes mit Aluminiumsalzen sind die einfachste Möglichkeit, das Schwitzen an Händen, Füßen oder unter den Achseln zu verringern. Die Salze verstopfen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen und mindern so den Schweißfluss.

Aluminiumsalze in Kosmetikprodukten werden seit einigen Jahren kontrovers diskutiert – sie stehen im Verdacht, das Risiko von Brustkrebs und Alzheimer zu erhöhen. In Studien gibt es bislang keine Hinweise oder Belege dafür. Auch das Wissenschaftskomitee für Verbraucherschutz der Europäischen Union verweist nicht auf eine erhöhte Krebsgefahr. Das Bundesamt für Risikobewertung weist ebenfalls auf die geringe Aussagekraft der wissenschaftlichen Daten zum Risiko von Aluminium in Deos hin, rät aber dazu, den Verbrauch insgesamt zu reduzieren und die Anwendung zu vermeiden, wenn die Hautbarriere geschwächt sein könnte, etwa direkt nach der Rasur der Achselhöhlen.

Eine weitere Methode ist die Leitungswasser-Iontophorese, bei der man Hände und/oder Füße in zwei mit Leitungswasser gefüllte Kunststoffwannen hält, durch die Elektroden schwachen Strom leiten. Es gibt auch spezielle Polster für die Achselhöhlen, die vor der Anwendung der Leitungswasseriontophorese mit Wasser getränkt werden. Durch die Schwierigkeit der Körperregion Achsel funktioniert die Iontophorese an Händen und Füßen in der Regel besser. Die Schweißdrüsen sind dadurch nicht mehr so leicht erregbar. Das mindert den Schweißfluss. Elegant und wirkungsvoll ist eine Therapie, bei der die Schweißdrüsen mit dem Nervengift Botulinumtoxin blockiert werden. Das Gift verhindert, dass die Drüsen weiterhin Signale erhalten; sie springen dadurch nicht mehr an. Die Injektionen müssen alle paar Monate wiederholt werden. Da es sich bei Botulinumtoxin um ein körperfremdes Gift handelt, kann es zur Bildung von Antikörpern kommen, die dann nach einigen Behandlungen die Wirkung des Botulinumtoxins aufheben. Reicht Botulinumtoxon nicht oder nicht mehr, gibt’s noch operative Möglichkeiten.

Tipps für den Alltag bei zu starkem Schwitzen
 

  • Grüner Haken

    Klamotten

    Tragen Sie Lederschuhe und luftige Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle. Und bevorzugen Sie dunkle Blusen oder Shirts – auf hellen fallen Schweißflecken stärker auf.

     
  • Grüner Haken

    Entspannung

    Stress kann Schwitzattacken verstärken. Beugen Sie ihm deshalb gleich vor – mit autogenem Training, Yoga oder progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen. 

     
  • Grüner Haken

    Gewicht

    Menschen mit Übergewicht neigen eher zu Schweißausbrüchen. Wer unter Hyperhidrose leidet und ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, sollte deshalb abnehmen.

     
  • Grüner Haken

    Ernährung

    Meiden Sie zu heiße oder zu scharfe Speisen, denn sie regen die Schweißproduktion an. Auch Alkohol oder Kaffee können als Auslöser eine Rolle spielen. 

     

E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a006841 Letzte Aktualisierung: 20.09.2021
Nach oben