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Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

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Autor/in

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Inhaltsverzeichnis

Wer ständig antriebslos ist, einen niedrigen Puls hat und über Verstopfung klagt, fragt sich, woran das liegen mag. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben, sind aber auch typisch für eine Schilddrüsenunterfunktion. Mit Bluttests lässt sich die Erkrankung sicher feststellen.

Auf einen Blick

Die Schilddrüse bildet Hormone, die sehr viele Vorgänge im Körper steuern. Wenn die Schilddrüse (Thyroidea) zu wenig Hormone herstellt, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion. Der Fachbegriff hierfür lautet Hypothyreose. Sie kann zu verschiedenen Beschwerden führen – zum Beispiel zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Hautveränderungen oder Verstopfung.

Bei den meisten Menschen wird eine Schilddrüsenunterfunktion durch eine chronische Entzündung der Schilddrüse verursacht. Die Unterfunktion lässt sich durch Tabletten mit Schilddrüsenhormonen ausgleichen, die täglich eingenommen werden. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel.

Welche Symptome können auftreten?

Wenn Schilddrüsenhormone fehlen, verlangsamt sich der Stoffwechsel. Dies kann viele Körperfunktionen betreffen und ganz unterschiedliche Beschwerden auslösen. So kann zum Beispiel die körperliche Leistungsfähigkeit abnehmen. Mögliche Symptome sind dann:

  • Schwäche und Müdigkeit
  • ein niedriger Puls
  • Kurzatmigkeit

Auch psychische Probleme sind möglich, etwa

  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Teilnahmslosigkeit (Lethargie)
  • Depressionen oder andere psychische Auffälligkeiten

Außerdem kann es zu bestimmten körperlichen Veränderungen kommen, zum Beispiel:

  • trockene, vor allem im Gesicht teigig verdickte Haut
  • trockenes Haar, Haarausfall
  • leichte bis mäßige Gewichtszunahme
  • vergrößerte Schilddrüse (auch Struma oder Kropf genannt)
  • eine tiefe, heisere Stimme
  • eine vergrößerte Zunge
  • Verstopfung
  • starke Regelblutungen oder Störungen des Menstruationszyklus, eingeschränkte Fruchtbarkeit
  • Erektionsstörungen
  • Schwerhörigkeit

Andere Beschwerden können den gesamten Körper betreffen, wie

  • Kälteempfindlichkeit, Frieren
  • Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl
  • verlangsamte Reflexe

Grafik: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann viele unterschiedliche Symptome hervorrufen

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Säuglingen oder Kindern nicht behandelt, hemmt sie das Wachstum und die geistige Entwicklung. Dazu kommt es hierzulande aber nur sehr selten, weil die Erkrankung meist direkt nach der Geburt erkannt und dann gut behandelt wird.

Welche Ursachen hat Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)?

Verschiedene Ursachen können dazu führen, dass die Schilddrüse nicht mehr genug Hormone bildet:

  • Entzündung der Schilddrüse: Das Organ kann sich aufgrund einer Autoimmunreaktion entzünden. Man spricht dann von einer Hashimoto-Thyreoiditis. Sie ist hierzulande der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Außerdem kann eine Infektion eine Entzündung auslösen. Manchmal bleibt die Ursache auch unklar.
  • Entfernung der Schilddrüse oder Strahlentherapie: Bei bestimmten Erkrankungen wie einer Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenkrebs wird die Schilddrüse bestrahlt oder in einer Operation teilweise oder ganz entfernt. Dann werden zu wenig oder gar keine Schilddrüsenhormone mehr produziert.
  • ausgeprägter Jodmangel: Der Körper benötig das Spurenelement Jod, um Schilddrüsenhormone bilden zu können. Eine ausgewogene Ernährung hilft, sich ausreichend mit Jod zu versorgen: Geeignete Lebensmittel sind Milchprodukte, Fisch und jodiertes Speisesalz.
  • Medikamente: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch durch Medikamente verursacht werden, etwa als Nebenwirkung von Antidepressiva mit dem Wirkstoff Lithium. Andere Medikamente werden extra eingesetzt, um bei einer Schilddrüsenüberfunktion die gesteigerte Bildung von Schilddrüsenhormonen zu drosseln. Sind sie zu hoch dosiert, kann es zu einer Unterfunktion kommen.
  • angeborene Schilddrüsenunterfunktion: Eine Schilddrüsenunterfunktion ist nur selten genetisch bedingt. Sie kann auch ausgelöst werden, wenn die werdende Mutter zum Beispiel zu wenig Jod aufnimmt oder ihr Immunsystem Antikörper gegen Schilddrüsengewebe bildet.

Bei all diesen Formen ist die Funktion der Schilddrüse selbst gestört. Fachleute fassen sie deshalb als „primäre Schilddrüsenunterfunktion“ zusammen. Selten kann auch eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse oder des Hypothalamus im Gehirn zu einer Unterfunktion führen: Diese Organe steuern die Hormonproduktion der Schilddrüse. Funktionieren sie nicht richtig, bildet die eigentlich gesunde Schilddrüse zu wenig Hormone. Dies wird als zentrale Schilddrüsenunterfunktion bezeichnet.

Wer ist von Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) betroffen?

In Ländern wie Deutschland haben ungefähr 5 von 100 Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion. Frauen und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen. Bei etwa 1 von 3400 Neugeborenen ist die Schilddrüsenunterfunktion angeboren.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Wie eine Schilddrüsenunterfunktion verläuft, hängt von ihrer Ursache ab. Oft entwickelt sie sich schleichend, weil sie sehr häufig durch eine Entzündung der Schilddrüse ausgelöst wird. Diese führt in der Regel zu einem langsamen Abbau des Schilddrüsengewebes, was lange unbemerkt bleiben kann: Denn das restliche Gewebe gleicht den Verlust lange aus, indem es mehr Hormone herstellt. Wenn das nicht mehr gelingt, kommt es zu Beschwerden. Wird die Unterfunktion nicht behandelt, können sich verschiedene Probleme entwickeln.

Manchmal erholt sich die Schilddrüse aber auch von selbst – zum Beispiel, wenn die Entzündung abklingt.

Wie wird die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst nach Beschwerden fragen und die Schilddrüse abtasten. Weil viele Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion auch andere Ursachen haben können, werden Bluttests gemacht, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.

Dabei werden die Werte der Schilddrüsenhormone („Schilddrüsenwerte“) gemessen. Dazu gehören zum einen die Schilddrüsenhormone selbst. Wichtig ist aber auch ein weiteres Hormon, das TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon). Es wird nicht in der Schilddrüse, sondern in der Hirnanhangsdrüse produziert. Das TSH regt die Schilddrüse an, Schilddrüsenhormone zu bilden.

Ein erhöhter TSH-Wert im Blut kann ein Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Denn sobald die Schilddrüse schwächer wird, reagiert die Hirnanhangsdrüse darauf: Sie erhöht die eigene TSH-Produktion, um die Schilddrüse stärker anzuregen. Bei einer ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion reicht das aber nicht mehr aus: Dann gibt die Schilddrüse zu wenig Hormone ins Blut ab. Das lässt sich durch die Blutuntersuchung ebenfalls erkennen.

Welche Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Um eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion früh erkennen und behandeln zu können, wird bei allen Neugeborenen routinemäßig der TSH-Wert bestimmt (Screening). Bei auffälligem Ergebnis werden außerdem die Werte der Schilddrüsenhormone gemessen.

Erwachsenen wird kein Screening empfohlen. Denn ein auffälliger TSH-Wert bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet und Beschwerden auftreten. Leicht erhöhte TSH-Werte bilden sich zudem recht oft zurück, manchmal auch nach längerer Zeit. Ein auffälliges Ergebnis könnte daher unnötige weitere Untersuchungen, Behandlungen und Sorgen nach sich ziehen.

Wenn der TSH-Wert erhöht ist, aber ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden und keine Beschwerden auftreten, spricht man von „latenter“ Schilddrüsenunterfunktion.

Pro Jahr entwickeln 2 bis 5 von 100 Menschen mit einer latenten Schilddrüsenunterfunktion eine Unterfunktion mit Symptomen. Ob sich diese Entwicklung durch eine frühzeitige Behandlung verhindern lässt, ist unklar.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Einer Schilddrüsenunterfunktion durch Jodmangel lässt sich durch eine ausreichende Jodversorgung vorbeugen. In Deutschland ist Jodmangel aber nur selten die Ursache.

Fachleute empfehlen, bei der Ernährung auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten. Dazu reicht es, wenn täglich Milch oder Milchprodukte und öfter mal Meeresfisch auf dem Speiseplan stehen. Außerdem wird empfohlen, jodiertes Speisesalz zu verwenden.

Auch manche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Jod. Die tägliche Einnahme solcher Mittel kann problematisch sein, wenn sie mehr als 100 µg Jod enthalten: Wer dauerhaft zu viel Jod zu sich nimmt, erhöht das Risiko für eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine Überdosierung durch Lebensmittel ist aber kaum möglich. Eine Ausnahme sind getrocknete Algen, insbesondere Seetang.

Welche Krankheitsfolgen können auftreten?

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, können langfristig Komplikationen auftreten. Vor allem bei Kindern können die Folgen schwerwiegend sein. Einige sind später nicht mehr rückgängig zu machen – wie etwa Kleinwüchsigkeit, Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit oder geistige Entwicklungsstörungen. Davor schützen heutzutage das Neugeborenen-Screening und eine frühzeitige Behandlung.

Auch wenn Erwachsene erkranken und nicht behandelt werden, sind Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma möglich. Dazu kommt es aber nur sehr selten.

Wie wird Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) behandelt?

Das fehlende Schilddrüsenhormon Thyroxin wird durch ein Medikament ersetzt, das dem körpereigenen Hormon entspricht. Der Wirkstoff wird auch als Levothyroxin oder L-Thyroxin bezeichnet. Das Medikament bringt die Hormonwerte in den normalen Bereich. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel vollständig. Bis sich der Hormonspiegel im Körper eingependelt hat, dauert es etwa 2 bis 3 Monate. Je nach Ursache wird eine Unterfunktion vorübergehend oder lebenslang behandelt.

Thyroxin wird einmal am Tag eingenommen. Oft wird empfohlen, die Tablette morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser einzunehmen. Der Körper soll den Wirkstoff nüchtern besser aufnehmen können. Es ist aber auch möglich, die Tablette abends vor dem Schlafengehen einzunehmen.

Nebenwirkungen treten bei richtiger Dosierung praktisch nicht auf. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht. Eine zu hohe Dosis kann zu Nervosität führen. Deshalb wird die Dosierung in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Später reicht es meist aus, die Werte einmal im Jahr zu kontrollieren.

Bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion ist nur der TSH-Wert erhöht. Der Hormonspiegel ist normal. Fachleute sind unterschiedlicher Meinung, ob sie behandelt werden soll.

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