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Lymphome – Lymphdrüsenkrebs

Lesedauer unter 9 Minuten
Stilisierte Darstellung von Lymphdrüsenkrebszellen

Autor/in

Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Lymphe ist eine wässrige Flüssigkeit in unserem Körper. Sie fließt in Lymphgefäßen durch unseren Körper. Die Flüssigkeit ist ein wichtiges Transportsystem. Es transportiert Abfall- und Nährstoffe. In den Lymphknoten findet die Entsorgung statt, hier werden Bakterien und Krankheitserreger vernichtet. Jedes Jahr erkranken etwa 20.000 Menschen in Deutschland an einem Lymphom. Die Krankheit, die das Abwehrsystem schwächt, trifft hauptsächlich ältere Menschen jenseits der 60, bei einer älter werdenden Bevölkerung ist die Häufigkeit daher steigend. Einige Lymphome können aber auch bei jüngeren Menschen oder Kindern auftreten. 

Das passiert im gesunden Lymphsystem

Lymphe, Lymphknoten und Lymphbahnen haben für unseren Körper eine wichtige Aufgabe, nämlich: die Abwehr von Krankheitserregern. Als "Abwehrsystem" hat es mehrere Bausteine, nämlich die Rachenmandeln, die Milz, die Lymphknoten, das Knochenmark. Die Bausteine werden auch als lymphatisches Organe bezeichnet. Auch Magen, Darm und Haut gehören indirekt zum System, denn in ihnen gibt es sogenanntes lymphatisches Gewebe.

Die Lymphe fließt auch durch zahlreiche Lymphknoten. Davon gibt es mehrere hundert im menschlichen Körper. Viele davon in den Regionen um Kopf, Hals, Achselhöhle, Brust und Bauch. Diese Knoten funktionieren wie kleine Klärwerke und reinigen die Gewebeflüssigkeit von Krankheitserregern und Fremdstoffen. Sie sind gruppenweise für bestimmte Körperpartien zuständig. Werden die Lymphknoten besonders gefordert, weil beispielsweise ein Infekt im Körper ist, können sie anschwellen. Dann sind sie manchmal am Hals oder in der Leiste zu ertasten. Sie sind normalerweise relativ klein, unter einen Zentimeter im Durchmesser. System.

Was ist ein Lymphom?

Von einem "Lymphom" spricht man, um zu beschreiben, dass dieses System nicht funktioniert, also krank ist. Ist die Krankheit so, dass sie das Abwehrsystem, also das lymphatische System, sehr stark schwächt, oder es gar zerstört, sprechen Medizinier von "malignen" Lymphomen. 

Dabei handelt es sich um geschwollene Lymphknoten, in denen bestimmte Teile der weißen Blutkörperchen, die Lymphozyten, unkontrolliert wachsen. Und die Funktion der Lymphknoten ausschalten. Das kann aber auch an anderen Stellen des Körpers passieren, etwa im sogenannten lymphatischen System oder, seltener, in anderen Organen.

Eine Krebserkrankung, die von Organen wie dem Darm oder der Lunge ausgeht, kann sich im Körper ausbreiten. Die ersten Stationen der sich über die Lymphbahnen ausbreitende Krebszellen sind nahe am Organ liegende Lymphknoten. Dann handelt es sich um Absiedlungen des Ursprungstumors, um sogenannte Metastasen.  Lymphome sind hingegen Krebserkrankungen des lymphatischen Gewebes selbst, umgangssprachlich auch Lymphdrüsenkrebs oder Lymphknotenkrebs genannt. Das ist eine systemische Krankheit, die viele Lymphknoten im ganzen Körper befallen und nur sehr selten durch eine lokale Therapie geheilt werden kann. Lymphome sind also in diesem Sinne keine Metastasen.

Welche Arten von Lymphdrüsenkrebs gibt es ?

Ein malignes oder auch "bösartiges" Lymphom entsteht, wenn in einer Zelle des lymphatischen Systems ein Fehler auftritt und sie sich in der Folge unkontrolliert vermehrt. Das kann in einem Lymphknoten passieren. Da sich an vielen Stellen des Körpers lymphatisches Gewebe befindet, kann sich der Krebs auch im Magen, Darm oder in der Haut bemerkbar machen.

Es gibt viele verschiedene Arten von Lymphozyten, die verschiedene Stadien der Entwicklung durchlaufen. Je nachdem, welche Zelle in welchem Entwicklungsstadium unkontrolliert wächst, entstehen andere Krankheitsbilder. Es gibt daher viele verschiedene Lymphome, also Arten von Lymphdrüsenkrebs.

Niedrig-maligne Lymphome

Die niedrig-malignen oder indolenten Lymphome, wachsen eher langsam, über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Es handelt sich um chronische Krankheiten, die in der Regel nicht heilbar, aber über Jahre hinweg behandelbar sind. Zu den niedrig-malignen zählen:

  • Follikuläres Lymphom
  • Multiples Myelom
  • MALT-Lymphom
  • bestimmte B-Zell-Lymphome
  • Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Die letzte Erkrankung heißt zwar Leukämie, wird aber mittlerweile zu den Lymphomen gerechnet.

Hoch-maligne Lymphome

Diese wachsen schnell und aggressiv. Hier ist es oft möglich, mit einer ersten intensiven Behandlung die Erkrankung zu heilen . Beispiele hierfür sind: das diffuse großzellige Lymphom sowie das Burkitt-Lymphom.

Hodgkin-Lymphom, auch Hodgkin-Krankheit oder Morbus Hodgkin genannt

Diese Krankheit ist nach dem englischen Arzt Sir Thomas Hodgkin benannt. Er beschrieb sie im Jahr 1832 als erster. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 2.500 Menschen neu daran. Wer eine HIV-Infektion im fortgeschrittenen Stadium hat, hat jedoch ein erhöhtes Risiko für ein Hodgkin-Lymphom. Eine Besonderheit ist, dass es häufig junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren trifft. Sie ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen.

Non-Hodgkin-Lymphome

85 von 100 Lymphomen sind keine Hodgkin-Lymphome, also Non-Hodgkin-Lymphome. Früher war dies die offizielle Einteilung: der Krankheiten. Heute unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Lymph-Krankheiten nach der Art der Zelle, von der die Erkrankung ausgeht.

Diagnose - Woran erkenne ich Lymphdrüsen-Krebs?

Ein typisches Symptom für Lymphdrüsenkrebs sind geschwollene Lymphknoten. Da sie jedoch beim Abtasten nicht schmerzen, merkt der Betroffene die Veränderung meist nicht. Aber keine Panik: Die Lymphknoten am Hals schwellen auch an, wenn wir Erkältungen oder normale Entzündungen im Körper haben. Allerdings sind sie in diesen Fällen leicht druckempfindlich.

Weitere durch ein Lymphom verursachte Symptome können sehr unspezifisch sein. Dazu gehören:

  • Übelkeit, Sodbrennen, Appetitlosigkeit und starker Gewichtsverlust
  • allgemeine Müdigkeit, Abgeschlagenheit oder Blässe
  • Fieber ohne erkennbare Ursache
  • starkes nächtliches Schwitzen (das einen Wechsel von Nachthemd oder Pyjama erforderlich macht)
  • Kopfschmerzen
  • Juckreiz
  • Völlegefühl (z. B. durch eine vergrößerte Milz)
  • Bauchschmerzen oder Verdauungsstörungen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Husten und Atembeschwerden
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Da ein Lymphom vom lymphatischen Gewebe in unterschiedlichen Teilen des Körpers ausgehen kann, sind die möglichen Symptome sehr vielfältig. Grundsätzlich gilt: Wenn die Beschwerden erstmalig auftreten und über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen anhalten, sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen.

Diagnose - wie stellt der Arzt Lymphdrüsenkrebs fest?

Lymphdrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems. Besteht hierfür ein Verdacht, ist eine Blutuntersuchung der erste Schritt zur Diagnose. Eine Gewebeprobe (Biopsie) kann den Verdacht bestätigen oder ausräumen. Bei einer Biopsie entfernt der Arzt dem Patienten, meist unter örtlicher Betäubung, einen Lymphknoten, der anschließend untersucht wird.

Wenn es sich um ein bösartiges Lymphom handelt, geben weitere Untersuchungen Aufschluss darüber, wie weit sich die Krankheit im Körper ausgebreitet hat (Staging). Hier kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonografie), Röntgen, Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz.
Kennt man die genaue Art und seine Ausbreitung im Körper, lässt sich das Stadium des Lymphoms bestimmen. Dies ist wichtig, denn: Die Behandlung kann je nach Krankheitsstadium sehr unterschiedlich sein.

Ursachen - Wie bekommt man Lymphdrüsenkrebs?

Bei den meisten Formen von Lymphdrüsenkrebs ist die Ursache nicht bekannt. Es gibt Risikofaktoren. Sie bewirken, dass Zellen entarten, etwa ihre Funktion verlieren und sich nicht mehr "selbst reparieren" können. Diese veränderten Lymphzellen sammeln sich in Lymphknoten oder einem der oben genannte Systembausteine, also der Miliz, oder Darm oder Knochenmark:

Das sind mögliche Risikofaktoren:

  • HIV-Erkrankung  oder eine
  • Organtransplantation.
  • Viruserkrankungen, , etwa das Epstein-Barr-Virus, Ursache für das Pfeiffersche-Drüsenfieber.
  • Chemische Substanzen,
  • Strahlenbelastung

Behandlung – welche Therapien helfen bei Lymphdrüsenkrebs?

Bei langsam fortschreitenden Krankheiten des Lymphsystems ist manchmal gar keine medizinische Behandlung nötig. Dennoch muss der Patient regelmäßig zu Untersuchungen. Sie geben Aufschluss über Verlauf und Fortschritt der Krankheit und sind daher extrem wichtig. Für Patienten ist es vielleicht schwierig auszuhalten, trotz der ernsten Diagnose zunächst einfach nur abzuwarten. Der verzögerte Behandlungsbeginn bietet jedoch Vorteile. Erkrankte ersparen sich zu einem frühen Zeitpunkt Behandlungen, die eventuell belastender und riskanter sind als das Lymphom selbst. Für das abwartende Umgehen mit der Erkrankung gibt es die englischen Fachbegriffe „watchful waiting“ oder auch „watch-and-wait“ oder „wait-and-see“ (deutsch: beobachten und abwarten).

Nicht bei allen Lymphomen ist diese Strategie des späteren Therapiebeginns möglich. Aggressive und fortgeschrittene Formen brauchen eine in der Regel eine schnelle Behandlung. Da Lymphdrüsenkrebs eine systemische Krankheit ist, kommt häufig eine Chemotherapie zum Einsatz. Sie besteht aus Medikamenten, die das Wachstum sich schnell vermehrender Zellen (wie der Tumorzellen) bremsen. Da eine Chemotherapie, nicht nur bei Lymphdrüsenkrebs, meist im ganzen Körper wirkt, kann sie auch unerwünschte Folgen haben (etwa den Verlust der Haare).

1. Antikörper und Hemmer

Für manche Arten von Lymphdrüsenkrebs gibt es Medikamente, die sich gezielt gegen Tumorzellen richten und bestimmte Mechanismen in der Zellteilung oder im Zellstoffwechsel angreifen. Zu diesen zielgerichteten Therapien zählen zum Beispiel die Antikörpertherapie oder verschiedene Formen von Hemmern (die Signalwege oder Reparaturmechanismen der Krebszellen hemmen). Bei der Immuntherapie soll das Immunsystem des Patienten in die Lage versetzt werden, die Krebszellen zu erkennen und sie selbst zu vernichten. Die meisten dieser Therapien finden ambulant statt. Oft werden sie auch kombiniert, etwa eine Chemotherapie mit einer Antikörpertherapie oder einer Strahlentherapie.

2. Strahlentherapie

Die Strahlentherapie wird meist gegen Tumorgewebe an klar definierten Stellen im Körper eingesetzt. Sie wirkt nur an der bestrahlten Stelle. Da ein Lymphom jedoch den Körper als Ganzes betrifft, wird die Bestrahlung zumeist nicht allein eingesetzt. Das gilt auch für die Operation. Tumorzellen an einer Stelle des Körpers operativ zu entfernen, genügt normalerweise nicht, um Lymphdrüsenkrebs wirksam zu bekämpfen.

3. Allogene Stammzelltransplantation

Für manche Menschen mit einem Lymphom kann eine Stammzelltransplantation als Behandlungsmöglichkeit in Frage kommen. Hier gibt es zwei verschiedene Wege. Bei der allogenen Stammzelltransplantation wird das gesamte Knochenmark durch eine Hochdosis-Strahlentherapie gezielt zerstört und durch gesunde Stammzellen eines Spenders neu aufgebaut. Damit das gelingt, muss es einen passenden Stammzell-Spender mit möglichst ähnlichen Gewebemerkmalen geben. Dieser ist häufig in der Familie zu finden, aber auch Fremdspenden mit Hilfe großer Spenderdatenbanken sind möglich.

4. Autologe Stammzelltransplantation

Hier werden die eigenen Stammzellen des Erkrankten vorher gesammelt und nach einer intensiven Therapie, Hochdosischemotherapie oder Ganzkörperstrahlentherapie, zurückgegeben. Vorteil: Das Immunsystem kann sich schneller erholen und die Gefahr für gefährliche Infektionen ist deutlich geringer. Eine Stammzelltransplantation ist immer risikoreich und sollte sorgfältig abgewogen werden.

Wer behandelt Patienten mit Lymphdrüsenkrebs?

Die Behandlung von Lymphomen erfolgt durch Fachärztinnen und Fachärzte für Hämatologie und medizinische Onkologie (Hämatoonkologen). Oft genügen wenige Besuche in einem Spezialzentrum, um Diagnose und Therapie abzuklären. Um sich besser austauschen zu können und Patienten mit Lymphom eine optimal zu behandeln, schließen Mediziner auch Forschungsnetzwerke. Ein Beispiel ist das Kompetenznetz Maligne Lymphome,. Dort finden Sie Informationen und Kontaktadressen.

Es gibt einen Bereich der Psychologie, der auf die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs spezialisiert ist. Das ist die Psychoonkologie. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann Ihnen weiterhelfen, wenn Sie Kontakte in diese Richtung suchen. Auch die BARMER ist als Ihre Krankenkasse für Sie da, wenn Sie Fragen rund um die Gesundheit haben.

BARMER-Hinweis zur Krebsfrüherkennung

Um ein Lymphom frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig bei typischen Symptomen einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Auch der Gesundheits-Check-up beim Hausarzt, also beim Allgemeinmediziner oder Internisten, kann Krankheitszeichen aufdecken. Die BARMER bezahlt den Check-up für Versicherte ab 18 Jahren.  

Barmer-Tipp

Um sich besser austauschen zu können und Patienten mit Lymphom eine optimale Therapie zu ermöglichen, schließen sich Ärzte zum Teil zusammen und bilden Forschungsnetzwerke. Ein Beispiel ist das Kompetenznetz Maligne Lymphome, wo Sie Informationen und Kontaktadressen finden.

Barmer-Hinweis zur Krebsfrüherkennung
Um ein Lymphom frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig bei typischen Symptomen einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Auch der Gesundheits-Check-up beim Hausarzt, also beim Allgemeinmediziner oder Internisten, kann Krankheitszeichen aufdecken. Der Check-up wird für bestimmte Altersgruppen von der Barmer bezahlt.

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Webcode: a005932 Letzte Aktualisierung: 15.07.2021
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