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Lippenherpes

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Autor/in

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Inhaltsverzeichnis

Bei Lippenherpes bilden sich schmerzhafte Bläschen, typischerweise nur auf einer Seite der Lippen. Wer einmal Lippenherpes hatte, hat häufig immer wieder damit zu tun. Ursache sind bestimmte ansteckende Herpesviren. Da die Erkrankung innerhalb von ein bis zwei Wochen von allein ausheilt, ist eine Behandlung normalerweise nicht nötig. 

Was ist Lippenherpes?

Viele Menschen kennen das: Zunächst kribbelt oder juckt die Lippe, am nächsten Tag schwillt sie an und es bilden sich kleine Bläschen. Die für Lippenherpes typischen Symptome sind zwar lästig, klingen aber normalerweise nach ein bis zwei Wochen von selbst wieder ab.

Ursache sind bestimmte ansteckende Herpes-Viren. Viele Menschen tragen sie in sich, sie lösen aber nicht bei jedem Beschwerden aus. Wer jedoch einmal Lippenherpes hatte, hat häufig immer wieder damit zu tun.

Welche Symptome können auftreten?

Bei Lippenherpes (Herpes labialis) bilden sich schmerzhafte Bläschen, typischerweise nur auf einer Seite der Lippen. Die Bläschen können sich aber auch auf die umliegende Haut oder in die Mundhöhle ausbreiten.

 

Grafik: Lippenherpes, v.l.n.r.: Rötung, Bläschen, Krusten - wie im Text beschrieben

Lippenherpes, v.l.n.r.: Rötung, Bläschen, Krusten

 

Die Bläschen reißen beim Sprechen, Lachen oder Kauen leicht ein und nässen dann. Säuerliche Lebensmittel oder Flüssigkeiten wie Saft oder Essig können die entstandene Wunde reizen. Beim Abheilen bilden sich Schorf oder Krusten.

Wenn Lippenherpes zum ersten Mal auftritt, verursacht er oft heftigere Beschwerden, weil der Körper noch keine Antikörper gegen das Virus gebildet hat. Manchmal kommt es dann zu Symptomen wie Fieber, Schwäche und geschwollenen Lymphknoten im Nackenbereich.

Auch Kleinkinder können fiebern, wenn sie zum ersten Mal Lippenherpes bekommen. Zudem kann sich bei ihnen die Mundschleimhaut stark entzünden und schmerzen. Die Entzündung wird dann auch als Mundfäule bezeichnet, weil sie zu starkem Mundgeruch führt.

Welche Ursachen hat Lippenherpes?

Lippenherpes wird durch Herpes-simplex-Viren verursacht. Es gibt zwei verschiedene Arten, die als Typ 1 und Typ 2 bezeichnet werden. Vor allem der Typ-1-Virus ist für Lippenherpes verantwortlich, er kann aber auch von Herpes simplex Typ 2 ausgelöst werden. Der Herpes-Virus wird durch die Flüssigkeit in den Bläschen oder Geschwüren übertragen, beispielsweise beim Küssen, über gemeinsam benutzte Gegenstände oder beim Oralverkehr.

Die Viren setzen sich in den Knoten (Ganglien) des Gesichtsnervs (Trigeminus-Nervs) fest. Bei einem Ausbruch wandern sie entlang der Nervenfasern in die Lippen und lösen dort die typischen Beschwerden aus. Wenn man sich einmal mit Herpes-Viren angesteckt hat, bleiben sie lebenslang dort.

Die Viren brechen vor allem aus, wenn das Immunsystem geschwächt ist – zum Beispiel durch eine Erkältung oder nach starker körperlicher Anstrengung. Warum einige Menschen immer wieder Lippenherpes bekommen und andere nicht, ist aber nicht vollständig geklärt.

Wer ist von Lippenherpes betroffen?

In Deutschland tragen schätzungsweise 60 bis 90 % der Menschen das Herpes simplex Virus Typ 1 in sich. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, sich angesteckt zu haben. Viele Menschen merken gar nichts davon, weil sie keine Beschwerden haben. Man schätzt, dass das Virus bei etwa 20 bis 40 % der Trägerinnen oder Träger irgendwann zu Lippenherpes führt.

Wie ist der Krankheitsverlauf?

Bei vielen Menschen kribbelt oder juckt die Lippe bereits einige Stunden oder am Tag bevor sich sichtbare Bläschen bilden. Während sie abheilen, können sich Krusten bilden, die ebenfalls leicht einreißen und bluten können.

Es dauert etwa ein bis zwei Wochen, bis der Lippenherpes wieder verschwunden ist. Die kleinen Wunden hinterlassen keine sichtbaren Narben.

Manche Menschen haben immer wieder mit Lippenherpes zu tun – in der Regel ein- bis zweimal im Jahr. Bei etwa 5 bis 10 % der Betroffenen kommt es aber zu mehr als fünf Ausbrüchen pro Jahr. Die Stärke der Beschwerden nimmt aber mit der Zeit oft ab.

Welche Krankheitsfolgen können auftreten?

Lippenherpes heilt bei ansonsten gesunden Menschen folgenlos von selbst aus.

Bei Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder schweren Verbrennungen kann das Herpes-Virus größere Hautbereiche besiedeln. Dazu kommt es aber eher selten.

Bei einem stark geschwächten Immunsystem kann die Entzündung länger andauern, ausgeprägter sein und manchmal auch zu Komplikationen führen. Mögliche Ursachen hierfür sind Immunerkrankungen wie eine HIV-Infektion oder Chemotherapien im Rahmen einer Krebsbehandlung. Medikamente, die nach einer Knochenmark- oder Organtransplantation eingesetzt werden, machen das Immunsystem anfällig.

Wie wird die Diagnose Lippenherpes gestellt?

Lippenherpes lässt sich leicht anhand der typischen Symptome erkennen. Die meisten Menschen, die schon einmal Lippenherpes hatten, wissen bereits bei den ersten Anzeichen, was auf sie zukommt. Ein Arztbesuch ist in der Regel nicht nötig.

Selten tritt die Herpes-Infektion an anderen Hautstellen auf. Dann kann die Ärztin oder der Arzt dort Flüssigkeit aus den Bläschen entnehmen (Abstrich) und im Labor auf Herpes-Viren untersuchen lassen.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Bestimmte Reize können das Herpes-Virus aktivieren, zum Beispiel

  • UV-Strahlen (durch Sonnenlicht oder im Solarium),
  • sehr heiße oder kalte Temperaturen,
  • kleine Verletzungen und Risse an den Lippen sowie
  • körperliche oder psychische Belastungen.

Um das Risiko für einen Ausbruch zu senken, kann man versuchen, solche Faktoren zu meiden. Die Verwendung von Sonnencreme und eine gute Lippenpflege sind ebenfalls Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

Wenn das Virus sehr häufig ausbricht und zu Lippenherpes führt, kann auch eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten infrage kommen. Es ist allerdings kaum untersucht, wie gut sie vor Lippenherpes schützt.

Man kann sich selbst und andere vor einer Infektion schützen, indem man bis zur vollständigen Abheilung der Lippenbläschen und -krusten

  • niemanden küsst,
  • keine Handtücher, Geschirr und Besteck teilt,
  • die Hände wäscht, wenn man sich an die Lippe gefasst hat (zum Beispiel nach dem Auftragen von Salbe),
  • Sport mit Körperkontakt vermeidet und
  • keinen Oralsex hat, denn dabei können die Viren auf die Schleimhäute an den Geschlechtsorganen übertragen werden und Genitalherpes auslösen.

Neugeborene bis zur achten Lebenswoche sind wegen ihres noch unreifen Immunsystems besonders gefährdet. Hat ein Elternteil einen Lippenherpes, sollte es den Säugling nicht küssen, dessen Schnuller nicht in den Mund nehmen, sich regelmäßig die Hände waschen und verhindern, dass das Kind versehentlich die Herpesbläschen berührt.

Wenn man Lippenherpes hat, ist es nicht nötig, sich krankschreiben zu lassen oder vom Unterricht fernzubleiben.

Auch außerhalb eines Ausbruchs ist es möglich, andere anzustecken. Da dies aber nur sehr selten passiert, kann auf Vorsichtsmaßnahmen verzichtet werden, solange man keinen akuten Lippenherpes hat.

Wie wird Lippenherpes behandelt?

Da Lippenherpes von selbst ausheilt, ist eine Behandlung normalerweise nicht notwendig.

Virushemmende Salben, Cremes, Pflaster oder Gele können die Dauer eines akuten Ausbruchs um ungefähr einen Tag verkürzen. Teilweise können sie auch verhindern, dass sich Bläschen und Krusten bilden. Sie enthalten die Wirkstoffe Aciclovir oder Penciclovir und sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Wichtig ist die richtige Anwendung: Wenn sich die ersten Symptome zeigen, sollte die Behandlung innerhalb von 24 Stunden begonnen werden, um zu wirken. Am besten ist es, so früh wie möglich anzufangen. Die Mittel werden dann fünf Tage lang alle 2 bis 3 Stunden auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen.

Im Gegensatz zu den Cremes sind Tabletten mit virushemmenden Wirkstoffen nur auf Rezept erhältlich. Sie können die Krankheitsdauer ebenfalls um etwa einen Tag verkürzen. Ob sie wirksamer sind als eine äußerliche Behandlung, ist unklar. Sie sind aber einfacher anzuwenden, da man sie nur ein- oder zweimal am Tag nehmen muss.

Deutlich größer ist die schützende Wirkung von Tabletten bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, zum Beispiel während einer Chemotherapie.

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