Krankheiten von A bis Z

Lesedauer unter 9 Minuten

Hepatitis A – Reisehepatitis

Lesedauer unter 9 Minuten

Autor

  • Birgit Frohn, Diplom-Biologin

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Eine Hepatitis A wird durch Infektion mit Hepatitis-A-Viren verursacht. Diese Viren lösen eine akute Entzündung der Leber aus, die auch mit einer mehrwöchigen Gelbsucht einhergehen kann. Da sich viele Menschen auf Reisen im Ausland mit Hepatitis-A-Viren infizieren, wird diese Infektionskrankheit auch sehr treffend Reisehepatitis genannt.

Kleines Kind mit Trolli im Flughafen


Etwa die Hälfte der Hepatitis-A-Patienten hat sich im Urlaub über verunreinigtes Trinkwasser und verunreinigte Nahrung mit den Viren angesteckt. Denn in Ländern mit niedrigem Hygienestandard ist Hepatitis A weit verbreitet. Das ungewünschte Souvenir wandert hier nur allzu schnell ins Reisegepäck und mit nach Hause zurück…

Wie erfolgt eine Ansteckung mit Hepatitis A?

Das Hepatitis-A-Virus vermehrt sich in den Leberzellen und wird über den Darm der infizierten Personen ausgeschieden. So erklärt es sich auch, dass die Übertragung des Virus fäkal-oral über eine sogenannte Schmier- oder Kontaktinfektion erfolgt. Dies kann zum Beispiel passieren, wenn Trinkwasser oder Nahrungsmittel aufgenommen werden, die durch Fäkalien verunreinigt sind.

Man kann sich allerdings auch durch engen Personenkontakt anstecken – also über die direkte Berührung mit Menschen, die an Hepatitis A erkrankt sind. Deshalb ist Geschlechtsverkehr ein weiterer, häufiger Infektionsweg für Hepatitis-A-Viren.

Dies gilt auch für Gegenstände, die mit den Viren kontaminiert, sprich verunreinigt sind. Hat man diese berührt und kommt anschließend mit seinen Händen an den Mund, besteht die Gefahr, sich zu infizieren.
Eine Übertragung des Hepatitis-A-Virus durch Blut und Blutprodukte ist selten, aber durchaus möglich.

Die natürliche Immunität schwindet
In Deutschland hatten nach dem Zweiten Weltkrieg fast neunzig Prozent der Kinder und Jugendlichen bereits eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus durchgemacht. Sie waren danach lebenslang immun gegen die Erkrankung.
Da sich der Hygienestandard hierzulande und in anderen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten stark verbessert und die Zahl der Erkrankungen dadurch stetig abgenommen hat, steigt der Anteil der Menschen, die keine natürliche Immunität gegen Hepatitis A besitzen (d.h. einen Schutz, der durch eine frühere Infektion erworben wurde). So erwerben in unseren Bereiten nur noch etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen eine natürliche Immunität gegen Hepatitis A.

Nach der Infektion dauert es etwa zwei bis sieben Wochen, bis die Erkrankung ausbricht und die ersten Symptome auftreten. An Hepatitis A erkrankte Erwachsene sind ein bis zwei Wochen vor und bis zu einer Woche nach dem Auftreten der Krankheitssymptome ansteckend. Infizierte Säuglinge und Kleinkinder hingegen können die Viren sogar über mehrere Wochen im Stuhl ausscheiden.

Was sind Symptome einer Hepatitis A?

Eine Infektion mit Hepatitis-A-Viren macht sich zunächst als fiebrige Magen-Darm-Verstimmung mit Übelkeit und Erbrechen bemerkbar. Dies geht einher mit einem allgemeinen grippeähnlichen Krankheitsgefühl.

An diese Prodromalphase, wie Mediziner sie bezeichnen, kann sich die sogenannte ikterische Phase anschließen. In diesem Zeitraum entwickeln die Patienten eine Gelbsucht. Daher der Name, denn ikterisch ist der medizinische Fachbegriff für gelbsüchtig. Bei einer Gelbsucht vergrößert sich die Leber, entzündet sich und ist nur noch eingeschränkt funktionsfähig.

Wieso Gelbsucht so heißt
Zerfallen alte rote Blutkörperchen, wird der Blutfarbstoff Bilirubin freigesetzt. Er wird normalerweise zur Leber transportiert und dort über die Galle in den Darm ausgeschieden. Schafft die Leber es jedoch aufgrund ihrer Entzündung nicht, das Bilirubin vollständig zu verarbeiten, lagert sich der Farbstoff im Körper ab. Infolge dessen verfärben sich die Haut und das Weiße in den Augen gelb und der Urin wird dunkel. Daher kommt der Name Gelbsucht.

Bei Hepatitis A ist Geduld gefragt

Die bei der Hepatitis A auftretende Leberentzündung heilt zwar sehr gut aus, kann jedoch bis zu mehreren Wochen andauern. Bei etwa zehn Prozent der Erkrankten zögert sich die Heilung sogar über mehrere Monate hinaus.

Verlauf und Folgeerkrankungen

Generell verläuft die Erkrankung bei Erwachsenen schwerwiegender als bei Kindern. Bei ihnen ist die Symptomatik meist viel milder. Oftmals ist der Verlauf der Hepatitis A bei kleinen Patienten sogar gänzlich unauffällig.

Folgeerkrankungen treten nach einer Hepatitis-A-Infektion in der Regel nicht auf. Ebenso sind sehr schwere, lebensbedrohliche Verläufe äußerst selten. Sie betreffen vor allem ältere Menschen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem.

Wie wird Hepatitis A diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine Hepatitis-A-Infektion führt der Arzt eine Blutuntersuchung durch. Denn die Entzündung der Leber gibt sich durch erhöhte Leberwerte zu erkennen. Da eine Leberentzündung jedoch verschiedene Ursachen haben kann, ist zusätzlich ein Nachweis spezifischer Antikörper im Blut notwendig. Solche Antikörper bildet unser Körper, um die Viren abzuwehren.

Bei Hepatitis A konzentriert sich die Suche auf zwei Antikörper. Sie tragen die recht komplizierten Bezeichnungen Anti-HAV-IgM und Anti-HAV-IgG. Die Anti-HAV-IgM werden vom Körper sehr schnell gebildet und können auch eine frische Infektion mit Hepatitis-A-Viren rasch anzeigen. Insgesamt sind diese Antikörper bis zu vier Monate lang im Blut nachweisbar. Die Anti-HAV-IgG zeigen dagegen eine bereits früher verlaufene Infektion an und verbleiben lebenslang im Blut. Diese Antikörper können auch noch nach einer Hepatitis-A-Impfung nachgewiesen werden.

Außer im Blut lassen sich die Hepatitis-A-Viren auch im Stuhl nachweisen. So können Speziallabore die Viren in einer Stuhlprobe ausfindig machen.

Bei Hepatitis A besteht Meldepflicht

Ist eine Hepatitis-A-Infektion nachgewiesen worden, meldet der Arzt dies mit dem Namen des Patienten an das zuständige Gesundheitsamt. Denn wie bei Hepatitis B handelt es sich auch bei Hepatitis A um eine meldepflichtige Erkrankung.

Es könnte auch Hepatitis A sein!
Bis die Erkrankung nach der Ansteckung mit Hepatitis-A-Viren ausbricht, kann wie schon erwähnt einige Zeit vergehen. Und das ist ein Problem. Schließlich bringt man, wenn man Wochen nach einer Reise auf einmal an einem unerklärlichen Krankheitsgefühl leidet, dieses Unwohlsein nicht unbedingt mit einer Hepatitis A-Erkrankung in Verbindung.
Dennoch: Es kann sich bei den Beschwerden um das unliebsame Reisemitbringsel handeln. Deshalb bei entsprechenden Symptomen bitte immer auch an eine Hepatitis A denken und dem Arzt von dem Urlaub berichten.

Wie wird Hepatitis A behandelt?

Eine Hepatitis-A-Infektion heilt von alleine aus. Im Gegensatz zu einer Hepatitis-B-Infektion kommt es nicht zu chronischen Verläufen.

Medikamente, die direkt gegen die Infektion wirken, gibt es nicht. Medikamentös und nicht-medikamentös behandelbar sind nur die Symptome wie beispielsweise das Erbrechen und das Grippegefühl.

Die Patienten sollten sich schonen und sich kohlenhydratreich sowie fettarm ernähren. Dies fördert den Heilungsprozess. Eine strikte Bettruhe sowie eine strenge Diät sind aber meist nicht erforderlich. Auf Alkohol sollte jedoch gänzlich verzichtet werden.

Ist aufgrund anderer Erkrankungen die Einnahme von Medikamenten notwendig, die Nebenwirkungen auf die Leber haben, wird der Arzt eventuell eine Umstellung vornehmen.

Angehörige und Kontaktpersonen schützen

Tritt eine Hepatitis-A-Infektion auf, sollte gefährdeten Familienangehörigen und Kontaktpersonen ein Immunglobulinpräparat verabreicht werden, das direkt bereits Antikörper gegen die Erkrankung enthält. Diese Präparate schützen jedoch nicht mit vollständiger Sicherheit. Deshalb müssen unbedingt hygienische Maßnahmen eingehalten werden (siehe unten).

Gibt es eine Impfung gegen Hepatitis A?

Die Antwort darauf heißt ganz klar: durch eine Schutzimpfung. Es gibt für Kinder und Erwachsene eine wirksame Impfung gegen Hepatitis A sowie eine Kombinationsimpfung, die gleichzeitig gegen Hepatitis A und B schützt.

Dies ist vor allem dann wichtig, wenn ein Urlaub in tropischen Gebieten, dem Mittelmeerraum, in Osteuropa sowie in Afrika, Asien oder Mittel- und Südamerika geplant ist. Denn in diesen Regionen ist die Gefahr einer Infektion mit Hepatitis-A-Viren besonders hoch.

Trotz Impfung ist Achtsamkeit wichtig

Auch wer gegen Hepatitis A geimpft ist, sollte auf Reisen in Länder mit schlechteren hygienischen Bedingungen einige wichtige Grundsätze befolgen. Dies gilt vor allem beim Genuss von Getränken und Speisen.
Da Kälte und hohe Temperaturen dem Hepatitis-A-Virus wenig schaden, müssen alle Speisen und Wasser stets gekocht werden. Nur das macht diese Viren unschädlich. Auf Eis, Getränke mit Eiswürfeln und rohes Gemüse und Obst sollte man in jedem Fall verzichten. Ebenso sollten Muscheln und Austern besser nicht verzehrt werden. Denn sie könnten aus Gewässern stammen, die mit dem Hepatitis-A-Virus verunreinigt sind.

Auch von Speisen, die unterwegs angeboten werden und vielleicht von anderen Personen berührt wurden, sollte man besser die Finger lassen. Der Grund dafür ist, dass die Viren von den Händen der an Hepatitis A erkrankten Person leicht auf das Essen übertragen werden können.

Das Baden in unbekannten Gewässern ist ebenfalls besser zu vermeiden. Denn selbst wenn Einheimische die kühle Erfrischung genießen: Auch im Wasser können Hepatitis-A-Viren auf die Ansteckung von ausländischen Gästen aus Deutschland und anderen Industrieländern lauern. Denn diese sind nicht durch eine bereits durchlebte Hepatitis-A-Infektion immun gegen diese Viren.

Hygienische Maßnahmen sind auch zuhause wichtig

Hepatitis-A-Viren fühlen sich auch außerhalb eines menschlichen Wirts wohl. So können sie auf Gegenständen wie Türklinken oder Besteck monatelang überleben. Da auch über den persönlichen Kontakt Viren übertragen werden können, ist eine gute Händehygiene wichtig. So lässt sich verhindern, dass die Hepatitis-A-Viren in den Mund gelangen, wenn man sich in das Gesicht fasst.

Da das Hepatitis-A-Virus recht unempfindlich ist, reichen einfache handelsübliche Desinfektionsmittel für gewöhnlich nicht aus. Um einen wirksamen Desinfektionsschutz für Gegenstände und Hände zu erreichen, müssen deshalb Desinfektionsmittel mit einer viruziden, also virustötenden, Wirkung zum Einsatz kommen. Diese enthalten zum Beispiel hochprozentigen Alkohol wie Ethanol und Propanol.

Wann und wie oft sollte man gegen Hepatitis A impfen?

Wird nur gegen Hepatitis A geimpft, sind zwei Impfungen notwendig, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen. Die zweite Impfung erfolgt in einem Abstand von sechs bis zwölf Monaten nach der ersten Impfung.
Ein zuverlässiger Schutz besteht bereits zwei Wochen nach der ersten Impfung. Dennoch sollte die zweite Impfung nicht verpasst werden, damit auch Jahre später ein Schutz besteht. Vermutet wird sogar, dass die Impfung einen lebenslangen Schutz bietet.

Ablauf der Kombinationsimpfung

Bei der Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B sind insgesamt drei Impfungen notwendig. Die zweite Dosis wird dabei einen Monat nach der ersten verabreicht. Die dritte Dosis erhält man dann ein halbes Jahr nach der ersten Impfdosis.

Mit dem Kombinationsimpfstoff ist bei Erwachsenen auch eine Schnellimmunisierung mit drei Impfdosen innerhalb von drei Wochen möglich. Bei Anwendung dieses Impfschemas wird allerdings die Gabe einer vierten Dosis zwölf Monate nach der ersten Impfung empfohlen.

Empfehlungen für Risikogruppen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schutzimpfung gegen Hepatitis A für Personen mit einem Sexualverhalten, das mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko verbunden ist. Das gilt etwa für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).

Auch Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestandteilen, beispielsweise wenn Drogen intravenös über Spritzen konsumiert werden, sollten gegen Hepatitis A geimpft werden. Das wird ebenso für Patienten mit der Bluterkrankheit (Hämophilie) sowie mit Lebererkrankungen empfohlen.

Wer in psychiatrischen Einrichtungen oder vergleichbaren Fürsorgeeinrichtungen für Menschen mit Verhaltensstörung oder Gehirnschädigung lebt, sollte ebenfalls eine Hepatitis-A-Impfung erhalten.

Warum ist eine Reiseschutzimpfung so wichtig?

Der Impfschutz gegen Hepatitis A ist wichtig, weil man sich auf Reisen in Ländern mit einem niedrigeren Hygienestandard sehr viel häufiger infizieren kann als in der gewohnten Umgebung. Das liegt mit daran, dass viele Menschen aus Industrieländern wie Deutschland keine natürliche Immunität gegen Hepatitis-A-Viren besitzen.

Ihre Barmer unterstützt Sie dabei, gesund aus dem Urlaub zu kommen!

Der Barmer Teledoktor bietet allen Versicherten eine kostenfreie individuelle Beratung zu notwendigen Impfungen für das jeweilige Reiseziel an. Sie erreichen den BARMER Teledoktor über die Teledoktor-App oder die Hotline 0800 3333 500.
Mit dem Impfplaner der Barmer im digitalen Gesundheitsmanager haben Sie zusätzlich die Möglichkeit, alle Impftermine – auch für Ihre Urlaubsreise – stets im Blick zu behalten.

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: a004816 Letzte Aktualisierung: 13.12.2019
Nach oben