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Furunkel und Karbunkel

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Autor/in

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Inhaltsverzeichnis

Ein Furunkel ist eine eitrige Hautentzündung, die sich durch Bakterien entwickelt. Er ähnelt einem sehr großen Eiterpickel, liegt aber in tieferen Hautschichten und ist viel schmerzhafter. Oft ist eine Behandlung sinnvoll. Sie kann die Heilung beschleunigen, Schmerzen lindern und vor Komplikationen schützen.

Was sind Furunkel und Karbunkel?

Ein Furunkel ist eine eitrige Hautentzündung, die durch Bakterien hervorgerufen wird. Er ähnelt einem sehr großen Eiterpickel, liegt aber in tieferen Hautschichten und ist viel schmerzhafter.

Bei einem Furunkel sind der Haarbalg und das umgebende Bindegewebe entzündet. Im Haarbalg stecken jeweils ein Haar, eine Haarwurzel, eine Talgdrüse und ein kleiner Muskel, der das Haar aufrichten kann. Er wird auch Haarfollikel genannt; deswegen bezeichnen Fachleute die Entzündung bei einem Furunkel auch als tiefe Follikulitis und Perifollikulitis.

Durch die Infektion stirbt im Inneren des Furunkels das Hautgewebe ab und es entsteht ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, ein Abszess. Ein Abszess der Haut kann sich aus einem Furunkel entwickeln, aber auch aus einem stark entzündeten Insektenstich oder durch Spritzen mit einer verunreinigten Nadel. Wenn mehrere Furunkel miteinander verschmelzen, entsteht ein Karbunkel.

Manchmal heilt ein Furunkel von selbst problemlos ab. Oft ist aber eine ärztliche Behandlung sinnvoll. Sie kann die Heilung beschleunigen, Schmerzen lindern und vor Komplikationen schützen.

 

Grafik: Mögliche Infektionen am Haarbalg - wie im Text beschrieben

Mögliche Infektionen am Haarbalg

Welche Symptome können auftreten?

Ein Furunkel fällt als etwa kirschkern- bis walnussgroße, schmerzhafte Schwellung auf. Sie fühlt sich warm an und ist gerötet, der Eiter kann gelblich durch die Haut schimmern. Wenn sich aus mehreren Furunkeln ein Karbunkel entwickelt, kann die Entzündung auch Fieber auslösen. Dann fühlt man sich matt und angeschlagen.

Furunkel entstehen vor allem im Gesicht, am Hals und im Nacken. Sie können sich aber auch in den Achseln oder Leisten, am Rücken, im Schambereich, am Gesäß und an den Oberschenkeln bilden.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es bei Furunkeln und Karbunkeln?

Ein Furunkel wird durch Bakterien verursacht, am häufigsten durch den Erreger Staphylococcus aureus. Dieses Bakterium kommt bei vielen Menschen auf der Haut oder beispielsweise in der Nasenschleimhaut vor, ohne Probleme zu bereiten.

Ist das Immunsystem geschwächt, erhöht sich das Risiko, dass Furunkel oder andere Hautinfektionen entstehen. Deshalb haben Menschen zum Beispiel mit Diabetes, chronischen Infektionen oder Krebserkrankungen häufiger Furunkel als gesunde Menschen. Gleiches gilt bei bestimmten Allergien wie etwa allergischem Asthma, bei Hautekzemen oder Bindehautentzündungen.

Häufigkeit und Verlauf

Hautinfektionen sind insgesamt sehr häufig. Die meisten Entzündungen der Haut haben aber eine andere Ursache. Nur etwa 3 von 100 Menschen, die wegen einer Hautinfektion ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt aufsuchen, haben ein Furunkel.

Ein Furunkel entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen. Wenn der Eiter nach einigen Tagen aus dem geröteten und geschwollenen Knoten von allein oder nach Behandlung ausgetreten ist, heilt der Furunkel innerhalb weniger Wochen ab. Es bleibt eine kleine Hautnarbe zurück.

Manchmal heilt ein Furunkel auch ab, ohne sich zu entleeren. Der Eiter wird dann vom Körper abgebaut.

Welche Krankheitsfolgen können auftreten?

An einem Furunkel herumzudrücken oder ihn aufzukratzen, kann dazu führen, dass sich die Bakterien über Blut- und Lymphgefäße im Körper ausbreiten. Zieht vom Furunkel zum Beispiel ein roter Streifen weg, wandert die Entzündung entlang der Lymphbahnen (Lymphangitis). Gleichzeitig können sich Lymphknoten im betroffenen Bereich schmerzhaft entzünden (Lymphadenitis).

Von Laien wird der rote Streifen bei einer Lymphangitis manchmal bereits als Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) gedeutet. Zu dieser schweren, aber sehr seltenen Komplikation kommt es aber nur, wenn sehr viele Bakterien auf einmal ins Blut gelangen und sich rasch im gesamten Körper verteilen.

Bei Furunkeln im Gesicht – insbesondere im Bereich der Nase und Oberlippe – besteht ein gewisses Risiko, dass die Bakterien ins Gehirn verschleppt werden und dort zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder zu lebensbedrohlichen Blutgerinnseln in den großen Blutgefäßen führen (sogenannte Sinusvenenthrombose).

Vor allem bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr können Furunkel immer wieder oder an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. Fachleute sprechen dann von Furunkulose.

Wenn mehrere Furunkel in benachbarten Haarfollikeln zu einem größeren Eiterherd verschmelzen, entsteht ein Karbunkel. Ein Karbunkel kommt häufig im Nacken vor und reicht tiefer in das Gewebe hinein als ein Furunkel.

Wie wird die Diagnose Furunkel und Karbunkel gestellt?

In der Regel erkennt eine Ärztin oder ein Arzt einen Furunkel an seinem typischen Aussehen und an den geschilderten Beschwerden. Weitere Untersuchungen wie Bluttests oder ein Eiter-Abstrich sind dann nötig, wenn sich häufig Furunkel bilden, mehrere gleichzeitig auftreten oder wenn Komplikationen vermutet werden.

Der Eiter wird im Labor untersucht, um die Bakterienart genau bestimmen und gezielt wirksame Antibiotika einsetzen zu können. Blutuntersuchungen helfen herauszufinden, ob sich die Entzündung bereits ausgebreitet hat und ob bestimmte Vorerkrankungen bestehen, die bakterielle Infektionen begünstigen.

Wie werden Furunkel und Karbunkel behandelt?

Furunkel werden meist ärztlich behandelt: Die Ärztin oder der Arzt öffnet den Eiterabszess mit einem kleinen Schnitt, desinfiziert die Wunde und legt Stoffstreifen ein, die den Eiter aufsaugen und ableiten. Die Wunde heilt offen aus, muss also nicht vernäht werden. Einen Furunkel sollte man keinesfalls selbst ausdrücken – vor allem nicht im Gesicht.

Solange ein Furunkel noch wächst, ist der Abszess nicht voll ausgebildet. Das können Ärztin oder Arzt ertasten. In dieser Phase kann versucht werden, den Reifungsprozess mit feucht-warmen Umschlägen oder sogenannter Zugsalbe einzuleiten oder zu beschleunigen.

Antibiotika sind dann nötig, wenn Komplikationen wahrscheinlich oder schon aufgetreten sind – zum Beispiel, wenn sich aus mehreren Furunkeln ein Karbunkel entwickelt hat. Manchmal werden die Antibiotika dann als Infusion im Krankenhaus verabreicht. Bei einem Karbunkel ist es besonders wichtig, dass er eingeschnitten wird, damit der Eiter abfließen kann. Die größere Wunde wird zusätzlich wiederholt mit antiseptischen Lösungen gespült.

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