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Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Lesedauer unter 7 Minuten
Stilisierte Darstellung einer Eierstockkrebs-Zelle

Autor

Katja Matthias (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) ist eine Erkrankung, bei der Zellen von einem oder beiden Eierstöcken sich bösartig verändern und unkontrolliert wachsen. Die Eierstöcke (Ovarien) gehören zu den Geschlechtsorganen der Frau und liegen rechts und links im unteren Bauch. Sie produzieren Hormone und Eizellen.
In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7.000 Frauen an Eierstockkrebs . Das bedeutet, ungefähr eine von 72 Frauen ist im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose konfrontiert.
Zu Beginn verursacht Eierstockkrebs meist keine Beschwerden. Daher wird die Erkrankung oft erst spät erkannt. Das erschwert Behandlung und Heilung.
Nicht jede Geschwulst (in der Fachsprache Tumor genannt) ist bösartig. Die meisten Tumoren im Eierstock sind gutartig. Vor allem bei jungen Frauen können außerdem Zysten im Eierstock auftreten, die sehr groß werden. Diese sind jedoch keine Tumoren im engeren Sinne. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die in fast jedem Gewebe im Körper auftreten können.

Sind Früherkennungsuntersuchungen für Eierstockkrebs sinnvoll?
Untersuchungen zur Früherkennung von Eierstockkrebs führen oft zu falschem Alarm, da eine sichere Diagnose erst nach einer Operation gestellt werden kann. Das Risiko von unnötigen und eventuell belastenden Operationen ist allerdings höher als eine Krebserkrankung zu übersehen. Daher sind Früherkennungsuntersuchungen nicht empfohlen und es gibt auch kein gesetzliches Programm dafür. Das gilt auch für Frauen, die einer Risikogruppe angehören, weil sie zum Beispiel eine erbliche Belastung für familiären Eierstockkrebs (siehe unten) haben.

Symptome: Wie kann man Eierstockkrebs erkennen?

Eierstockkrebs macht sich oft lange Zeit nicht durch typische Symptome bemerkbar. Das Krebsgewebe kann sich relativ ungehindert in der Bauchhöhle ausbreiten, ohne Schmerzen oder andere Beschwerden zu verursachen. Erst wenn auch andere Organe betroffen sind, treten Symptome auf. Zu diesen zählen:

  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • unklare Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden
  • unbeabsichtigte Gewichtsabnahme, vor allem bei gleichzeitig zunehmendem Bauchumfang
  • häufigeres Wasserlassen als üblich

Wenn solche Symptome bei Ihnen auftreten und über längere Zeit anhalten, sollten Sie Rat bei einem Arzt oder einer Ärztin suchen. Schildern Sie Ihre Situation und lassen Sie im Zweifel neu auftretende und Ihnen unbekannte Beschwerden abklären. 

Diagnose: Wie stellen Fachärzte einen Eierstockkrebs fest?

Zu Beginn steht immer das Gespräch. Sie sollten alle Beschwerden schildern. Durch gezielte Fragen versucht die Ärztin oder der Arzt herauszufinden, ob bei Ihnen eventuell besondere Risikofaktoren (wie zum Beispiel eine familiäre Belastung) vorliegen könnten.
Der nächste Schritt ist eine Tast- und Spiegeluntersuchung. Diese führt Ihre Frauenärztin oder Ihr Frauenarzt durch. Von außen über den Bauch und von innen über die Scheide oder evtl. auch den Darm tastet sie oder er die inneren Geschlechtsorgane ab und versucht, Veränderungen zu erspüren. Der Spiegel (Spekulum) hilft, die Scheide, den Muttermund und den unteren Teil des Gebärmutterhalses zu untersuchen.

Eine vaginale Eierstockkrebs-Untersuchung per Ultraschall liefert Bilder aus dem Körperinneren. Dabei wird eine spezielle Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt. Dies ähnelt einer gynäkologischen Untersuchung und ist schmerzfrei.
Weitere Untersuchungen wie eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) können Auskunft über eventuelle Ausdehnung und Lage eines Tumors geben.
Endgültige Sicherheit, ob es sich um Krebs oder um einen gutartigen Tumor handelt, gibt in der Regel erst eine Operation mit Entnahme von Gewebeproben. Und noch einmal zur Erinnerung: Die meisten Tumoren im Eierstock sind gutartig, es handelt sich also nicht um Krebs.

Prognose: Wie ist die Lebenserwartung beim Ovarialkarzinom?

Eierstockkrebs wird oft erst spät erkannt. Drei von vier Erkrankungen sind bereits fortgeschritten, wenn sie entdeckt werden. Das erschwert die Behandlung und beeinträchtigt die Aussicht auf Heilung.

Die Medizin hat in den letzten Jahren umfangreiche Therapie- und Operationskonzepte für Eierstockkrebs entwickelt. Moderne Medikamente wie zum Beispiel Antikörper kommen zum Einsatz. Trotzdem bleiben die Überlebensaussichten im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane eher schlecht. Vier von zehn erkrankten Frauen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch (Fünf-Jahres-Überlebensrate).

Auch nach anfänglich erfolgreicher Therapie können Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs einen Rückfall (ein Rezidiv) erleiden. Wenn Eierstockkrebs wiedergekehrt ist, lässt er sich in der Regel nicht mehr heilen. Dennoch gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Das Ziel der Behandlung ist jedoch ein anderes: Hier stehen das möglichst lange beschwerdefreie Überleben und die Lebensqualität im Vordergrund. Auch psychologische Unterstützung kann in einer solchen Situation hilfreich sein. Es gibt einen Bereich der Psychologie, der auf die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs spezialisiert ist – die Psychoonkologie. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn Sie einen Kontakt in dieser Richtung suchen.

Ursachen: Wie entsteht Eierstockkrebs?

Wie bei vielen Krebserkrankungen ist auch beim Eierstockkrebs nicht genau geklärt, warum er entsteht. Das Risiko, an Krebs allgemein und auch an Eierstockkrebs im Besonderen zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter.

Risikofaktoren für Eierstockkrebs sind:

  • älter als 50 Jahre
  • Kinderlosigkeit
  • vorherige Erkrankung an Brust-, Gebärmutterschleimhaut- oder Darmkrebs
  • nahe Verwandte (Mutter oder Schwester) mit Eierstockkrebs

Es gibt Hinweise, dass eine Hormonbehandlung zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden sowie starkes Übergewicht das Risiko erhöhen. Die Einnahme der Antibabypille und mehrere Schwangerschaften mit Stillzeiten scheinen das Risiko zu senken. Das gilt auch für eine Sterilisation. Weshalb genau das so ist, muss die Wissenschaft noch herausfinden.

Familiärer Eierstockkrebs

Ein Teil der Erkrankungen an Eierstockkrebs geht auf eine familiäre Belastung zurück. Dabei wird eine Genveränderung von Vater oder Mutter an die Töchter weitergegeben. Bekannte Genveränderungen sind BRCA1 und BRCA2. BRCA steht für BReast CAncer – Brustkrebs. Liegt eine dieser Genveränderungen vor, steigt das Risiko an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken erheblich. Wahrscheinlich gibt es neben den beiden bekannten Genveränderungen noch weitere, bisher nicht identifizierte. Hinweis auf eine familiäre Belastung besteht, wenn mindestens eine Verwandte ersten Grades (Mutter oder Schwester) an Eierstockkrebs erkrankt, vor allem im Alter unter 50 Jahren. In diesem Fall ist es sinnvoll, Beratung in einem auf familiäre Krebserkrankungen spezialisierten Zentrum zu suchen. 

Therapie: Wie lässt sich Eierstockkrebs behandeln?

Operation

Ob es sich um Eierstockkrebs handelt oder nicht, lässt sich in der Regel erst nach einer Operation sicher sagen. Daher werden fast alle Frauen mit Verdacht auf Eierstockkrebs operiert. Das Operationsteam entnimmt eine Gewebeprobe, die sofort im Labor untersucht wird. Wenn es sich um Krebszellen handelt, können während der gleichen OP die Ausdehnung der Erkrankung ermittelt und befallene Strukturen entfernt werden. Die Operation ist also gleichzeitig Teil der Diagnosestellung und erster Therapieschritt.

Folgende Ziele hat die Operation:

  • Diagnose sichern
  • Ausmaß der Erkrankung bestimmen (Krankheitsstadium)
  • Tumorgewebe möglichst vollständig entfernen
  • befallene Lymphknoten entfernen
  • Beschwerden (Schmerzen, Verdauungsstörungen, Harnabflussstörungen) beheben oder lindern

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT erlauben in der Regel im Vorhinein keine genaue Aussage, wie weit die Erkrankung sich ausgebreitet hat. Daher ist es schwer einzuschätzen, wie umfangreich die Operation sein wird.

Normalerweise werden beide Eierstöcke und die Eileiter entfernt. Je nach Situation kann die Entfernung weiterer Organe wie Lymphknoten, Gebärmutter, Blinddarm, Bauchnetz oder Teilen des Darms notwendig sein. Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt. Fachleute raten zu einem Bauchschnitt. Eine Operation mit Schlüssellochtechnik empfehlen sie nicht. Bei Schlüsselloch-Operationen erfolgt nur ein kleiner Schnitt, über den der Eingriff mit Spezialgeräten stattfindet. Der Vorteil eines Bauchschnitts ist, dass das Ausmaß der Erkrankung besser zu beurteilen ist. Die Gefahr, Tumorherde zu übersehen oder während des Eingriffs Krebszellen im Körper zu verschleppen, ist bei einem Bauchschnitt ebenfalls geringer.

Wenn es sich bei der Operation um einen größeren Eingriff handelt, kann es längere Zeit dauern, sich davon zu erholen. Umfangreiche Operationen können in der Folge Beschwerden verursachen. Jüngere Frauen zum Beispiel kommen durch die Entfernung der Eierstöcke schlagartig in die Wechseljahre mit entsprechenden Symptomen wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, aber auch Unfruchtbarkeit und erhöhtem Osteoporose-Risiko.

Wenn es gelingt, mit Hilfe der Operation alle Krebszellen möglichst vollständig zu entfernen, besteht auch für eine fortgeschrittene Erkrankung eine Aussicht auf Heilung.

Systemische Therapie: Chemotherapie und andere Medikamente

Auf die Operation folgt meistens eine Chemotherapie. Sie wirkt systemisch im ganzen Körper. Ziel einer Chemotherapie ist es, die Neubildung von Tumorzellen (Rezidiv) zu verhindern und damit die Heilungsaussichten zu verbessern.

Zusätzlich zur Chemotherapie kommen bei Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs auch andere Medikamente zum Einsatz. Diese richten sich gezielt gegen Tumorzellen und greifen bestimmte Mechanismen in der Zellteilung oder im Zellstoffwechsel an. Sie werden daher auch zielgerichtete Therapien genannt. Dazu zählen beispielsweise Antikörper oder verschiedene Hemmstoffe, die Signalwege oder Reparaturmechanismen der Krebszellen unterdrücken.

Strahlentherapie

Bestrahlung spielt bei der Therapie des Ovarialkarzinoms eine untergeordnete Rolle. Die Strahlentherapie wird gegen Tumorgewebe an klar definierten Körperstellen eingesetzt. Sie wirkt nur an der bestrahlten Stelle. Da Eierstockkrebs bei der Diagnose oft nicht mehr örtlich begrenzt ist, kann eine Bestrahlung meist nicht wirkungsvoll eingesetzt werden.

Weitere Unterstützung

Für Frauen mit Eierstockkrebs gibt es viele Unterstützungsangebote im Rahmen von Rehabilitation und Nachsorge. Diese Angebote können helfen, Folgen der Therapie zu bewältigen und möglichst gut in einen neuen Alltag zurückzufinden. Gerade auch psychologische Unterstützung kann einen positiven Einfluss auf Lebensqualität, Wohlbefinden und Verarbeitung der Krankheit haben. Daher ist es sinnvoll, sich über Unterstützungsangebote für Erkrankte und Angehörige zu informieren und diese wahrzunehmen.

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Webcode: a005943 Letzte Aktualisierung: 15.10.2020
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