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Brustkrebs bei Männern: Welche Symptome, Therapien und Heilungschancen gibt es?

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Mann schaut nachdenklich aus dem Fenster

Autor

Philipp Lutz (TAKEPART Media + Science GmbH)

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 750 Männer an einem Mammakarzinom – das ist der wissenschaftliche Name für Brustkrebs. Zum Vergleich: Bei Frauen gibt es etwa 70.000 Brustkrebsfälle pro Jahr. Männer können in jedem Alter an Brustkrebs erkranken, jedoch liegt der Durchschnitt bei etwa 71 Jahren.Häufig erfolgt die Diagnose von Brustkrebs beim Mann allerdings in einem späteren Stadium als bei der Frau. Das hat vor allem zwei Gründe: Erstens können sich viele Männer nicht vorstellen, dass sie Brustkrebs haben und gehen darum bei Veränderungen im Brustbereich nicht direkt zum Arzt. Zweitens gibt es kein Früherkennungsprogramm für Brustkrebs beim Mann. Das ist für Frauen anders: Das sogenannte Mammographie-Screening ist ein gesetzliches Früherkennungsprogramm, bei dem die Brustdrüse geröntgt wird. Ärztinnen und Ärzte können durch diese Untersuchung bereits sehr kleine Tumoren und Knoten erkennen, die sich zuvor auch nicht ertasten lassen.

Wie Brustkrebs bei Männern entsteht

Bei Männern geht Brustkrebs – ähnlich wie bei Frauen – häufig von den Milchgängen aus. Bis zur Pubertät ist die Brust bei Jungen und Mädchen nahezu identisch aufgebaut. Erst die weiblichen Sexualhormone sorgen bei den Mädchen für das weitere Wachstum des Drüsengewebes, des Binde- und Fettgewebes sowie der Milchgänge. Dieses Wachstum bleibt bei Jungen in der Regel aus, trotzdem besitzt auch die männliche Brust die Anlagen von Milchgängen. In diesen Milchgängen entstehen 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen, da diese Zellen besonders anfällig für die Entwicklung von Brustkrebs sind. Weil bei Männern die Milchgänge aber schwächer ausgeprägt sind als bei Frauen, kommt Brustkrebs bei Männern deutlich seltener vor.

Einige wichtige mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs bei Männern sind bekannt. Allerdings lässt sich nicht immer klären, welche Faktoren die Erkrankung letztlich ausgelöst haben.

Folgende Faktoren können das Risiko für eine Brustkrebserkrankung beeinflussen:

  • Allgemeines Altersrisiko: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko bei Männern, an Brustkrebs zu erkranken.
  • Ungleichgewicht von männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen: Wenn der männliche Körper deutlich mehr weibliche Geschlechtshormone produziert, besteht ein gesteigertes Risiko an Brustkrebs zu erkranken.
  • Genetische Faktoren: Männer aus einer Familie mit erblichem Brustkrebsrisiko und Männer mit einer angeborenen Chromosomenstörung (Klinefelter-Syndrom). Betroffene haben hier ein X-Chromosom mehr als andere Männer.
  • Vorerkrankungen: Manche Vorerkrankungen können das Brustkrebsrisiko erhöhen. Dazu gehören Diabetes mellitus, Prostatakrebs, Lebererkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion und Hodenentzündung.
  • Lebensstil: Lebensstilfaktoren wie Übergewicht, hoher Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel können eine Rolle für das Brustkrebsrisiko spielen.
  • Radioaktive Strahlung: Radioaktive Strahlung kann ein Risiko für Brustkrebs sein, sofern die Strahlung direkt das Brustgewebe betroffen hat. Das ist zum Beispiel bei einer Bestrahlung des Oberkörpers aufgrund einer früheren Krebserkrankung der Fall.

Welche Symptome erleben an Brustkrebs erkrankte Männer?

Eines der wichtigsten Anzeichen für Brustkrebs beim Mann ist ein einseitiger, harter, meist schmerzloser Knoten – „Knubbel“ – im Bereich der Brustwarze. Weitere Veränderungen der Brustwarze können Anzeichen für eine Brustkrebserkrankung sein:

  • Schorf oder kleine Entzündungen an der Brustwarze, die nicht abheilen.
  • Brustwarze zieht sich nach innen.
  • Klare, eitrige oder blutige Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze.

Zusätzlich können geschwollene Lymphknoten in der Achselhöhle auftreten.
Allerdings weist nicht jede Veränderung im Bereich der Brust auf Brustkrebs hin. So kann es auch aufgrund von hormonellen Umstellungen bei Jugendlichen und älteren Männern zu einer beidseitigen Schwellung der Brust kommen, die allerdings gutartig ist. Aus dem gleichen Grund können sich gutartige Bindegewebswucherungen in der Brust bilden, sodass auch einseitige tastbare Veränderungen nicht gleich ein bösartiger Tumor sein müssen. Eine schmerzhafte Entzündung der Brustwarze kann auch durch Scheuern an der Kleidung entstehen. Wenn die Kleidung in Verbindung mit Schweiß die Brustwarze ständig reizt, bezeichnet man das als „Runner‘s oder Jogger’s Nipple“.
Bei Veränderungen der Brustwarze sollte am besten auf jeden Fall die Hausarztpraxis aufgesucht werden, um die Symptome abklären zu lassen.

Diagnose, Therapie und Heilungschancen

Diagnose

Um Brustkrebs bei Männern festzustellen, werden neben einer Tastuntersuchung häufig auch bildgebende Verfahren eingesetzt. Dazu zählen die Ultraschalluntersuchung sowie die Mammographie der Brust und der umliegenden Lymphbahnen. Da bei den meisten Männern das Brustgewebe im Vergleich zu Frauen wesentlich dichter ist, wird häufig zusätzlich mit einer feinen Nadel eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen. Dieses Verfahren bezeichnet man als Biopsie. Eine Biopsie kann in der Regel ambulant mit einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden. Danach erfolgt eine genaue Untersuchung des entnommenen Gewebes, um festzustellen, ob die Veränderungen gutartig oder bösartig sind. Handelt es sich um einen bösartigen Tumor, wird anschließend geprüft, ob der Tumor bereits Metastasen in Knochen, Lymphknoten und / oder anderen Organen gebildet hat. Als Verfahren kommen hier insbesondere eine Ultraschalluntersuchung der Leber, eine Computertomographie von Lunge und Leber sowie eine Knochenszintigraphie in Frage. Bei der Knochenszintigraphie bekommen die Patienten eine radioaktiv markierte Substanz gespritzt, die sich in Knochenregionen mit erhöhtem Stoffwechsel vermehrt anreichert. In dem durch die Eigenstrahlung der Substanz entstandenen Bild des Skeletts können Knochentumore oder Metastasen, die einen aktiveren Stoffwechsel haben als gesundes Knochengewebe, in den Knochen nachgewiesen werden.

Therapie

Die möglichen Behandlungen von Brustkrebs bei Männern erfolgen analog zum Brustkrebs bei Frauen:

  • Operation: Der Tumor und benachbarte Lymphknoten werden entfernt. Je nachdem, wie sich der Tumor ausgebreitet hat, wird der Tumor selbst oder der gesamte Brustdrüsenkörper einschließlich der Brustwarze entfernt. Anschließend folgen in der Regel weiterführende Therapien.
  • Strahlentherapie: Die Bestrahlung schädigt die Tumorzellen, sodass diese absterben. Es handelt sich hierbei um eine lokale Therapie, das heißt die Strahlen wirken ganz gezielt nur dort, wohin sie auch wirklich treffen. Die Strahlentherapie soll das Risiko für einen Rückfall senken.
  • Hormontherapie: Häufig wächst der Tumor bei Männern abhängig von den weiblichen Geschlechtshormonen. Daher kommt in diesen Fällen eine Antihormontherapie zum Einsatz, bei der dem Tumor das weibliche Geschlechtshormon sozusagen vorenthalten wird. Das senkt die Rückfallgefahr.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung. Sie schädigt die Tumorzellen, sodass sie sich nicht mehr teilen können und absterben. Eine Chemotherapie wird in mehreren Zyklen über einige Wochen in der Regel als Infusion verabreicht werden. Sie wirkt dadurch im ganzen Körper. Die Wirkstoffe können auch kleine Tumore erreichen, die auf den bildgebenden Verfahren noch nicht erkennbar sind. Schäden an körpereigenen gesunden Zellen wie Blut- oder Haarwurzelzellen werden durch die Pausen zwischen den Behandlungszyklen abgemildert.
  • Antikörpertherapie: Die Antikörpertherapie ist eine Form der Immuntherapie. Es handelt es sich um einen neuen Therapieansatz, bei dem künstlich hergestellte Antikörper gezielt gegen die Tumorzellen eingesetzt werden. Diese Antikörper verhindern, dass Wachstumssignale an die Tumorzelle gesendet werden.

Heilungschancen

Die Heilungschancen sind gut, wenn der Tumor früh diagnostiziert wird. Daher gilt für Männer die gleiche Empfehlung wie für Frauen, die Brust und vor allem die Brustwarzen regelmäßig beim Duschen abzutasten. Stellt man eine Veränderung fest, ist es ratsam, eine gynäkologische Praxis beziehungsweise die Hausärztin oder den Hausarzt aufzusuchen.
Eine Brustkrebserkrankung sollte in einem zertifizierten Brustkrebszentrum behandelt werden. Das ist eine Einrichtung, die sich auf die Behandlung von Brustkrebserkrankungen spezialisiert hat, hohe Qualitätsanforderungen erfüllt und diese auch mit einem Zertifikat belegen kann. Solche Brustkrebszentren gibt es in Deutschland in allen Bundesländern.

Fazit zum männlichen Brustkrebs: Selten, aber relevant

Brustkrebs wird nach wie vor in der Öffentlichkeit häufig als reine Frauenkrankheit wahrgenommen. Dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können, ist noch nicht ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Die meisten Männer wissen nicht, dass auch das bei ihnen vorhandene Brustdrüsengewebe – genau wie bei Frauen – entarten kann. Das ist einer der Gründe, warum Männer in der Regel viel Zeit verstreichen lassen, bis sie mit einem Brustleiden ärztlichen Rat einholen. Und warum Brustkrebs bei Männern meist später als bei Frauen diagnostiziert wird. Daher ist es besonders wichtig, auf Symptome zu achten, bei Anzeichen frühzeitig zu handeln und einen Arzt aufzusuchen.

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Webcode: a005928 Letzte Aktualisierung: 15.10.2020
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