Zwei Kinder spielen an einem Steg am Wasser
Kinder

Resilienz bei Kindern: So machen Sie Ihr Kind fit für Herausforderungen

Lesedauer unter 5 Minuten

Redaktion

  • Dr. Claudia Robben (Diplom-Psychologin und Sportwissenschaftlerin)
  • Daniela Beerens (Gesundheitsinformation, Barmer)

Qualitätssicherung

  • Andrea Jakob-Pannier (Diplom-Sozialpädagogin/ Psychologin/ Psychoonkologin, Barmer)
  • Marie-Victoria Assel (Psychologin, Barmer)

Was macht Kinder stark für die Anforderungen der heutigen Welt? Und was können gerade Eltern zu einer positiven Entwicklung beitragen? Fragen, die immer wesentlicher werden, wenn Stress, Leistungsdruck und Überforderung von klein an Begleiter sind. Sich von Belastungen und Krisen nicht unterkriegen zu lassen, sondern diese als Chance und Entwicklungsmöglichkeit zu sehen, bleibt eine Herausforderung. Was also tun? Die Forschung rund um den Begriff der „Resilienz“ gibt Antworten.

Was ist Resilienz bei Kindern?

Der Begriff Resilienz kommt ursprünglich aus der Werkstoffkunde und steht für die Elastizität und Strapazierfähigkeit von Stoffen. In Zusammenhang mit unserer mentalen Gesundheit bezeichnet Resilienz die psychische Widerstandskraft, Belastbarkeit und Flexibilität von Menschen im Umgang mit schwierigen, belastenden Situationen und Ereignissen des Lebens. Resiliente Kinder und Jugendliche besitzen eine große psychische Widerstandsfähigkeit, gewissermaßen ein starkes „Immunsystem der Seele“. Durch ihre innere Stärke können sie mit Stress, Belastungen, Misserfolgen oder Entwicklungskrisen in einer Weise umgehen, die ihnen einen positiven, erfolgreichen und gesunden Weg ins und durchs spätere Leben ermöglicht.

Kinder können Resilienz lernen

Resilienz ist nicht angeboren, sondern entwickelt sich aus der sozialen Interaktion des Kindes mit seiner Umwelt und seinen Bezugspersonen. Sie kann sich über die Zeit verändern, sodass sich resiliente Phasen im Leben des Kindes mit Phasen erhöhter mentaler Verletzlichkeit abwechseln. Besonders empfindlich sind Kinder und Jugendliche in Entwicklungsübergängen, wie sie etwa bei der Einschulung oder in der Pubertät stattfinden. Doch die gute Nachricht lautet: Resilienz lässt sich in jedem Lebensalter lernen, stärken oder wiedergewinnen!

Wie können Eltern die Resilienz von Kindern stärken?

Grundsätzlich gilt: Begeben Sie sich auf „Schatzsuche“ bei Ihrem Kind. Schauen Sie nicht auf seine Defizite, sondern vielmehr auf seine Talente, Fähigkeiten und Ressourcen, um seine Resilienz zu fördern.

Wesentliche Punkte, die die Resilienz von Kindern und Jugendlichen stärken, sind:

  • Vertrauen und Sicherheit
  • Wertschätzung und Akzeptanz
  • Optimismus und Humor
  • Klarheit und Kommunikation
  • Regeln und Struktur
  • Ermutigung zu Eigenaktivität und Verantwortung
  • positive Kontakte zu Gleichaltrigen
  • positive und fürsorgliche Vorbilder, zum Beispiel Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher

Die Basis für eine starke Persönlichkeit wird in der Kindheit gelegt. Eine stabile emotionale Bindung zu mindestens einem Elternteil gilt als wesentlicher Faktor. Dazu gehören neben Kuscheln vor allem Verlässlichkeit, Unterstützung und bedingungslose Wertschätzung. Sagen Sie ruhig öfter mal „Es ist so schön, dass es dich gibt!“. Pflegen Sie auch die emotionalen Beziehungen Ihres Kindes zu den Großeltern und anderen wichtigen Bezugspersonen. Und fördern Sie positive Kontakte Ihres Kindes mit Gleichaltrigen.

Du kannst das: So lernen Kinder Resilienz und Selbstbewusstsein fürs Leben

Geben Sie als Eltern Ihrem Kind immer wieder Vertrauen in die eigene Kraft und die eigenen Fähigkeiten: Kinder finden es schön, wenn Erwachsene ihnen etwas zutrauen. Auch ältere Vorschulkinder und jüngere Schulkinder können schon kleine, für sie schaffbare „Ämter“ und Aufgaben übernehmen – sei es die Hilfe im Haushalt, die Patenschaft für neue Kinder in der Kita oder der Tafeldienst in der Schule. Fördern Sie die „Kompetenzinseln“ Ihres Kindes, indem Sie seine Talente und positiven Eigenschaften wahrnehmen und Ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen. Hängen Sie also die „Kunstwerke“ Ihres Kindes unbedingt auf! Zurückhaltenden und ruhigen Kindern hilft oft ein „Mutstein“, ein vielleicht gemeinsam gefundener und bemalter Stein, der in der Tasche getragen Kraft und Mut spendet.

Ein aktives und selbstständiges Angehen von Problemen ist ein zentraler Faktor zur Stärkung von Resilienz. Eltern sollten Ihren Kindern also nicht alles abnehmen, sondern sie zu eigenen Erfahrungen ermutigen. Loben Sie Ihr Kind vor allem für den Einsatz und die Anstrengung, die es in seinem Verhalten zeigt, weniger für die Ergebnisse. Fehler sind Anlässe zum Lernen und deshalb nicht nur erlaubt, sondern erwünscht! Geben Sie keine vorschnellen Ratschläge, sondern fragen Sie „Was hast du dir schon überlegt?“, „Brauchst du meine Hilfe?“ – auch wenn es nicht immer einfach ist, in dieser Weise Respekt (und Geduld!) zu zeigen. Nur so fördern Sie Selbstmotivation, echte Erfolgserlebnisse und somit die Resilienz des Kindes.

Klare und wertschätzende Kommunikation fördert die Resilienz bei Kindern

Neben Freiräumen brauchen Kinder und Jugendliche Grenzen, Routinen und Rituale, die Halt und Sicherheit bieten. Dies gilt für jüngere Kinder ebenso wie für pubertierende Teenager. Stellen Sie gemeinsam Regeln auf – etwa im „Familienrat“ – und vereinbaren Sie auch Konsequenzen für den Fall, dass diese nicht eingehalten werden. So schaffen Sie Grundlagen für Selbstverantwortlichkeit und Disziplin. Legen Sie in dieser Weise also zum Beispiel Essenszeiten, Ausgehzeiten sowie Zeiten und Bedingungen für den Medienkonsum fest.

Im täglichen Miteinander gilt: Eine klare, gelungene Kommunikation hat mehr mit Zuhören zu tun als mit Reden. Schenken Sie Ihrem Kind – wenn es darauf ankommt – Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, hören Sie aktiv zu, zeigen Sie Interesse und unterbrechen Sie nicht. Versuchen Sie, die Sichtweise Ihres Kindes zu verstehen und anzunehmen, auch wenn Sie nicht immer damit einverstanden sind. Geben Sie klare Hinweise, statt vage zu formulieren – sagen Sie beispielsweise nicht „Räum dein Zimmer auf“, sondern „Pack bitte die Bausteine in die Kiste“.

Resiliente Kinder brauchen Vorbilder

Nicht zuletzt gehört zur Resilienz eine gute Portion Selbstfürsorge: ausreichend Bewegung und Entspannung, gesunde Ernährung, Hobbys – für Kinder, aber auch für die Eltern, denn Kinder schauen sich viel von Erwachsenen ab. Seien Sie also Vorbild für Ihr Kind, bauen Sie gesunde Aktivitäten in Ihren Alltag ein, die Stress abbauen. Gehen Sie mal wieder mit Ihrem Kind Fahrrad fahren, schwimmen oder ein Eis essen. Und gönnen Sie sich selbst feste Zeiten zur Entspannung – wie etwa die Pause nach dem Mittagessen. Bringen Sie Leichtigkeit in Ihren Alltag – durch Lachen, Humor, die Freude am Leben und den Blick auf das Positive! Ihre psychische Widerstandskraft und die Ihres Kindes werden es Ihnen danken.

Vom Neugeborenen bis zum Teenager: Die Barmer übernimmt die Kosten für alle gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9 und J1) Ihres Kindes und erinnert Sie an die Termine. Darüber hinaus sorgt das Barmer Kinder- und Jugend-Programm für eine qualitativ besonders hochwertige kinder- und jugendmedizinische Versorgung von der Geburt bis zur Volljährigkeit. Damit Ihr Kind unbeschwert aufwachsen kann.

Literatur und weiterführende Informationen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Abruf 13.05.2022): Kinder stark machen
  • Michaela Sit: Sicher, stark & mutig. Kinder lernen Resilienz (2015)
  • Irit Wyrobnik (Herausgeber): Wie man ein Kind stärken kann. Ein Handbuch für Kita und 
    Familie (2012)
  • Christina Berndt: Resilienz. Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft. Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out (2015)
  • Ulrich Siegrist, Martin Luitjens: Resilienz. In 30 Minuten wissen Sie mehr! (2011)
  • Jutta Heller: Resilienz. 7 Schlüssel für mehr innere Stärke (2013)

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