Impfungen

Gepiekst wird später: Wie kann es zu Lieferengpässen bei Impfstoffen kommen?

Lesedauer unter 5 Minuten
Hühnereier auf einer Palette

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Impfstoffe gehören zu den wichtigsten Errungenschaften der Medizin. Sie schützen jährlich Millionen von Menschen davor, aufgrund einer schweren Erkrankung zu sterben. Impfungen helfen können sogar helfen, Krankheiten auszurotten. Bei den Pocken ist dies schon gelungen, bei der Kinderlähmung und bei Masern erhofft sich die Wissenschaft denselben Erfolg. Dafür ist es notwendig, dass entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) möglichst viele Menschen geimpft werden.

Was tun, wenn Impfstoffe knapp werden?

Und warum kann dies überhaupt passieren, wenn Impfen einen so hohen Stellenwert hat? Müssten nicht immer genug Impfstoffe für alle vorhanden sein? Und warum dauert es so lange, bis neuer Impfstoff nachgeliefert wird?

Es gibt verschiedene Gründe für einen Lieferengpass. Besonders die hohen, aber notwendigen Sicherheitsbestimmungen und die aufwendigen Herstellungsverfahren können zu einem Lieferengpass führen.

Wie wird die Sicherheit bei Impfstoffen geprüft?

Es gibt verschiedene Impfstoffe. Unterschieden wird zwischen Tod- und Lebensimpfstoffen. Lebendimpfstoffe enthalten inaktivierte Krankheitserreger. Todimpfstoffe bestehen dagegen aus abgetöteten Krankheitserregern, aus deren Bestandteilen oder den giftigen Substanzen, die von Bakterien gebildet werden.

Bei der Entwicklung von Impfstoffen muss auf der einen Seite sichergestellt sein, dass die Krankheitserreger nicht mehr schädlich sind, auf der anderen Seite müssen sie das Immunsystem genügend reizen, damit es Antikörper bildet. Da Impfstoffe bei gesunden Menschen eingesetzt werden, sind die Anforderungen für die Zulassung besonders hoch. Doch auch wenn ein Impfstoff eine Zulassung besitzt, müssen Hersteller bei jeder einzelnen Charge dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) (Link zu www.pei.de) in einem aufwäendigen Verfahren die Qualität und Sicherheit nachweisen. Erst dann darf die entsprechende Charge vermarktet werden. Bestehen Bedenken, darf die komplette Charge nicht in den Verkehr gebracht werden.

Wie werden Impfstoffe hergestellt?

Wenn ein Impfstoff zugelassen wurde, kann der Hersteller mit der großflächigen Produktion beginnen. Da die Herstellungsverfahren sehr komplex sind. muss sehr viel Zeit eingeplant werden, Es vergehen Wochen bis Monate, manchmal sogar bis zu zwei Jahren bis ein Impfstoff hergestellt ist und ausgeliefert werden kann. Bei vielen Impfstoffen sind für die Herstellung Hühnereier notwendig, in der Regel ein Ei pro Impfdosis. Das Hühnerei wird mit dem Krankheitserreger infiziert und über eine längere Zeit bebrütet. Während sich der Hühnerembryo entwickelt, vermehren sich auch die Krankheitserreger. Diese werden anschließend isoliert und, mit Chemikalien behandelt. Der Impfstoff ist dann für den menschlichen Körper unschädlich, bewirkt aber eine Reaktion des Immunsystems.

Warum kommt es zu Lieferengpässen?

Wird eine Charge vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nicht für den Verkehr freigegeben oder kommt es zum Ausfall einer Produktionsanlage, kann es zu Lieferschwierigkeiten kommen. Da der Herstellungsprozess komplex ist, dauert es oft Monate bis neuer Impfstoff produziert ist. Wird z.B. der Grippeimpfstoff knapp, dauert es ein halbes Jahr bis neuer Impfstoff verfügbar ist. Er würde dann erst wieder nach der Grippesaison zur Verfügung stehen, also dann zu einem Zeitpunkt, wenn er gar nicht mehr gebraucht wird.

Es kann aber auch zu Lieferengpässen kommen, wenn der Bedarf unvorhersehbar steigt. So ist es z.B. im Frühjahr 2020 bei der Impfung gegen Pneumokokken passiert. Die Impfung wird älteren Menschen und Menschen mit einem besonderen medizinischen Risiko empfohlen. Dennoch wurde die Impfung in der Vergangenheit die Impfung auch von den Risikogruppen nur sehr verhalten in Anspruch genommen und die Hersteller haben sich bei der Produktion an der geringen Nachfrage orientiert. Als diese Impfung aufgrund der Corona-Pandemie in den Medien diese Impfung empfohlen wurde, sind die Hersteller wegen der plötzlich hohen Nachfrage produktionstechnisch an ihre Grenzen gestoßen. 

Die Corona-Pandemie wird mittlerweile auch bei der Planung notwendiger Grippeimpfungen einbezogen. Da die Pandemie im kommenden Winter vermutlich noch nicht vorbei sein wird, ist gilt eine Impfung gegen Grippeviren, die ebenso wie die Coronaviren Lungenentzündungen hervorrufen können, als empfehlenswert. Daher hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür ausgesprochen, zusätzliche 4,65 Millionen Einzeldosen Grippeimpfstoff für die Grippesaison 2020/21 zu beschaffen. In der vergangenen Grippesaison hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 17 Millionen freigegeben. Das sind dann für die anstehende Grippesaison knapp 30 Prozent mehr Einzeldosen.

Wie erfahre ich, ob ein Impfstoff von einem Lieferengpass betroffen ist?

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) informiert auf seiner Homepage über Lieferengpässe und wann der ein Impfstoff voraussichtlich wieder verfügbar sein wird. Zusätzlich werden alternative Impfstoffe aufgelistet oder Zusatzinformationen der Ständigen Impfkommission (STIKO) hinterlegt. Die STIKO gibt z.B. Hinweise, wie Impfserien fortgeführt werden, wenn die Grundimmunisierung aufgrund von Lieferengpässen nicht fortgeführt werden kann oder welche Personen vorzugsweise geimpft werden sollen, wenn nur eine begrenzte Menge Impfstoff zur Verfügung steht.

Jeder kann auch selbst mithelfen, auf Lieferengpässe aufmerksam zu machen. Das PEI bittet alle Verbraucher zu melden, wenn ein Engpass vermutet wird, dieser aber nicht in der PEI-Impfstofflieferengpassliste gemeldet ist.

Wie reagiert die Barmer, wenn es zu Lieferengpässen bei Impfstoffen kommt?

Krankenkassen haben keine rechtlichen Möglichkeiten, eine höhere Produktion bei den Herstellern anzufordern. Doch auch selbst wenn diese Möglichkeiten bestehen würde, könnten die Hersteller aufgrund der aufwendigen Produktionsverfahren nicht kurzfristig handeln.
Wenn bestimmte Impfstoffe im Ausland noch in genügender Menge zur Verfügung stehen, prüft die Barmer für ihre Versicherten, ob im Einzelfall ein Import und eine Kostenübernahme möglich ist. Beispielsweise benötigen Erwachsene mit einer kranken oder fehlenden Milz eine Impfung gegen Haemophilus influenzae b (Hib). Hib-Bakterien können bei diesen Menschen schwere, lebensbedrohliche Entzündungen wie eine Hirnhautentzündung hervorrufen. In Deutschland ist nur ein Kombinationsimpfstoff, der neben Hib auch gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung schützt, erhältlich. Ist die Anwendung des alternativen Impfstoffs aus medizinischen Gründen nicht möglich, kann im Einzelfall ein ausländischer Impfstoff verordnet werden.

Manchmal ist es aber auch die Aufgabe einer Krankenkasse bei Engpässen auf eine gerechte Verteilung der Impfstoffe zu achten. Da in den Medien aufgrund der Corona-Pandemie der Pneumokokken-Impfstoff empfohlen wurde, bestand auch bei vielen gesunden Menschen der Wunsch, sich mit einer Impfung zu schützen. Während gesunde Menschen von einer Pneumokokken-Impfung nicht profitieren, können bei Säuglingen und immunschwachen Menschen schwere, mitunter lebensbedrohliche Entzündungen der Hirnhäute und Lunge mit einer Impfung verhindert werden. Daher sollte der knappe Impfstoff den Risikogruppen vorbehalten sein.

In anderen Fällen können von einem Lieferengpass auch nur einzelne Packungsgrößen betroffen sein. Sind nur große Packungen erhältlich und benötigt ein Versicherter eine einzelne Impfdosis, sucht die Barmer nach Möglichkeiten, damit der Versicherte seine einzelne Impfdosis erhält und die Apotheke diese abrechnen kann. Notwendig war diese Vorgehensweise z.B. bei den Lieferengpässen des Impfstoffs gegen Gürtelrose.

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