Gesundheit 2030

Wir investieren in die digitale Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung

Lesedauer unter 3 Minuten
Porträt von Benjamin Westerhoff

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Zur Person

Benjamin Westerhoff ist Abteilungsleiter Produktentwicklung und Produktstrategie.

Viele digitale Entwicklungen im Gesundheitswesen legen ihren Fokus zu stark auf das technisch Mögliche und zu wenig auf die relevanten Versorgungsprobleme. Die Barmer sieht ihre Aufgabe darin, die digitale Entwicklung der Versorgung mitzugestalten. Sie kennt das Gesundheitswesen und weiß, in welchen medizinischen Bereichen Versorgungslücken bestehen. Deshalb investiert sie in Gesundheits- und Medizintechnik-Startups und fördert die Innovationen frühzeitig, die das Gesundheitswesen wirklich verbessern können.

Herr Westerhoff, wie steht es um die Digitalisierung des Gesundheitswesens?

Westerhoff: Es tut sich einiges. In vielen Bereichen ist es durch die Corona-Pandemie zu einer starken Beschleunigung gekommen. Nehmen Sie zum Beispiel die Videosprechstunden für Patientinnen und Patienten: Es hat lange gedauert, bis das E-Health-Gesetz 2015 endlich verabschiedet wurde – und auch in der Zeit danach haben erst einmal nur wenige Ärztinnen und Ärzte Sprechstunden per Computer angeboten. Das hat sich durch Corona stark dynamisiert.

Dieses Interview ist erschienen im Report „Future Health – Gesundheitsinnovationen und Start-ups in Deutschland“ von Handelsblatt Research Institute und Barmer (Mitherausgeber).

Es ist interessant, wie solche Ereignisse die alten Beharrungskräfte plötzlich überwinden können. Man muss aber auch konstatieren, dass der Gesetzgeber schneller wird. Die Aufnahme der DiGA – also der Digitalen Gesundheitsanwendungen, meist sind das Apps – in den Leistungskatalog der Krankenkassen war ein wirklich zügiger Prozess. Ende 2019 wurde dies per Gesetz ermöglicht, 2020 sind die ersten Anträge gestellt worden – und seit Oktober 2020 gibt es die ersten durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zertifizierten Angebote. Solche Umwälzungen hätten früher sicher einige Jahre gedauert.

Illustration zur eCare

Mit der Barmer eCare alle Gesundheitsinfos an einem Ort: Das leistet unsere elektronische Patientenakte für rund 9 Millionen Versicherte. 


Bringen denn wirklich alle Gesundheits-Apps und -Devices einen medizinischen Fortschritt?

Westerhoff: Nein, sicher nicht alle. Bei vielen Entwicklungen merkt man schnell, dass es weniger darum ging, eine Lösung für ein relevantes medizinisches Problem zu finden, sondern eher darum, eine vorhandene Technologie mit einer gesundheitsbezogenen Anwendung zu versehen. Nicht selten fehlt es Entwicklerinnen und Entwicklern auch am Verständnis der Spielregeln im Gesundheitswesen. Ein großes Problem ist darüber hinaus, dass die Anwendungen oft nicht kompatibel sind mit vorhandener Infrastruktur. Wenn eine App medizinische Werte protokolliert – nehmen wir als Beispiel eine Diabetes-Tagebuch-App –, dann ist es wichtig, dass die Informationen bei Bedarf direkt in die primären Systeme übertragen werden können, beispielsweise in der Klinik oder in der Praxis. Wenn stattdessen nur PDFs darin generiert werden, ist nicht viel gewonnen durch die Digitalisierung des Tagebuchs. Bei den DiGA wird sinnvollerweise verlangt, dass die Apps interoperabel sind – dass also die Informationen aus der App beispielsweise in die elektronische Patientenakte überführt werden können, die es seit diesem Jahr gibt.

Welche Rolle spielen die Krankenkassen hier?

Westerhoff: Für uns sind digitale Anwendungen sehr interessant, als niedrigschwellige Unterstützungsangebote für unsere Kundinnen und Kunden, auch im Wettbewerb um neue Mitglieder. Das betrifft weniger die DiGA, denn die müssen ja von allen Kassen gezahlt werden. Doch gerade bei zertifizierten Medizinprodukten, die nicht oder noch nicht den Weg zur DiGA gehen wollen, sowie im Präventionsbereich kann man sich mit zusätzlichen Angeboten von der Konkurrenz abheben. Wir bieten hier beispielsweise Achtsamkeits- oder Beckenbodenübungen per App an. Bei der Barmer sehen wir unsere Aufgabe darin, bei der digitalen Weiterentwicklung der Versorgung mitzuhelfen. Denn wir kennen das Gesundheitswesen – und wir wissen, in welchen medizinischen Bereichen Versorgungslücken bestehen. Inzwischen ist es uns auch erlaubt, einen kleinen Teil unserer freien Rücklagen über Wagniskapitalfonds in junge Gesundheitsunternehmen zu investieren – und das tun wir auch. Dabei geht es aber nicht nur um Apps, auch wenn die derzeit so viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Mindestens genauso wichtig sind für uns Innovationen im Bereich der Medizintechnik.

Dieses Interview ist erschienen im Report „Future Health – Gesundheitsinnovationen und Start-ups in Deutschland“ von Handelsblatt Research Institute und Barmer (Mitherausgeber).

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Webcode: a006605 Letzte Aktualisierung: 17.06.2021
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