Nachhaltigkeit

Alles auf Grün fürs Klima

Lesedauer unter 7 Minuten
Eine Person steht im Wald und hält sich einen Spiegel vor das Gesicht

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. Janine Voß (Leiterin der Abteilung Beschaffung und Nachhaltigkeit der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Klimaschutz und Umweltschutz sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben – jetzt und in Zukunft. Deswegen verstärkt die Barmer ihre bisherigen Bemühungen weiter. Unser Ziel: Bis 2030 wollen wir klimaneutral werden.

Ressourcenschutz, Emissionen, energieintensive Produktion: Früher waren diese Begriffe vor allem Forschenden geläufig. Heute wissen schon viele Kinder, was damit gemeint ist. Denn der Klimawandel ist Realität – und gerade junge Menschen sind es, die unter seinen Folgen leiden werden. Seine Auswirkungen machen sich bereits bemerkbar: Starkregenfälle wie jene, die im Juli 2021 an Ahr und Erft zu einer Flutkatastrophe führten, werden durch die Klimaerwärmung wahrscheinlicher. Auch andere extreme Wetterereignisse wie Stürme, Hitzewellen, Kälteperioden und Dürren treten in Folge häufiger auf – in Deutschland und anderen Teilen der Welt.

Für die Barmer mit ihren rund neun Millionen Versicherten ist Klima- und Umweltschutz eine Aufgabe aller Generationen. Wir haben uns deshalb ein konkretes Ziel gesetzt: Bis 2030 will die Barmer klimaneutral werden. Das bedeutet, dass wir unsere eigenen direkten und indirekten CO2-Emissionen sowie ausgewählte Emissionen aus der Lieferkette wie beispielsweise Dienstreisen systematisch reduzieren und verbleibende Emissionen ausgleichen werden. Dazu gehört auch, bei Partnern in der Lieferkette auf Klimaschutz zu achten und im Gesundheitswesen insgesamt auf klimafreundlicheres Handeln hinzuwirken. Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer:

„Klima, Umwelt und Gesundheit hängen untrennbar zusammen. Es ist für uns von höchster Priorität, natürliche Ressourcen wirksam zu schonen. Das gilt für unser eigenes Handeln, aber auch für das unserer Partnerinnen und Partner, der Belegschaft und der Versicherten.“

Mit dieser Zielsetzung und den damit verbundenen Klimaschutzmaßnahmen und internen Umstellungen gehen wir voran. Wir nehmen das Thema ernst und sind uns unserer Verantwortung im Gesundheitswesen bewusst. Wie Menschen wohnen, arbeiten, sich fortbewegen und konsumieren, entscheidet darüber, in was für einer Welt sie in Zukunft leben werden. Unternehmen und Institutionen sind hier jedoch mindestens genauso gefragt wie jeder und jede Einzelne. Mit ihren rund 15.000 Mitarbeitenden will die Barmer zeigen, dass klimaverträgliches Handeln nicht nur herausfordert, sondern auch Chancen bietet und Innovation vorantreibt.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Sich für den Klimaschutz stark zu machen bedeutet, für die Gesundheit aller zu kämpfen. Im Jahr 2015 beschlossen die Vereinten Nationen in Paris, den Temperaturanstieg der Erde auf 1,5 Grad zu begrenzen. Nur so lassen sich steigende Meeresspiegel und versauernde Ozeane verhindern und die Artenvielfalt erhalten – vor allem aber auch das Wohlergehen der Menschen. Hitzesommer wie in 2018 und 2019 gefährden mit ihren extremen Temperaturen insbesondere Ältere, Kinder sowie Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Auch tropische Stechmücken-Arten, die zu Krankheitsüberträgern werden können, breiten sich mit steigenden Temperaturen in Deutschland aus. Starkregen und Dürren beeinflussen den Grundwasserspiegel und die Ernten.

Eine aktuelle Modellstudie rechnet vor, dass sich allein durch die positiven Nebeneffekte von Klimaschutzmaßnahmen wie verbesserte Luftqualität, veränderte Mobilität und nachhaltigere Ernährung in Deutschland etwa 150.000 vorzeitige Todesfälle im Jahr verhindern ließen.

Als Krankenkasse müssen und wollen wir solche Zahlen ernst nehmen und unseren bereits eingeschlagenen Weg in Richtung Umweltschutz und Klimaneutralität noch entschiedener und zügiger weitergehen. Das bedeutet auch, unsere Versicherten auf diesem Weg mitzunehmen, denn im Sozialgesetzbuch steht: „Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. […] Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde Lebensverhältnisse hinzuwirken.“ Über die Beratungs- und Aufklärungsleistung hinaus werden wir diesem Auftrag gerecht, indem wir selbst aktiv zum Klimaschutz beitragen und immer mehr Prozesse umstellen.

Denn auch wenn unser Arbeitsbereich bei Klimadiskussionen selten im Fokus steht: Mit schätzungsweise fünf Prozent Anteil an den jährlichen Treibhausgasemissionen trägt das deutsche Gesundheitswesen stärker zum Aufheizen der Erdatmosphäre bei als beispielsweise die Schifffahrt oder der Flugverkehr. Als Krankenkasse ist unser Fußabdruck zwar vergleichsweise schmal. Durch unser Handeln können wir jedoch auf viele Abläufe und Akteure im Gesundheitssystem einwirken.

Darüber hinaus zählt für uns der eigene Beitrag: Wir wollen unseren Einfluss auf Ökologie und Klimawandel schnellstmöglich minimieren. Umweltschutz und ein achtsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen geben deshalb schon heute bei vielen internen Prozessen und neuen Anschaffungen der Barmer die Richtung vor – auch, weil dies für die Versicherten und Mitarbeitenden immer wichtiger wird und viele davon es zu Recht von uns erwarten. Um zu evaluieren, wie sich unsere Unternehmensstrategie nachhaltiger ausrichten lässt, starteten wir 2019 deshalb ein unternehmensweites Projekt, bei dem uns das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (WI), eines der international führenden Nachhaltigkeitsforschungsinstitute, wissenschaftlich begleitet.

Mit Ökostrom mehr als 6.800 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart

Drei große Felder haben wir dabei bisher identifiziert. Zum einen den unmittelbaren Klima- und Umweltschutz in der eigenen Arbeit: Bei einer Krankenkasse ist der entscheidende Faktor die Verwaltungstätigkeit. Büro- und Geschäftsräume müssen geheizt und mit Strom versorgt werden. Auch die IT-Infrastruktur funktioniert nicht ohne Strom. Der Einsatz von Papier und die physische Postzustellung haben ebenfalls direkten Einfluss auf die Umwelt. Genau hier haben wir bereits angesetzt: Seit 2020 nutzen wir bundesweit Ökostrom – und konnten so bereits mehr als 6.800 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht der Menge Kohlendioxid, die ein mitteleuropäischer Buchenwald mit über einer halben Million Bäumen in einem Jahr unserer Erdatmosphäre entziehen kann.

Unsere Gebäude werden schrittweise nach energetischen Kriterien saniert. Bei neuen Immobilien berücksichtigen wir deren CO2-Effizienz. Indem wir sowohl intern als auch mit unseren Versicherten und unseren Partnern im Gesundheitswesen immer mehr Prozesse und Angebote digital zugänglich machen, reduzieren wir Postversand und Papiernutzung. Aber auch die Digitalisierung muss klimafreundlich umgesetzt werden, dafür sind entsprechende Fortschritte und Angebote unserer Partner von großer Bedeutung. Unsere Online-Geschäftsstelle wird beispielsweise bereits in einem emissionssparenden Rechenzentrum betrieben.

In Sachen Mobilität haben wir – wenn auch notgedrungen durch die Corona-Pandemie – in den Jahren 2020 und 2021 durch verstärktes Arbeiten im Home-Office ebenfalls Einsparungen erreicht. Wir freuen uns sehr über das wieder möglich gewordene persönliche Miteinander. Die positiven Aspekte dieser Erfahrungen möchten wir aber beibehalten. Aktuell arbeiten wir daran, die Lösungen, die während der Pandemie gut funktioniert haben, in den langfristigen Regelbetreib zu überführen.

Wissenschaftlich fundierte Lösungen

Wer sich selbst schon einmal eingehender damit befasst hat, weiß: Nachhaltigkeitsfragen können sehr schnell sehr komplex werden. Deshalb greifen wir auf das Fachwissen externer Expertinnen und Experten wie denen des Wuppertal Instituts zurück. Damit unsere internen Maßnahmen wirksam ineinandergreifen, laufen diese seit April 2021 in der neu gegründeten Abteilung „Beschaffung und Nachhaltigkeit“ zusammen. Deren Leiterin Dr. Janine Voß (lesen Sie hier das Interview) wacht über Umsetzung und Kosten.

„Die Mitarbeitenden haben meist ein sehr gutes Verständnis davon, wie ihre Abteilung zu mehr Nachhaltigkeit beitragen kann“, so Voß. „Sie sind ja die Spezialistinnen und Spezialisten für die jeweiligen Prozesse und Fachfragen.“ Aufgabe der Nachhaltigkeitsexpertin ist es, die unternehmensweiten Aktivitäten zu koordinieren. Sie ist Ansprechpartnerin, behält den Zeithorizont im Blick und sorgt dafür, dass alle Neuerungen auf die Nachhaltigkeitsziele der Barmer einzahlen.

Die zweite große Säule neben unserem eigenen Klimafußabdruck ist unser Einsatz für nachhaltige Lieferketten. Im März 2021 haben wir deshalb unseren Lieferantenkodex veröffentlicht. Dieser Kodex gibt vor, welche Standards in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz wir von unseren Geschäftspartnern erwarten – von Arzneimittellieferanten genauso wie den Firmen, welche die Barmer-Geschäftsstellen mit Bürotechnik ausstatten. „Für unsere Zulieferer ist der Kodex ein klares Signal, ihre Nachhaltigkeits-Performance sichtbar und nachprüfbar zu machen“, sagt Dr. Janine Voß.

So werden bei Ausschreibungen für Werbemittel nur noch nachhaltige Lieferanten berücksichtigt. Bei Textilunternehmen kann dies beispielswiese bedeuten, dass diese das GOTS-Siegel für nachhaltige Produktion vorweisen müssen. Auch im Bereich der Arzneimittelherstellung setzen wir uns dafür ein, Lieferketten und Produktionsbedingungen nachhaltiger zu gestalten. Die Qualität der Arzneimittel muss dabei jedoch gesichert und ihre Verfügbarkeit unbedingt gewährleistet bleiben.

Nachhaltigkeitskompetenz aufbauen

Die dritte Säule, die uns auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit wichtig ist, ist der Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz im gesamten Gesundheitswesen. Denn Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Indem wir über unser Maßnahmen informieren und unser Handeln transparent machen, möchten wir allen Akteuren im Gesundheitswesen Vorbild, Ansporn und Praxisbeispiel sein. Das bedeutet zum einen, dass wir in den Dialog mit anderen Akteuren eintreten, Best Practices austauschen und gemeinsam mit nachhaltigen Partnern nach Lösungen suchen. Es heißt aber auch, dass wir unsere eigenen Mitarbeitenden in Sachen Nachhaltigkeit schulen und fördern. In unseren internen Schulungs- und Aktionsprogrammen können Mitarbeitende sich über Nachhaltigkeit informieren und selbst aktiv werden. Beginnend für das Jahr 2021 werden wir unsere Ziele und Erfolge jährlich in einem Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen.

Die Erderwärmung aufzuhalten ist eine Generationenaufgabe, die sich nur mit ehrgeizigen Maßnahmen erreichen lässt. Als Krankenkasse kämpfen wir dafür, dass ein gesundes Leben auch in Zukunft noch möglich ist. Indem wir unsere eigenen Prozesse optimieren und so nachhaltig wie möglich gestalten, setzen wir dafür ein Zeichen. Wir wollen positiven Einfluss auf unsere Geschäftspartner und Lieferanten nehmen, um Lieferketten nachhaltiger zu gestalten. Und darüber hinaus möchten wir dazu beitragen, das Wissen und die Kompetenz in Sachen Klima- und Umweltschutz im Gesundheitswesen auf ein neues Niveau zu heben. Wir hoffen, dass weitere Akteure unserem Beispiel folgen. Denn eines ist klar: Das Ziel, eine lebenswerte Umwelt zu erhalten, erreichen wir nur gemeinsam.

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Webcode: a006915 Letzte Aktualisierung: 14.09.2021
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