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Nachhaltigkeit

Nachhaltig reisen: So kommen Sie grüner ans Ziel

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Die pandemische Handbremse ist gelockert, es darf wieder in alle Himmelsrichtungen gereist werden. Prinzipiell eine gute Nachricht – nur nicht für den Planeten. Wer aber auf nachhaltiges Reisen und grüneren Tourismus setzt, kann die Umweltbelastung verringern.

Nachhaltig Reisen: Mit diesen Tipps schonen Sie im Urlaub die Umwelt

Fern- und vor allem Flugreisen sind wahre CO2-Schleudern. So haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universität Sydney herausgefunden, dass Tourismus als gesamter Wirtschaftszweig acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausmacht. Aber es geht auch anders: etwas langsamer vielleicht, aber dafür sehr viel grüner. Sieben Tipps für nachhaltiges Reisen und sanften Tourismus.

Tipp 1: Das Glück vor der Haustür

Was versteht man eigentlich unter nachhaltigem Tourismus? Per Definition geht es darum, die Umweltbelastungen durch Reisen möglichst gering zu halten. Das beginnt mit der Wahl des Reisezieles: Wer seine Reisedestinationen nach Umweltverträglichkeit auswählt, sollte sich Fernreisen in andere Kontinente möglichst verkneifen. Denn wer sich auf den Weg in weit entfernte Länder macht, vergrößert seinen CO2-Fußabdruck deutlich.

Also lieber in die Nähe schweifen: Urlauber, die regional unterwegs sind, kommen schneller am Urlaubsort an und haben länger Zeit am Ferienort. Und mal ehrlich: Kennen Sie Deutschland eigentlich von Nord bis Süd? Die Ostsee, die Eifel, den Harz, die Alpen? Lübeck, Köln, Dresden? Und was ist mit Reisezielen in Europa? Es gibt so viel vor der Haustür zu entdecken, dass ein ganzes Leben dafür nicht reicht.

Tipp 2: So wenig wie möglich fliegen

Ist leider so: Flugreisen belasten die CO2-Bilanz mehr als alle anderen Transportformen. Theoretisch steht jedem Erdbewohner ein CO2-Verbrauch von maximal zwei Tonnen pro Jahr zu. Ein Flug von Hamburg nach New York und zurück emittiert fast das Doppelte. Egal, wie man es dreht und wendet – eine nachhaltige Reise mit dem Flugzeug gibt es de facto nicht. Das gilt besonders für Kurzstreckenflüge, bei denen die Emissionen im Verhältnis zur Strecke noch größer sind. Neben Flugreisen haben auch Kreuzfahrten keine gute Umweltbilanz – die schwimmenden Hotels sind leider richtige CO2-Schleudern.

Das richtige Transportmittel macht also den Unterschied. Innerhalb Europas lassen sich sehr viele Ziele auch bequem mit der Bahn erreichen, wenn man etwas mehr Anreisezeit einplant. Das große Plus: Bahnfahren erzeugt mindestens sechsmal weniger CO2 als Fliegen und ist somit besser für die Umwelt. Eine Bahnfahrt von Hamburg nach Bordeaux und zurück produziert zum Beispiel 0,01 bis 0,11 Tonnen CO2 (je nach Verbindung). Mit dem Flugzeug sind es 0,48, mit dem Auto sogar etwa 0,65 Tonnen. Auch ein Fernbus ist eine nachhaltigere Alternative. Und der Gewinner unter den nachhaltigen Transportmitteln – na klar, das Fahrrad.

Wer genau wissen will, wie gut oder schlecht für die Umwelt ein Transportmittel ist, kann das auf dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes kalkulieren.

Tipp 3: Grüner wohnen

Auch bei der Wahl des Urlaubsquartiers kann man auf nachhaltigen Tourismus achten. Viele Unterkünfte sind inzwischen darauf ausgerichtet, die Umwelt und ihre Ressourcen zu schonen – indem zum Beispiel Wasser gespart oder wiederaufbereitet und mit regenerativer Energie geheizt wird. Daneben spielen die Müllvermeidung, biologische Lebensmittel oder eine ökologische Bauweise eine Rolle. Entsprechende Unterkünfte zu finden, ist inzwischen nicht mehr schwer. Viele Plattformen bieten die Möglichkeiten, bei der Suche nach Hotels oder Ferienwohnungen auf nachhaltige Optionen zu filtern.

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Klimaschutz und Umweltschutz sind die Voraussetzungen für ein gesundes Leben – jetzt und in Zukunft. Deswegen will die Barmer bis 2030 klimaneutral werden. Wichtige Schritte auf diesem Weg sind bereits geschafft.

Tipp 4: Sozial unterwegs sein

Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, gerade in strukturschwächeren Gegenden. Und weil Nachhaltigkeit immer auch soziale Aspekte in den Fokus rückt, können Reisende hier positive Impulse setzen – auch in Form eines sanften, nachhaltigen Tourismus. Das geht individuell in vielen Fällen besser als bei einer Pauschal- oder All-Inclusive-Reise. Zum Beispiel, indem man regionale Restaurants und Cafés anstelle der Hotelgastronomie aufsucht oder sich lieber in einer inhabergeführten Herberge einquartiert als in einer internationalen Hotelkette.

Auch privat initiierte Dienstleistungen wie Führungen, Koch-Abende mit Locals oder der Besuch eines kleinen Museums stärken die Menschen vor Ort. Oft entstehen gerade aus diesen persönlichen Begegnungen besonders bereichernde Momente – und im Rückblick die schönsten Erinnerungen an den Urlaub.

Tipp 5: Müll, Ballast und Ressourcenverschwendung vermeiden

Es ist eine einfache physikalische Formel: Je größer das Gewicht, desto mehr Energie wird benötigt, um sich fortzubewegen. Das gilt auch fürs Reisegepäck, jedes Kilo extra erhöht die CO2-Bilanz. Wer mit kleinem Gepäck an den Start geht, tut sich generell leichter. Also lieber nur das Nötigste mitnehmen und vor Ort mal was waschen. Das zum nachhaltig Reisen auch die Müllvermeidung zählt, erklärt sich von selbst. Mehrwegtasse statt To-Go-Becher, Brotzeitdose mit selbstgemachtem Snack statt verpackter Supermarktware. Geht alles und schmeckt im Zweifel sogar besser.

Ohnehin lassen sich alle grünen Gewohnheiten, die man zuhause pflegt – Licht und Wasser sparen, Klimaanlage möglichst selten nutzen, Handtücher nicht täglich waschen, Plastikmüll vermeiden – auch ganz wunderbar im Urlaub fortsetzen.

Tipp 6: Emissionen ausgleichen

Egal wohin wir auch wandeln, meist hinterlassen wir einen kleineren oder auch größeren ökologischen Fußabdruck. Die Kompensation von CO2-Emissionen erscheint da gut für Gewissen und persönliche Öko-Bilanz. Für das Klima ist es egal, wo ⁠Kohlendioxid ausgestoßen wird, deshalb können Emissionen, die an einem Ort entstehen, auch an einem anderen, weit entfernten, ausgeglichen werden. Zahlreiche Organisationen bieten die Möglichkeit an, die Treibhausgase von Unterkünften, Transportmitteln oder Reisen zu kompensieren – über sogenannte Emissionsminderungsgutschriften (Zertifikate), mit denen die Emissionsmenge in Klimaschutzprojekten ausgeglichen wird.

Mittlerweile haben auch zahlreiche Flug- und Busgesellschaften, Reiseportale oder Veranstalter eine CO2-Kompensation im Angebot. Bei der Auswahl eines entsprechenden Klimaschutzprojektes sollte man auf die Einhaltung bestimmten Qualitätsstandards achten. Dazu zählen Siegel wie der Clean Development Mechanism (CDM), Verified Carbon Standard (VCS) oder der Gold Standard. Trotzdem ist die Kompensation nur eine Art Wiedergutmachung und kein Freifahrtschein für Jet-Setter. Besser als die Kompensation ist immer noch die Vermeidung von CO2 – auch im Urlaub.

Tipp 7: Nachhaltige Reiseveranstalter wählen

Wem der Aufwand zu groß erscheint, einen nachhaltigen Urlaub ganz individuell zu gestalten, kann auch auf das Knowhow von entsprechenden Anbietern bauen. Zum Glück ist nachhaltiger Tourismus mittlerweile ein Trend: Viele Reiseveranstalter haben sich auf ökologisches Reisen spezialisiert und bieten nachhaltige Komplettangebote an. Manche bieten dort sogar Reisen an, bei denen freiwilliges Engagement (etwa Plastikmüll sammeln) mit der Tour kombiniert wird. Gutes Gewissen inklusive.

Barmer-Services für eine unbeschwerte Reise

Literatur und weiterführende Informationen

  • Umweltbundesamt (Abruf 05.07.2022): CO2-Rechner
  • Lenzen, Manfred, et al.: "The carbon footprint of global tourism." Nature climate change 8.6 (2018)
  • Kamb, Anneli, et al.: "Potentials for reducing climate impact from tourism transport behavior." Journal of Sustainable Tourism 29.8 (2021)
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (Abruf 6.7.2022): Tipps zum nachhaltigen Reisen


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