eCare

Zum Start der ePA: Wie ein Wertesystem digitaler Ethik Kundenorientierung fördert

Lesedauer unter 4 Minuten
Jörgen Rothmaier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BARMER

Autor

Barmer Internetredaktion

Zur Person

Jürgen Rothmaier ist stellvertretender Barmer Vorstandsvorsitzender. Er ist bereits seit 1978 für die Krankenkasse tätig.

Die elektronische Patientenakte (ePA) ist da. Der offizielle Start zum Jahresbeginn 2021 markiert vor allem den Anfang ihrer Entwicklung. Krankenkassen und Gesetzgeber sind nun gefragt, Rahmenbedingungen und Angebote zu entwickeln, die Kundenzentrierung und gesellschaftliche Werte vereinen. Die Barmer setzt in Fragen digitaler Ethik auf ein Wertesystem, das Versicherten, Leistungserbringern und Partnern Orientierung gibt. Jürgen Rothmaier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer, erläutert die Bedeutung dieses Wertesystems für die Weiterentwicklung der Barmer-eigenen ePA – der eCare.

Im September 2020 hat die Barmer ihren Wertekanon vorgestellt, den Rahmen der digitalen Ethik. Was sind diese Werte und was ist mit „digitaler Ethik” gemeint?

Jürgen Rothmaier: Die Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen ebenso wie unsere Gesellschaft. Sie schafft völlig neue Lösungen, stellt neue Zusammenhänge her und wirft dabei viele grundsätzliche Fragen auf.

Aus diesem Grund haben verschiedenste Bereiche der Barmer gemeinsam zusammengetragen, bei welchen Fragestellungen, Projekten und Produkten die digitale Ethik eine Rolle spielen muss. Dort, wo sich Grauzonen ergeben, zeigen die von uns formulierten Werte der digitalen Ethik, woran wir uns ausrichten.

Welche Rolle hat die Diskussion um die ePA in der Entwicklung dieser Werte gespielt?

Jürgen Rothmaier: Die Entwicklung der eCare hat den Bedarf an einer Auseinandersetzung mit verschiedenen ethischen Fragen verdeutlicht. Gibt es eine Pflicht zur ePA? Habe ich Nachteile, wenn ich sie nicht nutze? Ist meine Hausärztin verärgert, wenn sie sieht, dass ich auch andere Ärzte besuche? Darf ich selbst ärztliche Dokumente löschen? Das sind reale Fragen unserer Versicherten, die neben der praktischen Beantwortung in manchen Fällen eine grundsätzlichere Debatte erfordern.

Insgesamt geht die Bedeutung der digitalen Ethik jedoch weit über die Entwicklung eines einzelnen Produktes hinaus. Die Barmer steht dem digitalen Fortschritt grundsätzlich positiv gegenüber und möchte ihn aktiv vorantreiben. Wir sind uns aber auch der Verantwortung bewusst, die wir gegenüber unseren Versicherten und Partnern haben. Im Umgang mit persönlichen Daten, aber auch in der Entwicklung neuer Tools und Plattformen stehen wir immer wieder vor Fragen, die an gesellschaftliche Werte rühren.

Welche Fragen meinen Sie genau?

Jürgen Rothmaier: Momentan ist die zentrale Frage, wie viel Kontrolle die Versicherten über ihre Daten haben oder wofür und von wem diese Daten genutzt werden. Trotz neuer Möglichkeiten für eine verbesserte Gesundheitsversorgung löst der technologische Fortschritt immer auch Unsicherheit aus. Um hier Vertrauen zu schaffen, bedarf es klarer und offener Debatten und Positionierungen.

Seit dem 1. Januar 2021 steht die eCare nun den Versicherten der Barmer zur Verfügung. Wie fließen die Werte der digitalen Ethik in die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte ein?

Jürgen Rothmaier: Die einzelnen Werte stehen in einer engen Beziehung zueinander und adressieren unterschiedliche Situationen und Akteure. Um auf eine Auswahl einzugehen: Als Krankenversicherung ist unsere Arbeit per Definition menschenorientiert und patientenzentriert – die Gesundheit und das Wohl unserer Versicherten haben oberste Priorität.

Das bedeutet aber auch, transparent und aufklärend zu agieren, um die Gesundheitskompetenz der künftigen Nutzerinnen und Nutzer zu stärken und Chancen wie Risiken transparent zu machen. So ermöglichen wir, dass die Akteure im Gesundheitswesen souverän und selbstbestimmt handeln können.

Langfristig hofft das Gesundheitssystem mit der ePA auch Daten zu generieren, mit denen neue medizinische Innovationen möglich sind. Wir als Barmer unterstützen die Forschung und sind in zahlreichen Innovationsfondsprojekten aktiv, daher positionieren wir uns auch dazu. Perspektivisch werden aber die Nutzenden selbst entscheiden, ob sie eine solche Datenspende unterstützen wollen.

Der Start der elektronischen Patientenakte wurde von einer Diskussion um den Datenschutz begleitet. Welche Rolle spielt dieses Thema in der weiteren Entwicklung der eCare?

Jürgen Rothmaier: Sicherheit und Datenschutz sind unverzichtbare Pfeiler für die digitalen Produkte der Barmer und haben – wie auch gesetzlich vorgegeben – Priorität. Sie sind klarer Hygienefaktor: Wenn sie nicht gewährleistet sind, wird die ePA nicht genutzt. Aber sie allein sind kein Anreiz. Niemand installiert eine App, nur weil sie besonders sicher ist. Der Nutzen muss klar sein und die Entwicklung und Integration von Funktionen, die den Nutzerinnen und Nutzern einen Mehrwert bieten und Anreize setzen, steht nun für die Barmer im Vordergrund.

Mit der eCare übersetzt die Barmer gesetzliche Vorgaben in ein konkretes Produkt. Inwiefern sind die weiteren Schritte bereits vorgegeben?

Jürgen Rothmaier: Die initiale Version der eCare orientiert sich klar an gesetzlichen Regelungen. Auch für die nächsten Phasen hat das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) konkrete Vorgaben gemacht, etwa zum Berechtigungsmanagement und zu umfangreichen Funktionserweiterungen.

Doch die ePA wird nur dann ein Erfolg, wenn sie breite Nutzung findet, und dafür muss ihr Potenzial als Plattform und Schnittstelle im digitalen Gesundheitssystem erkannt und realisiert werden. Hier sind Länder wie Dänemark, Estland oder Israel schon weiter, die auch Lösungen für Terminbuchungen oder Chats mit dem Arzt entwickelt haben. Solche Funktionen braucht es, um die ePA in den Alltag der Menschen zu integrieren. Dann wird sie nützlich und sinnstiftend – weitere wesentliche Werte der digitalen Ethik.

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Webcode: a006362 Letzte Aktualisierung: 30.03.2021
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