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Eine Frage

Hat die Tellerfarbe Einfluss auf unseren Appetit?

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Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Micaela Schmidt (Diplom-Ökotrophologin, Barmer)

Die Currywurst vom Pappteller oder das Drei-Sterne-Menü von edlem Steingut - hat die Art des Tellers Auswirkungen darauf, wie uns Essen schmeckt? Und wie steht es um die Tellerfarbe oder die Schwere des Bestecks? Spannende Erkenntnisse über unseren Appetit und den Einfluss der Tellerfarbe auf unser Essverhalten. 

Wer gerne isst, legt viel Wert auf ein schönes Geschirr und tolles Besteck. Doch manchmal macht es auch Spaß, mit den Fingern zu essen oder beim Camping die Plastikgabel zu nehmen. All das hat Auswirkungen auf unseren Appetit und das Geschmackserlebnis, denn der Rest des Körpers isst immer mit. „Das Essen ist eine Erfahrung, die viele Sinne anspricht, unter anderem den Geschmack, wie sich das Essen in unserem Mund anfühlt, das Aroma und die Augen“, schreiben Forscher der Universität Oxford, die sich seit vielen Jahren mit den Gesetzen der Präsentation von Lebensmitteln auseinander setzen, in ihrer neuesten Studie. „Schon bevor wir Essen in unseren Mund nehmen, hat sich unser Gehirn eine Meinung dazu gebildet, die unseren Gesamteindruck beeinflusst.“

Wenn Sie abnehmen möchten: Von roten Tellern isst man weniger

Die meistgekaufte Tellerfarbe ist wohl weiß. Doch wer abnehmen will, sollte darüber nachdenken, seinen Geschirrschrank neu zu sortieren. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Oxford haben herausgefunden, dass man von rotem Geschirr weniger isst. Patientinnen und Patienten in britischen Krankenhäusern, denen das Klinikessen auf roten Tabletts serviert wurde, piekten sich weniger auf die Gabel. Eigentlich sollte die rote Farbe den Krankenschwestern und -pflegern nur einen Hinweis geben, welche Menschen beim Essen Hilfe benötigen. Sie hatte jedoch den Effekt, dass sie den Patientinnen und Patienten den Appetit verschlug. Ungünstig, wenn man eigentlich im Krankenhaus zu Kräften kommen soll. Wer aber gesund ist und etwas abnehmen will, kann diesen Effekt nutzen. Der Grund liegt wahrscheinlich in der Evolutionsbiologie, da die Farbe Rot mit Gefahr assoziiert wird. Außerdem interessant zu wissen: Schlechter schmeckte das Essen vom roten Teller den Patienten nicht.

Wenn Sie abnehmen möchten, braucht es etwas mehr als die passende Tellerfarbe oder das richtige Besteck. So stellen Sie Ihre Ernährung in kleinen Schritten um und reduzieren gesund und nachhaltig Ihr Gewicht.

Teller und Gericht sollten nicht dieselbe Farbe haben

Allerdings: Dieselbe Farbe sollten Essen und Teller nicht haben. Wissenschaftler Brian Wansink lud 60 Testpersonen zu einem Spaghetti-Buffet ein. Dabei durften sich die Probanden zwischen einer hellen oder einer roten Sauce entscheiden. Wählten sie die rote Soße und einen roten Teller oder die weiße Soße und einen weißen Teller, fielen die Portionen wesentlich größer aus.

Auf einem weißen, runden Teller ist alles süßer

Ein Dessert mit Erdbeeren auf einem weißen Teller - also ein kräftiger Farbtupfer auf neutralem Untergrund - schmeckt vielen Menschen süßer als ein Dessert auf einem schwarzen Teller, so die Wissenschaftler aus Oxford. Auch so kann man seine Geschmacksnerven austricksen. Interessant ist aber, dass gerade in sehr guten Restaurants Desserts oft auf schwarzen Tellern serviert werden.

Übrigens: Wann Erdbeeren Saison haben, können Sie in unserem Saisonkalender nachlesen.

Mit dem Messer schmeckt alles salziger

Ist zwar nicht die feine Esskultur und wird schon jedem Kind verboten, aber: Spießt man das Essen mit einem Messer auf, schmeckt es salziger. Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kamen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Oxford. Mit Gabel, Löffel oder Zahnstocher wirkten die Speisen hingegen fader.

Schweres Besteck wertet die Speisen auf – Plastikbesteck aber auch

Schweres, silbernes Besteck zu einem Drei-Gänge-Menü – üblich in Sternelokalen, aus gutem Grund. In einem Versuch war das Besteck der Probanden dreimal so schwer wie ihr normales Kantinenbesteck. Prompt hatten sie das Gefühl ein sehr hochwertiges, teures und leckeres Essen im Mund zu haben. Die Probanden hätten sogar 15 Prozent mehr für das Mahl bezahlt. Bei Joghurt ist es jedoch andersherum: Es wirkt teurer und süßer von einem Plastiklöffel.

Kakao schmeckt aus orangefarbenen Bechern am besten

Welche Farbe sollte eine Tasse haben – weiß, cremefarben, rot oder orange? Bei heißer Schokolade lautet die Antwort ganz klar: orange! Probanden bekamen in einem Versuch denselben Kakao in verschiedenfarbigen Bechern vorgesetzt und notierten, welches Getränk ihnen am besten schmeckte. Klarer Sieger: die orangefarbenen Becher.

Aus blauen und grünen Gläsern schmecken Getränke erfrischender

Fast hätte man es sich gedacht: Hat ein Glas eine blaue oder grüne Farbe, fühlt man sich nach dem Trinken erfrischter. Färbt man Wasser mit geschmackloser roter Lebensmittelfarbe ein, schmeckt man sofort ein Rotweinaroma. Und auch die Beleuchtung im Restaurant ist entscheidend: Bei rotem und blauem Licht wirkte der Wein süßer und fruchtiger, bei grünem Licht schmeckte er bitterer und bei Rotlicht wollten die Probanden mehr für den Wein bezahlen. Ob einem das zu denken geben sollte…?

Fazit

Es ist also gar nicht egal, von welchem Geschirr und mit welchem Besteck man sein Essen isst – oder aus welchem Glas man das Getränk trinkt. Manche Erkenntnisse aus Oxford belegen dies schlüssig, andere sind sicherlich noch zu diskutieren. Sicher ist aber auch ohne die Studie - das Auge (und das Gehirn) isst immer mit und spielt uns manchmal einen kleinen Streich.

Warnsignal

Von roten Tellern isst man weniger.

Durstlöscher

Aus blauen und grünen Gläsern schmecken Getränke erfrischender. 

Voll sweet

Auf weißen, runden Tellern schmecken Desserts süßer.

Preisaufschlag

Mit schwerem Besteck wirkt ein Gericht hochwertiger und teurer. 

Mit der Barmer besser essen und sich wohler fühlen

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