Ein junges Paar spielt ein Videospiel.
E-Sport und Gaming

Zeitmanagement-Methoden für Gamer

Lesedauer unter 8 Minuten

Redaktion

  • Blum, Kea

Qualitätssicherung

  • Dirk Weller (Diplom-Psychologe)

Zeitmanagement-Methoden und -Techniken helfen uns, den Tag und die bevorstehenden Aufgaben sinnvoll zu strukturieren. Davon können gerade Gamerinnen und Gamer profitieren: Ein effektives Zeitmanagement fördert einen gesunden Umgang mit dem Hobby – und steigert langfristig die mentale Leistungsfähigkeit bei E-Sports und Gaming. Wir zeigen Ihnen drei Methoden für Zeitmanagement und geben Tipps, wie Sie Ihren Tag optimal organisieren.

Was ist Zeitmanagement?

Bei Zeitmanagement geht es darum, die uns zur Verfügung stehende Zeit möglichst produktiv zu nutzen. Im Kern managen wir also nicht die Zeit selbst, sondern die Art und Weise, wie wir sie füllen. Daher sind die Methoden des Zeitmanagements ein wichtiger Aspekt des Selbstmanagements. Das klingt herausfordernd? Die gute Nachricht: Jede und jeder kann mit unterschiedlichen Methoden und Techniken effektives Zeitmanagement lernen.

Gaming: Typische Herausforderungen beim Zeitmanagement

Warum ist ein effektives Zeitmanagement insbesondere für Gamerinnen und Gamer wichtig? Spielen ist zeitintensiv, das richtige Timing stellt die zentrale Herausforderung dar. Für die einen gilt es, neben Schule, Studium oder Beruf und Freundinnen und Freunden, Partnerschaft und Familie Freiräume für das Hobby zu schaffen. Oft ist es die fehlende Tagesstruktur, die zum Zeitfresser wird. Anderen fällt es schwer, mit dem Gaming wieder aufzuhören, wenn sie einmal begonnen haben. Sie verbringen zu viel Zeit vor Konsole, Rechner oder mit dem Smartphone.

Grundlagen von Zeitmanagement-Methoden und -Techniken

Ein effektives Zeitmanagement kann helfen, Gaming ohne Einbußen in anderen Lebensbereichen optimal und in einem gesunden Maß in den Alltag zu integrieren. Pausen sollten stets einkalkuliert werden. 

Welche Zeitmanagement-Methoden gibt es? Drei Verfahren in der Übersicht

Zu den Grundlagen des Zeitmanagements zählt, sich einen Überblick über anstehende Aufgaben zu verschaffen und Prioritäten zu setzen. Bei der praktischen Umsetzung können dann unterschiedliche Methoden und Techniken für Zeitmanagement helfen. Wir stellen Ihnen drei Verfahren vor, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. Die Zwei-Minuten-Regel und die Eat-the-Frog-Methode helfen, zeitfressende Aufgaben zu identifizieren und anzugehen. Mit der ALPEN-Methode lässt sich der gesamte Tag strukturiert gestalten.

Die Zwei-Minuten-Regel

Sie schieben ständig Aufgaben vor sich her und verplempern dadurch wertvolle Zeit? Dann probieren Sie einmal die Zwei-Minuten-Regel aus. Die Idee dahinter: Lassen sich Aufgaben innerhalb von weniger als zwei Minuten erledigen, dann tun Sie das sofort. Etwa E-Mails beantworten, kurze Telefonate führen oder eine Überweisung tätigen. Die zwei Minuten sind nur ein grober Richtwert. Dauert eine Aufgabe drei Minuten, ist das natürlich auch in Ordnung. Hauptsache, sie ist in kurzer Zeit erledigt.

Die Methode Eat the Frog

Sie müssen „eine Kröte schlucken“? Dann tun Sie es am besten schnell. Genau das ist die Idee hinter der Methode Eat the Frog. Der Frosch steht sinnbildlich für die wichtigsten und schwierigsten Aufgaben des Tages. Statt sie direkt anzugehen, schieben wir sie oft vor uns her und lenken uns mit Kleinigkeiten ab. Wenn wir wichtige und schwierige Aufgaben jedoch direkt am Tagesanfang erledigen, haben wir den Kopf für andere Dinge frei. Wir sind produktiver, entspannter und haben letztendlich mehr Zeit für Hobbys wie Gaming, aber auch für die Familie, Sport, Freundinnen und Freunde. 

Die ALPEN-Methode

Mit der ALPEN-Methode können Sie Ihren gesamten Tag strukturieren, planen und priorisieren. Der Name steht für die verschiedenen Schritte. Kernstück der Methode ist ein Tagesplan, in den Sie alle anstehenden Aufgaben und Aktivitäten eintragen. Gehen Sie wie folgt vor:

Schritt 1: Aufgaben notieren. Erstellen Sie im ersten Schritt eine To-do-Liste mit allen Aufgaben, die am Tag anstehen. Denken Sie dabei an alle Lebensbereiche – von der Arbeit, Schule oder Universität bis zu Behördengängen und privaten Terminen, Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten.

Schritt 2: Länge einschätzen. Überschlagen Sie, wie lange Sie für welche Aufgabe beziehungsweise Tätigkeit ungefähr benötigen. Wichtig: Bleiben Sie realistisch. Machen Sie sich auch Gedanken dazu, wie viel Zeit Sie in bestimmte Dinge investieren möchten – beispielsweise in das Gaming. Übersichtlich aufgelistet (ob digital oder analog), sehen Sie auf einen Blick, wie viel Zeit die Summe aller Aufgaben pro Tag in Anspruch nehmen würde und ob Ihr Pensum realistisch ist.

Schritt 3: Pufferzeiten einplanen. Planen Sie in Ihren Tagesplan unbedingt Pufferzeiten ein. So vermeiden Sie, dass unerwartete Ereignisse den Tagesablauf komplett durcheinanderbringen. Etwa ein Meeting, das länger dauert als geplant, eine Aufgabe, die sich als komplexer herausstellt oder Wartezeiten in der Arztpraxis. Die Faustformel: Verplanen Sie Ihren Tag nur zu 60 Prozent. Die restlichen 40 Prozent sind Puffer.

Schritt 4: Entscheidungen treffen. Jetzt priorisieren Sie die Aufgaben. Was dringend und wichtig ist, findet einen festen Platz in Ihrem Tagesplan. To-dos, die wichtig, aber nicht dringend sind, verteilen Sie über den Tag oder legen sie gegebenenfalls auf andere Tage. Steht das Grundgerüst, ergänzen Sie den Plan um Freizeitaktivitäten wie Hobbys und soziale Kontakte.

Schritt 5: Nachkontrollieren. Am Abend ziehen Sie ein Resümee: Haben Sie alles geschafft, was Sie sich vorgenommen haben? War die Taktung der Aufgaben und Termine in Ordnung? Oder haben Sie den Tag als sehr stressig empfunden, gab es stressfördernde Zeiträuber? Diese Erkenntnisse helfen Ihnen, die kommenden Tagespläne zu optimieren. 

Zeitmanagement: Tipps und Kniffe

Manchmal reichen kleine Veränderungen im Alltag aus, um das Zeitmanagement effektiver zu gestalten. Wir haben einige Tipps für Sie zusammengestellt: 

  • Sie schieben komplexe Aufgaben gern vor sich her? Dann kann es helfen, sie in Häppchen aufzuteilen. Vorteil: Diese lassen sich leichter über den Tag verteilt erledigen als eine große, umfangreiche Aufgabe.
  • Um generell Zeit zu sparen, hilft es, gleichartige Aufgaben zusammenzufassen. Müssen Sie beispielsweise mehrere Telefonate führen, machen Sie das hintereinander. So brauchen Sie sich gedanklich nicht immer wieder neu auf die jeweilige Aufgabe einzustellen.
  • Verschaffen Sie sich morgens einen Überblick, was über den Tag verteilt alles ansteht. Das hilft, den Tag strukturiert anzugehen und bis zum Abend alle wichtigen Aufgaben zu erledigen. So können Sie die Freizeit bewusster genießen.

Tipp: Sie möchten intensiver in das Thema Zeitmanagement einsteigen? Es gibt viele Bücher und Ratgeber zu den Themen Zeitmanagement und Selbstmanagement. Im Netz finden sich auch kostenfreie Informationen, wie Sie effektives Zeitmanagement lernen können – etwa unser Leitfaden für To-do-Listen. Ratschläge für ein besseres Zeitmanagement und vieles mehr bietet zudem unser Online-Kurs „Power durch Pause“. In acht Wochen lernen Sie, wie Sie im Alltag entschleunigen und Stress vorbeugen. 

Methoden für effektives Zeitmanagement als Basis für gesundes Gaming

Gaming nimmt bei vielen Menschen einen großen Stellenwert bei den Freizeitaktivitäten und im Leben insgesamt ein. Laut einer aktuellen Erhebung des IT-Branchenverbands Bitkom spielt hierzulande etwa die Hälfte der Menschen an Konsole, Rechner oder Smartphone. Für viele ist Gaming vor allen Dingen eines: eine Möglichkeit, vom Alltag abzuschalten.

Ein effektives Zeitmanagement kann einen gesunden Umgang mit dem Hobby fördern. Denn wird aus gelegentlichen Gaming-Sessions stundenlanges exzessives Spielen in der virtuellen Welt, kann das negative körperliche und psychische Folgen haben. Müdigkeit, brennende und trockene Augen, Mausarm sowie Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen sind typische körperliche Beschwerden (interner Link auf entstehenden Artikel zum Thema im Rahmen dieses Specials). Geht exzessives Gaming mit sozialer Isolation einher, steigt das Risiko sowohl physischer als auch psychischer Beschwerden. Laut einer Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster gibt es einen Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und schlechterer Gesundheit. Demnach leiden einsame Menschen häufiger unter chronischen körperlichen und psychischen Beschwerden. Darüber hinaus kann exzessives Spielen das Risiko erhöhen, eine Gamingsucht zu entwickeln.

Risiko: Gamingsucht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Gaming Disorder, so der englische Begriff für Gamingsucht, 2018 offiziell als psychische Störung anerkannt. Laut Definition der WHO kann es sich um Gamingsucht handeln, wenn Spielerinnen und Spieler ihr Gaming-Verhalten nicht mehr kontrollieren können, das Spielen eine höhere Priorität hat als andere Aktivitäten und Menschen trotz negativer Konsequenzen nichts an ihrem Verhalten ändern.
Für einen gesunden Umgang mit dem Hobby Gaming ist es wichtig, die Spielzeiten im Auge zu behalten. Ein gutes Zeitmanagement kann dabei helfen.

  • Legen Sie eine maximale wöchentliche Stundenzahl für das Gaming fest. Seien Sie diszipliniert in der Einhaltung und ehrlich zu sich in der Nachbetrachtung.
  • Bevor Sie mit dem Gaming beginnen, stellen Sie sich einen Wecker. Er erinnert Sie daran, dass die Gaming-Zeit vorbei ist.
  • Damit die Versuchung weiterzuspielen nicht zu groß ist, kann es helfen, sich unmittelbar im Anschluss an die Zeit fürs Gaming feste Termine zu setzen. Treffen Sie sich beispielsweise mit Freundinnen oder Freunden oder gehen Sie zum Sport. 

Schon gewusst? Wenn Sie Rat zum Thema Gamingsucht suchen, stehen Ihnen die medizinischen Expertinnen und Experten der Barmer per Teledoktor rund um die Uhr zur Verfügung. 

Soziale Kontakte als wertvoller Ausgleich

Zahlreiche Studien zeigen, dass soziale Kontakte im Alltag einen wichtigen Beitrag zur psychischen und körperlichen Gesundheit liefern. Forscherinnen und Forscher des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) konnten belegen, dass Menschen mit guten sozialen Kontakten positiv veränderte Strukturen im Vorderhirn aufwiesen. Dieser Bereich ist laut den Forscherinnen und Forschern wichtig für die Verarbeitung und Einordnung von Gefühlen in sozialen Situationen. Zudem spiele er bei Resilienz und dem Risiko für psychische Erkrankungen eine Rolle.

Bewegung als Booster für das Gehirn

Regelmäßige Bewegung ist ein wertvoller Ausgleich zur sitzenden Tätigkeit beim Gaming und kann typischen Beschwerden wie Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen vorbeugen. Wussten Sie, dass Bewegung darüber hinaus auch die mentale Leistungsfähigkeit beim Spielen fördern kann? Körperliche Aktivität baut Stress ab und kurbelt die Durchblutung im Gehirn an. Bei regelmäßiger Bewegung entstehen neue Verknüpfungen im Gehirn und es bilden sich neue Nervenzellen im Hippocampus. Das ist das Lernzentrum unseres Gehirns.
Tipp: Jeder Schritt zählt! Wir haben einige Ideen zusammengestellt, wie Sie mit geringem Aufwand jede Menge Bewegung in Ihren Alltag einbauen.

Literatur und weiterführende Informationen

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