Coronavirus

Mit verschiedenen Teststrategien durch die Pandemie

Lesedauer unter 9 Minuten
Bei einem Kind wird ein Covid-19-Test mit Rachenabtrich gemacht

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde schnell klar, welche Strategie, neben Abstands- und Hygienemaßnahmen, wesentlich zur Eindämmung der beginnenden Pandemie beitragen würde: Umfassende und professionell durchgeführte Corona-Tests. Wer den Verdacht hat, sich infiziert zu haben, bekommt mehr oder weniger schnell Gewissheit und steckt so keine oder weniger Mitmenschen an. Der Blick in andere Länder, wie zum Beispiel Thailand, das bereits zu Anfang der Pandemie betroffen war, dann aber die Infektionen durch eine umfassende und rigide Teststrategie schnell eindämmen konnte, zeigte der deutschen Bundesregierung: Eine nationale Teststrategie muss her. 

Noch im Januar 2020 wurde die Kapazität von 37 europäischen Laboren abgefragt. Sie reichte bei weitem nicht aus: Tests waren rar und die Kriterien, um einen Test machen zu können, hart. Es dauerte einige Wochen, bis überall in Deutschland Testzentren errichtet wurden, mobile Teststationen durch die Städte fuhren, viele niedergelassene Ärztinnen und Ärzte die Abstriche auch wirklich durchführten und genügend Test-Kits verfügbar waren.

Heute gehört das Testen zum Alltag. Unter gewissen Voraussetzungen ist es kein Problem mehr, sich schnell und unkompliziert testen zu lassen. Im Sommer konnten Rückkehrer aus Risikogebieten einen Abstrich an den Grenzen oder am Flughafen machen lassen. Auf großen Flächen wie der Theresienwiese in München – wo sonst das Oktoberfest stattfindet – entstanden Testzentren, teilweise als Drive-Ins. Und so stieg auch die Nachfrage nach den Tests sprunghaft an: Mitte März 2020 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts pro Woche deutschlandweit lediglich rund 130.000 Tests durchgeführt, Mitte August 2020 waren es bereits mehr als eine Million Labortests und Mitte Dezember 2020 knapp 1,3 Millionen.

Die großen Testzelte wurden schließlich wieder abgebaut, aber immer noch war es leicht, einen Corona-Test machen zu lassen. Inzwischen bekommt man bei fast jedem Hausarzt oder Internisten einen Termin, viele bieten nun auch Schnelltests an. Mit der zweiten Infektionswelle kamen die Labore in Deutschland jedoch an ihre Grenzen, es gab Materialengpässe und Personal fehlte. Infizierte mussten teilweise viele Tage auf ein Ergebnis warten. Daher wurden die Bestimmungen wieder verschärft und die Berechtigungen zur Testung eingeschränkt. Risikogruppen und stark gefährdete Personen hatten Vorrang. Bei leichteren Erkältungssymptomen ohne vorherigen Kontakt zu einem sicher SARS-CoV-2-positiven Menschen wurde gar nicht mehr getestet.

Mittlerweile sind eine Reihe von weiteren Schnelltests auf dem Weg zur Zulassung. Einige dieser Test sind auch für die Selbstdurchführung zuhause geeignet. Bedingt durch die rasant steigende Zahl an Testangeboten wurden Erweiterungen der Nationalen Teststrategie umgesetzt.

  • In Arztpraxen, Apotheken und Testzentren können alle Bürgerinnen und Bürger sich einmal pro Woche kostenlos mit Antigen-Schnelltests testen lassen. Die Maßnahme ist zunächst begrenzt auf den 30. Juni 2021. Danach wird ausgewertet, ob diese Teststrategie zu einer Eindämmung der Pandemie beitragen konnte.
  • In Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie in Unternehmen sollen regelmäßig Schnelltests angeboten werden.
  • Eine wichtige Rolle sollen bald auch Laien-Schnelltests spielen, mit denen man sich selbst zuhause testen kann. Nach Zulassung sind diese Test grundsätzlich freiverkäuflich und können nicht nur in Apotheken, sondern auch zum Beispiel in Drogerien erworben werden. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die ersten Sonderzulassungen erteilt, weitere Zulassungen werden erwartet.

Die nationale Teststrategie wird also immer wieder den aktuellen Gegebenheiten angepasst – um gut durch die Pandemie zu kommen, aber auch, um die Testkapazitäten nicht zu überlasten.

Wer sollte einen Test durchführen lassen?

Die Teststrategie in Deutschland hat sich bereits mehrfach gewandelt. Informieren Sie sich daher tagesaktuell, zum Beispiel beim Bundesgesundheitsministerium.

Zusammenfassend sollte jedoch gesagt werden, dass man meist einen Test durchführen kann beziehungsweise sogar dazu verpflichtet ist, wenn man:

  • engen Kontakt mit einer Person hatte, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde.
  • einschlägige Symptome wie Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Husten, Gliederschmerzen oder Fieber hat.
  • aus einem Risikogebiet im Ausland zurückkehrt und die vorgeschriebene häusliche Quarantäne auf bestenfalls fünf Tage verkürzen möchte.
  • vom Gesundheitsamt dazu auffordert wird.
  • in einer Klinik oder einem Pflegeheim arbeitet oder sich dort aufhält, in der beziehungsweise in dem es einen Corona-Ausbruch gab.
  • als Patientin oder Patient in einem Krankenhaus oder Pflegeheim neu aufgenommen wird.
  • in einer Gemeinschaftseinrichtung oder -unterkunft (zum Bespiel Schulen, Kitas, Geflüchtetenunterkünfte, Notunterkünfte, Justizvollzugsanstalten) arbeitet oder sich dort aufhält und es hier einen Corona-Fall gab.

Wie läuft der Nachweis von SARS-CoV-2 ab?

Da sich die Viren in den Schleimhäuten im Nasen- und Rachenraum vermehren, muss ein Abstrich gemacht werden. Mit einem speziellen Tupfer wird an der Rachenhinterwand abgestrichen.

Welche Arten von Tests gibt es?

Es gibt derzeit zwei Testverfahren für den Nachweis von Corona-Viren: Den PCR-Test und den Antigentest, auch Schnelltest genannt. Mit diesen Tests wird untersucht, ob die Testperson Corona-Viren in sich trägt, die sie an andere Personen weitergegeben könnte – also ob die Testperson zum Testzeitpunkt ansteckend ist.

PCR-Test

Beim länger etablierten PCR (Polymerase Chain Reaction)-Test wird der Abstrich aus dem Nasen-Rachenraum in speziell dafür geeignete Labore geschickt, in denen ein Gerät das genetische Material der Probe in mehreren Zyklen vervielfältigt. Der PCR-Test gilt als sehr genau und zuverlässig, das Ergebnis lässt aber verhältnismäßig lange auf sich warten: In der Regel bekommt man es nach rund 24 Stunden, durch die derzeitige Überlastung der Labore kann es aber auch wesentlich länger dauern. Das hat den Nachteil, dass ansteckende Menschen – würden sie sich nicht in Quarantäne begeben müssen – das Virus in dieser Zeit weiterverbreiten könnten.

Schnelltest

Antigentests hingegen weisen kein Erbmaterial nach, das langwierig vervielfältigt werden müsste, sondern SARS-CoV-2-Eiweiße. Dazu muss ein Abstrich aus dem Nasenrachenraum entnommen werden. Großer Vorteil: Für die Auswertung des kleinen und handlichen Tests braucht es kein Labor, sondern sie kann in einer Arztpraxis, in einer Pflegeeinrichtung oder medizinischen Einrichtungen auch ohne Diagnostiklabor durchgeführt werden. Im Moment braucht es dafür aber immer noch geschultes medizinisches Personal – als Privatperson darf man den Test noch nicht machen und auswerten.
Die Probe wird in eine Flüssigkeit gegeben und darin ausgespült, diese Flüssigkeit anschließend auf einen Teststreifen geträufelt. Zwischen Probenentnahme und Ergebnis vergehen 15 bis 20 Minuten. Aus Studien ist bekannt, dass Infizierte schon einige Tage nach der Ansteckung besonders infektiös sein können, wenn sie noch gar nichts von ihrer eigenen Erkrankung bemerken. Deshalb ist der Schnelltest für bestimmte Orte oder Situationen von Vorteil, auch wenn er etwas ungenauer ist als der PCR-Test – in der gesamten Teststrategie bildet er eine Ergänzung zum PCR-Test.

Antikörpertest

Bei diesem Testverfahren untersuchen die Ärzte, ob im Blut eines Menschen Antikörper gegen das Coronavirus zu finden sind. Diese entstehen, wenn der Körper schon einige Zeit gegen das Virus kämpft. Da die Bildung dieser Antikörper frühestens sieben Tage nach der Infektion beginnt, kann man mit diesen Tests nicht nachweisen, ob Personen aktuell infiziert oder infektiös sind. Antikörper-Tests können bestätigen, dass jemand schon einmal eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht hat. Aber nicht jede Coronainfektion bewirkt positive Antikörper im Blut, sodass ein negatives Ergebnis nicht bedeutet, dass keine Infektion vorgelegen hat.

Wie muss ich mich verhalten, bis ein Testergebnis vorliegt?

Wenn Sie Symptome oder sonstige Gründe für die Annahme haben, dass Sie infiziert sein könnten, müssen Sie zuhause bleiben und den Kontakt zu anderen Menschen strikt meiden. Das gilt beispielsweise auch, wenn Sie länger als 15 Minuten mit einem nachweislich SARS-CoV-2-positiven Patienten zusammen waren und die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden oder werden konnten.

Wann ist ein Rachen-, wann ein Nasen-Abstrich wichtig?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt grundsätzlich einen Abstrich aus Nase und Rachen, gegebenenfalls zusätzlich eine Probe aus den tiefen Atemwegen, zum Beispiel aus dem Hustenauswurf. Je mehr Fläche untersucht wird, desto wahrscheinlicher ist es, auch kleine Mengen der Virenbestandteile zu finden. Dies ist zum Beispiel wichtig, wenn man wissen möchte, ob jemand die Krankheit überstanden hat und ob er nicht mehr infektiös ist. Wenn jemand allerdings bereits Krankheitszeichen zeigt, reicht oft nur ein Abstrich, da sich das Virus dann ausgebreitet hat und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit überall an den Schleimhäuten zu finden ist. Testzentren für PCR-Tests beschränken sich in der Regel auf Rachenabstriche, für den Antigen-Schnelltest ist ein Nasen-Rachenabstrich erforderlich.

Wie wird ein Antikörpertest durchgeführt?

Die Antikörper, die ein Mensch als Reaktion auf das Virus bildet, sind im Blut feststellbar. Aktuell gibt es zwei Testarten. Beim sogenannten ELISA-Test wird Blut aus der Armvene entnommen und in ein Labor geschickt. Bis zum Ergebnis dauert es einige Tage. Es gibt auch einen Schnelltest, bei dem Blut aus dem Finger entnommen wird. Dieser wird auf eine Art Träger gegeben, auf dem eine Pufferlösung hinzugefügt wird – ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Das Ergebnis ist nach rund 15 Minuten da. Der ELISA-Test gilt als zuverlässiger als der Antikörper-Schnelltest.

In welchen Situationen ist der Antigen-Schnelltest von Vorteil?

Bei einem akuten Ausbruch zum Beispiel in Pflegeheimen oder Schulen verringert sich mit Antigen-Schnelltests die Zeit, nach der erste Informationen über das Ausmaß des Ausbruchs und die Zahl der infektiösen Personen vorliegen. Auch bei Veranstaltungen kann die Gefahr für sogenannte Superspreading-Events verringert werden, wenn sehr viele Personen in kurzer Zeit getestet werden und symptomfreie infizierte Personen herausgefischt werden können. Auch für Besucher von Altenheimen oder Krankenhäusern sind die Schnelltests geeignet. So können besonders gefährdete Personengruppen besser geschützt werden.

Wie zuverlässig sind die Antigen-Schnelltests?

Die Antigen-Schnelltests sind insgesamt zuverlässig, gelten allerdings als weniger genau als die PCR-Tests. Schnelltests weisen eine geringere Sensitivität auf. Das bedeutet: Um das Virus nachweisen zu können, ist eine größere Virusmenge notwendig als beim PCR-Test. Zusätzlich kommt es beim Schnelltest im Vergleich zum PCR-Test häufiger vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, obwohl die Person nicht infiziert ist. Deshalb muss ein positives Ergebnis mit dem Schnelltest immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Was passiert, wenn der Test positiv ist?

Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, muss in häusliche Isolation – egal ob Symptome vorhanden sind oder nicht. Wie lange die Isolation dauert, entscheidet das Gesundheitsamt. In der Regel dauert die Ansteckungsfähigkeit und damit die Isolation nach positivem Testergebnis zehn Tage.

Seit wann gibt es den neuen Schnelltest?

Der Antigen-Schnelltest ist seit September 2020 in Deutschland verfügbar. Es stehen mehrere Antigen-Schnelltests zur Verfügung. Eine Liste der Tests veröffentlicht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Seite wird kontinuierlich aktualisiert.

Wo kann ich Schnelltests für zuhause kaufen?

Erste Schnelltests für Laien wurden bereits zugelassen, viele weitere Anbieter haben eine Sonderzulassung beantragt. Nach Zulassung sind die Laien-Schnelltests nicht apothekenpflichtig, können also außer in Apotheken auch zum Beispiel in Drogeriemärkten, Discountern oder dem Internet gekauft werden.
Beim Kauf von Selbsttests sollten Sie unbedingt darauf achten, dass das Produkt auf der Liste des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte steht – denn nur die hier aufgeführten sind geprüft und entsprechen den Vorgaben des Paul-Ehrlich-Instituts und des RKI.  

Wo kann ich einen PCR-Test durchführen lassen?

Die Proben für den PCR-Test werden in Arztpraxen, Kliniken oder speziellen Testzentren entnommen.

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Webcode: a006034 Letzte Aktualisierung: 31.03.2021
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