Bei einem Kind wird ein Covid-19-Test mit Rachenabtrich gemacht
Coronavirus

Corona-Tests: Was Sie jetzt über COVID-19-Tests wissen müssen

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Redaktion

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)

Die nationale Teststrategie hat eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung und Eingrenzung der Corona-Pandemie gespielt und wurde immer wieder angepasst. Wann man sich testen lassen sollte – und ob die Corona-Schnelltests die neuen Omikron-Varianten zuverlässig nachweisen können.

Sich auf Corona testen lassen – zu Beginn der Pandemie war das gar nicht so einfach. Die Kapazitäten waren rar und die Kriterien, um einen Test machen zu können, hart. Es dauerte einige Wochen, bis überall in Deutschland Testzentren errichtet wurden.

Schon bald gehörte das Testen dann aber zum Alltag. Lange konnten Bürgertests kostenlos durchgeführt werden und Laientests sind flächendecken in jedem Super- und Drogeriemarkt verfügbar. 

Zum 30. Juni 2022 wurden kostenlose Bürgertests für Menschen ohne Symptome ausgesetzt, mit wenigen Ausnahmen. Wer nach wie vor einen kostenfreien Corona-Test durchführen lassen kann und wer die Eigenbeteiligung zahlen muss, können Sie hier nachlesen.

Wie läuft der Nachweis von SARS-CoV-2 ab?

Da sich die Viren in der Schleimhaut im Nasen- und Rachenraum vermehren, muss ein Abstrich gemacht werden. Mit einem speziellen Tupfer wird – je nach Art des Tests – entweder an der Rachenhinterwand oder in der Nase abgestrichen.

Welche Arten von Tests gibt es?

Es gibt derzeit zwei Testverfahren für den Nachweis von Coronaviren: Den PCR-Test und den Antigentest, auch Schnelltest genannt. Mit diesen Tests wird untersucht, ob die Testperson Coronaviren in sich trägt, die sie an andere Personen weitergegeben könnte – also ob die Testperson zum Testzeitpunkt ansteckend ist.

PCR-Test

Beim länger etablierten PCR (Polymerase Chain Reaction)-Test wird der Abstrich von der Rachenhinterwand in speziell dafür geeignete Labore geschickt, in denen ein Gerät das genetische Virenmaterial der Probe in mehreren Zyklen vervielfältigt. Der PCR-Test gilt als sehr genau und zuverlässig, das Ergebnis lässt aber verhältnismäßig lange auf sich warten: In den meisten Laboren bekommt man es nach rund 24 Stunden, einige Labore bieten gegen Aufpreis auch ein Ergebnis innerhalb weniger Stunden an. Bei Überlastung der Labore in Zeiten vieler Testanforderungen kann es aber auch wesentlich länger dauern. Das hat den Nachteil, dass ansteckende Menschen – würden sie sich nicht in Quarantäne begeben müssen – das Virus in dieser Zeit weiterverbreiten könnten.

Bei positiven PCR-Tests wird zusätzlich ein „ct“-Wert angegeben. Dieser steht für „cycle threshold“, auf deutsch „Zyklengrenzwert“, und besagt, wie viele Zyklen die Probe durchlaufen hat, bis das positive Ergebnis sichtbar wurde. Auf diese Weise erkennt man, wieviel Virenmaterial in der Probe enthalten war und wie hoch die so genannte Viruslast ist. Das Besondere dabei ist, dass ein niedriger Wert unter 20 für eine hohe Viruslast und damit für eine hohe Ansteckungsgefahr spricht, während ein hoher ct-Wert über 30 für ein geringes Ansteckungspotenzial steht. 

Wo kann ich einen PCR-Test durchführen lassen?

Die Proben für den PCR-Test werden in Arztpraxen, Kliniken oder speziellen Testzentren entnommen.

Schnelltest

Antigentests hingegen weisen kein Erbmaterial nach, das langwierig vervielfältigt werden müsste, sondern SARS-CoV-2-Eiweiße. Dazu muss in den meisten Fällen ein Abstrich von der Nasenschleimhaut entnommen werden. Großer Vorteil: Für die Auswertung des kleinen und handlichen Tests braucht es kein Diagnostiklabor, sondern er kann in einer Arztpraxis, in einer Pflegeeinrichtung oder medizinischen Einrichtungen sowie bequem zu Hause durchgeführt werden. Selbsttests für Laien sind mittlerweile flächendeckend im Handel erhältlich. 

Das Probenstäbchen wird nach dem Abstrich in eine Flüssigkeit gegeben und darin ausgespült, diese Flüssigkeit anschließend auf eine Testkassette geträufelt. Zwischen Probenentnahme und Ergebnis vergehen 15 bis 20 Minuten. Aus Studien ist bekannt, dass Infizierte schon einige Tage nach der Ansteckung besonders infektiös sein können, wenn sie noch gar nichts von ihrer eigenen Erkrankung bemerken. Deshalb ist der Schnelltest für bestimmte Orte oder Situationen von Vorteil, auch wenn er etwas ungenauer ist als der PCR-Test – in der gesamten Teststrategie bildet er eine Ergänzung zum PCR-Test. 

Wenn das Testergebnis eines Schnelltests für einen bestimmten Zweck (Besuch im Restaurant oder eines Konzerts) benötigt wird, ist es möglich, dass ein schriftlicher Befund vorgelegt werden muss. In diesem Fall müssen Sie den Test – in der Regel kostenpflichtig – in einem offiziellen Testzentrum oder einer Arztpraxis vornehmen lassen. 

In einigen Bundesländern können aber auch Schulen im Rahmen der Schultests das Testergebnis bescheinigen, ebenso Arbeitgeber, solange der Test unter Aufsicht einer fachkundigen, geschulten oder unterwiesenen Person stattgefunden hat.

Wann ist ein Rachen-, wann ein Nasen-Abstrich wichtig?

Das Robert Koch-Institut empfiehlt grundsätzlich einen Abstrich aus Nase und Rachen, gegebenenfalls zusätzlich eine Probe aus den tiefen Atemwegen, zum Beispiel aus dem Hustenauswurf. Je mehr Fläche untersucht wird, desto wahrscheinlicher ist es, auch kleine Mengen der Virenbestandteile zu finden. Dies ist zum Beispiel wichtig, wenn man wissen möchte, ob jemand die Krankheit überstanden hat und ob er nicht mehr infektiös ist.

Wenn jemand allerdings bereits Krankheitszeichen zeigt, reicht oft nur einer der genannten Abstriche, da sich das Virus dann ausgebreitet hat und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit überall an den Schleimhäuten zu finden ist. Testzentren für PCR-Tests beschränken sich in der Regel auf Rachenabstriche, für den Antigen-Schnelltest wird zunächst meist nur ein Nasenabstrich durchgeführt.

Wie zuverlässig sind die Antigen-Schnelltests? Erkennen sie auch die neuen Omikron-Varianten?

Die Antigen-Schnelltests sind insgesamt zuverlässig, gelten allerdings als weniger genau als die PCR-Tests. Schnelltests weisen eine geringere Sensitivität auf. Das bedeutet: Um das Virus nachweisen zu können, ist eine größere Virusmenge notwendig als beim PCR-Test. Zusätzlich kommt es beim Schnelltest im Vergleich zum PCR-Test häufiger vor, dass ein positives Ergebnis angezeigt wird, obwohl die Person nicht infiziert ist. Deshalb muss ein positives Ergebnis mit dem Schnelltest immer durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Es gibt Hinweise dafür, dass einige Antigentests beim Nachweis der Omikron-Varianten eine geringere Empfindlichkeit aufweisen, eine mögliche Infektion mit Omikron also schlechter nachweisen können, besonders, wenn keine Symptome auftreten. Die EU-Kommission hat auf ihrer Website eine entsprechende Liste veröffentlicht.

Wie muss ich mich verhalten, bis ein Testergebnis vorliegt?

Wenn Sie Symptome oder sonstige Gründe für die Annahme haben, dass Sie infiziert sein könnten, müssen Sie zuhause bleiben und den Kontakt zu anderen Menschen strikt meiden. Das gilt beispielsweise auch, wenn Sie länger als 15 Minuten mit einem nachweislich SARS-CoV-2-positiven Patienten zusammen waren und die Abstandsregeln nicht eingehalten wurden oder werden konnten.

Was passiert, wenn der Test positiv ist?

Erfahren Sie hier, wie Sie sich nach einem positiven Testergebnis verhalten sollten.

Antikörpertest

Bei diesem Testverfahren untersuchen Ärztinnen und Ärzte, ob im Blut eines Menschen Antikörper gegen das Coronavirus zu finden sind. Diese entstehen, wenn der Körper schon einige Zeit gegen das Virus kämpft. Da die Bildung dieser Antikörper frühestens einige Tage nach der Infektion beginnt, kann man mit diesen Tests nicht nachweisen, ob Personen aktuell infiziert oder infektiös sind.

Antikörper-Tests können bestätigen, dass jemand schon einmal eine Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht hat oder erfolgreich geimpft wurde. Aber nicht jede Coronainfektion bewirkt die Bildung von Antikörpern im Blut, sodass ein negatives Ergebnis nicht bedeutet, dass keine Infektion vorgelegen hat. 

Wie wird ein Antikörpertest durchgeführt?

Die Antikörper, die ein Mensch als Reaktion auf das Virus bildet, sind im Blut feststellbar. Aktuell gibt es zwei Testarten. Beim sogenannten ELISA-Test wird Blut aus der Armvene entnommen und in ein Labor geschickt. Bis zum Ergebnis dauert es einige Tage. Es gibt auch einen Schnelltest, bei dem Blut aus dem Finger entnommen wird. Dieser wird auf eine Art Träger gegeben, auf dem eine Pufferlösung hinzugefügt wird – ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.

Das Ergebnis ist nach rund 15 Minuten da. Der ELISA-Test gilt als zuverlässiger als der Antikörper-Schnelltest. Die Ergebnisse des Antikörpertests sind aber nicht sicher zu interpretieren, weswegen diese Art des Tests auch nicht in der Nationalen Teststrategie vorgesehen ist, sondern nur im Rahmen besonderer Fragestellungen oder wissenschaftlicher Untersuchungen in Frage kommt.

Literatur

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