Coronavirus

Müssen sich Schwangere Sorgen wegen des Coronavirus machen?

Lesedauer unter 4 Minuten
Schwangere Frau trägt eine Atemmaske aus Stoff

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie)
Inhaltsverzeichnis

Wenige Phasen im Leben einer Frau sind so einzigartig wie die neun Monate einer Schwangerschaft. Alles dreht sich jetzt um die werdende Mutter und das heranwachsende Baby in ihrem Bauch. Die Nachricht vom hoch ansteckenden Coronavirus verunsichert viele schwangere Frauen. Droht ihnen und dem Ungeborenen Gefahr? Antworten von einer Expertin sowie aktuelle Studienergebnisse.  

Am Anfang der Pandemie ging man davon aus, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 für Schwangere relativ harmlos verläuft. Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie zeigen die Daten allerdings, dass für sie das Ansteckungsrisiko zwar nicht höher ist, „allerdings steigt das Risiko für einen schweren Verlauf, wenn man in der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt“, sagt Prof. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik an der Universitätsklinik Rechts der Isar in München. Auch das Risiko der Entwicklung einer Präeklampsie, einer Form der schwangerschaftsbedingten Bluthochdruckerkrankungen, ist erhöht. „Besondere Vorsicht geboten ist bei Schwangeren mit starkem Übergewicht – genauer gesagt einem BMI über 30 – oder mit einer Vorerkrankung wie etwa Diabetes oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung “, betont Frauenärztin Kiechle. „Wichtig ist dann eine engmaschige ärztliche Betreuung.“

Kann sich das Ungeborene anstecken?

Kaum ein Ort ist geschützter als der Mutterleib. Dennoch gibt es Viren, die dem Ungeborenen gefährlich werden können. Für das Coronavirus gilt das – nach heutigem Kenntnisstand – nicht. Zwar steckten sich bisher vereinzelt Babys im Bauch ihrer Corona-positiven Mütter an. Dennoch scheint ein solches Ereignis sehr selten zu sein, das zeigen die Erhebungen des CRONOS-Netzwerks der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM). Eine potentielle Ansteckung sei laut der Virologin Susanne Modrow von der Universität Regensburg auch nur zu bestimmten Zeitfenstern der Schwangerschaft und unter bestimmten Konstellationen möglich. Das mache eine Infektion im Mutterleib sehr selten. Meist zeigen Kinder von SARS-CoV-2-positiven Müttern nach der Geburt auch keine Krankheitszeichen.

Ist eine natürliche Geburt trotz Corona-Infektion möglich?

Frauen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, können ihr Kind normal zur Welt bringen, versichert Frauenärztin Kiechle. Allerdings unter besonderen Schutzmaßnahmen: In der Frauenklinik in München zählen dazu Einzelzimmer und Schutzkleidung für das klinische Personal. Klinik-Chefin Kiechle sieht keine Veranlassung, das Neugeborene von einer infizierten Mutter zu trennen. „Die Vorteile des Bonding und des Mutter-Kind-Kontakts überwiegen die Gefahr einer Erkrankungswahrscheinlichkeit des Neugeborenen“, sagt die Frauenärztin.

Manche Kliniken untersagen Besuche nach der Geburt je nach Infektionssituation generell, andere erlauben werdenden Vätern weiterhin, bei der Geburt dabei zu sein. Wenn Sie ein Kind erwarten, sollten Sie sich deshalb rechtzeitig erkundigen, wie die Besuchssituation in der Klinik gehandhabt wird.

Stillen und Wickeln mit Mundschutz bei einer Infektion?

Besser ja: Auch wenn es bislang keinen Hinweis darauf gibt, dass sich SARS-CoV-2 über die Muttermilch überträgt, empfiehlt die Unicef infizierten, stillenden Müttern die üblichen Vorsichtsmaßnahmen: also Schutzmaske, Händewaschen vor und nach dem Kontakt mit dem Baby und Desinfektion von Oberflächen. Das gilt natürlich auch für die anderen Familienmitglieder. Wer seine Hände vor dem Auslaugen durch zuviel Wasserkontakt schützen und stattdessen auf eine Händedesinfektion zurückgreifen möchte, sollte darauf achten, dass das Desinfektionsmittel möglichst wenig Inhaltsstoffe enthält. Oft enthalten von Apotheken hergestellte Produkte nur Alkohol und ein wenig Glycerin. Das schadet dem Baby nicht, sobald der Alkohol verflogen ist. Frauen, die sich zu krank zum Stillen fühlt, sollte versuchen abzupumpen – unter Beachtung der üblichen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen.

Sollte man sich in der Schwangerschaft impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, Schwangere nicht generell zu impfen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Impfstoff das ungeborene Kind gefährdet, sondern dass es bislang lediglich zu wenig Daten zur Anwendung der Vakzine bei Schwangeren gibt. Hat eine werdende Mutter allerdings Vorerkrankungen, ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 (etwa Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas) oder ein hohes Infektionsrisiko durch ihren Arbeitsplatz oder private Umstände, kann eine Impfung angeboten werden. Davor soll laut STIKO eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführliche Aufklärung stattfinden. 

Auch die Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) hält eine Impfung für Schwangere möglich und empfiehlt, in enger Absprache mit einem Arzt oder einer Ärztin individuelle Vorteile und Risiken zu prüfen. Auch die Nebenwirkungen von Schwangeren und Nicht-Schwangeren scheinen sich nicht zu unterscheiden.

Werdenden Vätern wird jedoch explizit zu einer Impfung geraten. Wer allerdings wann Zugang zu einer Impfung bekommt, hängt von den Priorisierungsgruppen der laufenden Impfkampagne ab,

Sollte man sich bei einem Kinderwunsch impfen lassen?

Frauen, die schwanger werden möchten, empfiehlt die STIKO und die DGMP eine Impfung ausdrücklich, wobei auch hier die Priorisierungsgruppen der Impfverordnung beachtet werden. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass die Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Stattdessen kann eine Impfung die Infektionsgefahr während der Schwangerschaft und so auch die damit verbundenen Risiken für Mutter und Kind minimieren.

Experten und Expertinnen widersprechen dem Mythos, der Impfstoff würde die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. So sagt etwa die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, dies sei eine Fehlinformation, die biologisch keinen Sinn mache: „Es gibt keine medizinischen Hinweise, dass dieses Gerücht wirklich stimmt.“

Die genbasierten mRNA-Impfstoffe können auch nicht, wie fälschlicherweise behauptet, das Erbgut verändern oder sich in das Genom eines Fötus einbauen. Das liegt unter anderem daran, dass mRNA nicht in den Zellkern gelangen kann, in der die menschliche DNA liegt. Zudem kann mRNA aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur nicht in DNA integriert werden.

 

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