Coronavirus

Grippeimpfung in Coronazeiten: Mehrfache Atemwegsinfekte mit Erkältung, Grippe und Coronavirus vermeiden

Lesedauer unter 9 Minuten
Gruppe von jungen Menschen mit Mundschutz im Freien unterwegs

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Heidi Günther (Apothekerin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Der Herbst kommt – und mit ihm die Grippezeit. In diesem von der Coronapandemie geprägten Jahr wird es wichtig sein, alle Krankheiten zu vermeiden, die die Atemwege oder die Lunge betreffen können. Deshalb empfehlen Experten, sich gegen Grippe impfen zu lassen, um so Doppelinfektionen zu vermeiden.

Im Gegensatz zu Corona steht uns bei der Grippe eine Impfung zur Verfügung. Doch wer sollte sich impfen lassen und wie kann eine Grippeimpfung bei einer Coronainfektion helfen? Es profitieren nicht nur ältere Menschen und Menschen mit einer Erkrankung von einer Grippeimpfung. Auch Kinder und gesunde Erwachsene können mit einer Grippeimpfung sich selbst und andere schützen. Mit den Antworten auf die wichtigsten Fragen möchten wir Ihnen helfen, einen Überblick über die aktuelle Situation zu bekommen.

Die Barmer bietet die Grippeimpfung als Satzungsleistung an. Ob die tägliche Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, der berufliche Kontakt mit vielen Kunden oder die Pflege von Familienangehörigen – es gibt viele Situationen im Leben, die für eine Grippeimpfung sprechen. Wir unterstützen Sie bei Ihrer Entscheidung, wenn Sie sich und Ihre Kinder impfen lassen möchten.

Was ist der Unterschied zwischen einer Erkältung, der Grippe oder einer Coronainfektion?

Ob Erkältung, saisonale Grippe oder Coronavirus – alle drei Krankheiten betreffen vor allem die Atemwege und gehen mit ähnlichen Krankheitszeichen einher. Deshalb ist es auch nicht einfach, alle drei Krankheiten voneinander zu unterscheiden.

  • Eine Erkältung beginnt meist langsam. Schon Tage vorher macht sich ein Krankheitsgefühl bemerkbar. Kopf und Glieder schmerzen, ein Schwächegefühl macht sich breit und die Nase läuft. Oft wird die Erkältung begleitet von Halsschmerzen, Husten und Fieber. Die Symptome verschlimmern sich von Tag zu Tag, um nach etwa sieben Tagen wieder abzuflauen.
  • Die Grippe tritt in der Regel plötzlich und sehr heftig auf. Hohes Fieber, ein starkes Krankheitsgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen zwingen die Patienten ins Bett. Begleitet wird die Grippe meist von einem trockenen Reizhusten und Halsschmerzen.
  • Eine Coronainfektion beginnt wie die Erkältung eher schleichend. Fieber und trockener Husten sind die Hauptsymptome. Halsschmerzen und eine laufende Nase wie bei einer Erkältung treten eher nicht auf. Wohl kann es aber sein, dass der Geruchs- und Geschmackssinn vorübergehend gestört sind.

Patienten reagieren sehr unterschiedlich auf eine Infektion mit Grippe- und Coronaviren. Beide Virusarten können Krankheitsverläufe mit schweren Lungenentzündungen verursachen oder bei den Patienten auch nach der Genesung noch über eine längere Zeit eine allgemeine Schwäche zurücklassen. Andere Patienten wiederum haben Glück und merken nichts von der Erkrankung. Aber auch wer sich gesund fühlt, kann andere Menschen anstecken.

Schützt die Grippeimpfung vor einer Infektion mit Coronaviren?

Coronaviren und Grippeviren sind unterschiedliche Viren. Die Impfung gegen Grippe kann deshalb nicht gegen eine Corona-Infektion schützen. Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, hat oft auch ein schwächeres Immunsystem und kann sich schneller eine Grippe einfangen. Wenn dann noch eine Infektion mit Coronaviren hinzukommt, kommt das Immunsystem schnell an seine Grenzen. Die Grippeimpfung hilft dem Körper sich schnell und effektiv gegen die Grippeviren zu wehren. Das Immunsystem kann dann die eingesparten Ressourcen viel besser gegen eine Corona-Infektion einsetzen. Die Grippeimfung ist für Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, daher besonders wichtig. Wer gegen Grippe geimpft ist, schützt außerdem auch andere, sich mit Grippe anzustecken. So kann über die Grippeimpfung zusätzlich bewirkt werden, dass die anstehende Grippesaison gemäßigt ausfällt und sich mit dem Corona-Pandemiegeschehen möglichst wenig überlagert.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt allen Personen ab 60 Jahren sich einmal jährlich gegen Grippe impfen zu lassen. Auch für Personen, die zu einer Risikogruppe zählen, hält die STIKO eine regelmäßige Impfung für sinnvoll. Die STIKO beschreibt in ihren Empfehlungen, wer genau ein höheres Risiko hat, an Grippe zu erkranken.

Dazu zählen Personen, die an einer chronischen Krankheit leiden. Chronische Krankheiten begleiten die Patienten über eine längere Zeit, manchmal sogar lebenslang. Es sind Atemwegserkrankungen wie Asthma oder die chronisch obstruktive Atemwegserkrankung (COPD). Auch Krankheiten von Herz-, Kreislauf-, Leber- oder Nieren können chronisch verlaufen. Weiterhin zählen auch Diabetes mellitus und andere Stoffwechselkrankheiten zu den chronischen Krankheiten.

Auch wer an Multipler Sklerose erkrankt ist oder an einer schubweise verlaufenden Krankheit leidet, die die Atemwege in Mitleidenschaft zieht, wird ebenso eine Grippeimpfung empfohlen wie Personen mit einem angeborenem oder geschädigtem Immunsystem.

Zu einer Risikogruppe zählen aber nicht nur kranke Menschen. Auch gesunde Menschen können in bestimmten Lebenslagen und unter besonderen Umständen gefährdet sein und können sich deshalb gegen Grippe impfen lassen.

Für schwangere Frauen ist eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, also ab dem vierten Schwangerschaftsmonat möglich. Wenn eine chronische Krankheit wie Asthma oder Diabetes mellitus vorliegt, wird eine Impfung auch schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Wer viel in Kontakt mit anderen Menschen kommt, kann sich nicht nur selbst schneller anstecken, sondern auch andere gefährden. Auch in diesem Fall kann eine Impfung sinnvoll sein.

Die STIKO geht auch noch einen Schritt weiter. Wenn man mit Menschen zusammenlebt, für die eine Grippe gefährlich sein könnte, schützt man seine Familienangehörigen, wenn man sich selbst impfen lässt. Dies trifft sogar auch dann zu, wenn die gefährdeten Personen wie Oma und Opa schon geimpft sind. Denn es kommt nicht selten vor, dass der Körper von älteren oder immunschwache Menschen auf eine Impfung nicht genügend reagiert und zu wenig Abwehrstoffe bildet. Die Impfung der Familienangehörigen bietet dann einen zusätzlichen Schutz.

Sollen Kinder gegen Grippe geimpft werden?

Die STIKO empfiehlt eine Grippeimpfung Kindern, die chronisch krank sind. Zu den chronischen Krankheiten zählen Asthma, Diabetes mellitus sowie länger andauernde Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems, der Leber und Nieren. Es ist durchaus möglich, dass Kinderärzte auch gesunden Kindern zu einer Impfung raten. Im Gegensatz zur STIKO empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine jährliche Grippeimpfung aller Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Auch für ältere Kinder und für Jugendliche kann eine Impfung durchaus sinnvoll sein. Die Impfung dient dabei nicht nur dem Selbstschutz. Das Immunsystem von älteren Menschen kann träge reagieren. Bei einer Impfung bildet der Körper nicht genügend Abwehrstoffe. Werden auch junge Menschen geimpft, kann die Infektionskette unterbrochen werden, und damit sind dann auch Senioren und Menschen, die sich nicht impfen lassen können oder bei denen die Impfung nicht gut anschlägt, gut geschützt.

Ein Tipp für Sie: Viele Kinder haben nur einen unzureichenden Impfschutz. Ihr Kinderarzt wird Sie nicht nur beraten, ob die Grippeimpfung für Ihr Kind sinnvoll ist, sondern auch gerne den Impfstatus Ihres Kindes überprüfen und Sie über verpasste Impfungen informieren. Unsere Satzung unterstützt Sie, wenn eine Grippeimpfung für Ihr Kind oder für Sie medizinisch ratsam ist. Ob klein oder groß, die Barmer übernimmt die Kosten für die Grippeimpfung.

Wann sollte man die Grippeimpfung bekommen und wie lange hält der Schutz?

Die Grippesaison beginnt Anfang Oktober und endet Mitte Mai. Die Grippewelle ist die Zeit, in der die Gefahr, sich mit Grippe anzustecken besonders hoch ist. Die Grippewelle rollt meist im Januar an und dauert dann drei bis vier Monate. Eine Impfung wird in der Regel in den Monaten Oktober und November durchgeführt. Es dauert zwei Wochen, bis der Körper einen Impfschutz aufgebaut hat. Der Impfschutz hält je nach Impfstoff sechs bis höchstens zwölf Monate an, verringert sich aber auch im Laufe der Zeit.

Unser Impfplaner im digitalen Gesundheitsmanager erinnert Sie ab dem 1. Oktober an die Grippeimpfung. So verpassen Sie dann nicht Ihre wichtige Impfung.

Warum muss man sich jedes Jahr neu gegen Grippe impfen lassen?

Der Impfschutz gegen die saisonale Grippe hält nur höchstens ein Jahr an. Aber auch wenn der Impfschutz länger bestehen würde, müsste jedes Jahr neu geimpft werden, denn Jahr für Jahr setzen sich andere Grippeviren durch. Vor jeder Saison werden weltweit die Grippeviren untersucht, die sich in Umlauf befinden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sammelt die Daten und legt die Zusammensetzung für den Impfstoff fest. Derzeit schützt der Grippeimpfstoff gegen vier Virusvarianten.

Wie zuverlässig wirkt die Grippeimpfung?

Nicht jeder, der sich mit Grippeviren infiziert, zeigt Krankheitszeichen. Ein Drittel merkt so gut wie nichts von der Ansteckung. Ein weiteres Drittel erkrankt leicht. Etwa ein Drittel der Infizierten trifft es schwer. Auch wer sich gegen die Grippe impfen lässt, ist nicht zu hundert Prozent geschützt. Weniger als die Hälfte der Geimpften kann mit Schutz vor einer Erkrankung durch Grippeviren rechnen. Da besonders ältere Menschen einen schlechteren Immunschutz aufbauen, sind Erkrankungen trotz Grippeimpfung möglich. Die STIKO empfiehlt dennoch älteren Menschen und Menschen mit einem Risiko, sich impfen zu lassen. Es lässt sich nie vorhersagen wie schlimm die Grippewelle verläuft. Auch wenn kein hundert prozentiger Schutz garantiert werden kann, gibt es im Gegensatz zu Corona einen Impfstoff, der eine schwere Infektion verhindern kann. Wer sich trotz Impfung ansteckt, hat oft den Vorteil, dass die Grippe durch die Impfung milder verläuft.

Wie viel Grippeimpfstoff steht zur Verfügung?

Für die Grippesaison 2020/21 stehen 25 Millionen Impfdosen zur Verfügung – vier Millionen mehr mehr als im Vorjahr. Dass sind mehr Impfdosen als jemals freigegeben wurden.

Bezahlt die Barmer die Grippeimpfung?

Ja, die Barmer übernimmt die Kosten für die Grippeimpfung.

Barmer-Versicherte haben den Vorteil, dass wir die Grippeimpfung auch als Satzungsleistung anbieten. Wir übernehmen die Kosten für die Grippeimpfung für unsere Versicherten, wenn der behandelnde Arzt eine Impfung empfiehlt oder Versicherte ihr Risiko hoch einschätzen, sich mit einer Grippe anzustecken.

Häufig gestellte Fragen zur saisonalen Grippe

Ist eine Grippe gefährlich?

Man kann weder vorhersagen, wie schlimm eine Grippewelle ausfällt, noch wie schwer der einzelne daran erkrankt. Ältere Menschen und Menschen, deren Immunsystem z.B. aufgrund einer anderen Erkrankung geschwächt ist, haben ein höheres Risiko schwer zu erkranken. Es kann aber auch junge und gesunde Menschen schwer treffen. Manchmal können Komplikationen wie eine Lungen- und Herzmuskelentzündung auftreten. Auch das Gehirn kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Es sind dann längeren Krankenhausaufenthalte notwendig. Im schlimmsten Fall kann eine Grippe auch lebensbedrohlich sein.
Eine Grippeimpfung kann einen guten Schutz vor Komplikationen bieten. Bei Kindern kann eine Grippeimpfung z.B. das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt halbieren.

Wie lange dauert eine Grippe?

Die Krankheitsdauer ist sehr unterschiedlich. Sie kann etwa eine Woche bis mehrere Wochen dauern. Aufgrund des hohen Fiebers ist häufig eine Bettruhe notwendig. Auch wer nicht ins Krankenhaus muss, kann in dieser Zeit auf Hilfe angewiesen sein.

Wie viele Menschen stecken sich mit einer Grippe an?

Jede Grippesaison ist anders und so sind auch die Zahlen der Grippekranken sehr unterschiedlich. Das Robert Koch Institut veröffentlicht zu jeder Grippesaison Daten zum Saisonverlauf. In der Grippesaison 2019/20 wurden knapp 200.000 Grippefälle gemeldet. Die Grippesaison 2017/18 verlief dagegen mit knapp 350.000 Grippefälle sehr viel dramatischer.

Wie lange dauert es, bis ich merke, dass ich mich angesteckt habe?

Bis man die ersten Krankheitssymptome merkt, vergehen etwa ein bis zwei Tage. Dann kann es sehr schnell gehen. Hohes Fieber, Husten, Hals- und Kopfschmerzen sowie ein starkes Unwohlsein mit Muskel- und Gliederschmerzen können die Erkrankten schnell ins Bett zwingen. Manchmal ist dann auch ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Nicht jeder merkt allerdings, dass er sich angesteckt hat. Manche Menschen haben keine oder nur leichte Symptome wie bei einer Erkältung.

Was kann ich außer der Impfung sonst noch machen, um mich vor einer Grippe zu schützen?

Die Maßnahmen, die helfen, eine Coronainfektion zu vermeiden, unterstützen auch bei der Bekämpfung der Grippe. Abstand halten und sorgfältige Hygienemaßnahmen helfen, eine Infektion zu vermeiden. Der beste Schutz neben diesen Möglichkeiten ist ein starkes Immunsystem. Ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung über das ganze Jahr halten den Körper fit und machen das Immunsystem leistungsstark.

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Webcode: a005832 Letzte Aktualisierung: 10.09.2020
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