Coronavirus

Coronavirus Faktencheck: So entlarven Sie Falschmeldungen

Lesedauer unter 8 Minuten
Ein Mann und eine Frau sitzen vor einem Laptop und diskutieren

Autor

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Ursula Marschall (Fachärztin für Anästhesie),
  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin, Allergologin, Phlebologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Hubschrauber versprühen Desinfektionsmittel? Gegen die Ansteckung mit COVID-19 helfen Zwiebeln, Knoblauch, heißes Wasser? Verschwörungstheorien und Gerüchte verbreiten sich in der Corona-Krise ähnlich schnell wie das Virus selbst. Was wirklich dahinter steckt und wie Sie Falschmeldungen in Zukunft sicher erkennen, verrät unser Faktencheck.

Die USA und China beschuldigen sich gegenseitig, das Coronavirus verbreitet zu haben. Die Iraner sind davon überzeugt, dass es aus einem Biowaffen-Labor stammt und gegen sie gerichtet ist. Und über Facebook verbreitete sich die Meldung, Microsoft-Gründer Bill Gates hätte ein Patent auf SARS-CoV-2. Es gibt Menschen, die sehen die Pandemie als „Strafe Gottes“, als amerikanisch-jüdisches Komplott – oder gar als nicht existent.

„Wir kämpfen nicht nur gegen eine Epidemie, sondern auch gegen eine Infodemie“, klagte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, auf der Münchner Sicherheitskonferenz. „Falschmeldungen verbreiten sich schneller und leichter als dieses Virus. Und sie sind genauso gefährlich.“

Verschwörungstheorien als Reaktion auf eine globale Krise

Es gibt viele Menschen, die an die verschiedensten Verschwörungstheorien glauben. Sie sind überzeugt, im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch werde etwas verschwiegen, die Regierungen machten ein Geheimnis aus dem Ursprung der Pandemie und es gäbe eine Wahrheit, die keiner wissen darf. Als Reaktion auf eine globale Krise sei das ganz normal, sagt Prof. Dr. Roland Imhoff. Der Sozial- und Rechtspsychologe von der Johannes Gutenberg Universität Mainz hat sich auf das Thema Verschwörungsmentalität spezialisiert und weiß genau, warum sich mit dem Coronavirus Gerüchte um seine Entstehung verbreiten: „Menschen meinen, für große Ereignisse müsse es große Erklärungen geben. Sie haben eine Abneigung gegen den Zufall – je mehr, umso größer das Ereignis ist. Dass ein Wildtier die Corona-Krise ausgelöst haben soll, ist eine zu popelige Erklärung dafür, dass nun die ganze Welt Kopf steht.“

Wer glaubt an Verschwörungstheorien?

Imhoff nennt einen anderen Grund, weshalb Menschen an Verschwörungstheorien glauben: „Statt den Zufall zu akzeptieren, denken sich Menschen Verschwörungstheorien aus, weil sie ihnen mehr Kontrolle über die Welt geben“, erklärt Imhoff. „Sie fühlen sich dann nicht mehr wie ein Spielball.“ Oft seien Verschwörungstheoretiker Menschen, die das Gefühl hätten, ihr Leben wenig kontrollieren zu können. Und solche, denen es viel bedeute, einzigartig zu sein. „Nach dem Motto: Ihr Schafe glaubt die offizielle Version, aber ich durchschaue alles“, erklärt Imhoff. Mit mangelnder Intelligenz hätte der Glaube an Verschwörungstheorien dagegen nichts zu tun, sagt der Mainzer Wissenschaftler: „Intelligenz und Alter spielen keine Rolle, wohl aber die Bildung.“

Woran erkennt man Falschmeldungen?

Und wie schafft man es nun als Laie, keiner Verschwörungstheorie aufzusitzen und – viel wichtiger – Corona-Falschmeldungen von richtigen zu unterscheiden? Je stärker jemand an Verschwörungstheorien glaubt, desto weniger unterscheidet er die Qualität von Quellen und Medien, sagt Sozialpsychologe Imhoff. „Für Verschwörungstheoretiker ist eine Information auf YouTube genauso viel wert wie die Verlautbarungen des Robert-Koch-Instituts.“ Die Medienkompetenz zu stärken, sei gerade in Krisenzeiten aber enorm wichtig, rät der Experte. „Sie ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die zweite ist, dass Menschen lernen müssen, bestimmten Quellen zu vertrauen.“

Zu den vertrauenswürdigen Quellen gehört beispielsweise die Verbraucherzentrale. Auch die hat auf ihren Internetseiten zuhauf mit Falschmeldungen zu Corona aufgeräumt: „Wir raten Verbraucherinnen und Verbrauchern immer zu einem gesunden Misstrauen“, sagt etwa Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen. Es seien beispielsweise E-Mails im Umlauf, die Nahrungsergänzungsmittel gegen das Virus anpreisen oder Daten abgreifen sollen. „Öffnen Sie keine Mails von unbekannten Absendern, klicken Sie nicht auf Links und öffnen keinesfalls Dateianhänge“, so Oelmann.

Falschmeldungen, die zu Corona in Umlauf waren

Über die Sozialen Medien sowie den Nachrichtendienst WhatsApp verbreiteten sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Corona-Falschmeldungen. Viele Menschen verunsicherten beispielsweise diese nachweislich falschen Nachrichten:

  • „Alkohol desinfiziert den Rachen und schützt so vor einer Infektion mit dem Coronavirus.“ Dieser Rat kursierte im Messenger WhatsApp und sollte vom Robert-Koch-Institut stammen. Es ist nicht möglich, den Rachen mit alkoholischen Getränken so zu desinfizieren, dass das Virus abstirbt – das Robert Koch-Institut hatte mit dieser Meldung nichts zu tun. Auch die Weltgesundheitsorganisation hat ihr widersprochen.
  • „Alle Schutzmaßnahmen sind übertrieben und COVID-19 ist harmlos.“ Ein Lungenarzt und ehemaliger Politiker verbreitete in einem Video diese Botschaft. Sie ist falsch und widerspricht den Einschätzungen seriöser Wissenschaftler. Die Schutzmaßnahmen, die derzeit gelten, sind wichtig, um sich und andere Menschen vor Ansteckung zu schützen.
  • „Die Supermärkte schränken die Öffnungszeiten ein und haben nur noch zwei Tage geöffnet.“ Diese Nachricht geriet über Twitter in Umlauf und stimmt nicht – der beigefügte Screenshot war eine Fälschung.
  • „Wenn man die Luft anhält, erkennt man, ob man infiziert ist.“ Dieser Selbsttest verbreitete sich über WhatsApp und ist gefährlicher Unsinn: Luftanhalten als Selbstdiagnose ersetzt keinesfalls eine ärztliche Untersuchung und sagt nichts über eine Infektion aus. Nur mit einem Abstrich aus Rachen oder Nase lässt sich im Labor feststellen, ob jemand erkrankt ist oder nicht – selbst testen kann man sich nicht.
  • „Chlordioxid heilt Infektionen mit dem Coronavirus.“ Das ist eine Falschmeldung, die wirklich gesundheitsschädlich ist: Chlordioxid ist giftig und ätzend – es sollte keinesfalls getrunken werden und hat keine heilende Wirkung.
  • „Heißes Wasser zu trinken, tötet die Viren ab.“ Das ist zwar nicht ganz so gefährlich wie Chlordioxid, hilft aber nicht. Mit Wasser, das so heiß ist, dass es Viren abtötet, würde man sich verbrennen. Auch heiße Bäder schützen nicht vor einer Infektion mit COVID-19, stellt die Weltgesundheitsorganisation klar.
  • „Jeden Morgen ein Teelöffel Kokosöl auf der Zunge zergehen lassen, verhindert eine Infektion.“ Nein, dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise.
  • „Gekochter Ingwer auf leeren Magen heilt COVID-19.“ Es wäre wünschenswert, wenn es so einfach wäre, die Corona-Infektion selbst zu behandeln. Vor allem bei schweren Verläufen sind Erkrankte aber unbedingt auf ärztliche Hilfe angewiesen.
  • „Bestimmte Zahlencodes und Formeln an Türen und Gebäuden schützen vor einer Infektion.“ Das ist Quatsch, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg. „Hier wollen Ihnen Scharlatane das Geld aus der Tasche ziehen.“
  • „Mit UV-Lampen kann man sich die Hände desinfizieren.“ Dieser Meldung widerspricht die Weltgesundheitsorganisation: „UV-Lampen sollten nicht zur Desinfektion der Haut verwendet werden, weil sie Hautirritationen hervorrufen.“
  • Second-Hand-Kleidung überträgt das Virus.“ Das stimmt nicht – Wissenschaftler vermuten, dass sich Menschen per Schmier- oder Tröpfcheninfektion infizieren. Eine Übertragung durch Kleidung schließen sie aus.
  • „Das Coronavirus stirbt bei 26 bis 27 Grad ab.“ Das ist falsch – wäre das zu viel Wärme, könnte das Virus im menschlichen Körper nicht überleben. Die Weltgesundheitsorganisation hat diesem Gerücht widersprochen und gleich mit einer anderen Falschmeldung aufgeräumt, die das Wetter betrifft: Anders, als viele meinen, „töten Kälte und Schnee das Coronavirus nicht ab.“
  • „Aufgeschnitten und im Raum verteilt saugen Knoblauch und Zwiebeln die Viren auf.“ Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise, die Information ist falsch. Besser wäre, mit einer gesunden Ernährung das Immunsystem zu unterstützen.
  • „Heute Abend ab 23.30 Uhr sollte niemand auf der Straße sein, da fünf Hubschrauber Desinfektionsmittel in die Luft sprühen, um das Coronavirus auszurotten.“ Diese Nachricht verbreitete sich in Windeseile über WhatsApp, bis die Polizei in München reagierte und klarstellte: „Nein! Hubschrauber versprühen keine Desinfektionsmittel.“ Die Kollegen in Wien twitterten: „Achtung Fake News. Da wir vermehrt besorgte Anfragen bekommen: Es werden keine Hubschrauber über Wien fliegen und auch keine Chemikalien versprüht!“

Gemeinsam gegen Falschmeldungen

Eine, die schon viele Falschmeldungen widerlegt hat, ist Alice Echtermann. Die Reporterin gehört zum Faktenchecker-Team von Correctiv, einem gemeinnützigen Recherchezentrum mit Sitz in Essen. „Wir sehen aktuell einen Anstieg der irreführenden Informationen zum Coronavirus.“ Solche Anstiege folgten jedoch meistens auf aktuelle Nachrichtenlagen, die große Aufmerksamkeit bekommen, weiß die Journalistin: „Wenn die Menschen etwas sehr beschäftigt, werden auch viele Falschinformationen verbreitet.“

Vor kurzem haben Echtermann und ihre Kollegen von Correctiv eine Internetseite eingerichtet, um Falschmeldungen zur Corona-Pandemie gemeinsam mit der Bevölkerung einzudämmen. „Jeder kann verdächtige Behauptungen melden“, heißt es. „Unser Team sichtet die Einreichungen, bewertet sie und veröffentlicht gegebenenfalls Faktenchecks.“ Zahlreiche Falschmeldungen zum Coronavirus haben die Faktenchecker von Correctiv bereits bewertet, unter anderem die Aussage, Bill Gates habe ein Patent. „Bewertung: größtenteils falsch. Es gibt die genannten Patente, manche sind allerdings nur angemeldet und nicht erteilt. Sie haben außerdem nichts mit dem aktuellen, neuartigen Coronavirus aus China zu tun, sondern mit vorigen Virenarten.“ 

Nicht weiterleiten, nicht alles glauben: Was Sie selbst tun können

Ägypten droht mittlerweile denjenigen, die in sozialen Netzwerken Falschmeldungen und Gerüchte über das Coronavirus verbreiten, mit Geldstrafen. In Deutschland müssen wir uns selber helfen – und können das auch. Denn oft lassen sich Falschmeldungen allein wegen ihrer vielen Rechtschreibfehler entlarven. Wer den Verdacht hat, dass er beispielsweise über WhatsApp eine Corona-Falschmeldung erhalten hat, sollte vor allem eins tun: sie nicht weiter verbreiten. Hilfreich sind zudem folgende Maßnahmen:

  • Weisen Sie den Absender sachlich auf seine eventuelle Falschinformation hin und fragen Sie nach seiner Quelle.
  • Suchen Sie nach weiteren Quellen für diese Nachricht – für seriöse Informationen gibt es nie nur eine.
  • Fragen Sie sich, ob die geteilte Information so wirklich stimmen kann: Können gleichzeitig um 23.30 Uhr fünf Hubschrauber über Deutschland fliegen, um Desinfektionsmittel zu versprühen? Könnte Luftanhalten tatsächlich die Diagnose eines Arztes ersetzen? Meistens lautet die Antwort: Nein, das kann so nicht sein.

Ansonsten gilt vor allem: Informieren Sie sich vor allem in diesen Zeiten nur bei seriösen Quellen – und vertrauen Sie diesen dann auch. Korrekte Informationen zur Corona-Pandemie, auf die Sie zählen können, finden Sie beispielsweise auf der Seite des Robert Koch-Instituts, beim Bundesministerium für Gesundheit, bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder den Gesundheitsämtern. Wir haben zudem eine kostenlose Info-Hotline eingerichtet, unter der wir rund um die Uhr für Ihre Fragen zur Corona-Pandemie zur Verfügung stehen. Rufen Sie uns gern an, wenn Sie unsicher sind: 0800 84 84 111

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Webcode: a005335 Letzte Aktualisierung: 20.04.2020
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