Coronaviurs

Mit Kindern die Corona-Krise meistern

Lesedauer unter 5 Minuten
Ein Mädchen sitzt mit einem Smartphone auf der Fensterbank

Autor/in

Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)
Inhaltsverzeichnis

Die Corona-Krise macht auch vor unseren Kindern nicht halt. Doch wie spricht man am besten mit ihnen über das Virus, ohne sie zu ängstigen? Und was tut man, wenn Enttäuschung und Wut über die Einschränkungen im Alltag übermächtig werden?

Auf einmal war alles anders. Kindergärten und Schulen waren wochenlang geschlossen. Keine Großelternbesuche. Kein Turnen, kein Schwimmen, kein Spielplatz. Stattdessen den ganzen Tag zu Hause mit Mama und Papa. Das ist nicht nur für die Eltern eine Herausforderung.

Kinder bemerken genau, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden. Dass wir besorgter sind, vielleicht ängstlicher oder reizbarer, in jedem Fall angespannter. Damit sie nicht nur über Umwege, die Radionachrichten oder Gesprächsfetzen zwischen Erwachsenen ihre Informationen über das Coronavirus erhalten, sollten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen. Selbst zu kleinen Kindern sollte man ehrlich sein und in kindgerechter Weise erklären, was gerade passiert.

Die eigenen Ängste zügeln

Eltern oder andere nahe Bezugspersonen geben Kindern in so einer Ausnahmesituation die nötige emotionale Sicherheit. Wer selbst stark unter Angstgefühlen leidet, sollte sich zuerst diesem Problem widmen, sei es durch Gespräche mit guten Freunden oder notfalls mit professioneller Hilfe, beispielsweise über eine telefonische Beratungsstelle. Denn Kinder haben feine Antennen und spüren ganz genau, wenn sich die Eltern in einer emotionalen Schieflage befinden. Die eigenen Sorgen oder Ängste können sich sogar auf das Kind übertragen. „Selbst Säuglinge nehmen bereits sensibel die elterliche Stimmung auf“, erklärt Dr. Eliane Retz. Sie hat Pädagogik und Psychologie studiert und arbeitet inzwischen als Familiencoach.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man die eigenen Gefühle leugnen soll. Seien sie Ihren Kindern stattdessen ein Vorbild dafür, wie man gut mit seinen Emotionen umgehen kann. Sprechen Sie darüber, dass es normal ist, wenn man sich überfordert oder verängstigt fühlt. Das ermutigt Kinder, ebenfalls offen über ihre Gefühle zu sprechen. Indem man sie gemeinsam anschaut, dürfen Gefühle da sein, ohne dass sie aber unreflektiert die Herrschaft über das Handeln übernehmen. Und wenn herausfordernde Emotionen da sein dürfen, klingen sie meist zügig ab, nachdem sie „ausgefühlt“ wurden.

Schon die Kleinsten wollen Informationen

Selbst Kleinkindern kann man bereits einiges über die notwendigen Einschränkungen im Alltag sowie erste Lockerungen erklären. Komplexe Abhandlungen über Viren, Ansteckungswege und Mindestabstand sind unnötig. „Beschreiben Sie einfach, wie sich der Alltag geändert hat“, empfiehlt Eliane Retz. Ganz konkret heißt das zum Beispiel: „Das Schwimmbad hat noch geschlossen, wir können aber einen schönen Spaziergang im Wald machen.“

Je älter die Kinder sind, desto mehr Informationen fordern sie von den Eltern ein. Wenn sie beispielsweise wissen wollen, warum die Nachmittage bei den Großeltern gestrichen sind, könnte man sagen: „Die Krankheit ist für ältere Menschen gefährlicher und wir bleiben zu Hause, um Oma und Opa zu schützen.“ Auf keinen Fall sollten Eltern die Situation verharmlosen oder so tun als sei gar nichts passiert. Antworten Sie daher immer wahrheitsgemäß, aber sparen Sie traumatische Details und mögliche Katastrophenszenarien aus. Wenn Sie einmal nicht weiterwissen, dann informieren Sie sich auf seriösen Nachrichtenportalen, vielleicht auch gemeinsam mit ihren Kindern.

Rollenspiele können helfen

Wer Probleme hat, mit Kindern ein solches Gespräch zu führen, der könnte auch Rollenspiele für sich nutzen. Vielleicht muss der Teddybär vom Coronavirus geheilt werden oder die Lieblingspuppe kommt ins Krankenhaus. Oft erfahren Eltern bei solchen Spielen viel besser, was die Kinder wirklich beschäftigt und welche Sorgen sie haben. Sollte Ihr Kind Schuldgefühle zeigen, dann versichern sie ihm, dass es keinerlei Schuld an der Situation trägt.

Einige Kinder fordern in der derzeitigen Ausnahmesituation auch mehr Aufmerksamkeit von ihren Bezugspersonen ein oder haben große Trennungsangst, weil sie befürchten, dass ihnen etwas Schlimmes passieren könnte. Andere entwickeln Schlaf- oder Essprobleme. All diese Reaktionen sind normal. Hilfreich ist es jetzt, den normalen Tagesablauf soweit wie möglich beizubehalten, das verschafft Kindern ein Gefühl der Sicherheit. Wenn Sie zudem mehr Entspannung und Achtsamkeit in ihren Alltag integrieren möchten, kann Ihnen die 7Mind-Meditations-App der Barmer dabei helfen.

Vermeiden Sie Zukunftsprognosen

Auf Fragen wie "Wann wird alles wieder wie vorher?" gibt es zurzeit keine richtige Antwort. Zuverlässige Prognosen für die Zukunft kann niemand abgeben. Eltern sollten das auch so ihren Kindern vermitteln. Man kann zum Beispiel erklären, dass die Verhaltensregeln keine willkürlichen Entscheidungen von Mama oder Papa sind, sondern dass Politiker sie zum Schutz aller Menschen festgelegt haben. „Es kann sehr spannend für Kinder sein, dass auch ihre Eltern manchmal gesagt bekommen, was sie tun dürfen und was nicht“, sagt die Pädagogin Retz.

Wut und Enttäuschung sind normal

Aufgabe der Eltern ist es hingegen, auf die Einhaltung der Regeln zu achten. „Es ist hart, die Regeln und Grenzen für unsere Kinder hochzuhalten und ständig Dinge abzusagen, auf die man sich bereits lange gefreut hat“, sagt Nora Imlau, Autorin zahlreicher Erziehungsratgeber. „Da geht es Kindern genau wie Erwachsenen.“ Wenn der geplante Kindergeburtstag ausfällt, die Klassenfahrt abgesagt und das Fußballturnier in eine ferne Zukunft verschoben wurde, sind die Kinder enttäuscht, frustriert und wütend. „Die Eltern werden zur Zielscheibe all dieser Gefühle und müssen sie aushalten und begleiten“, erklärt Imlau.

Mit Kindern über Gefühle sprechen

Bei akuten Wutausbrüchen kann es hilfreich sein, wenn Erwachsene die Gefühle für die Kinder sehr konkret verbalisieren und ein Gesprächsangebot machen. Wer auf sein Kind zugeht und sagt: „Bist du wütend? Das kann ich gut verstehen. So geht es mir auch gerade.“ erreicht wesentlich mehr als mit einem gut gemeinten „Kopf hoch, es könnte schlimmer sein.“

Schulen und Kitas öffnen nur schrittweise wieder und Kinder haben noch immer weniger Möglichkeiten, sich mit ihren Freunden auszutauschen und soziale Unterstützung für ihre Probleme zu bekommen. Gerade ältere Kinder trifft das sehr. Solange Chats, Sprachnachrichten und Videoanrufe die einzige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme darstellen, sollten Eltern großzügigere Regeln für die Benutzung von Smartphone und Laptop aufstellen. „Die Zeit, die Kinder zur Kommunikation mit Freunden nutzen, sollte man nicht auf die sonst übliche Mediennutzungszeit anrechnen“, empfiehlt Imlau. Gerade für Jugendliche können soziale Medien jetzt auch ein Segen sein, der ihnen bei angemessener Begleitung und Unterstützung der Eltern helfen kann, in Verbindung mit ihren Peergroups zu bleiben.  

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Webcode: a005299 Letzte Aktualisierung: 12.05.2020
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