Urlaub, Reise, Ausland

Krank im Urlaub - Was passiert, wenn ich im Ausland zum Arzt muss?

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine junge Mutter geht an Krüken zusammen mit ihren zwei Söhnen eine Straße entlang.

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  • Barmer Internetredaktion
Inhaltsverzeichnis

Monatelang arbeitet man bis zur Erschöpfung und fiebert dem wohlverdienten Urlaub entgegen – doch fängt die freie Zeit endlich an, erwischt es einen. Warum wird man häufig gerade im Urlaub krank? Und was gilt es zu beachten, wenn man im Ausland auf ärztliche Hilfe angewiesen ist? 

Wenn sich im Frühherbst die Büros, Fabrikhallen und Kanzleien füllen und Meetings wieder in voller Mannschaftsstärke stattfinden, teilen sich die Erlebniswelten: Die einen erzählen von weißen Stränden, fantastischen Gebirgspanoramen oder von atemberaubenden Kletterabenteuern. Die anderen klagen, dass sie die Traumstrände oder das Lieblingsrestaurant leider nicht genießen konnten, weil sie krank im Hotelzimmer lagen.

Warum werden Menschen im Urlaub häufig krank? 

Dass Erholungshungrige im Urlaub häufiger krank werden, ist nicht nur Einbildung, sondern wissenschaftlich belegt. Das Phänomen hat sogar einen Namen: Leisure Sickness. An dieser „Freizeitkrankheit“ ist laut Umfragen bereits jeder Fünfte schon einmal erkrankt.

Den Grund für diese Krankheitsneigung zur Entspannungszeit vermuten Forscher darin, dass sich viele Menschen kurz vor dem Urlaub noch einmal so richtig verausgaben. Sie haben den Wunsch, einen leeren Schreibtisch zu hinterlassen und geraten kurz vor Urlaubsbeginn in eine akute Stressphase, weil sie auch Zuhause alle Aufgaben erledigen wollen. Schnell noch mal zum Arzt, die Hose beim Schneider abholen und einen Aufpasser für die Katze suchen... Die dabei ausgeschütteten Stresshormone schwächen das Immunsystem. Die Folge: Wenn der größte Stress nachlässt, wird man krank – meistens dann, wenn man gerade am Urlaubsort angekommen ist und die schönste Zeit des Jahres genießen will.

Was muss ich im Ausland bei einem Arzt oder im Krankenhaus vorlegen, um behandelt zu werden?

In allen Ländern der EU und in einigen weiteren Staaten hilft die Europäische Krankenversichertenkarte (EHIC) eine im Notfall notwendige Behandlung abzusichern. Sie finden sie auf der Rückseite der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Deshalb bei Reisen immer die eGK mitnehmen. Für wenige weitere Länder gibt es außerdem spezielle Auslandskrankenscheine. Wichtiger Hinweis: Es kann vorkommen, dass die EHIC oder ein Auslandskrankenschein nicht akzeptiert werden. Man wird dann gegen direkte Bezahlung als Privatpatient behandelt. Deshalb sollte zusätzlich immer eine private Auslandsreisekrankenversicherung abgeschlossen werden.

Länderübersicht: Hier wird die EHIC akzeptiert

Grundsätzlich gilt: Wer sich im europäischen Ausland von einem Arzt behandeln lassen muss, ist von seiner deutschen gesetzlichen Krankenkasse abgesichert. Vorausgesetzt der gewählte Behandler (Ärztin oder Krankenhaus) ist in das Versorgungssystem des Reiselandes eingebunden, heißt dies, dass Urlauber alle notwendigen Leistungen erhalten, als wären sie in dem jeweiligen Land versichert. Dabei wird die voraussichtliche Aufenthaltsdauer berücksichtigt. Leistungen, die bis zur Rückkehr nach Deutschland aufgeschoben werden können, dürfen nicht im Ausland erbracht werden. Außerdem gibt es von Land zu Land Unterschiede im „Leistungskatalog“. Es kann daher sein, dass Reisende nicht alles, was sie aus Deutschland kennen, auch tatsächlich über die EHIC erhalten. Insbesondere bei zahnärztlicher Behandlung gibt es in anderen Staaten häufig nur ein sehr eingeschränktes Angebot.

Ausführliche Informationen und weitere Hinweise zum Thema Leistungen im Ausland

Sollte ich eine Auslandskrankenversicherung abschließen?

Eine private Auslandsreise-Krankenversicherung ist auf Reisen immer sinnvoll. Das gilt uneingeschränkt auch innerhalb Europas. Denn sie übernimmt auch Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht oder nicht vollständig bezahlen können – zum Beispiel die im Einzelfall sehr hohen Kosten einer privaten Behandlung. Wird aus medizinischen Gründen ein Rücktransport nach Deutschland notwendig, fallen ebenfalls sehr hohe Kosten an. Ein ärztlich begleiteter Flug mit einem Ambulanzflugzeug kostet schnell mehrere 10.000 Euro. Das Problem: Die deutschen Krankenkassen dürfen sich an den Kosten eines Rücktransports nicht beteiligen. 

Unsere Empfehlung exklusiv für Versicherte der Barmer: Die Auslandsreise-Krankenversicherungen unseres Kooperationspartners HUK als Zusatzversicherung bieten Sicherheit auf Reisen für Einzelpersonen und Familien bei längeren Auslandsaufenthalten.

Was muss ich bei der Wahl des Arztes im Ausland berücksichtigen? 

Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt alle Behandlungskosten von Ärzten und Kliniken, die im System der Krankenversorgung des Aufenthaltsstaates zur Versorgung berechtigt sind. Häufig empfehlen aber Hotelangestellte reine Privatärzte oder -kliniken, die nur private Zahlungen entgegennehmen und die keine Kassenzulassung haben.  Es ist deshalb ratsam, schon vor dem Urlaub zu recherchieren, welche Ärzte grundsätzlich im Urlaubsland in Frage kommen. Informationen über Vertragsärzte oder –krankenhäuser erhalten Urlauber oft auch bei der Reiseleitung oder der örtlichen Gemeindeverwaltung. Die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland stellt außerdem für viele Reiseländer Merkblätter mit Informationen und Link-Hinweisen zu Gesundheitsdienstleistern im jeweiligen Land zur Verfügung. 

Kann ich mich im Urlaub krankmelden? 

Keine Frage, eine Erkrankung im Urlaub ist eine ärgerliche Sache. Doch es bleibt ein Trostpflaster: Arbeitnehmer können sich krankmelden und verlieren so ihre Urlaubstage nicht. Die entgangene Entspannung können sie zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. „Es gehört zu den ausdrücklichen Rechten von Arbeitnehmern, sich krank zu melden – auch wenn sie im Urlaub sind“, sagt Manfred Schmid, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Pinsent Mansons. „Urlaub hat eine Funktion: Menschen sollen sich erholen und regenerieren.“ Schließlich könne ein Arbeitnehmer ja nur dann gute Arbeit leisten, wenn er im Vollbesitz seiner Kräfte sei.

Allerdings gelten bei einer Krankmeldung im Urlaub strenge Nachweispflichten: „Es kommt nicht allein auf eine Erkrankung im medizinischen Sinne an“, sagt Schmid. Eine Krankmeldung im Urlaub ist nur dann rechtens, wenn der Arbeitnehmer nicht arbeiten könnte, wäre er zuhause. Entscheidend ist, dass der Arbeitnehmer wirklich arbeitsunfähig ist. Ein leichtes Unwohlsein genügt nicht. Auch sollten Arbeitnehmer die Vor- und Nachteile einer Krankmeldung grundsätzlich abwägen: „Weiß ich davon, dass mein Arbeitgeber Krankmeldungen im Urlaub überhaupt nicht leiden kann, so ist es sicherlich nicht ratsam, wegen einer leichten Magenverstimmung den Arbeitsplatz zu gefährden“, gibt Schmid zu bedenken. Handelte es sich aber tatsächlich um eine ernsthafte Erkrankung, sei eine Krankmeldung im Urlaub natürlich sinnvoll.

Brauche ich ein Attest, wenn ich mich im Urlaub krankmelde? 

Die Arbeitsunfähigkeit müssen Erkrankte vom ersten Tag an mit einem ärztlichen Attest belegen. „Im Ausland kann es manchmal schwierig sein, ein ärztliches Attest zu bekommen, das hiesigen Rechtsstandards genügt“, sagt Schmid. In Deutschland hat ein ärztliches Attest eine hohe Beweiskraft. Das bedeutet, dass eine Arbeitsunfähigkeit, die korrekt von einem deutschen Arzt belegt wird, kaum angezweifelt werden kann. „Aus Erfahrung würde ich aber sagen, dass der Beweiswert eines Attests sinkt, je ferner das Urlaubsland liegt“. Das liegt möglicherweise daran, dass die Sozialsysteme sich in diesen Ländern häufig stark vom deutschen System unterscheiden. Ärzte wissen oft nicht, wie sie ein Attest korrekt ausstellen. Erkrankte Urlauber sollten deshalb bei einem ausländischen Arzt darauf achten, dass ein Attest nicht nur eine Krankheit belegt, sondern auch explizit eine Arbeitsunfähigkeit dokumentiert. Wichtig ist auch die korrekte Angabe, wann eine Krankheit begann und endete.

In jedem Fall sollten Kranke in den Ferien den klassischen Weg einhalten: Zuerst gilt es - wie zuhause auch – den Chef per Telefon oder Email über die Krankheit zu informieren. Bis spätestens zum vierten Kalendertag (Vorsicht: nicht Werktag.) sollte dem Arbeitgeber dann ein gültiges Attest vorliegen.

Werden die gesetzlichen Anzeige- und Nachweispflichten nicht eingehalten, kann dies im Zweifel echte Konflikte verursachen. „Möchte ein Unternehmen einen Mitarbeiter loswerden, so kann er solche scheinbaren Kleinigkeiten wie unkorrekte Atteste nutzen“, warnt Schmid. Ein Betrug kann darüber hinaus zu einer fristlosen Kündigung führen.

Verlängert sich mein Urlaub automatisch, wenn ich mich krankmelde? 

Der Urlaub verlängert sich nicht automatisch um die Tage der Arbeitsunfähigkeit. „Wenn Sie sich korrekt in den Ferien krank gemeldet haben, können Sie die verlorenen Urlaubstage nachholen. Den Urlaub müssen sie aber wieder neu beantragen oder explizit um eine Verlängerung bitten", erklärt Arbeitsrechtler Manfred Schmid. Von den gesetzlichen Vorgaben sollte man sich aber nicht abschrecken lassen: „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und sprechen Sie respektvoll und korrekt mit den Verantwortlichen an Ihrem Arbeitsplatz. Doch wenn Sie krank sind, sind Sie krank. Und jeder Arbeitnehmer hat ein Recht auf Erholung.“

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