Urlaub, Reise, Ausland

Ohne Stress vor der Abreise - So gelingt der Start in den Urlaub

Lesedauer unter 6 Minuten
Ein Paar packt zusammen mit ihrer Tochter den Koffer für den Urlaub.

Autor

Internetredaktion Barmer

Qualitätssicherung

Dirk Weller (Diplom-Psychologe)
Inhaltsverzeichnis

Viele fiebern dem Urlaub monatelang entgegen, erwarten Entspannung und Erholung – doch gerade kurz vor der Reise steigt der Stress-Pegel noch einmal ins Unermessliche. Was Sie tun können, um Ihre Ferien vom ersten Tag an zu genießen und wie Sie den Erholungseffekt des gesamten Urlaubs möglichst lange ausdehnen können.

Den meisten Menschen wird das bekannt vorkommen: Der Urlaub ist lange geplant, die Vorfreude groß, die Erwartungen hoch – und dann kommt die Woche vor der Abreise. In dieser schlafen die meisten besonders wenig, hetzen von Erledigung zu Erledigung und verausgaben sich bei der Arbeit noch einmal so richtig. Daher fällt in den ersten Tagen der Reise die Erholung schwer, weil die Anspannung erst einmal abfallen muss.

Warum geraten wir vor dem Urlaub oft in Stress?

„Wir haben die Idee, im Urlaub komplett abzuschalten. Dazu gehört auch, dass wir alle Aufgaben vorher erledigt haben wollen. Auch die, die gar nicht unbedingt notwendig wären“, sagt Oliver Weigelt, Arbeits- und Organisationspsychologe. Es gebe einen unterschwelligen Wunsch, unbedingt einen absolut leeren Schreibtisch zu hinterlassen.

Dahinter steht der sogenannte Zeigarnik-Effekt: „Der Begriff aus der Psychologie besagt, dass sich Menschen an nicht abgeschlossene Aufgaben viel besser erinnern als an fertiggestellte“, erklärt Weigelt, der an der Universität Rostock Urlaubs- und Erholungsforschung betreibt. Unbewusst wissen wir also, dass wir besser abschalten können, wenn wir alles erledigt haben – und geben uns besonders viel Mühe, das auch zu erreichen. „Doch zusätzlich zu den organisatorischen Aufgaben der Reiseplanung macht das natürlich einen wahnsinnigen Stress.“

Hinzu kommt, dass es in unserer modernen Arbeitswelt für viele Arbeitnehmer ein unrealistisches Ziel ist, absolut alle Aufgaben abzuarbeiten. „Deshalb versuchen viele entweder, sich den Urlaub vorher herauszuarbeiten oder danach wieder alles hereinzuarbeiten oder sogar beides. Das schmälert den Erholungseffekt des gesamten Urlaubs". 

Wie kann man Stress vor dem Urlaub vermeiden?

Vor einer geplanten Entspannungsphase noch einmal Vollgas zu geben, um dann zum Start des Urlaubs abrupt zu stoppen, ist nicht empfehlenswert, um stressfrei zu verreisen. „Wir können die Beendigung einer Aufgabe für unsere Psyche auch simulieren“, sagt Arbeitspsychologe Oliver Weigelt und gibt einen Tipp: „Notieren Sie sich, auf welchem Stand eine Aufgabe ist und wie Sie damit nach dem Urlaub weiter verfahren.“ Das klinge zwar simpel, „aber wenn ich einen Plan notiere, wie ein Projekt weitergeht, schleppe ich das Thema nicht mehr mit. Das führt zu einer enormen mentalen Erleichterung“, betont Weigelt. Dies sei vergleichbar damit, dass man etwas in eine Kiste packe, wo es leicht und sicher wiederauffindbar sei – aber gleichzeitig aus dem Weg geräumt.

Warum werden viele Menschen zu Beginn ihres Urlaubs krank?

Niederländische Forscher haben herausgefunden, dass Menschen leichter krank werden, wenn sie vor den Ferien noch einmal so richtig viele Stresshormone ausschütten. Bekannt ist das Phänomen als sogenannte Leisure Sickness. Viele Reisende bekommen in den ersten Tagen des Urlaubs einen Migräneschub oder eine Erkältung. Die Ursache ist noch nicht ganz klar. Doch die Forscher erklären sich das Phänomen so, dass viele Stresshormone das Immunsystem dämpfen. Wenn dann die Anspannung abfällt, haben Krankheiten leichteres Spiel im Körper. Um dem entgegen zu wirken, können Sport und Bewegung einen Tag vor der Abreise helfen. Das baut Stresshormone ab.

Zusätzlich hilft es, sich Vorfreude und moderate positive Erwartungen bewusst zu machen: „Nachweislich intensiviert es das Erleben im Urlaub, wenn ich mir konkret vor Augen halte, worauf ich mich freue“, sagt Psychologe Oliver Weigelt. Dies setzt auch dem Organisationsstress vor den Ferien etwas entgegen.

Wie entspanne ich im Urlaub richtig?

Die sogenannte Effort-Recovery-Theorie aus der Urlaubsforschung besagt, dass wir uns dann am besten erholen, wenn wir in den Auszeiten einen Kontrast zum Berufsalltag erleben. Ein Eventmanager mit viel Sozialkontakt entspannt demnach zum Beispiel in einem ruhigen Urlaub in den Bergen. Ein Sachbearbeiter ohne viel Kontakt zu Kunden sucht vielleicht eher ein Gemeinschaftsgefühl in einer Reisegruppe. „Wichtig ist: Lassen Sie sich nicht von Medienbildern leiten, sondern überlegen Sie selbst für sich, was erholsam ist“, empfiehlt Arbeitspsychologe Oliver Weigelt. Wir profitierten nicht, wenn wir in der Freizeit das gleiche oder ähnliches tun wie auf der Arbeit. „Das gilt sogar nur für kleinere Erholungsphasen wie Mittagspausen.“

Die Pausen, also die kleinen „Urlaube“ im Alltag, werden ohnehin laut Weigelt unterschätzt, während die Erwartungen an einen Urlaub oft gigantisch sind.

Warum sollte ich von meinem Urlaub nicht zu viel erwarten?

Weit verbreitet ist der Irrtum, ein Urlaub könne alles richten. „Es ist nicht sinnvoll, sich das ganze Jahr mit Stress herunter zu wirtschaften, um sich dann mit ein paar wenigen lebenswerten Wochen im Jahr zu entschädigen“, sagt Psychologe Oliver Weigelt. Diese Haltung verwandle den Urlaub von einer Zeit, die betont ohne Ergebnis verbracht werden solle, wieder in eine Art „Arbeit light“. Reisende überfrachten ihre Auszeit dann außerdem häufig mit völlig überzogenen Erwartungen, die wiederum der Erholung entgegenstehen.

Wie kann ich das Urlaubsgefühl in meinen Alltag herüberretten? 

„Genauso wichtig wie ein Urlaub ist gutes Pausenmanagement in der übrigen Zeit des Jahres“, sagt Arbeitspsychologe Oliver Weigelt. „Machen Sie im Alltag Dinge, die für Sie Urlaubscharakter im Kleinen haben. Ich zum Beispiel fahre nach der Arbeit häufig an den Strand. Allein das Gefühl von Sand unter den Füßen verhilft mir schon zur Entspannung.“ Wer nicht das Glück hat, in Strandnähe zu wohnen, kann auch bei Waldspaziergängen, Sonnenuntergängen oder einfach dem Blick in die Wolken entspannen. Entscheidend ist, wenigstens eine kurze Zeit in einen Zustand der achtsamen Absichtslosigkeit zu verbringen. Das bedeutet: Etwas tun, ohne eine bestimmte Wirkung erzielen zu wollen. 

Viele Menschen schlafen in der Woche schlecht, weil sie so unter Arbeitsdruck leiden, oder sie wollen alles vor dem Wochenende unbedingt vom Tisch haben. Schlafmangel erhöht das Stressempfinden maßgeblich und mindert das Wohlbefinden. Wenn es nicht gelingt, die Arbeitsmenge zu bewältigen, schwirrt Unerledigtes ständig im Kopf herum. Das erhöht nicht nur den Druck für die Ferien, sondern stört auch die Erholung im Feierabend oder am Wochenende.

„Auch im Alltag ist es eine wichtige Strategie, Aufgaben so zu verteilen und in Häppchen zu verpacken, dass sie mir nicht den Schlaf rauben.“ Es gilt also das ganze Jahr: Aufschreiben, wie ein Projekt in ein paar Tagen weitergehen soll – und dann ab ins Wochenende.  

Wer sich nur ein oder zwei Mal im Jahr eine Auszeit gönnt, der ist besonders vom sogenannten Fade Out-Effekt betroffen: „Wir wissen aus der psychologischen Forschung, dass in vielen Fällen nach ein bis zwei Wochen zuhause die positiven gesundheitlichen Effekte eines Urlaubs schon wieder verschwunden sind.“

Dies hänge auch maßgeblich mit den Arbeitsanforderungen in der ersten Woche nach den Ferien zusammen. „Wer es schafft, in der ersten Woche möglichst wenig Programm zu haben, der hat auch länger was von der Erholung. Ich empfehle deshalb, mittwochs wieder anzufangen, weil dann der Wiedereintritt in die Arbeitsatmosphäre leichter ist.“

Das „Danach“ kann man sich außerdem lebenswerter gestalten, indem man im Urlaub schon ein klein wenig für später mitdenkt: Aus der Urlaubsforschung ist bekannt, dass es hilft, Details, Gefühle oder Erinnerungen aus dem Urlaub in den Alltag zu retten. Aus den Forschungen der Arbeitspsychologin Christine Syrek von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg geht hervor, dass Menschen in Stresssituationen entspannter sind, wenn sie Souvenirs aus dem Urlaub bei sich haben. Um diesen Effekt zu erzielen, genügen Kleinigkeiten: Vielleicht hilft es, sich die besondere Schokolade aus dem Reiseland mitzunehmen, um sie dann bewusst zuhause zu genießen. Oder vielleicht haben Sie eine bestimmte Musik gehört, die Sie dann in Ihrer Freizeit wieder abspielen können – um den Urlaub ein wenig in den Alltag einziehen zu lassen.

Barmer Chat

Chat für Versicherte (geschlossen)

Sind Sie bei Meine Barmer registriert?
Loggen Sie sich vor dem Start des Chats für eine persönliche und datenschutzsichere Beratung ein und profitieren Sie außerdem von unseren erweiterten Chat-Zeiten.

Der Chat ist erreichbar jeweils von Montag - Freitag zwischen:
08:00 - 09:00 Uhr
12:00 - 13:00 Uhr
16:00 - 18:00 Uhr

Chat für Interessenten

Ich habe keine eigene Mitgliedschaft bei der Barmer und bin an den Vorteilen interessiert.

Nutzen Sie unseren Chat für Interessenten im Bereicht "Mitglied werden"


E-Mail

Meine Barmer

Nutzen Sie das Online-Postfach bei Meine Barmer zur persönlichen und datenschutzsicheren Kommunikation.

Zum Online-Postfach

Kontaktformular

Noch kein Online-Postfach? Nutzen Sie unser Kontaktformular.

Zum Kontaktformular

E-Mail an die Barmer

Senden Sie uns eine Nachricht an service@barmer.de

E-Mail für Interessenten

Sie sind noch nicht (selbst) bei der Barmer versichert und haben Interesse an einer Mitgliedschaft bei uns? Schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an neukunde@barmer.de

Quellenangaben

Zertifizierung

Auf unsere Informationen können Sie sich verlassen. Sie sind hochwertig und zertifiziert. Dafür haben wir Brief und Siegel.

Redaktionelle Grundsätze
Webcode: s000041 Letzte Aktualisierung: 18.08.2020
Nach oben