Allergie

Was ist eine Sonnenallergie?

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einer Wiese

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Sommer, Sonne, Sonnenstrahlen – sie wirken sich positiv auf das Immunsystem und die Seele aus, außerdem fördern sie die Bildung von Vitamin D in der Haut, das eine wichtige Rolle beim Knochenaufbau spielt. Doch neben diesen positiven Effekten kann zu lange Sonneneinstrahlung – neben Faltenbildung und Hautkrebs -  auch eine heftige allergische Hautreaktion hervorrufen: UVA-Strahlung dringt in tief gelegene Hautschichten vor, einige Menschen reagieren dann mit fleckigen und stark juckenden Rötungen. 

Diese „Sonnenallergie“ (polymorphe Lichtdermatose (PLD)) ist zwar die häufigste, aber nur eine von mehreren Formen photoallergischer Reaktionen. Einige dieser Reaktionen werden durch lichtsensibilisierende Stoffe wie Kosmetika, Medikamente oder Pflanzenbestandteile ausgelöst, wenn sie in Kontakt mit Sonnenlicht kommen. Symptome zeigen sich meist an Armen, Dekolleté, Händen, Schultern und Beinen. Sie treten oft erst Stunden bis Tage nach dem Sonnenbad auf.

Generell unterscheidet man phototoxischen und photoallergischen Reaktionen: Erstere kann jeden treffen, zweitere lediglich Menschen, die bereits gegen bestimmte Stoffe sensibilisiert wurden.

Was ist eine phototoxische Reaktion?

Bei der phototoxischen Reaktion kommt es zu einer chemischen Reaktion zwischen einem bestimmten Stoff (Photosensibilisator) im Körper und dem Sonnenlicht. Es ist keine Allergie, sondern eine erhöhte Lichtempfindlichkeit. Die Haut reagiert empfindlicher auf UV-Strahlen als sonst. Manchmal genügt schon eine geringe Menge Licht, um an den Hautstellen, die zusammen oder nach Kontakt mit dem Photosensibilisator der Sonne ausgesetzt waren, eine brennende Rötung oder sogar eine Blasenbildung hervorzurufen.

Verursacher von phototoxischen Reaktionen:

  • Natürliche Stoffe: Johanniskraut (Hypericine), Doldenblütlern (Furocumarine)
  • Kosmetika (Parfüm, Hautcreme)
  • Chemikalien in Reinigungsmitteln, Farbstoffen
  • Medikamente

Was ist eine Photoallergie? 

Bei einer sogenannten photoallergischen Reaktion (Photoallergie, umgangssprachlich oft Sonnenallergie) handelt es sich um Hautveränderungen, die durch den Einfluss ultravioletter Strahlen entstehen und durch Prozesse des Immunsystems in Gang gesetzt werden. Dieser Prozess entsteht durch ein Photoallergen: Das sind Stoffe, die zu einer Sensibilisierung führen können, wenn sie auf oder in der Haut Sonnenlicht ausgesetzt werden.

Zu diesen Stoffen zählen:

  • Antibiotika aus der Klasse der Sulfonamide und Tetrazykline
  • manche Schmerzmittel, Blutdrucksenker, Malariamittel und Entwässerungstabletten
  • Pflanzen wie Sellerie, Petersilie und Zitrusfrüchte
  • Parfüms und kosmetische Produkte

Da die Reaktion durch UV-A-Licht ausgelöst wird, kann sie auch bei Sonneneinstrahlung in verglasten Räumen entstehen. Normales Fensterglas hält UV-B-Strahlen ab, lässt aber einen gewissen Anteil an UV-A-Strahlen durch. Es gibt Reaktionen auf Arzneimittel, die eingenommen wurden, oder auf Substanzen, die Kontakt mit der Haut hatten:

  • Photoallergische Arzneimittelreaktion: Bestimmte Medikamente können eine photoallergische Reaktion verursachen, weil eine Substanz in den Körper gelangt.
  • Photoallergische Kontaktdermatitis: Eine Substanz, die die Haut berührt (z.B. Sonnenschutzmittel, Parfüms oder pflanzliche Inhaltsstoffe) verbindet sich unter UV-A-Einstrahlung mit körpereigenen Eiweißstoffen zu einem Antigen, das ebenso wie bei einer Kontaktallergie eine Hautreaktion auslöst.

Die Symptome zeigen sich meist erst 12 bis 72 Stunden nach dem Kontakt mit der Sonne. Aufgrund dieser langen Zeitspanne fällt die Sonnenallergie unter die Spättyp-Reaktionen. Ist ein Mensch einmal sensibilisiert und reagiert auf sein Allergen mit Beschwerden, bleibt die Allergie üblicherweise ein Leben lang bestehen.

Welche Arten von Sonnenallergie gibt es?

Lichturtikaria

Bei der Lichturtikaria reagieren die Allergiker nur auf Strahlung innerhalb eines ganz bestimmten Wellenlängenbereichs empfindlich - am häufigsten auf sichtbares Licht und auf unsichtbare UV-A-Strahlen. Auf der Haut entwickeln sich Quaddeln, als hätten die Betroffenen Brennnesseln berührt. Die Symptome kommen innerhalb weniger Minuten und verschwinden nach ein bis zwei Stunden wieder, wenn die Allergiker aus der Sonne gegangen sind.

Chronisch aktinische Dermatitis

Bei der chronisch aktinischen Dermatitis reagieren die Betroffenen ebenfalls auf bestimmte Wellenlängenbereiche. Die extrem juckenden Hautstellen verschwinden allerdings nicht wieder, sondern bleiben dauerhaft bestehen. Diese wohl schwerste Form einer Photoallergie kommt zum Glück nur sehr selten vor.

Polymorphe Lichtdermatose (PLD)

Mit Abstand am weitesten verbreitet ist die polymorphe Lichtdermatose, die die meisten als „Sonnenallergie“ kennen. Sie tritt besonders häufig bei Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals auf, kommt aber auch oft bei Männern vor. Sie entsteht einige Stunden bis mehrere Tage nach dem Sonnenbad und verschwindet nach einigen Tagen wieder, wenn der Körper keiner Sonne mehr ausgesetzt ist. Typisch ist ein starker Juckreiz auf den Körperstellen, die in der Sonne waren. Es zeigen sich Hautausschläge – Bläschen, Quaddeln, flächige Rötungen. Um eine Polymorphe Lichtdermatose zu verhindern, sollte man die Haut langsam an die Sonne gewöhnen und immer Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor (UV-A- und UV-B-Strahlenschutz). Den Juckreiz lindert ein Antihistaminikum. Wer schon häufiger unter dieser Hauterkrankung litt, kann das Antihistaminikum schon drei Tage vor Beginn der Reise sowie den gesamten Urlaub hindurch einnehmen.

Mallorca Akne

Die sogenannte Mallorca-Akne zeigt sich zu Beginn einer intensiven UV-Bestrahlung, beispielsweise zu Beginn des Urlaubs. Es können sich auf den "Sonnenterrassen" Dekolleté, Schulterregion, Arme und Gesicht rote Flecken, Knötchen, Papeln und sogar Quaddeln bilden, die stark jucken. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie lautet, dass die Hautveränderungen sich zeigen, wenn bestimmte Kosmetikinhaltsstoffen stark von der Sonne bestrahlt werden. Andere Untersuchungen sehen in der Mallorca-Akne eine milde Form der polymorphen Lichtdermatose (PLD). Ausschlaggebend sind dabei vor allem die UVA-Strahlen, die tief in die Haut eindringen. Der Arzt therapiert die Hautveränderungen mit Antihistaminika. Um einer Mallorca-Akne vorzubeugen, sollte man schon einige Tage vor Reisebeginn nur noch fett- und emulgatorfreie Körperpflegeprodukte verwenden und die Haut langsam an die Sonneneinstrahlung gewöhnen.

Photoallergische Arzneimittelreaktion

Löst die Einnahme von Medikamenten bei bestimmten Menschen die Rötungen und Quaddeln auf der Haut aus, spricht man von einer photoallergischen Arzneimittelreaktion. Sie entsteht, weil eine photosensibilisierende Substanz in den Medikamenten über den Blutkreislauf in die Haut gelangt, wo sie dann unter Lichteinstrahlung eine Reaktion hervorruft. Weil bis zum Ausbruch der Erkrankung mehrere Tage vergehen können, wird sie auch „systemische Photoallergie“ genannt. Diese Reaktion tritt im Gegensatz zu den phototoxischen Reaktionen nicht bei jedem auf, sondern nur bei denjenigen, deren Immunsystem auf die Medikamente eine Allergie entwickelt.

Photoallergische Kontaktdermatitis

Wie der Name schon sagt, kommt eine Substanz (Photoallergen) mit der Haut in Kontakt, die die Symptome verursacht – er macht die Haut für die Sonne empfindlich, zum Beispiel bestimmte Lichtschutzfaktoren in Sonnencremes oder -ölen. Eigentlich will man mit ihnen die Haut vor den negativen Folgen der UV-Bestrahlung schützen. Doch diese Mittel enthalten teilweise Substanzen (z.B. UV-Filter), die Photoallergene sind oder bilden und so eine photoallergische  Reaktion auslösen können. Zunächst ist die Hautveränderung auf den Bereich begrenzt, kann sich aber dann über den ganzen Körper ausweiten. Die Haut rötet und verdickt sich, sie juckt stark. Innerhalb eines Tages können auch Knoten und Blasen entstehen, manchmal schuppt sich die Haut. Vermeidet man den Auslöser, bilden sich die Hautveränderungen meist schnell zurück. Wichtig ist auch, konsequent die Sonne zu meiden und Lichtschutz (Kleidung und Sonnencreme) zu tragen. 

Ist die Sonnenallergie wirklich eine Allergie?

Die Forschung ist sich bis heute nicht einig, ob die „Sonnenallergie“ tatsächlich eine Allergie ist. Einige Mediziner sind der Ansicht, dass die UV-Strahlen in der Haut der Betroffenen eine eigentlich harmlose körpereigene Substanz in ein Allergen umwandeln. Diese so genannten Photoneoantigene aktivieren dann das Immunsystem, so dass es zu einer allergischen Reaktion kommt und zu krankhaften Hautveränderungen. Diesen Allergieauslöser im Körper konnte man bisher allerdings noch nicht nachweisen.
Andere Wissenschaftler glauben, dass sich freien Radikale unter dem Einfluss des Sonnenlichts in der Haut bilden. Sie schädigen die Zellen, die dann nicht über genügend Antioxidantien verfügen, um reaktionsfreudige Moleküle abzufangen. Weil das bei der polymorphen Lichtdermatose aber nicht im ausreichenden Maße gelingt, sollen die freien Radikale mit den Hautzellen reagieren und dadurch die Beschwerden hervorrufen.
Bei beiden Theorien fehlen bis heute eindeutige Beweise, daher liegen die Ursachen der Hautreaktion noch im Dunklen.

Wie therapiert man die Sonnenallergie?

Wichtigste Maßnahme ist, sofort aus der Sonne zu gehen und diese dann auch in den folgenden Tagen so gut es geht zu meiden. Ist das nicht möglich, sollte man die Haut mit Kleidung bedecken (lange Hosen, lange Ärmel, Hut) und Sonnencreme mit einem ausreichend hohen Lichtschutzfaktor (LSF) verwenden. Eis, Kühlpads, feuchtigkeitsspende Cremes oder kühlende Umschläge mit Quark lindern den Juckreiz. Durch die Kühle ziehen sich die Gefäße zusammen und Schwellungen klingen ab. In schweren Fällen sollte man einen Arzt aufsuchen: Kortisonpräparate unterbinden die Entzündungsreaktionen der Haut, Antihistaminika in Salben- und Tablettenform mildern den Juckreiz.

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