Allergie

Allergien auf der Haut

Lesedauer unter 6 Minuten
Eine Frau tastet ihr Gesicht im Spiegel ab

Autor

  • Barmer Internetredaktion

Qualitätssicherung

  • Dr. med. Utta Petzold (Dermatologin & Allergologin bei der Barmer)
Inhaltsverzeichnis

Sie zeigen sich als Ausschlag, juckende Quaddeln oder Bläschen. Je nach Ursache blühen sie sofort auf – oder aber erst Stunden oder Tage, nachdem die Haut Kontakt zu einem auslösenden Stoff hatte. In detektivischer Arbeit finden Allergologen mithilfe passender Testverfahren und einer genauen Befragung der Betroffenen die Ursachen hinter Kontaktekzemen.

Unsere Haut ist ehrlich

Wenn mit unserer Haut etwas nicht stimmt, verbirgt sie es nicht. Rötungen, Brennen oder Jucken sind Reaktionsweisen der Haut, mit der sie signalisiert, dass ihr zum Beispiel der Kontakt zu einem bestimmten chemischen oder pflanzlichen Stoff gar nicht zusagt.

So sensibel die Haut reagiert, so begrenzt ist gleichzeitig ihr Repertoire an Ausdrucksmitteln. „Die Haut spricht mit nur wenigen Buchstaben zu uns“, sagt Prof. Ulf Darsow, Leiter der Allergieabteilung der Klinik für Dermatologie am Biederstein, die zur TU München gehört. Hinter Papeln, Quaddeln und Ekzemen könnten schier unzählige Auslöser stecken. „Selbst für einen erfahrenen Hautarzt ist es nicht immer leicht, treffsicher auf die Ursache zu schließen.“ Allergien sind nur eines von vielen Kapiteln – wenn auch eines, das immer bedeutender wird, weil es immer mehr Menschen gibt, die allergische Reaktionen auf der eigenen Haut kennen.

Wie sieht eine allergische Reaktion auf der Haut aus?

Auslöser einer allergischen Reaktion auf der Haut können Insektengifte oder Lebensmittel genauso sein wie ein Medikament oder auch nur Abbauprodukte dessen. Eine mögliche Reaktion der Haut darauf, die so genannte Typ-I-Allergie oder Allergie vom Soforttyp, zeigt sich in der Regel innerhalb von Sekunden oder Minuten. Genauso schnell kann sie auch wieder verschwinden.

Ganz anders bei einer Kontaktallergie, die zum sogenannten Spättyp von Allergien zählt: Erst Stunden oder gar bis zu zwei Tage, nachdem die Haut einen auslösenden Stoff direkt berührt hat, kommt es zu Bläschen, wunden und nässenden Hautstellen oder geröteten, trockenen Hautstellen, manchmal mit leichten Schwellungen oder feinen Schuppen. Eine Kontaktdermatitis kann prinzipiell am ganzen Körper auftreten. 

Wieviele Menschen sind von allergischen Reaktionen auf der Haut betroffen?

Das Umweltbundesamt (UBA) schätzt, dass in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen auf mindestens eine Substanz sensibilisiert sind. Das bedeutet, das Immunsystem hat eine ursprünglich harmlose Substanz als „gefährlich“ eingestuft. Rund sechs Millionen Betroffene haben bereits einmal akute Beschwerden dieser Sensibilisierung in Form einer Kontaktallergie erlebt.

Wodurch wird eine Kontaktallergie ausgelöst?

Substanzen, die häufig Kontaktallergien auslösen, und wo sie vorkommen: 

Nickel: Modeschmuck, Jeansknöpfe, Gürtelschnallen, Brillengestelle

Duftstoffe: natürlich oder künstlich hergestellt, enthalten in Parfums, Kosmetika, Zahnpasta, Reinigungsmitteln. Die 26 Duftstoffe, die am häufigsten Kontaktallergien auslösen, müssen auf den Produkten genannt werden. 

Inhaltsstoffe von Kosmetika und Haarfärbemitteln: Konservierungsstoffe, Kunststoffe oder Farbstoffe

Konservierungsmittel: nur begrenzte Zahl an zugelassenen Konservierungsstoffen, zum Beispiel Formaldehyd. 

Naturheilmittel: am häufigsten Perubalsam, daneben zum Beispiel Arnika, Teebaumöl, Propolis oder Schafgarbe

Tätowierfarben und Henna: Kontaktallergien sind selten, die Tattoo-Farbpigmente können sich aber im ganzen Körper ausbreiten. In Henna kann der von Haarfärbemitteln bekannte Zusatzstoff para-Phenylendiamin (PPD) Allergien auslösen. Dies betrifft insbesondere Henna, mit dem zum Beispiel am Strand von Urlaubsländern die Haut bemalt wird.

Latex: zum Beispiel enthalten in Haushalts- oder Einmalhandschuhen oder Kondomen. Sind Eiweiße in Naturlatex der Auslöser, reagiert der Körper in der Regel binnen kurzer Zeit mit einer Allergie vom Soforttyp. Sind dagegen Zusatzstoffe verantwortlich, die erst später beigemischt werden, entsteht oft eine Kontaktallergie vom Spättyp, bei der die Haut erst verzögert reagiert.

Die meisten dieser Stoffe stellen zunächst keine Gefahr für den Körper dar. 

Wie entsteht eine Kontaktallergie?

Erste Episode in der Entstehungsgeschichte einer Kontaktallergie ist eine direkte Begegnung mit dem Allergen – noch ohne eine allergische Reaktion. „Daraufhin kann eine Sensibilisierung eintreten“, erklärt der Münchner Allergologe Prof. Ulf Darsow. „Das Immunsystem beginnt, diesen Stoff als Gefahr einzustufen.“ Kommt die Haut dann ein weiteres Mal damit in Berührung, erkennt das Immunsystem – mit einiger Verspätung von Stunden oder gar Tagen – den Stoff als vermeintlich schädlich. Um ihn abzuwehren, löst es in der Haut Entzündungsprozesse aus: die typischen Symptome der Kontaktdermatitis.

Während sich beim Soforttyp einer Allergie Antikörper bilden, die auf ein bestimmtes Allergen spezialisiert sind, übernehmen bei einer Kontaktallergie bestimmte Zellen des Immunsystems, T-Zellen oder Memoryzellen genannt, diese Rolle. Nach der Sensibilisierung erkennen diese Memoryzellen bereits winzige Mengen dieses Allergieauslösers beim Kontakt mit der Haut als problematische Substanz. Sie setzen Botenstoffe frei und lösen so eine Kaskade an Entzündungsreaktionen aus – auf der Haut erkennbar als Rötung, Juckreiz oder Bläschen. „Weil die Betroffenen die Reaktion erst verzögert erleben, ist es so schwierig, den Auslöser eindeutig festzustellen“, so Darsow. Genau dies sei aber entscheidend. „Da die Überempfindlichkeit gegenüber einer Substanz nicht mehr verschwindet und ein Leben lang bestehen bleibt, hilft es langfristig nur, den Auslöser zu meiden.“ Und dies kann nur gelingen, wenn man ihn eindeutig kennt.

Wie kann man eine Kontaktallergie auf der Haut erkennen?

Eine Kontaktallergie sei in den meisten Fällen relativ gut am Hautbild zu erkennen, berichtet Hautarzt Ulf Darsow: Das Ekzem schwillt rötlich an und juckt, am Rand ist es nicht scharf begrenzt. Anders als nach einer toxischen Reaktion der Haut, wenn sie also Kontakt zu einer giftigen Substanz hatte. 

Wie wird eine Kontaktallergie diagnostiziert?

Aus mehreren einzelnen Indizien bauen sich Allergiespezialisten ein Gesamtbild zusammen. Dabei hilft es ihnen, wenn Patienten mit dem Smartphone Fotos der frischen Hautveränderungen aufnehmen und die Bilder zum Arztbesuch mitbringen. „Jedes Detail kann wichtig sein, gerade weil die Begegnung mit dem Auslöser bei einem Kontaktekzem in der Regel schon Stunden oder Tage zurückliegt“, erklärt Prof.  Ulf Darsow. „Das ist detektivische Arbeit.“

Mehr als 3.000 Substanzen sind als Auslöser allergischer Hautreaktionen bekannt. Aus einem anfangs großen Kreis Verdächtiger werden systematisch möglichst viele ausgeschlossen. Entscheidend ist dann, die richtigen Tests einzusetzen. In den Kühlschränken einer größeren Hautklinik lagern Hunderte Substanzen, mit denen der Körper in minimalen Dosierungen zu Testzwecken konfrontiert wird. In Hautarztpraxen sind es eher standardisierte Reihen der häufigsten allergieauslösenden Substanzen. 

Mit diesen Tests suchen Allergologen nach Allergieauslösern 

Pricktest

Wann? Bei Verdacht auf eine Allergie vom Soforttyp

Wie? Auf die Haut am Unterarm oder Rücken werden kleine Tropfen von Allergenlösungen aufgetragen. Mit einer Nadel oder Lanzette sticht der Arzt durch den Tropfen leicht in die Haut. Nach 15 bis 20 Minuten zeigt sich, ob die Haut an der entsprechenden Stelle mit Rötungen oder Quaddeln reagiert: Je größer die auffällige Hautstelle ist, umso stärker ist die allergische Reaktion zu bewerten.

Epikutantest (oder „Pflastertest“)

Wann? Bei Verdacht auf Kontaktallergien sowie andere Allergien vom Spättyp

Wie? Auf die Haut, in der Regel am Rücken, werden spezielle Pflaster aufgeklebt, die Testsubstanzen enthalten. Wenn das Pflaster nach ein oder zwei Tagen abgenommen wird, zeigt sich darunter, ob die Haut reagiert hat.

Provokationstest

Wann? Zur Bestätigung vorhergehender Tests oder zum Ausschluss einer Allergiediagnose

Wie? Je nach interessierendem Stoff gelangt er in den Körper, indem er eingeatmet, geschluckt, gespritzt oder auf die Haut aufgetragen wird. Provokationstests werden in der Regel nur während eines Klinikaufenthalts angeboten, da sie ein vergleichsweise hohes Risiko mit sich bringen.

Je eindeutiger das Testergebnis ausfällt, umso sicherer lässt sich danach der Auslöser meiden. Bis dahin können nur Symptome behandelt werden. Um juckende Haut zu beruhigen, helfen Salben und Cremes. Häufig wird Cortison aufgetragen, das antientzündlich wirkt. Daneben hemmt es die körpereigene Immunabwehr an der entsprechenden Stelle. 

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