Wurzelbehandlung keine Kassenleistung?

Liebes Experten-Team,

bei mir steht eine Wurzelbehandlung eines Backenzahns an. Mein Zahnarzt sagte mir, dass da 359 Euro auf mich zu kommen ( 3 Würzelkanäle ). Ich habe folgende Auskunft bekommen: Der Betrag den die Krankenkasse zahlt, würde nicht ausreichen, um den Standard der Zahnarztpraxis zu bezahlen. Man hat es sich zum Ziel gesetzt, den Patienten nach den höchsten Qualitätsansprüchen zu behandeln, ohne zusätzliche Eigenleistung würde man als Zahnarzt ein Minusgeschäft machen. Die 359 Euro beinhalten keine Behandlung unter einem speziellen Mikroskop. Ist das eine Art Abzocke oder hat mein Zahnarzt in dem Fall Recht? Es kommt mir etwas suspekt vor, ich möchte meinem Zahnarzt natürlich auch vertrauen können. Heute wurde die Bohrung des Zahns als Kassenleistung schon vorgenommen, bis zur Wurzelbehandlung habe ich noch etwas Zeit, 359 Euro sind für mich als alleinerziehende Mutter viel Geld. Eventuell würde ich mir dann doch noch einen anderen Zahnarzt suchen, wenn es Zahnärzte gibt, die keine Eigenleistung verlangen. Wie sehen Sie die Sache? MfG

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BARMER Wurzelbehandlung keine Kassenleistung?

Guten Tag Frau Rieck,

wenn die eigentliche Wurzelkanalbehandlung bei Vorliegen aller dafür erforderlichen Voraussetzungen über die Krankenversichertenkarte abgerechnet wird, dürfen keine sogenannten außervertraglichen Leistungen erbracht oder privat abgerechnet werden. Im Übrigen decken zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbrachte Wurzelkanalbehandlungen im Rahmen der hierfür geltenden Gebührenordnung alle notwendigen Behandlungsschritte ab.

Ob der Zahn durch eine Wurzelbehandlung langfristig erhalten werden kann, hängt unter anderem vom Grad seiner Vorschädigung und von der Beschaffenheit der Zahnwurzel ab. Daher sind die Erfolgsaussichten einer Wurzelbehandlung nicht immer genau abzuschätzen. Die Kosten aussichtsloser Behandlungsversuche dürfen von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für die Wurzelbehandlung daher nur in bestimmten Fällen. Besonders bei der Behandlung der hinteren Backenzähne gibt es Einschränkungen. Diese Behandlungen sind nach den Richtlinien in der Regel nur angezeigt, wenn

• damit eine geschlossene Zahnreihe erhalten werden kann.
• eine einseitige Freiendsituation vermieden werden kann.
• der Erhalt von funktionstüchtigem Zahnersatz möglich ist.

Die Richtlinien für die endodontische Behandlung regeln weiter, dass eine vertragszahnärztliche Behandlung über die Versichertenkarte nur möglich ist, wenn die Möglichkeiten zur Aufbereitung und Füllung des Wurzelkanals bis bzw. bis nahe an die Wurzelspitze gegeben sind. Des Weiteren soll die Wurzelkanalfüllung das Kanalvolumen vollständig ausfüllen.

Es ist nicht davon auszugehen, dass Wurzelkanalbehandlungen automatisch als Privatleistung bzw. als Wunschleistung des Versicherten auszulegen sind. Die Richtlinien sehen die Abrechnungsfähigkeit richtlinienkonformer Wurzelkanalbehandlungen über die Versichertenkarte vor.

Ob es sich in Ihrem Fall um eine vertragszahnärztliche, richtlinienkonforme Wurzelbehandlung handelt, entscheidet beziehungsweise beurteilt Ihr Zahnarzt. Welche medizinischen Behandlungsmaßnahmen in Ihrem Fall indiziert sind, entscheidet ebenfalls ausschließlich Ihr behandelnder Zahnarzt im Rahmen seiner Therapiehoheit. Sofern nach zahnärztlichem Ermessen eine Wurzelbehandlung als Privatleistung zu erbringen ist, hat Ihr Zahnarzt Ihnen die Hintergründe darzulegen beziehungsweise zu begründen. In diesem Zusammenhang ist von ihm auch darauf hinzuweisen, dass bei den privat vereinbarten Leistungen rechtlich gesehen kein Anspruch auf Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenkasse besteht.

Sie haben die freie Zahnarztwahl unter den zugelassenen Vertragszahnärzten und dürfen selbst entscheiden bei wem Sie sich behandeln lassen. Daher haben Sie auch die Möglichkeit, sich eine Zweitmeinung einzuholen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Angaben weitergeholfen zu haben und wünschen Ihnen alles Gute.

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