Chronisches Beckenschmerzsyndrom NIH 3b Antidepressivum

Guten Tag,

ist DESNOS quasi die offizielle Diagnose für komplexe PTBS--Posttraumatische Belastungsstörung?

Bin ich falsch informiert, oder entsteht DESNOS--Disorder of Extreme Stress Not Otherwise Specified   nicht eher aus „ Stress/Trauma“ als Erwachsener und KPTBS aus „ Stress/ Tauma“ als Kind?

Meine Diagnose soll von PTBS, Borderline etc. in DESNOS--Disorder of Extreme Stress Not Otherwise Specified  geändert werden. Ist DESNOS--Disorder of Extreme Stress Not Otherwise Specified  überhaupt noch sinnvoll therapierbar?

Meine Therapeutin meint KPTBS und DESNOS--Disorder of Extreme Stress Not Otherwise Specified  wäre das gleiche, ich habe anderes gehört / gelesen... was stimmt denn nun?

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BARMER Chronisches Beckenschmerzsyndrom NIH 3b Antidepressivum

Guten Tag Alice,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir hoffen, dass wir Ihnen mit unserer Antwort weiterhelfen können.

Beide Bezeichnungen stehen nicht für Diagnosen, die in unseren derzeitigen aktuellen Klassifikationssystemen (ICD 10, DSM V) definiert sind.
Mitte Juni 2018 wurde die ICD-11 offiziell von der WHO in Genf vorgestellt. Bei den Störungen in Zusammenhang mit dem Erleben besonderer Belastungen gab es einige wichtige Änderungen.
Neben der Posttraumatischen Belastungsstörung wurde die Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung in die Liste der Diagnosen aufgenommen.

Die „klassische“ Posttraumatische Belastungsstörung entspricht weitgehend der bisherigen Posttraumatische Belastungsstörung-Definition mit den drei Symptomgruppen Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung, auch wenn die genaue Formulierung der Symptome weiterentwickelt wurde.

Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung umfasst – neben den Symptomen aus den drei klassischen Symptomgruppen – Probleme in der Emotionsregulation, ein negatives Selbstbild verbunden mit Gefühlen von Scham, Schuld oder Versagen sowie Schwierigkeiten in den Beziehungen zu anderen Personen.

Judith Herman hat bereits Ende der 70er Jahre darauf hingewiesen, dass es neben
der „einfachen“ Posttraumatische Belastungsstörung eine „Extremstress-Störung“ gibt, die auf langjährige Traumatisierung basiert. 1992 gab sie der vorher DESNOS genannten Störung den Namen „Complex PTSD“, also komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.

Deren Merkmale sind Mangel an Impulskontrolle, Selbstfürsorge, Sinn im Leben, Reviktimisierung, Somatisierung und dissoziative Störungen.
Nach Sack wird die komplexe posttraumatische Belastungsstörung mit DESNOS gleichgesetzt und beschreibt folgendes Symptombündel:

1. Störungen von Affekten und Impulsen
2. Dissoziative Störungen
3. Störungen der Selbstwahrnehmung (Stigmatisierung, Schuld, Scham, unzureichende Selbstfürsorge)
4. Störungen in der Beziehung zu Anderen
5. Somatisierung
6. Veränderung von Lebenseinstellungen

Liegt ein solches Symptombündel und ggf. weitere Kriterien vor, sind nach dem in Deutschland (bislang noch) gängigen Diagnoseklassifikationssystem (ICD 10) die Diagnosekriterien einer Borderlinestörung häufig erfüllt. Deren Diagnosekriterien beinhalten nicht die Ätiologie, das heißt nicht ein Konzept wann, wie und warum diese entstanden ist, denn die Kriterien beschreiben Symptomatik, situationsübergreifende Verhaltens- und Erlebensmuster und über eine seit der Jugendzeit im Verlauf anhaltende Persönlichkeitsstörung.

Erst wenn (meist anhaltende und chronische) Traumatisierungen bekannt sind (oder aus dem Zusammenhang sehr stark zu vermuten sind), dann greift das Konzept der kPTBS (wohingegen aber keine PTBS nach ICD 10 umdiagnostiziert werden kann, da hier andere, traumassoziierte Diagnosekriterien erfüllt sein müssen, z.B. Flashbacks etc.

Von Kolk et. al. wurde der Vorschlag einer Entwicklungstraumastörung vorgebracht, da nach diesem Konzept chronischer, traumatischer Stress während der Kindheitsentwicklung als Ursache für den oben genannten Symptomkomplex (also die Persönlichkeitsentwicklungsstörung) gesehen wird. Sehr häufig kommt es hierbei auch zu dissoziativer Symptomatik und struktureller Dissoziation, denn jede traumabedingte Störung ist gekennzeichnet durch einen Mangel an Integration relevanten Materials im Gedächtnis, in den Körperwahrnehmungen bzw. sozialen Beziehungen. Diese können für sich bestehend auch als vorwiegend dissoziative Störung diagnostiziert werden.


Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich lediglich um die Schwierigkeit unterschiedliche Klassifikationssysteme zu integrieren und zu verbinden handelt, je nachdem, ob die Entstehungsgeschichte mit in die Klassifikation miteinbezogen wird oder nicht. Positiv zu sehen ist hierbei, dass am Anfang und im Prozess einer qualifizierten Psychotherapie immer eine Fallkonzeption steht, die alle Aspekte miteinbezieht. Somit macht die Bezeichnung kaum Unterschied in der Therapie und somit auch nicht in der Prognose.

Dies Bedeutet, dass auch eine sogenannte strukturelle Störung grundsätzlich unter geeigneten Therapiemaßnahmen psychotherapeutisch therapierbar ist.


Wir hoffen, wir konnten Ihre Fragen beantworten und stehen bei weiteren Unklarheiten gerne zur Verfügung.

Gerne können Sie sich für zusätzliche Informationen und eine Beratung an unseren Barmer Teledoktor wenden. Sie erreichen die Experten unter der Rufnummer 0800 33 33 500 (Anrufe aus den deutschen Fest- und Mobilfunknetzen sind kostenfrei). Bei Bedarf recherchieren die Kollegen auch entsprechende Adressen für Sie.

 

Mit freundlichen Grüßen

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