Ein Staplerfahrer auf einem Stapler in einer Lagerhalle

Mit Kurzarbeitergeld schwierige Phasen überbrücken

Aktuelle konjunkturelle Situationen führen immer wieder dazu, dass Aufträge einbrechen oder Umsätze zurückgehen. Eine finanzielle Unterstützung in solchen Situationen bietet das Kurzarbeitergeld. Wann können Firmen Kurzarbeitergeld beantragen und wie wird es berechnet?

Kurzarbeitergeld ist eine Leistung der Bundesagentur für Arbeit. Es wird gezahlt, wenn in Betrieben die regelmäßige betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit aufgrund von wirtschaftlichen Ursachen vorübergehend verkürzt wird. Damit sollen den Betrieben die eingearbeiteten Arbeitnehmer und den Arbeitnehmern die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Darüber hinaus wird den Arbeitnehmern ein Teil des durch die Kurzarbeit bedingten Entgeltausfalls ersetzt.

Wer hat Anspruch auf Kurzarbeitergeld und wie hoch ist es?

Anspruch haben Betriebe, bei denen es vorübergehend zu einem unvermeidbaren Arbeitsausfall aus wirtschaftlichen Gründen kommt. Dabei ist zu beachten:

  • Der Arbeitsausfall im jeweiligen Betrieb muss erheblich sein. Das ist dann der Fall, wenn mindestens ein Drittel der in dem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 Prozent des monatlichen Bruttoarbeitsentgelts betroffen ist.
  • Während der Kurzarbeit erhalten die Beschäftigten nur für ihre tatsächliche Arbeitszeit Gehalt vom Arbeitgeber. Für die Ausfallzeiten zahlt die Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld. Es beträgt 60 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts. Bei einem Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent erhöht sich demnächst das Kurzarbeitergeld ab dem vierten Monat des Bezugs auf 70 Prozent, ab dem siebten Monat auf 80 Prozent. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern beträgt das Kurzarbeitergeld 67 Prozent bzw. 77 Prozent nach 4 Monaten und 87 Prozent nach 7 Monaten. Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt wird bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds nicht berücksichtigt.
  • Das Kurzarbeitergeld wird bei der örtlichen Agentur für Arbeit beantragt.

Welche Sozialversicherungsbeiträge werden fällig?

Während des Leistungsbezugs bleibt die Mitgliedschaft der Arbeitnehmer in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung erhalten. Erzielen Arbeitnehmer Arbeitsentgelt, sind die Gesamtsozialversicherungsbeiträge aus dem Kurzarbeitergeld nach den bekannten Grundsätzen zu berechnen. Zusätzlich werden Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung aus einem "fiktiven Arbeitsentgelt" fällig. Das bedeutet: Der fiktive Betrag wird aus dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Bruttoarbeitsentgelt, das der Arbeitnehmer ohne Arbeitsausfall erzielt hätte ("Soll-Entgelt") und dem Bruttoarbeitsentgelt, welches tatsächlich erzielt wurde ("Ist-Entgelt"), ermittelt. Bemessungsgrundlage für die Beiträge sind 80 Prozent des Unterschiedsbetrags zwischen fiktivem und tatsächlichem Entgelt.

Beiträge zur Arbeitslosenversicherung fallen nicht an. Auch der Beitragszuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose ist aus dem Unterschiedsbetrag nicht zu berechnen. Die Beiträge aus dem fiktiven Entgelt sind allein vom Arbeitgeber zu tragen.

Rechenbeispiel 1:

Angenommen ein Arbeitnehmer (30 Jahre, kinderlos) mit einem bisherigen Bruttoeinkommen von 3.500 Euro (Soll-Entgelt) erzielt in Kurzarbeit ein Bruttoarbeitsentgelt von 2.800 Euro (Ist-Entgelt), dann läge der Unterschiedsbetrag zwischen Soll- und Ist-Entgelt bei 700 Euro (3.500 – 2.800 Euro). 80 Prozent hiervon wären 560 Euro (fiktives Arbeitsentgelt).

Die Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt lägen bei 2.800 Euro:

ArbeitnehmerArbeitgeber
Krankenversicherung 14,6 %204,40 Euro (7,3 %)204,40 Euro (7,3 %)
Zusatzbeitrag 1,1 %15,40 Euro (0,55 %)15,40 Euro (0,55 %)
Pflegeversicherung 3,05 % (3,30 %)*49,70 Euro (1,525 % + 0,25 %)42,70 Euro (1,525 %)
Rentenversicherung 18,6 %260,40 Euro (9,3 %)260,40 Euro (9,3 %)
Arbeitslosenversicherung 2,4 %33,60 Euro (1,2 %)33,60 Euro (1,2 %)
Gesamt 563,50 Euro556,50 Euro

* Zuschlag für Kinderlose, paritätische Aufteilung des PV-Satzes, ohne Sachsen

Die Beiträge aus dem fiktivem Arbeitsentgelt liegen bei 560 Euro:


Arbeitgeber
Krankenversicherung 14,6 %81,76 Euro 
Zusatzbeitrag 1,1 %6,16 Euro
Pflegeversicherung 3,05 %17,08 Euro
Rentenversicherung 18,6 %104,16 Euro
Arbeitslosenversicherung 2,4 %-
Gesamt209,16 Euro


Hinweis: Für die Bemessung der Umlagebeiträge zur U1, U2 und dem Insolvenzgeld ist nur das tatsächlich erzielte Bruttoarbeitsentgelt bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung zu Grunde zu legen.

Rechenbeispiel 2:

Angenommen eine Arbeitnehmerin (30 Jahre, kinderlos) mit einem bisherigen Bruttoeinkommen von 5.000 Euro (Soll-Entgelt) erzielt in Kurzarbeit ein Bruttoarbeitsentgelt von 3.700 Euro (Ist-Entgelt), dann läge der Unterschiedsbetrag zwischen Soll- und Ist-Entgelt bei 1.300 Euro (3.500 – 2.800 Euro). 80 Prozent davon wären 1.040 Euro (fiktives Arbeitsentgelt).

Die Beiträge aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt lägen bei 3.700 Euro:

ArbeitnehmerArbeitgeber
Krankenversicherung 14,6 %270,10 Euro (7,3 %)270,10 Euro (7,3 %)
Zusatzbeitrag 1,1 %20,35 Euro (0,55 %)20,35 Euro (0,55 %)
Pflegeversicherung 3,05 % (3,30 %)*65,68 Euro (1,525 % + 0,25 %)56,43 Euro (1,525 %)
Rentenversicherung 18,6 %344,10 Euro (9,3 %)344,10 Euro (9,3 %)
Arbeitslosenversicherung 2,4 %44,40 Euro (1,2 %)44,40 Euro (1,2 %)
Gesamt 744,63 Euro735,38 Euro

* Zuschlag für Kinderlose, paritätische Aufteilung des PV-Satzes, ohne Sachsen

Die Beiträge aus dem fiktivem Arbeitsentgelt liegen bei 1.040 Euro. In diesem Fall gilt: Das Ist-Entgelt und das fiktive Arbeitsentgelt übersteigen die Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung (4.687,50 Euro im Jahr 2020). Damit sind lediglich 987,50 Euro (4.687,50 – 3.700 Euro) des fiktiven Arbeitsentgelts beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung. In der Rentenversicherung wird die Beitragsbemessungsgrenze (West: 6.900 Euro / Ost: 6.450 Euro im Jahr 2020) nicht erreicht. Aus diesem Grund ist das fiktive Entgelt in voller Höhe beitragspflichtig.


Arbeitgeber
Krankenversicherung 14,6 %144,18 Euro 
Zusatzbeitrag 1,1 %10,86 Euro
Pflegeversicherung 3,05 %30,12 Euro
Rentenversicherung 18,6 %193,44 Euro
Arbeitslosenversicherung 2,4 %-
Gesamt378,60 Euro


Hinweis: Für die Bemessung der Umlagebeiträge zur U1, U2 und dem Insolvenzgeld ist nur das tatsächlich erzielte Bruttoarbeitsentgelt bis maximal zur Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung zu Grunde zu legen.

Was gilt während der Corona-Pandemie?

Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht bereits dann, wenn 10 Prozent der Belegschaft von einem Arbeitsausfall betroffen sind (bisher mindestens ein Drittel). Zudem kann auf den Aufbau negativer Arbeitszeitsalden teilweise oder vollständig verzichtet werden. Auch für Leiharbeitnehmer wird der Bezug von Kurzarbeitergeld möglich sein.
Die vom Arbeitgeber allein zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge aus dem fiktiven Entgelt werden auf Antrag von der Bundesagentur für Arbeit erstattet.
Die neuen Regelungen gelten rückwirkend bereits ab 1. März und sollen vorerst bis Ende 2020 befristet sein.

Als Firma Kurzarbeit beantragen

Bisher war es für Unternehmen recht kompliziert, Kurzarbeit zu beantragen. Deswegen hat die Bundesagentur für Arbeit eine Internetseite eingerichtet, die Schritt für Schritt durch den Antragsprozess führt. Die Website "UDO – Kurzarbeit beantragen" ist im Rahmen eines Hackathons entstanden, der von der Bundesregierung unterstützt wurde und zum Ziel hatte, digitale und analoge Lösungen zur besseren Bewältigung der Corona-Krise zu erstellen.

Weitere Informationen zum Thema Kurzarbeitergeld gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit

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Webcode dieser Seite: f004406 Autor: Barmer InternetredaktionLetzte Aktualisierung: 11.05.2020
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