Zwei junge Frauen stehen auf einer Wiese

Dein Leben? Zum Anbeißen!

Man nehme: Viele Tiefs und einige Hochs, die man langsam und mit viel Geduld zu Lebenserfahrung mischt, bis sie eine gleichmäßige Masse ergeben. Ein großzügiger Esslöffel Optimismus, eine Messerspitze Realismus, Klarheit unbedingt vom Pessimismus trennen. Diesen für spätere Gelegenheiten im Gefrierfach aufbewahren. Wer mag, der streut etwas Konfetti in die Schüssel und wer muss, träufelt einige Tränen hinzu. Freudentränen für ein herrlich süßes Aroma, Tränen aus Liebeskummer, Trauer und Wut geben dem Kuchen eine bittere Note. Solange backen, bis man meint, dass er fertig ist. Voilà, ein Lebensrezept. Oder?

Lebensrezepte sind individuell

So einfach ist es leider nicht, mit dem einen Lebensrezept – das gibt es schlichtweg nicht. Und das ist auch gut so, denn jede Zutat, die aus unserem Leben ein rundes, sättigendes und wohlschmeckendes Erlebnis macht, will mit großem Appetit und viel Neugierde probiert werden. Wer sich erinnert, wie schön das Gefühl war, seinen Finger in eine Schüssel voller Teig zu stecken und ihn genüsslich abzulecken, der findet sich in diesen Metaphern auf jeden Fall wieder. Nicht umsonst spricht man davon, dass man das Leben in vollen Zügen genießen soll. Und Genuss ist all das, was unser Leben glücklicher und vor allem gesünder macht.

In unserem Rezept für ein ausgeglichenes Leben spielen Glückshormone wie Dopamin, Serotonin und Endorphine eine große Rolle. Sie sind die wahren Zutaten der Euphorie, die überall dort schlummern, wo wir uns wohlfühlen. Sport, Essen, Beauty, Tanz, Musik, Liebe, Reisen, Achtsamkeit, Natur – wir finden alle unseren Ausgleich zur Schule, zur Uni und zur Arbeit in den unterschiedlichsten Lebensbereichen und entdecken nach und nach, was und wer uns glücklich macht. Für die einen ist es der Abend mit Freundinnen, Gesichtsmasken und einem guten Film, der unsere Haut schöner strahlen lässt als disziplinierter Ausdauersport. Für andere ist es genau das: Schwitzen, bis die Glückshormone keuchend in der Ecke unserer Seele liegen.

Einfach mal was ausprobieren

Als Teenager und in den frühen Jahren unserer Zwanziger möchten wir alles, aber nicht mit unserem kindlichen Ich verglichen werden, oder? Dabei gibt es ein berühmtes Mädchen, von der wir uns – alle – eine große Scheibe abschneiden können und sollten, wenn wir uns über die Inhalte unseres idealen Lebensrezeptes Gedanken machen: Pippi Langstrumpf. Die mutige, abenteuerlustige, naive Schwedin mit den zwei horizontal abstehenden Zöpfen, die sich das Leben macht, wie es ihr gefällt.

Unser Stichwort. Das Leben ist ein prall gefüllter Gemischtwarenladen aus Hobbys, Vorlieben, Orten, Menschen und Neigungen, die wir nach Herzenslust ausprobieren, bereisen und kennen lernen. Bis wir irgendwann – das muss nicht morgen, übermorgen und auch nicht nächstes Jahr sein – dort ankommen, wo es uns im wahrsten Sinne des Wortes wohl bekommt. Und für dieses furchtlose Ausprobieren brauchen wir unser inneres Kind, das seine Nase in die eigenen und mit großer Vorliebe in die Angelegenheiten anderer steckt. Der US-amerikanische Autor John Bradshaw fasst dies schön zusammen: „Kinder sind von Natur aus Zenmeister; ihre Welt entsteht in jedem Augenblick wieder völlig neu. Für sie ist das Leben ein Mysterium, das gelebt werden will.“

Das innere Kind ist unser kleiner, jedoch beständig an uns nagender Motivator, jenen Dingen nachzugehen, die uns guttun. Wer sich ab jetzt im Supermarkt auf den Boden wirft, wenn etwas nicht nach Plan – oder Rezept – läuft, der darf das natürlich jederzeit machen. Mit dem Wissen eines Heranwachsenden können wir jedoch zielstrebig durch die Regale laufen und das in unseren Einkaufswagen des Lebens werfen, was uns schmeckt. Und das ist ein noch grandioseres Gefühl als das Öffnen eines Überraschungseis am Kassenband. Nun ja, fast.

Auf die innere Stimme hören

Unser Lebensrezept, beispielsweise bestehend aus drei gleichen Anteilen Freunden, Bewegung und Achtsamkeit, kann einem eigens vorgegebenen Schema folgen oder nach Belieben improvisiert und optimiert werden. Wichtig ist lediglich, dass wir im Trubel unseres Alltags immer wieder auf unsere innere Stimme hören, die uns flüsternd oder schreiend den Weg leitet. Dabei kann die Magie der Reise durchaus außerhalb unserer Komfortzone liegen. Überzeugte Couch-Potatos waren sicherlich überrascht, wie wenig Sport bereits ein dreitägiges Festival der Glückshormone auslöste. Oder wie zufrieden man ohne Handy am See liegen kann und ganz bewusst in den Himmel starrt und Wolkenbilder rät.

Das Schöne ist, dass unsere Lebensrezepte keine komplexen Formeln mit x sind. Wer die ersten Akkorde seiner Gitarre nach langem Üben ohne Noten spielen, wer sich vor Lachen mit seinen Freunden nicht mehr halten, wer die Stille ohne Bildschirm genießen und die Reise alleine antreten kann und sich dabei glücklich, gesund und ausgeglichen fühlt, der hat Bausteine seines Rezepts bereits gefunden.

Mut, Gelassenheit, Liebe, Erfahrung, Bewegung, Stimulation, unbändiges Lachen, ehrliche Tränen und Gänsehaut gehören zu Deinem Lebensrezept wie Kopfhörer auf Ohren, Laufschuhe auf den Asphalt und Gurken auf die Augen. All diese Emotionen und Taten machen unseren metaphorischen Kuchen perfekt – ein Kuchen, den Du ganz alleine essen und mit Freunden und Familien teilen kannst.

Es ist schließlich Dein Leben.

Textnachweise

  • Autorin: Sarah Meerhaus
  • Qualitätssicherung BARMER: Internetredaktion
Webcode dieser Seite: s080018 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 28.06.2018
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