Zwei junge Frauen lehnen sich entspannt an ein Auto

Reisen - Erfahrungen für die Ewigkeit

Du stehst auf einem Marktplatz in einer fremden Stadt. Alles, was du für die nächsten vier Wochen besitzt, trägst du auf deinem Rücken. Die Sonne steht hoch am Himmel, die Farbe der Häuser erinnert dich an Wüstensand, um dich herum wimmelt es von geschäftigen Menschen, die alle ihrem Alltag nachgehen, während du weit, weit weg von allem bist, was sich nach Routine anfühlt. Die Fremde wirkt gleichermaßen einschüchternd und herausfordernd – genau das, was du gebraucht hast. 

Fernweh

Seit jeher sehnen wir Menschen uns nach der Ferne, um unsere angeborene Neugierde zu stillen. Dafür überqueren wir seit Jahrhunderten Ozeane, um mit neuen Erfahrungen, Erlebnissen, Sprachen und Sitten nach Hause zu kehren. Wobei einige Weltenbummler einfach dort bleiben – auf der Welt – und ihre Wanderlust zum Lebensinhalt machen. Du jedoch brauchst das Reisen, um von deinem Alltag zu pausieren, wie eine dir vertraute Serie. Du sammelst Erinnerungen wie andere Konzertbändchen und fühlst dich im Zug, im Reisebus, im Flugzeug oder auf einem Schiff pudelwohl. Du brauchst das Fernweh wie andere ihren Morgenkaffee und sparst dein Geld nicht für Taschen, sondern für Tickets.

Wer Reisen zu seinem Lebensrezept macht oder machen möchte, für den ist der Horizont eine Grenze, die überwunden werden möchte. Immer einen Schritt weiter, immer einen weiteren Schritt zu dir selbst. Reisen sind für dich kleine Schätze, die dir von niemandem genommen werden können, und der beste Beweis dafür, dass ein Großteil von der Magie des Lebens außerhalb unserer Komfortzone geschieht. Du bist überzeugt davon, dass dein Reise-Ich die beste Version deines Ichs ist. Du überwindest Vorurteile, gibst dem großen Wort „Globalisierung“ ein Gesicht und findest, dass Reisefieber keine Krankheit, sondern eine dir immer willkommene Begleiterscheinung ist.

Neue Perspektiven gewinnen

Wer reist, der lernt, sich von unnötigem Ballast zu trennen. Jener Art von Ballast, den wir tagtäglich mit uns rumschleppen. To Dos, Abgabetermine, erste Rechnungen, Klausuren, Praktika, Aussprachen und Absprachen. Wer durch passioniertes Reisen jedoch oft aus dem Rucksack oder dem Koffer lebt, der lernt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und mit weniger auszukommen. Ein Konzept, von dem du schon so viel gelesen und erst auf deinen Reisen gelernt hast, es umzusetzen. Reisen bringt dich dazu, dich anderen Menschen zu öffnen und deinem Instinkt zu vertrauen, einfach mal locker zu lassen. Bekannte Pfade aus deiner Heimatstadt zu verlassen, um an Orte zu reisen, an denen es vollkommen egal ist, wo du lang läufst. Du hast das Reisen zu deinem perfekten Lebensrezept gemacht, weil Routine für dich etwas Heimeliges ist, das ab und an zurückgelassen werden muss.

Dabei reist du gar nicht immer um den halben Erdball – manchmal nimmst du einfach deine besten Freunde, ein altes Auto und fährst raus aufs Land. Um mitten auf einem Feld zu übernachten, deine Hände dreckig zu machen und wieder wertzuschätzen, wie viel Bequemlichkeit dich zu Hause umgibt.

Reisen ist Ankommen

Deine Eltern sprechen von „Eskapismus“ und du schüttelst mit dem Kopf. Reisen ist für dich keine Flucht, sondern Ankommen. In deiner Mitte, bei neuen Freunden und alten Bekannten. Reisen bedeutet, neue Gerüche und Geschmäcker zu testen, die unerforschten Areale auf deiner Zunge zu kitzeln. Du fährst oder fliegst nicht einfach von A nach B – jeder Trip, ob auf einen anderen Kontinent oder an den südlichsten Zipfel deiner Heimat, ist ein Abenteuer von A bis Z. Du fühlst dich gesund und glücklich, wenn du auf einer fremden Sprache ein Glas Wasser bestellst, wenn du dich für Tage oder Wochen in ein anderes Leben schmeißt und deine Haare nach Meersalz riechen. Ganz im Gegenteil: Die Herausforderungen des Reisens – auf dem richtigen Weg zu bleiben, zu verhandeln, auf Anhieb den schönsten Strand und die nettesten Taxifahrer zu finden – sind für dich charakterbildend und die beste Lebensschule, die du dir vorstellen kannst.

Mit der Zeit hast du gelernt, was du wirklich zum Leben und für dein persönliches Glück brauchst. Und das Schöne ist, dass das meiste davon in eine Tasche passt. So gehst du jedes Mal mit ein bisschen weniger Gepäck auf Reisen und kommst mit einem noch größeren Koffer voller Abenteuer nach Hause zurück. Seitdem du reist, ist deine Seele kunterbunt – denn jeder Ort hinterlässt auf ihr einen farbigen Stempel.

Textnachweise

  • Autorin: Sarah Meerhaus
  • Qualitätssicherung: Barmer Internetredaktion
Webcode dieser Seite: s080015 Autor: Barmer Erstellt am: 28.06.2018 Letzte Aktualisierung am: 28.06.2018
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