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Manon: Immer unterwegs

Manon ist ein Morgenmensch. Daher treffen wir sie schon um halb neun an einem sonnigen Morgen auf eine Tasse Kaffee. Und obwohl es recht früh ist und die um uns herumsitzenden Gäste stumm über ihren Getränken sitzen, kommt uns Manon mit einem breiten Lächeln entgegen. Nach drei Jahren in Australien ist sie wieder zurück in ihrer Geburtsstadt Berlin. Die 23-jährige Studentin der Wirtschaftswissenschaften hat dieses Jahr bereits ihren ersten Halbmarathon absolviert, wobei ihr großes Ziel ein Marathon ist. Dafür trainiert Manon bereits fleißig. Neben dem Laufen macht sie außerdem Yoga, Bouldern und Slacklining. Ihr Lebensrezept besteht daher definitiv aus Sport und Reisen – darüber möchten wir von Manon mehr erfahren.

Barmer: Manon, uns ist sofort das zierliche Tattoo einer Weltkarte auf deinem Innenknöchel aufgefallen. Was hat es damit auf sich?

Porträt von Manon

MANON: Das habe ich mir vor kurzer Zeit in Australien stechen lassen. Es war ziemlich ungeplant und soll mein einziges Tattoo bleiben. Dieses Motiv bedeutet mir sehr viel, da ich die Welt als mein Zuhause betrachte und meine Beine brauche, um beweglich zu sein.

Barmer: Bevor wir näher auf dein Lebensrezept eingehen, musst du uns eine brennende Frage beantworten: Fließt in Australien Leitungswasser wirklich gegen den Uhrzeigersinn in den Abfluss oder handelt es sich da um einen urbanen Mythos?

MANON: (lacht!) Das stimmt wirklich und ich habe gestern noch mit meinem Freund darüber gesprochen. Ich kann also hiermit ganz offiziell bestätigen, dass auf der anderen Seite der Welt selbst die Toilettenspülung gegen den Uhrzeigersinn in den Abfluss läuft. Als Europäerin habe ich auch erst mal lange davor gestanden und gestaunt.

Barmer: Gut, dass wir das für uns endlich geklärt haben. Du bist erst vor Kurzen nach drei Jahren Down Under in deine Heimat Berlin zurückgekehrt. Welches Lebensrezept hast du aus Australien mitgebracht?

MANON: Die beste Eigenschaft, die ich dort verinnerlicht habe, ist das frühe Aufstehen. In Australien sind fast alle Early Birds und es ist nicht ungewöhnlich, dass Leute schon um sechs aufstehen. Vor meiner Reise war ich eine typisch junge Berlinern, die am Wochenende auch mal bis um 12 Uhr mittags im Bett lag. Das schaffe ich heute gar nicht mehr.

Barmer: Wenn wir an Australien denken, denken wir sofort an Natur und Outdoor-Aktivitäten. Meinst du, dass es einen Zusammenhang zwischen dem frühen Vogel und Sportskanonen gibt?

MANON: Ganz bestimmt. Generell sind die Australier sehr naturverbunden. Die Nähe zum Strand ist natürlich ideal, um früh aufzustehen, zu surfen oder einige Kilometer an der Küste entlang zu joggen. Das habe ich dort mit meinem Freund sehr oft gemacht. Und ich liebe es. Mit der Sonne wird man in Australien definitiv wach, das Leben spielt sich dort eher tagsüber als nachts ab. So habe ich das zumindest empfunden.

Barmer: Du bist bereits einen Halbmarathon gelaufen, machst Yoga, kletterst und hast große Freude am Slacklinen. Warst du schon immer so sportlich?

MANON: Ich glaube, dass ich einen angeborenen Sportsgeist in mir habe. Ich muss mich zum Sport gar nicht zwingen, sondern empfinde ihn eher wie atmen, essen und schlafen. Daher ist Sport nicht nur mein Lebensrezept, sondern wirklich ein ganz essenzieller Teil von mir. In Australien ist diese Liebe zur Bewegung noch größer geworden, weil die Natur einfach so atemberaubend ist. Ich habe dort in Perth gelebt, die Hauptstadt der Westküste, die direkt am Swan River liegt. Ein riesiger Fluss, der in den Indischen Ozean mündet. Wir haben dort unglaublich schöne Wanderungen gemacht und der Großteil meines Lebens fand draußen statt. Als ich jünger war, bin ich oft und gerne ins Fitnessstudio gegangen. Das mache ich heute kaum noch, da ich Outdoorsport mittlerweile vorziehe. Mein Bruder hat mich mit Bouldern (Klettern ohne Kletterseil) und Slacklining (Balancieren auf einem straffen Gurt, ähnlich dem Seiltanz) bekanntgemacht. Sportarten, die mich faszinieren und definitiv Ehrgeiz wecken. Wie ihr seht: Ich könnte stundenlang so weiterreden (grinst).

Barmer: Du hast mit 23 Jahren schon viel von der Welt gesehen. Welche deiner Reisen hat dich am meisten bewegt und geprägt?

MANON: Hmmm. Es glaube, dass mich meine Reise nach Lombok (eine indonesische Insel östlich von Bali) nachhaltig geprägt hat. Dort haben wir in einem ganz kleinen Dorf mit den Einwohnern gelebt. Ganz ursprünglich, ohne jegliche Art von Annehmlichkeiten, die ich aus Deutschland für selbstverständlich halte. Kein fließendes Wasser, keine massiven Häuser – und wir mittendrin. Dabei sind die Menschen dort so gastfreundlich und großzügig, dass ich andauernd gerührt darüber war, wie viel Menschen bereit sind, zu geben. Dort habe ich wirklich gelernt, was Wertschätzung bedeutet.

Barmer: Reisen und Sport sind die zwei wesentlichen Zutaten deines Lebensrezepts. Was hast du über Bewegung auf deiner Erkundung durch die Welt gelernt?

MANON: Mit Yoga bin ich beispielsweise das erste Mal während meiner Work & Travel-Zeit in Australien in Berührung gekommen. Das war, bevor ich jetzt drei Jahre dort war. Ich habe viel Zeit in Gasthäusern und Hotels verbracht und dort viele Menschen kennengelernt. Das war eine großartige Zeit, da wir gemeinsam Yoga entdeckt und oft richtig coole Sessions am Strand gemacht haben. Yoga war für mich demnach nicht nur eine neue Art der Bewegung, sondern eine spirituelle Art, mit Fremden in Kontakt zu kommen, die dadurch zu meinen Freunden wurden. Mein Freund war zudem einige Zeit in Indien und hat dort intensiv Yoga gemacht – über ihn habe ich die Ursprungsform von Yoga kennengelernt.

Barmer: Durch Bürojobs und viele urbane Annehmlichkeiten bewegen sich Menschen immer weniger. Dieser Bewegungsmangel wirkt sich ziemlich stark auf unsere Gesundheit aus. Wie würdest du Sport als Lebensrezept in wenigen Worten richtig schmackhaft machen?

MANON: Also: Der Anfang ist immer etwas schwer und erfordert etwas Durchhaltevermögen. Das weiß auch ich. Aber ich kann garantieren, dass sich diese Ausdauer lohnt. Denn die Gefühle, die schon bei minimaler Bewegung entstehen, sind (für mich) unvergleichlich. Das sind richtige Glücksgefühle und Motivation, die sich aufs ganze Leben auswirkt. Jeder Mensch in jedem Alter sollte sich bewegen, weil unser Körper ein Geschenk ist. Natürlich muss nicht jeder gleich einen Marathon laufen – es gibt für alle den richtigen Sport zur richtigen Zeit.

Barmer: Machst du Sport, um dich gesund zu halten, oder ist das einfach ein sehr netter Nebeneffekt?

MANON: Durch den Sport habe ich meinen Körper richtig kennengelernt. Heute fällt es mir leicht, auf meinen Körper zu hören, da ich sehr verbunden mit ihm bin. Bei Stress zeigt mir mein Körper bestimmte Signale, auf die ich sofort reagieren kann. Bei Muskelkater weiß ich sofort, was ich machen muss, um ihn schnell wieder zu regenerieren. Ein sportlicher Körper ist nicht immer ein zu 100 % gesunder Körper, weil man sich verletzten kann – aber Sport wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Barmer: Als Praxistipp: Welche Laufstrecken in Berlin kannst du empfehlen?

MANON: Mein Freund und ich laufen super gerne um das Tempelhofer Feld. Es gibt, glaube ich, keinen Ort in Berlin, der eine derartige Weitläufigkeit bietet. Das ist schon sehr besonders. Wer es eher hügeliger mag, sollte auf jeden Fall im Viktoriapark in Kreuzberg joggen gehen. Dort kann man ideal kurze Bergaufsprints machen und sich richtig auspowern.

Barmer: Ein Leben ohne Reisen und Bewegung ist wie …

MANON: (nippt an ihrem Kaffee) ...Kaffee ohne Milch.

 

Autorin: Sarah Meerhaus

Qualitätssicherung Barmer: Internetredaktion


 

Webcode dieser Seite: s080029 Autor: BarmerLetzte Aktualisierung am: 22.11.2018
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