Anika Landsteiner sitzt auf dem Sofa und trinkt aus einer Tasse

Fürs Schreiben entscheiden: Die Münchner Autorin Anika Landsteiner

Anika Landsteiner schreibt von zuhause aus für Magazine, bloggt unter "Ani denkt" vom Reisen und im September 2018 erscheint schon ihr zweites Buch. Bei so viel Homeoffice kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen, aber dann steigt Anika einfach in den Zug, ins Auto und – aus Liebe zur Umwelt immer weniger – in den Flieger und ist weg. Das Reisen ist aber nicht nur Teil ihres Lebensrezepts, sondern auch ihre Inspiration fürs Schreiben.

So geht es am Wochenende mit dem Zug von München nach Usedom, im Juli macht Anika einen Roadtrip durch Österreich und Tschechien – und Ende des Jahres dann endlich wieder Indien. Ein Land, an das Anika definitiv ihr Herz verloren hat. Wenn man sie nach der Stadt fragt, die sie bisher am häufigsten besucht hat, dann ist es auf jeden Fall Paris.

"Ich reise gerne, weil ich finde, dass man dadurch wahnsinnig gut eigene Vorurteile abbauen kann, die man im Vorfeld vielleicht hat. Und weil man über andere Kulturen nicht nur liest, sondern sie hautnah erlebt. Denn man trifft Menschen, die man im Alltag vielleicht nicht kennenlernen würde, und tauscht sich mit ihnen aus. Und natürlich, um die wunderschöne Natur und verschiedene Landschaften zu sehen", erklärt Anika. Zudem macht Reisen natürlich auch wahnsinnig Spaß und es ist umso schöner, wenn man auch noch darüber schreiben kann!

Die Entscheidung: Vom Spielen zum Schreiben

Heute ist Anika erfolgreiche Journalistin und Autorin und kann vom Schreiben leben. Doch ihr Weg war nicht immer so geradlinig. Vor über zehn Jahren kam Anika nach München, weil sie hier an einer Schauspielschule genommen wurde. Da sie schon in den ersten Klassen immer Theater gespielt hat, stand ihr Traumberuf früh fest: in andere Rollen schlüpfen. Die Ausbildung dauerte drei Jahre. Am Tag nach der Abschlussprüfung rief der Marienhof an, ein Höhenflug. Anika dachte, jetzt geht es los. Doch stattdessen kamen vier lange Jahre des Kämpfens – Demobänder schneiden, ein Drehtag im halben Jahr, kaum Aufträge. 

Wenn du einen Traum aufgibst, tut's immer weh.

Sich immer wieder beweisen müssen und doch Absagen bekommen. Die Entscheidung, das Schauspielern schlussendlich aufzugeben, war eine lange Entwicklung. "Wenn du einen Traum aufgibst, tut's immer weh", erzählt sie heute, "aber es war so frustrierend". Irgendwann ist ein Traum auch kein Traum mehr, wenn er nur Rückschläge und Enttäuschungen hervorruft. Wenn du dich fragst: Was muss ich eigentlich noch tun, wie viel muss ich arbeiten, damit ich den Beruf machen kann, von dem ich träume?

"Meine Eltern haben nie etwas in Frage gestellt. Sie haben den Weg ja mitbekommen, dass ich mir als Schauspielerin den Arsch abgearbeitet habe." Anika hatte also das Glück, dass ihr niemand Druck gemacht hat. Trotzdem kostet so eine Entscheidung natürlich Kraft, sie erfordert Mut und verlangt auch Sicherheit. Anika überlegt lange, was ihr damals so viel Sicherheit gegeben hat, innen wie auch außen. Ihr Lebensrezept: "Ich bin ich immer gesprungen, ohne etwas zu haben – außer mein Ziel im Kopf".

Meine Eltern haben viel mehr Vertrauen in mich und in das, was ich kann, als ich das habe – und das ist ein Geschenk.

Man kann ihre Entscheidung nachvollziehen. Und ihre Eltern konnten das zum Glück auch von Anfang an. "Meine Eltern haben viel mehr Vertrauen in mich und in das, was ich kann, als ich das habe – und das ist ein Geschenk. Denn ich hatte auch mal einen Ex-Freund, der zu keiner Theatervorstellung gekommen ist, weil er meinte, das wirst du eh nicht schaffen. Aber gut, der konnte beruflich auch nicht das machen, was er wollte."

Warum dann aber schreiben? Anika erzählt, es war schon immer dieses "Schreiben oder Spielen". Was ihr vor allem wichtig ist, was zu ihrem Lebensrezept gehört: Sich künstlerisch auszudrücken. Ganz egal, ob das viel Geld bringt oder nicht. Schon während der Schauspielschule hat sie ihr Blog "Ani denkt" ins Leben gerufen. Damals lebte sie noch im Glockenbachviertel. Als Single. Es gab viel zu erzählen und erst recht zu schreiben.

Der erste gute Moment im neuen Leben

Der neue Weg: schreiben. Erste Romanversuche gab es zwar schon als Kind, aber wo fängt man an, wenn man neu anfängt? Anika war damals 25, wollte nicht mehr an die Journalistenschule oder an die Uni. Sie wollte arbeiten, Geld verdienen. Angefangen hat sie, wie so viele Autoren, in München, bei dem Onlinemagazin Zeitjung.de. Es folgten zwei Kolumnen und danach auch schon der Chefposten bei Mucbook. Als Anika von dieser Chance erfuhr, war sie gerade aus Kolumbien zurückgekommen, ohne einen Job nach der Reise."

Ganz zugetraut habe ich mir die Stelle nicht, aber meine Freunde meinten: "Mach's einfach." Sie blieb zwei Jahre. Und lernte hier nicht nur viel über den Redaktionsalltag, sondern auch ihren Buchagenten kennen. Wenn man sie nach dem ersten guten Moment in ihrem "neuen Leben" fragt, dann ist es wahrscheinlich das: "Der schönste Moment war gar nicht, dass ich in die Agentur aufgenommen wurde, sondern, dass er gesagt hat: Ich sehe da etwas, was du noch nicht siehst und wir arbeiten da dran." Sie spazierte vom Café nach Hause und hatte nach Jahren endlich das Gefühl, beruflich angekommen zu sein. Bei einer Agentur, die sich um ihren Weg kümmert. In einem Job, in dem sie gutes Feedback bekommt, statt eine Absage nach der anderen.

Von Zweifeln zum Buch – mit einem Lebensrezept

Aber natürlich waren da auch Zweifel. Vom Schreiben leben, immer eine wackelige Angelegenheit. Das musste Anika auch erfahren – und zwar genau dann, als sie schon den Vertrag in der Literaturagentur unterschrieben hatte. "Ich konnte meine Miete nicht mehr zahlen", erzählt sie ganz offen. Wie passiert sowas? Keine Aufträge, keine Rücklagen – heftige Monate kennt jeder Selbstständige. Doch heute ist Anika mit zwei Büchern, ihrem Blog, verschiedenen Magazinen, Reiseführern und dem Podcast "Überfrauen"schon ein bisschen besser aufgestellt, auch wenn nicht alles Geld abwirft.

Sie lebt zusammen mit ihrem Freund in einer bezahlbaren Altbauwohnung in der Maxvorstadt. Hier wohnt Anika nicht nur, hier schreibt sie auch, arbeitet, liest, denkt, fängt noch mal von vorne an. Hier lebt sie den Traum vom Schriftsteller-Dasein. Wie man ihn sich immer vorstellt: Morgens Kaffee kochen, in der Küche anfangen zu schreiben, irgendwann aufs Sofa wandern. Hier lebt sie aber auch die freie Form des Arbeitens, die ihr liegt. Abends kommt der Freund, man kocht und trinkt ein Glas Rotwein.

Mein Leben ist wie eine Welle, wo immer eines ins andere übergegangen ist.

Der neue Roman, den sie gerade korrigiert, beinhaltet viele Reiseelemente. So fließen alle Dinge, die sie gelernt und gemacht hat, ineinander. Auch die, die im ersten Moment nichts gebracht oder nirgendwohin geführt haben. "Mein Leben ist wie eine Welle, wo immer eines ins andere übergegangen ist", weiß sie heute. Die Sprechausbildung kommt bei Lesungen zugute, die Schauspielausbildung dabei, wie man sich präsentiert. Wenn man an das Schicksal glaubt, könnte man sagen, alles hat aufeinander aufgebaut.

Gerade kommt Anika aber erst einmal ihrem Traum, vom Bücherschreiben zu leben, ein Stückchen näher. Ihr neuer Roman "Mein italienischer Vater" erscheint am 10. September 2018, eine Familiengeschichte, die in Süditalien spielt, wo Anika fürs Schreiben auch viel Zeit verbracht hat. "Diese Utopie lass ich mir nicht nehmen, ich will vom Bücher schreiben leben und da werde ich auch hinkommen", weiß sie schon. Und springt einmal mehr – nur mit dem Ziel vor Augen.

Textnachweise

  • Autorin: Anja Schauberger
  • Qualitätssicherung: Barmer Internetredaktion
Webcode dieser Seite: s080016 Autor: Barmer Erstellt am: 28.06.2018 Letzte Aktualisierung am: 28.06.2018
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