Vorgesetzter und Mitarbeiter im Gespräch

Entsendung ins Ausland

Heute fast schon normal: Beschäftigte arbeiten für eine befristete Zeit im Ausland. Aber welche Auswirkungen hat die Entsendung auf die Sozialversicherung?

 

Sie möchten Mitarbeiter vorübergehend ins Ausland entsenden? Hier erfahren Sie, was dabei zu beachten ist. Grundsätzlich gilt: Wenn sich ein Arbeitnehmer auf Weisung des Arbeitgebers ins Ausland begibt, um dort eine – von Beginn an – zeitlich befristete Beschäftigung auszuüben, liegt eine Entsendung vor. Doch je nach Land gelten unterschiedliche Regelungen.

Die voraussichtliche Dauer der Entsendung darf 24 Monate nicht überschreiten und die Person darf eine andere entsandte Person nicht ablösen. Außerdem muss der Arbeitgeber gewöhnlich in Deutschland tätig sein, das heißt mindestens 25 Prozent seines Umsatzes hierzulande erwirtschaften. In diesem Fall gilt auch während der Beschäftigung im Ausland das deutsche Sozialversicherungsrecht. Eine Doppelversicherung ist ausgeschlossen.

Gelten für die Dauer der Beschäftigung weiterhin die deutschen Rechtsvorschriften, wird dies mit der sogenannten A1-Bescheinigung dokumentiert. Die BARMER stellt diese für ihre Versicherten aus. Für nicht gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer ist die Deutsche Rentenversicherung (DRV ) oder – wenn der Arbeitnehmer nicht gesetzlich krankenversichert und aufgrund seiner Mitgliedschaft bei einer berufsständischen Versorgungseinrichtung von der Rentenversicherungspflicht befreit ist – die Arbeitsgemeinschaft Berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V.  (ABV ) zuständig.

Sind hingegen die Voraussetzungen einer Entsendung nicht erfüllt, gelten für Arbeitnehmer im Rahmen des Auslandseinsatzes die Rechtsvorschriften des Beschäftigungsstaats. Wenn der Arbeitnehmer ein individuell begründetes Interesse daran hat, dass weiterhin die deutschen Rechtsvorschriften für ihn gelten, kann eine Ausnahmevereinbarung beantragt werden. Diese stellt die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA ) in Bonn aus.

Hierzu zählen etwa Länder wie China, Indien, Kanada oder die USA. Grundsätzlich ist es hier auch so: Liegen die Voraussetzungen einer Entsendung vor, gilt während der Beschäftigung im Ausland das deutsche Sozialversicherungsrecht. Letztlich muss jedoch jedes Abkommen für sich betrachtet werden. So sind z. B.  die Regelungen zur zeitlich begrenzten weiteren Anwendung der Rechtsvorschriften des Entsendestaates nicht einheitlich.

Gelten für die Dauer der Beschäftigung weiterhin die deutschen Rechtsvorschriften, wird dies mit länderspezifischen Bescheinigungen dokumentiert. Die BARMER stellt diese für ihre Versicherten aus. Für nicht gesetzlich krankenversicherte Arbeitnehmer ist – abgesehen von einigen wenigen Ländern – die Krankenkasse zuständig, an die die Rentenversicherungsbeiträge abgeführt werden.

Sind die Voraussetzungen einer Entsendung nicht erfüllt, gelten auch hier die Rechtsvorschriften des Beschäftigungsstaats. Bei begründetem Interesse des Arbeitnehmers kann hier ebenfalls eine Ausnahmevereinbarung bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA ) beantragt werden.

Bei der Entsendung in Länder, mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht, gibt es keine zeitliche Höchstdauer der Begrenzung. Liegen die Voraussetzungen einer Entsendung vor, gilt während der Beschäftigung auch in diesen Ländern das deutsche Sozialversicherungsrecht. Bei Bedarf erhalten Sie von der BARMER eine Mitteilung über die anzuwendenden Rechtsvorschriften in freier Form.

Sind die Voraussetzungen einer Entsendung nicht erfüllt, unterliegen Arbeitnehmer im Rahmen ihres Auslandseinsatzes nicht den deutschen Rechtsvorschriften. Eine bisher bestandene Sozialversicherungspflicht endet dann mit Beginn der Auslandstätigkeit. Ausnahmevereinbarungen sind nicht möglich.

Arbeitnehmer, die im Rahmen einer Entsendung im Ausland tätig sind oder sich vorübergehend auf Dienstreise befinden, haben Anspruch auf alle Leistungen der Krankenversicherung. Hierzu zählen auch die Leistungen des Arbeitgebers bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Gleiches gilt für familienversicherte Familienangehörige, soweit sie den Beschäftigten bzw. die Beschäftigte begleiten oder besuchen.

Entsandte Arbeitnehmer erhalten alle notwendigen medizinischen Leistungen grundsätzlich von ihrem Arbeitgeber. Die BARMER wiederum erstattet dem Arbeitgeber die entstandenen Kosten bis zu der Höhe, wie sie im Inland entstanden wären (maximal bis zur Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten). Hierfür benötigen wir spezifizierte und gegebenenfalls übersetzte Rechnungsunterlagen.

Zu beachten dabei: Da die Behandlung im Ausland privat erfolgt, übersteigen die Rechnungsbeträge erfahrungsgemäß fast immer die deutschen Sätze – nicht nur in hochpreisigen Ländern. Entsandte Arbeitnehmer sind jedoch von den Mehrkosten, die durch einen Auslandsaufenthalt entstehen, freizustellen. Als Arbeitgeber sollten Sie daher eine Absicherung der Restkosten über eine zusätzliche Versicherung bei einem privaten Versicherungsunternehmen prüfen.

Beschäftigte, die in der EU, dem EWR oder in der Schweiz tätig sind, können auch entscheiden, eine notwendige Leistung über die Europäische Krankenversichertenkarte, kurz EHIC , in Anspruch zu nehmen. Dies gilt für alle nach den Regeln des Aufenthaltsstaates notwendigen Leistungen, sofern diese nicht bis zur voraussichtlichen Rückkehr nach Deutschland aufgeschoben werden können. Die Kosten werden dabei direkt mit der BARMER abgerechnet. Art und Umfang der Leistungen richten sich allerdings nach den Vorschriften des jeweiligen Landes und können erheblich vom deutschen Leistungsspektrum abweichen. Auch die landestypischen Eigenanteile können deutlich höher sein als die hier üblichen. Gegebenenfalls besteht ein ergänzender Kostenübernahmeanspruch gegenüber dem Arbeitgeber.

In ähnlicher Weise besteht bei Entsendung in Staaten mit bilateralem Sozialversicherungsabkommen die Möglichkeit, dass Arbeitnehmer nach den Regeln des Aufenthaltsstaates sofort notwendige Akut- oder Notfallbehandlungen über länderspezifische „Auslandskrankenscheine“ (Bosnien-Herzegowina, Tunesien und Türkei) oder die EHIC (Mazedonien, Montenegro, Serbien) in Anspruch nehmen.

Die Akzeptanz von EHIC oder Auslandskrankenschein ist allerdings nicht immer gegeben. Es kann passieren, dass notwendige Behandlungen nur als Privatbehandlung gegen entsprechende Rechnung vorgenommen werden.

Sie suchen weitere Informationen oder benötigen eine individuelle Beratung? Wir helfen Ihnen gern weiter. Kontaktieren Sie uns telefonisch oder per E-Mail

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Webcode dieser Seite: f000823 Autor: Barmer Erstellt am: 02.07.2018 Letzte Aktualisierung am: 02.07.2018
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