Beendigung eines Ausbildungsverhältnisses

Mit Ablauf der Ausbildungszeit, Bestehen der Prüfung oder bei Kündigung gilt die Ausbildung als beendet. Unter bestimmten Umständen hat ein gekündigter Azubi Anspruch auf Schadenersatz. In jedem Fall steht ihm ein Zeugnis zu.

Blonde Frau sitzt grübelnd über einer Akte im Büro.

Das Ausbildungsverhältnis endet grundsätzlich mit Ablauf der Ausbildungszeit. Besteht die/der Auszubildende die Abschlussprüfung früher, dann endet das Ausbildungsverhältnis mit der Bekanntgabe des Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss. Fällt sie/er dagegen durch, so darf die Prüfung wiederholt werden. Der Arbeitgeber muss auf Verlangen des Azubis das Ausbildungsverhältnis bis zur Wiederholungsprüfung, höchstens aber um ein Jahr, verlängern (§ 21 BBiG).

Hinweis: Bei Ausbildungsende ist vom Arbeitgeber eine Abmeldung an die Datenannahmestelle der zuständigen Krankenkasse zu übermitteln.

Details zum Thema Beendigung:

Generell können sich beide Parteien jederzeit einvernehmlich darauf einigen, die Ausbildung durch Abschluss eines Aufhebungsvertrages zu beenden. Während der Probezeit brauchen weder Azubi noch Arbeitgeber einen Grund zu nennen, wenn sie das Ausbildungsverhältnis auflösen wollen. Nach der Probezeit kann unter folgenden Bedingungen (schriftlich) gekündigt werden:

  • vom Azubi mit einer vierwöchigen Kündigungsfrist, wenn sie/er die Ausbildung aufgeben beziehungsweise in einem anderen Beruf ausgebildet werden will,
  • von beiden Parteien ohne Kündigungsfrist, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (vergleiche § 22 BBiG).

Wichtiger Grund

Bei der Definition eines "wichtigen Grundes" für die Kündigung eines Berufsausbildungsverhältnisses kann nicht von den Maßstäben ausgegangen werden, die bei einem Arbeitsverhältnis eines erwachsenen Beschäftigten anzulegen sind. Bei der Bewertung ist die Jugendlichkeit und der Entwicklungsprozess der/des Auszubildenden ebenso zu berücksichtigen wie die Verpflichtung des Ausbildenden, den jungen Menschen charakterlich zu fördern.

Als "wichtiger Grund" sind bei Auszubildenden in der Regel nur solche Umstände geeignet, die bei objektiver Vorausschau ein Erreichen des Ausbildungszieles erheblich gefährden oder nicht mehr erreichbar erscheinen lassen. Bei der Abwägung der Interessen der/des Auszubildenden einerseits und des Ausbildenden andererseits gilt außerdem der Grundsatz: je "älter" das Berufsausbildungsverhältnis, desto "wichtiger" muss der Grund sein.

Außerdem muss der Kündigungsgrund in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Berufsausbildungsverhältnis stehen (dieser Grundsatz gilt auch bei Straftaten). Alle dem Ausbildenden zur Verfügung stehenden und zumutbaren Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Verhalten des Azubis müssen ausgeschöpft worden sein.

Schadenersatzansprüche

Die/der Auszubildende hat Anspruch auf Schadenersatz, wenn sie/er aus Gründen, die allein der Arbeitgeber zu vertreten hat (zum Beispiel wenn nach der Kündigung des einzigen Ausbilders kein weiterer mehr zur Verfügung steht) notgedrungen den Betrieb verlassen muss.

Nach Ausbildungsende steht dem Azubi ein Zeugnis zu. Dieses muss über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie erworbene Fertigkeiten und Kenntnisse Auskunft geben. Auf Verlangen der/des Auszubildenden sind darüber hinaus Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.

Webcode dieser Seite: f000072 Autor: Barmer Erstellt am: 25.10.2013 Letzte Aktualisierung am: 08.05.2017
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