Krankheiten von A-Z Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Bei einer Unterfunktion bildet die Schilddrüse zu wenige oder keine Schilddrüsenhormone. Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen laufen alle Stoffwechselvorgänge verlangsamt ab.
Hier lesen Sie:
- Was ist die Schilddrüse und was versteht man unter einer Hypothyreose?
- Was sind die Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion?
- Wie äußert sich eine Schilddrüsenunterfunktion?
- Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?
- Wie wird eine Hypothyreose behandelt?
- Was müssen Patienten beachten?
- Impressum
Was ist die Schilddrüse und was versteht man unter einer Hypothyreose?
Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist eine hormonproduzierende Drüse, die aus zwei länglich-ovalen Schilddrüsen-Lappen und einer verbindenden Querstruktur, dem Isthmus, besteht. Sie liegt am Hals vor dem Schildknorpel des Kehlkopfes. Normalerweise ist sie wegen der davor liegenden Muskeln nicht zu sehen und nur beim Schlucken tastbar, weil sie sich dann nach oben schiebt. Ist sie vergrößert, spricht man von einer Struma (Kropf).
Die Schilddrüse produziert die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Gesteuert wird dieser Prozess durch den Hypothalamus sowie durch die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die das sogenannte Thyreoidea-stimulierende-Hormon (TSH) freisetzt.
Werden mehr Schilddrüsenhormone hergestellt als der Körper braucht, nennt man dies eine Überfunktion (Hyperthyreose). Im Gegensatz dazu ist bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) zu wenig Schilddrüsenhormon im Blut. Frauen sind von einer Unterfunktion der Schilddrüse wesentlich häufiger betroffen als Männer. Den Normalzustand bezeichnet der Arzt als Euthyreose.
Was sind die Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion?
Eine Hypothyreose kann verschiedene Ursachen haben. Entsprechend dem Regelkreis der Schilddrüsenhormon-Produktion unterscheidet man drei Formen:
- Primäre Form: Hier liegt die Ursache in der Schilddrüse selbst. Diese Form ist die häufigste. Sie tritt nach Schilddrüsenoperationen, Radiojodtherapie, durch verschiedene Medikamente, Jodmangel oder als Autoimmunerkrankung Typ Morbus Hashimoto auf.
- Sekundäre Form: Die Ursache liegt in der Hirnanhangsdrüse, die das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) produziert, das wiederum in der Schilddrüse die Hormonproduktion induziert. Meist sind Tumoren im Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse Auslöser einer sekundären Unterfunktion.
- Tertiäre Form: Hier liegt die Störung im Hypothalamus. Diese Form ist selten.
Des Weiteren wird zwischen angeborener und erworbener Form der Schilddrüsenunterfunktion unterschieden:
Angeborene Form
Eines von 5.000 Neugeborenen leidet an einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion. Die vollständige Ausprägung der Erkrankung ist durch die Routineuntersuchung aller Neugeborenen auf Hypothyreose am fünften Tag nach der Geburt sehr selten geworden.
Typisch sind eine verminderte Aktivität und Bewegungsarmut der Neugeborenen, Trinkschwäche, eine vergrößerte Zunge, ein hohes Geburtsgewicht und eine gelbe Haut. Wird die Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, kommt es zu einer verzögerten körperlichen und geistigen Entwicklung. Man spricht dann von Kretinismus. Bei rechtzeitiger Diagnose lassen sich die fehlenden Hormone von außen zuführen, so dass sich das Kind normal entwickeln kann.
Ursachen für die angeborene Form sind:
- das Fehlen der Schilddrüse,
- Hormonbildungsstörungen,
Schädigung der kindlichen Schilddrüse während der Schwangerschaft (beispielsweise durch Hormonmangel, Hormonüberschuss, Radiojodtherapie).
Die Schilddrüsenhormonunterversorgung setzt entweder schon während der Schwangerschaft ein oder beginnt direkt nach der Geburt. Die angeborenen Störungen können sich auch erst in den folgenden Jahren oder im Erwachsenenalter bemerkbar machen.
Erworbene Form
Die im Laufe des Lebens erworbene Schilddrüsenunterfunktion kann mehrere Ursachen haben. So entsteht eine Hypothyreose häufig als Folge einer Schilddrüsenentzündung. Dabei werden verschiedene Formen unterschieden:
Hashimoto Thyreoiditis
Diese Autoimmunerkrankung der Schilddrüse ist die häufigste Ursache der Hypothyreose. Dabei hält der Körper die eigene Schilddrüse fälschlicherweise für einen Fremdkörper. Infolgedessen produziert er Antikörper gegen das Gewebe, wodurch er die Schilddrüse im Laufe einer chronischen Entzündung langsam zerstört. Betroffen sind vor allem Frauen nach dem 40. Lebensjahr. Die Erkrankung verläuft in der Regel harmlos. Die Unterfunktion der Schilddrüse muss vom Arzt behandelt werden.
Fibrosierende Thyreoiditis
Diese Entzündungsform ist ebenfalls eine immunologische Erkrankung. Die Schilddrüse ist hart, asymmetrisch vergrößert und verschiebt sich nicht beim Schlucken. Ein Drittel dieser Entzündungen führt zu einer Hypothyreose.
Postpartale Thyreoiditis
Bei dieser Sonderform der Schilddrüsenentzündung kommt es im Anschluss an die Geburt (post partum) bei der Mutter zu einer immunologischen Reaktion, die nach einer vorübergehenden Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) in eine Schilddrüsenunterfunktion mündet. Sie heilt im Allgemeinen nach etwa acht Monaten wieder aus.
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sich auch in der Folge einer medizinischen Intervention entwickeln, die meist aufgrund einer Überfunktion der Schilddrüse durchgeführt werden musste. Zum Beispiel:
- nach einer Schilddrüsenoperation,
- nach einer Radiojodtherapie,
- durch zu hoch dosierte Medikamente, die die Hormonproduktion in der Schilddrüse hemmen (Thyreostatika).
Wie äußert sich eine Schilddrüsenunterfunktion?
Die Hypothyreose ist gekennzeichnet durch eine unzureichende Versorgung der Körperzellen mit Schilddrüsenhormonen. Schilddrüsenhormone sind für fast alle Stoffwechselfunktionen des Körpers wichtig. Die Beschwerden hängen vom Schweregrad, der Dauer des Hormonmangels, vom Alter bei Krankheitsbeginn und von Begleiterkrankungen ab. Nicht jeder muss alle Symptome entwickeln.
Schilddrüsenhormone sind für fast alle Stoffwechselfunktionen des Körpers wichtig. Welche Beschwerden sich wie stark zeigen, hängt von der Ausprägung des hormonellen Defizits ab.
Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann sich mit typischen Merkmalen zeigen:
- Kälteempfindlichkeit,
- Müdigkeit, verstärktes Schlafbedürfnis,
- verminderte Leistungsfähigkeit,
- Gewichtszunahme,
- Verstopfung,
- trockene, schuppende gelbliche und kühle Haut,
heisere und tiefe Stimme, langsame oft verwaschene Sprache,
- dünner werdendes Haar,
- Gedächtnisstörung,
- Lidödeme, also Flüssigkeitseinlagerungen an den Augenlidern,
- Störungen der Monatsblutung bei Frauen,
- Verminderung des sexuellen Lustempfindens,
- depressive Stimmungslage,
- frühzeitige Arteriosklerose aufgrund gesteigerter Blutfette,
- verlangsamter Herzschlag (Bradykardie).
Bei älteren Menschen sind eine verminderte Leistungsfähigkeit und eine Kälteempfindlichkeit oft die einzigen Symptome. Das führt dazu, dass die Schilddrüsenunterfunktion leicht mit allgemeinen altersbedingten Veränderungen verwechselt wird.
Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?
Meist erhält der Arzt schon durch die Schilderung der Beschwerden erste Hinweise auf die Erkrankung. Um die Diagnose zu sichern, die Ursache festzustellen und den Weg für die weitere Therapie zu weisen, werden folgende Diagnosemethoden eingesetzt:
Blutuntersuchung
Der Arzt bestimmt die Konzentration des Thyreoidea-stimulierenden-Hormons der Hypophyse sowie der Schilddrüsenhormone im Blut (T3, T4). Außerdem ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion meist das Cholesterin im Blut erhöht. Bei Schilddrüsenentzündungen lassen sich häufig bestimmte Antikörper gegen körpereigenes Gewebe im Blut nachweisen.
Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse
Mit Hilfe des Ultraschalls werden die Größe und die Struktur der Schilddrüse beurteilt, die bei einer Hypothyreose nicht selten verkleinert ist und Unregelmäßigkeiten im Gewebe aufweist. Mit besonderen Verfahren (Farbdoppler) kann die Durchblutung der Schilddrüse oder einzelner Knoten beurteilt werden. Bei einer Feinnadelpunktion (Anstechen mit einer Kanüle) werden kleine Gewebeproben der Schilddrüse für eine mikroskopische Untersuchung entnommen. Bei der häufigsten Ursache der Hypothyreose, der Autoimmunthyreoditis Hashimoto, ist das in aller Regel nicht notwendig.
Schilddrüsenszintigrafie
Bei einer Szintigrafie wird die Funktion des Organs kontrolliert, in dem die Jodanreicherung in der Schilddrüse gemessen wird. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Meist wird Technecium (Tc) verwendet, das sich in der Schilddrüse wie das zur Hormonproduktion notwendige Jod verhält. Da gesundes und krankes Gewebe die Substanz unterschiedlich stark aufnehmen, lassen sich so Gebiete gesteigerter Hormonproduktion (heiße Knoten) von solchen mit normaler, niedriger oder gar fehlender Produktion (kalte Knoten) unterscheiden.
Wie wird eine Hypothyreose behandelt?
Die Schilddrüsenunterfunktion wird durch den Ersatz des fehlenden Hormons, also mit künstlichem Schilddrüsenhormon (Levothyroxin, L-T4) behandelt. Man beginnt die Therapie mit einer niedrigen Dosis, erhöht sie stufenweise, bis die gewünschte Dosis erreicht ist. Der Grund für diese einschleichende Therapie: Bei zu hoher und zu schneller Verabreichung des Schilddrüsenhormons können vor allem Herzrhythmusstörungen und Angina pectoris-Anfälle auftreten.
Die Schilddrüsenwerte werden regelmäßig kontrolliert. Auch wenn die angestrebte Dosis gefunden ist, sollte man sich sein Leben lang einmal jährlich untersuchen lassen. Oftmals ist im Laufe der Erkrankung eine kontinuierliche Erhöhung der Hormondosis notwendig.
Levothyroxin hat bei korrekter Dosierung und Einnahme so gut wie keine Nebenwirkungen, da nur das fehlende körpereigene Hormon ersetzt wird. Bei einer überhöhten Dosis können Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Unruhe und Nervosität, Durchfall und Gewichtsverlust auftreten.
Was müssen Patienten beachten?
Gesunden wird die Zufuhr von Jod empfohlen, beispielsweise durch Verwendung von jodiertem Speisesalz, um der Bildung eines Kropfes vorzubeugen. Für Patienten, die unter einer Schilddrüsenunterfunktion in Folge einer Hashimoto-Thyreoiditis leiden, gilt dagegen, Jod in hohen Konzentrationen zu meiden. Es gibt Hinweise dafür, dass hohe Jodzufuhr den Zerstörungsprozess der Schilddrüse beschleunigen kann. Daher wird der Arzt zur Behandlung Hormonpräparate ohne zusätzliches Jod auswählen.
Impressum
Copyright: Sanvartis GmbH
Letzte Aktualisierung: Dezember 2009
Durch: Dr. med. Vincenzo Bluni (Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe)
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